Die EU in der Komplexitätsfalle

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Gibt es ein Entkommen aus der Eurokrise? Zukunftserwartungen bestimmen wesentlich die Entwicklung mit - Von John L. Casti

Zukunftserwartungen bestimmen wesentlich die Entwicklung mit - und je komplexer ein System wird, umso eher gerät es in Gefahr zu scheitern.

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Politische Kommentatoren, Kolumnisten, Finanzexperten und andere Visionäre und Träumer zeigen kollektiv mit dem Finger auf eine Vielfalt von Gründen für das finanzielle Schlamassel, aus dem sich die Europäische Union im Moment herauszuziehen versucht. Die mutmaßlich Schuldigen sind demnach die Bequemlichkeit der Griechen, die Habgier der Banken, die Unersättlichkeit der Immobilienhaie, die Gedankenlosigkeit der Bürokraten in Brüssel sowie die Inkompetenz der Politiker aller Lager. Doch mit solchen "Erklärungen" verhält es sich wie mit Ärzten, die Symptome anstelle der Ursache einer Krankheit bekämpften.

Denn die Ursache für die Krise der EU liegt viel tiefer. Die Causa Causorum liegt nämlich in zwei tief im Sozialverhalten der Menschen verankerten Faktoren, in der kollektiven psychologischen Erwartung, die eine Gruppe von ihrer Zukunft hat, und der Tatsache, dass die immer größer werdende Kluft in der Komplexität zwischen interaktiven menschlichen Systemen fast zwanghaft durch eine "Schocktherapie" - meist in Form eines "extremen" Ereignisses - wieder ins Gleichgewicht gebracht werden kann.

Umfassendes empirisches Beweismaterial unterstützt die Behauptung, dass die Erwartungshaltung einer Gruppe, die ihrer Zukunft optimistisch entgegenblickt (positive "soziale Stimmung"), einen starken Einfluss auf die Art der kollektiven Ereignisse hat, die sich aus dieser Gruppe entwickeln. Wenn die Stimmung positiv ist, können wir Ereignisse erwarten, die in der Alltagssprache als "verbindend", "erfreulich", "global" etc. bezeichnet werden. Wenn die soziale Stimmung ins Negative umschlägt, erleben wir meist das Gegenteil, Ereignisse, die als "trennend", "unerfreulich" und/oder "lokal" charakterisiert werden.

Die Entstehung der EU kann sicherlich als "verbindendes, globalisierendes" Ereignis gesehen werden. Trotz einiger Rückschläge bei der Zustimmung zur Verfassung der EU in den Jahren 2005-2008 (übrigens eine Zeit kurzfristiger negativer sozialer Stimmung) zeigt der geschichtliche Verlauf der EU seither eher eine Tendenz nach oben - bis jetzt!

Indem die langfristige soziale Stimmung im Westen vom Positiven ins Negative umschlägt, wie anfangs in den USA und nun auch in Europa, verstärkt sich der Trend in Richtung "Trennung", "Ablehnung". Dieser Umbruch manifestiert sich in Ereignissen, die von der Weigerung wohlhabenderer EU-Staaten, die Finanzen der schwächeren Staaten zu stützen, bis hin zur Wiedereinführung von Grenzkontrollen, um dem Ansturm unerwünschter Wirtschaftsflüchtlinge Einhalt zu gebieten, reichen.

Der Weg zum Kollaps

Die Frage ist, wie lange es dauern wird, bis diese absteigende Tendenz ihren Tiefpunkt erreicht. Da der Aufschwung drei Jahrzehnte gedauert hat, ist nicht zu erwarten, dass sich die negative Stimmung in unmittelbarer Zukunft wieder verflüchtigen wird. Fraglich ist nur, ob die Stimmung noch umschlägt, bevor die EU unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbricht. Diese Überlegungen führen uns zur zweiten Ursache der EU-Misere, nämlich zur Diskrepanz in der Komplexität der Systeme.

Wenn sich Organisationen - und besonders Staaten - mit Problemen konfrontiert sehen, werden diese gewöhnlich durch Steigerung der Komplexität der jeweiligen Organisation gelöst. Wenn sich die Probleme häufen, dann steigert sich die Bürokratie bis zu dem Punkt, an dem alle Ressourcen einer Organisation aufgebraucht werden, nur um ihre gegenwärtige Struktur aufrechtzuerhalten. Wenn das nächste Problem auftritt, läuft das Fass über, und die Organisation bricht in sich zusammen.

Um dieses Prinzip im Zusammenhang mit der EU zu veranschaulichen, denke man an die Mitgliedsstaaten der Eurozone als ein mit der übrigen Weltwirtschaft in Wechselwirkung stehendes System. Wären die Länder nicht in der Eurozone, hätten sie viele Optionen zur Verfügung, um eine Zeit wirtschaftlicher Veränderungen zu bewältigen. Sie könnten zum Beispiel ihre eigenen Währungsprobleme regeln, ihre Zinsen anheben oder senken, Zölle einheben usw. Kurz gesagt hätten sie, gemessen am Grad ihrer wirtschaftlichen Handlungsfreiheit, eine hohe Komplexität. Dieser Grad an Komplexität wäre dann mehr oder weniger auf demselben Niveau wie der der Wirtschaftsmächte außerhalb der Eurozone.

Jedoch ist der Grad der Komplexität in den Ländern der Eurozone stark eingeschränkt, da kein Land einseitig agieren kann, sondern sich jedes Land dem Diktat der Europäischen Zentralbank fügen muss. Also entsteht eine Diskrepanz zwischen der hohen Komplexität des einen Systems (der Welt) und der niedrigen Komplexität des anderen (der Mitgliedsstaaten der Eurozone). Anleihen von den wohlhabenderen Ländern der Eurozone und Bemühungen der EZB, diese Diskrepanz in der Komplexität zu überbrücken, werden ziemlich sicher dazu führen, dass "dem schlechten Geld gutes hinterhergeworfen wird", eine Lösung des Problems, die gemäß der menschlichen Natur ihrem natürlichen Verlauf überlassen wird, dem Verlauf zum Extremfall, zum Zusammenbruch des Euro.

Hätte die Kluft ohne Zusammenbruch des Euro überbrückt werden können? Vielleicht. Aber nur, wenn die EU einen politisch unpopulären, aber notwendigen "Treffer" gelandet hätte, als die Schuldenkrise entstand, statt zu versuchen, sich den Weg aus einem Problem herauszukaufen, das mit Geld nicht zu regeln ist. Nun ist es dafür viel zu spät. Die einzige offene Frage ist noch, ob sich die EU - analog zum Euro - schließlich selbst als Experiment erweisen wird, das zwar gut gemeint, aber im Endeffekt ein Fehlschlag war. (John L. Casti, Übersetzung: Ingrid Teply-Baubinder, DER STANDARD, Printausgabe, 8.8.2011)

JOHN L. CASTI ist Wissenschafter am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse in Laxenburg bei Wien und Gründer des Kenos Circle, einer Gesellschaft für Zukunftsforschung mit Sitz in Wien.

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entscheidend ist wohl

die "Kluft in der Komplexität", allerdings nur unter Beachtung der "psychologischen Erwartung".

ach ja, das ist eine besonders schöne Erscheinungsform von Komplexität. In Verbindung mit einem entsprechendem Ausmaß an 'psychologischer Erwartung' kann daraus ein ausserordentliches Ereignis werden.

wenn man lange genug

denn untergang der eu herbeibetet, wird er auch kommen.
denn der glaube versetzt berge.

die frage ist: was muss getan werden um europa einiger und stärker zu machen.

Der Artikel enthält sicher eine eindeutige Aussage, eine Einschätzung bzw. hat einen Sinn. Ich bin mir ganz sicher und kann allen, die meinen, es handle sich dabei um ein konfuse Ansammlung von schlecht formulierten enigmatischen Botschaften nur sagen, dass sie wohl an der Bewältigung der Komplexität der behandelten Punkte gescheitert sind.

Was ist die EU?

Das "Friedensprojekt" aus den Sonntagsreden, oder der knallharte Raubtierkapitalismus aus dem Lissabon-Vertrag?

"Es gibt kein richtiges Leben im falschen" oder
"Es gibt keine Kooperation im Wettbewerb"

Die Realität der EU ist:
* Zerstörung der sozialen Sicherungssysteme (totale Privatisierung)
* totale Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt (offener Existenzkampf)
* totale Anarchie auf den "freien" Finanzmärkten (die Banklobbyisten schreiben sich ihre Gesetze selbst)

Stichwort Komplexität:
* Wer kennt alle 736 EU-Parlamentarier und weiß wofür sie stehen?

Stichwort Demokratie:
* Das EU-Parlament ist ohnehin egal, weil sich jetzt zeigt, wer wirklich entscheidet: Merkl, Sarkozy und Josef Ackermann (Deutsche Bank), den niemand gewählt hat.

Kennen Sie alle Abgeordneten des österreichischen Nationalrates und wissen, "wofür sie stehen"?

Eben.

Ich kenne zumindest ...

... alle österr. Parlamentsparteien, deren Programm und die Machtverhältnisse.

Aber was wollen Sie damit sagen?
Ist das noch Demokratie, wenn die BürgerInnen nicht mal wissen, wen sie wählen?

Wer hindert Sie daran die europäischen Parteiprogramme zu lesen? Die Machtverhältnisse können sie sehr gut auf votewatch.eu verfolgen.

Wenn Sie etwas gegen das Demokratiedefizit der EU tun wollen, warum fangen Sie nicht bei sich selber an und informieren sich einmal ordentlich ueber diese Dinge wo sie Informationsdefizite zu haben scheinen?

Es geht nicht darum ...

... was jemand theoretisch könnte, sondern darum wie Entscheidungen zustande kommen.

Das ist der Umfang einer Dissertation!

Ein Pyramidenspiel wie die jetzige EU...

ist nur für die "komplex", die einem einreden wollen, dass wir es um jeden Preis fortsetzen müssen.

Haben Sie den Artikel gelesen oder gar verstanden? Ihr Kommentar scheint nicht darauf zu schließen.

wenn ich die Sache hingegen mit Occams Schneidewerkzeug bearbeite, ergibt sich einfach dass man nicht auf Dauer und strukturell mehr Geld ausgeben kann als man einnimmt, ohne dass nicht mal der Zeitpunkt kommt wo einem das alles um die Ohren fliegt.

Eine Organisation

die den Menschen vorschreiben will welche Leuchtmittel sie im Wohnzimmer verwenden sollen oder wie der Krümmungsradius der Banane beschaffen sein muss ist von Vornherein zum Scheitern verurteilt! Die Akzeptanz muss verdient werden. Eine wirtschaftliche Basis geschaffen werden und kontinentale Ziele definiert werden. Sich im Kleinkram der Bürger zu verstricken lässt ahnen wie bescheiden die Kompetenzen solch einer Organisationsform in Wahrheit sind! Ich bereite meine Kinder doch auch nicht auf ihr Leben als Erwachsene vor indem ich die Farbe der Socken vorgebe oder Form der Badeseife vorschreibe?

Dann ist die Schweiz auch zum Scheitern verurteilt. Oder Australien. Beide Länder verbannen konventionelle Glühbirnen. Und Waren-Klassen gab es zuvor auch schon in allen Ländern.
Also warum kann die Schweiz ein Glühbirnenverbot überleben, die EU aber nicht?

Nicht jede Entscheidung auf EU-Ebene ist sinnvoll. Aber wer sich über Banen-Krümmung-Normen (die es in dieser Form zwar garnicht gibt, aber egal) aufregt, macht meiner Ansicht nach nur Vorurteilen Luft, da es solche ähnlichen Normen in den Einzelstaaten auch schon gab. Die österreichische "Gurkenkrümmungsnorm" ist beispielsweise viel älter als die EU-Gürkenkrummungsnorm.

@ EU-Diktatur

Auch wenn mein Vorposter die Bananen mit den Gurken verwechselt hat, ist es doch so, dass die EU Vorschriften im Interesse von Banken und Konzerne durchsetzt, zum Schaden der BürgerInnen.

* Der "freie" Warenverkehr
fördert die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer (auch außerhalb der EU)
* Der "freie" Kapitalverkehr
ermöglicht Steuerumgehung und Geldwäsche.
* Die "freie" Dienstleistungs- und Personenverkehr
fördert die Umgehung der Sozialversicherungssysteme und das organisierte Verbrechen (z.B. Müllentsorgung). Damit begründet die EU den totalen Überwachungsstaat (u.a. Dataretention, INDECT ...).

Die EU will eine dynamische Wirtschaft und Wettbewerb.
Die Menschen wollen Planbarkeit und soziale Sicherheit.

Das hat alles nichts mit der EU zu tun. Ich kann mich noch gut an Vor-EU-Zeiten erinnern, als österreichische Betriebe in irgendwelche Billiglohnländer abgewandert sind. Ja, es geht jetzt leichter. Aber umgekehrt geht es auch leichter etwas zu verkaufen.

Wenn wir in Europa soziale Sicherheit wollen, dann kommen wir ohn EU nicht aus - so blöd das vielleicht klingt. Wenn wir gemeinsame Mindeststandards durchsetzen, lässt sich auch der gegenseitige Druck reduzieren. Die Politiker müssten es sich einfach nur trauen.

Sie wissen ganz ganau ...

... dass die 4 neoliberalen "Freiheiten" und der menschenverachtende "Wettbewerb" in den EU-Verträgen festgeschrieben sind.

Natürlich würde eine andere EU viele Möglichkeiten bieten, aber wir haben eben leider diese EU und da regiert die Korruption.

Möglichkeiten zur Veränderung sehe ich keine, dafür fehlen direkt demokratische Werkzeuge.

Und kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit der Europ. Bürgerinitiative.
http://www.heise.de/tp/artike... 199/1.html

Welche Bank oder welcher Konzern bitte schön hatte an der REACH Richtlinie auch nur irgendwie ein Interesse (außer das Interesse diese zu verhindern)?

Ich bin ganz Ohr.

@ Glühlampen

Ja es wäre sinnvoll auf Glühlampen zu verzichten, wenn ein besseres Leuchtmittel zu Verfügung stünde, dessen Verwendung im allgemeinen Interesse läge. (z.B. AKW-Ausstieg)

Tatsächlich haben aber die Lobbyisten von Osram & Co. nur durchgesetzt, dass sie ihre Fehlentwicklung (die Quecksilber enthält und schnell an Leuchtkraft verliert) abgesetzt wird, bevor sich die Nachfolge-Technologie LED durchsetzen konnte.

Ähnliches geschieht gerade mit dem
* Smart-Meter (dem "intelligenten" Stromzähler) der KonsumentInnen ausspioniert und Steuer-Milliarden für neue Stromnetze frei machen soll.

Ich finde die "Sparlampen" nicht so schlecht. Meiner Ansicht nach helfen sie den LED-Lampen sogar. Aus einem einfachen Grund: Auch die Sparlampen sind relativ teuer. Gegen normale Glühlampen hätten die noch teureren LED-Lampen keine Chance. Gegen die Sparlampen jedoch schon. Wie Du sagst: LED ist Nachfolgetechnologie.

Dem Gedanken kann ich leider nicht folgen.

Fragwürdige Begriffsbildung und Halbwahrheiten.

In einem System, in dem (Staats-) Schulden

nie und nimmer zurückgezahlt werden können, und bestenfalls die Zinsen dafür bedient werden können, wenn ausreichendes Wachstum da ist, ist das Ende absehbar.

Unendliches - ewiges - Wachstum gibt es nicht.

Die Frage ist daher nicht ob, sondern wie das System kollabiert.

Mit verschiedenen "Einzelmaßnahmen" lässt sich der System-Zerfall möglicherweise noch etwas rauszögern. Aber der Absturz ist systemimmanent - genauso wie jeder Mensch sterben muss, auch wenn wir alle auf ein ewiges Leben hoffen.

Klar, diese Überlegungen klingen unsympathisch, treffen die Menschen, machen Angst - sie sind aber richtig und unumstößlich, auch wenn uns Gurus, Politiker und Scharlatane anderes weismachen wollen.

Herr Casti uebersieht, dass die EU nicht nur ein paar der alten Möglichkeiten reduziert sondern auch neue ermöglicht, die es außerhalb nicht in dieser Form gibt.

Weiters geht er nicht darauf ein, weshalb die Krisenländer ohne EU oder Euro soviel besser dastehen sollten. Deren größtes Problem ist, dass die Märkte horrende Zinsen verlangen. Weder eigene Leitzinsen noch Währungskursabwertungen wuerden dieses Problem auch nur irgendwie lösen.

ewiggestrig

Diese ewiggestrige EU gibt es noch immer?

Sagt ein Ewiggestriger

Weil kein demokratisch legitimierter Durchgriff möglich war, schuf man Förderbürokratien und erlag der Illusion, dass über solche parademokratische Parallelstrukturen -

der Instrumentalisierung (neuer) lokaler Verwaltungsabteilungen und lokaler Manager zur Fondsverwaltung unter Brüsseler Kuratel - Wachstum und so Wohlstand erzwingbar wäre. Gebietskörperschaften wurden gezwungen, über die Kofinanzierung ihre Mittel in diese Fonds umzuleiten. Ergebnis: de facto machtlose, aber gewählte Landespolitiker, ein frusterzeugendes Kompetenzwirrwarr bis auf die Gemeindeebene, wo Regionalmanager an vermeintlich sturen, nicht über Gemeinegrenzen hinweg denkenden Bürgermeistern verzweifeln, während jenen das in den EU-Fonds geparkte Geld in der Kassa fehlt. Parallele Bürokratien (alte Beamte, neue EU-Dienstzettler), EU-Staaten setzten sich selbst schachmatt. Ein Technokratiescheitern par excellence.

der author argumentiert prinzipiell mit ...

... der klassischen aussage 'small is beautiful' und ignoriert die tatsache, dass in einer globalisierten welt die komplexität der systeme längst über die ressourcen eines einzelstaates hinausgewachsen ist.
einzelstaaten mit eigener währungshoheit hätten dieselben probleme nur nicht die kapazitäten und d. wirtschaftliche stärke der euro-zone.
der logik des authors zufolge, dürfte gb keinerlei währungs/schuldenprobleme haben - hat es aber.
das mantr 'wie schön ist's auf meiner kleinen insel' funktioniert nicht, wenn der rest der welt sich nicht um deren grenzen kümmert.
menschen haben sich immer zu grösseren organisationen zusammengefunden um herausforderungen zu begegnen - sonst lebten wir immer noch als stammeskultur!

stark ausgeprägter kassandrakomplex

leider nur leere feststellungen, keine schlussfolgerungen

"Die EU" wird nie eine positive soziale Stimmung schaffen.

Sobald Sarkozy als selbsternannter Euroretter "die Pappn aufmacht", wendet sich Resteuropa angewidert ab. Wärmend wirkt das höchstens auf einen Teil der Franzosen. Sobald ich mit dem Englischradebrechen eines baltischen oder sonstigen EU-Vorsitzführenden konfrontiert werde, schalte ich genervt um. Das Wohlfühlen entsteht nun mal innerhalb Deutschlands, Österreichs, Frankreichs, Italiens. Innerhalb der Grenzen wird den PolitikerInnen Handlungsraum zugestanden, ja Tatkraft erwartet. Darüber hinweg reicht schon eine Wortäußerung für Ablehnung: "du hast uns nix zu sagen, spiel dich wo anders auf." Das ist deswegen noch lange kein Nationalismus.

Gehts den Amerikanern anders? Da gibt es auch die regionalen Superhelden, die in anderen Landesteilen nur Schaudern verursachen.

Den Beitrag find' ich super

Es ist ein sehr nuechterner Beitrag, nur wollen sich das die EU-Fanatiker und Politiker ganz und gar nicht eingestehen. Bin schon auf die bloeden Gesichter von Jean Claude Trichet und Jean Claude Juncker gespannt. Und genau das wollen diese Typen stur verhindern...Schlechte Verlierer...

.Es geht einfacher

Man braucht ja nur die immer und überall gültigen Sprichwörter zu betrachten, welche stets in der Vergangenheit ihre Richtigkeit bewiesen haben:

1. Lügen haben kurze Beine;
2. Viele Köche verderben den Brei;
3. Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann;
4. Was du nicht willst, was man dir tut, das füg' auch keinem andern zu;
usw. usw.

Es ist die Integrationsfalle

Zum einen können die Mitgliedsländer nicht mehr so frei handeln, zum anderen kann die Union noch nicht so frei handeln wie sie aber müsste, um die Situation zu meistern.

Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder die Union zerfällt, oder sie macht einen Integrationsschritt vorwärts. Dazu müssen aber noch ein oder zwei nationale Egiosmen überwunden werden.

Ich hoffe auf Zweiteres. Die Integration sollte sich fortsetzen.

Ohh schöön

Ja genau,
Nehmen wir uns doch alle bei der Hand, bilden einen Kreis und singen:
"Gemeinsam sind wir stark, gemeinsam schaffen wir es. Europa, oh Europa!"

:-)

Wirklich interessanter Beitrag - wird viel Kontra auslösen

Unökonomische Analysen für ökonomische Probleme sind in etwa so zutreffend wie wenn ich mit einer Halsentzündung zum Klemptner gehe.

ökonomie ist bekanntlich keine exakte wissenschaft, sondern eine komplexe handlungsdimension von menschen

Meiner Ansicht nach basiert die "Ökonomie" viel mehr auf Psychologie als sonstwas. Ich bin zwar nicht so pessimistisch wie der Autor,

aber manche Probleme werden durchaus richtig erkannt. Und die Ökonomie sollte auch mal beginnen, nicht auf simple Formeln zu vertrauen die auf dem Homo Oeconomicus basieren, sondern erkennen, dass am Markt viele Entscheidungen irrational und aus Panik, Gier oder Angst getroffen werden. Und die Ökonomie sollte auch mal erkennen, dass nicht jede "freie" Entscheidung auch frei getroffen wird, sondern auf Existenzangst beruht.

Vieles in der Ökonomie ist sicher Zahlenwerk. Aber das reicht lang nicht aus.

die eu hat auch gegener...

weder die usa, china oder russland haben ein interesse an einer starken eu. wer hat wohl die besten zukunftaussichten ? es gibt leute die meinen nur staaten oder staatengemeinschaften die genügend wichtige resourcen* für die zukunft in ihrer eigenen hand haben werden hier führend sein(*menschen, energie und ackerland) . brasilien, russland und auch amerika erfüllen das. eher weniger china (kaum energie und eigenes fruchtbares land). darum rüstet china auch voll auf. die eu hat zur zeit keine visionen und keine visionäre und steckt auch in einer energiefalle....leider geschiet hier nichts zukunfträchtiges in der eu . statt dessen wird die zukunft der jungen menschen in der eu verspielt....

Stimmt schon. Nur welche Visionen hätten die Einzelstaaten? Auch nicht mehr. Ich fürchte der Stillstand in der EU ist auch zu einem Teil den notorischen EU-Gegnern geschuldet. Es ist doch so: Egal was entschieden wird, die Gegner finden einen Grund, warum das Blödsinn ist.

NEIN - FALSCH

....die Ökonomen haben keine Lösungen

....der Ansatz muss aus der Gesellschaft kommen und das ging in der Regel selten evolutionär sondern eher nur mit Zusammenbruch

Unsere Ökonomie ist mehr Religion als Wissenschaft, von daher wäre eine ökonomische Betrachtung rein die Betrachtung eines Gläubigen und von daher auch nicht viel Wert...

Ich meinte auch nicht die herrschende Lehre der ökonomischen Wissenschaften (was tatsächlich eine Religion zu sein scheint), sondern ökonomischen Sachverstand.

Grau, lieber Herr Casti, ist alle Theorie

Das mit der schlechten Stimmung ist ja nicht etwa nur so entstanden, sondern hat mit schlechten Fundamentalentwicklungen im Zuge der Finanzkrise zu tun, die die Defizite Wirtschaftssteuerung in der EU und US aufgezeigt hat (z.B. GIIPS, aber auch GB; D und A stehen ja verhältnismäßig gut da).
Und den Wirrwarr der verschiedenen VorstellungenKompetenzen und Rettungsschirme innerhalb der EU als geringe Komplexität zu bezeichnen, würde mir nicht gerade einfallen.
Nein, 'it's the economy, stupid', wie Clinton richtig angemerkt hat, deren Umfeld sich in den letzten Jahren dramatisch geändert hat; nur unsere Politiker und viele Bürger (z.B. Tea-Party) - so scheint es - haben's noch nicht gemerkt.

Die Staaten sind in einer Situation, in der keiner einfach hergehen kann und aufhören Schulden zu machen, geschweige denn sie zurückzahlen.

Das kann und will niemand zugeben, deshalb blühen die Verschwörungstheorien und die Suche nach Sündenböcken.

Eines ist jedenfalls dabei sicher: Keiner der europäischen Staaten hätte bei diesem Ausmaß das Gewicht auch nur annähernd mit den bisher gekannten Instrumentarien ALLEINE etwas auszurichten, außer vielleicht einer nach dem anderen Pleite gehen.

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