Jon Fosses Bearbeitung von "Faust" im republic bleibt Goethes Originaltext stark verpflichtet, verzichtet allerdings auf die Versform und hat Textpassagen auch gestrichen und umgestellt
Salzburg - Zu Nicolas Stermanns Marathoninszenierung von Faust I und II auf der Pernerinsel in Hallein bieten die Salzburger Festspiele heuer in der Reihe "Auf eigene Faust" zusätzlich Stoff zur Auseinandersetzung mit Goethes Tragödie. So wurde im republic die Faust-Bearbeitung des norwegischen Dramatikers Jon Fosse in der Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel, allerdings nur in Auszügen, aufgeführt.
Zu sehen war mehr ein "Best of Faust I" in sieben Szenen - beginnend mit der "Nacht" und endend im "Gefängnis" -, dargestellt von den Schauspielern Patrycia Ziolkowska (Gretchen) und Sebastian Rudolph (Faust), die heuer in Stermanns Mammutprojekt glänzen. Die Szenen hat der norwegische Regisseur Eirik Stubo mit ihnen einstudiert. Den Mephisto mimte Fabian Hinrichs.
Fosse bleibt Goethes Originaltext stark verpflichtet, er verzichtet allerdings auf die Versform und hat Textpassagen auch gestrichen und umgestellt. Dadurch erzeugt er eine ungewöhnliche Verdichtung der zwischenmenschlichen Beziehungen. Mephisto, der mit sanfter Stimme spricht, entpuppt sich hier mehr als Kumpel, der Fausts Weltschmerz durchaus nachvollziehen kann.
Für die Schauspieler war das Umschalten vom Marathon-Faust in Hallein auf Fosses Interpretation kein leichtes Unterfangen. "Es war schwierig, Fosses Text neu erfahrbar zu machen, sich auf die Prosaform umzustellen", gab denn auch Rudolph im anschließenden Gespräch vor Publikum zu. Er habe zudem auch nicht interpretatorisch eingreifen wollen.
Fosses Sprache eröffne einen neuen Spielraum sowie einen anderen Rhythmus, sagte Ziolkowska: "Ich musste aber aufpassen, dass ich nicht in einen Parallelrhythmus komme, zumal Goethes Faust auch hitziger, emotionaler daherkommt." Fosses Szenen wurden von den Schauspielern, die mit spärlichen Requisiten auskommen mussten, vorwiegend vom Skript gelesen. Trotzdem erzeugte das kleine Ensemble streckenweise beklemmende Intensität.
Jon Fosses Faust-Abenteuer ohne Verse ist durchaus gelungen. Es drängt sich aber weniger ein vergleich mit Goethe auf als vielmehr mit der poetischen Diktion seiner eigenen Werke, in denen es oft um tragische Familienkonstellationen zwischen Schuld und Tod geht. Sein Faust-Drama wird übrigens in der Inszenierung von Eirik Stubo im Februar 2012 am Stadttheater Stockholm uraufgeführt. (Christian Weingartner, DER STANDARD/Printausgabe 8.8.2011)