"Schluss mit dem Raubtier-Kapitalismus"

8. August 2011, 10:44

Hunderttausende haben am Wochenende gegen soziale Probleme demonstriert - Auslöser sind Wohnungsnot und zu hohe Mieten

Die Regierung hat reagiert und verspricht eine Lösung der Krise.

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Tel Aviv - Seit Wochen wächst in Israel die Zahl der Menschen, die gegen hohe Mieten und andere Missstände auf die Straße gehen. Am Wochenende erlebte Tel Aviv nun die bisher größte Kundgebung. "Das Volk will soziale Gerechtigkeit" und "Schluss mit dem Raubtierkapitalismus", skandierten 250.000 Teilnehmer. Auch in anderen Orten gab es Demos, 300.000 Menschen sollen sich insgesamt beteiligt haben, immerhin einer von 25 der 7,8 Millionen Israelis.

Oft ist vom "arabischen Frühling" die Rede, der einen "israelischen Sommer" ausgelöst habe. Und vereinzelt waren bei der Großkundgebung am Samstag in Tel Aviv Plakate wie "Marschiert wie die Ägypter" oder - an die Adresse des konservativen Ministerpräsidenten Benjamin "Bibi" Netanjahu gerichtet - "Tritt zurück, Ägypten ist da" zu sehen.

Aber anders als im Nachbarland Ägypten oder gar in Libyen oder Syrien geht es in Israel nicht um den Sturz der Regierung. Und niemand muss sein Leben riskieren, weil er gegen die Regierung demonstriert. Die Atmosphäre gleicht eher einem Volksfest, wo sich Eltern mit Kinderwagen durch die Massen drängeln, gesungen und gelacht wird und nur vereinzelt ein paar verloren wirkende Streifenpolizisten zu sehen sind. Keine Bereitschaftspolizei, keine Wasserwerfer, von Soldaten oder Panzern ganz zu schweigen.

"Es ist gut, dass die Israelis endlich aus ihrer Lethargie erwacht sind", sagt der 65-jährige Ben. Er ist mit seiner Schwiegertochter zur Demo gegangen. "Mir selbst geht es gut, dieses Land ist wundervoll. Aber die Jungen haben es schwer, und deshalb unterstütze ich sie, indem ich hier demonstriere", fügt er hinzu. Die Protestbewegung sei nicht politisch in dem Sinne, dass sie einen Sturz Netanjahus wolle. Das sei eher eine Minderheit, ist er überzeugt.

"Menschliche Wirtschaft"

Am besten fasst vielleicht der Vorsitzende der Studentenunion, Itzik Schmueli, die Stimmung zusammen. "Wir, die Studenten, die Jugend, sind hier, um deutlich zu machen: Wir haben die Kraft zur Veränderung." Es gehe nicht um den Sturz der gewählten Regierung, sondern um das Ende des "grausamen Wirtschaftssystems". "Wir fordern eine menschliche statt eine Raubtierwirtschaft". Das Land bedürfe einer Kraftanstrengung, um soziale Lücken zu schließen und die Grundbedürfnisse der Bürger zu befriedigen.

Auslöser der Proteste waren fehlende Wohnungen und die immens hohen Mieten in Tel Aviv, die sich viele Menschen nicht mehr leisten können. Inzwischen ist der Strauß der Forderungen bunter, die einen fordern eine bessere Gesundheitsversorgung, andere wollen das Bildungssystem reformieren oder Steuern senken.

Israels Regierung hat eine Lösung der Krise in Aussicht gestellt. Medien berichteten am Sonntag, Netanjahu habe den Wirtschaftsexperten Manuel Trachtenberg an die Spitze eines Komitees gesetzt, das binnen eines Monats Vorschläge zur Lösung der Wohnungsfrage und anderer Probleme vorlegen soll. (dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 8.8.2011)

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wuzzelbaer
00
Das ist die beste politische Bewegung auf der Welt seit 1989!

Ich hoffe daraus wird was!

Yar Ali
00
haben sie alle politischen bewegungen auf der welt mitbekommen das sie urteilen können? ... oder meinen sie eher das ist die beste politische bewegung die das westliche medienkonglumerat medienpublik gemacht hat.

videoopa
00
Ja es ist höchste Zeit

http://vimeo.com/21911053

Peacefaktor
07
Es ist an der Zeit:

Nachdem es ja nirgendwo auf der Welt wirklich gerecht zugeht und überall all das Elend des Kapitalismus hervorkommt und immer mehr betrifft, sollten wir in uns gehen und uns damit beschäftigen, was sinnvoll ist:
Es ist Zeit sich die Frage zu stellen, was ein sinnvolles Leben ist.

Dass Viele für wenig viel arbeiten, damit Wenige für wenig Arbeit viel haben, ist es scheinbar nicht.
Ewiges Wachstum geht sich örtlich nicht aus und hat sich auch als sinnlos erwiesen.
Das Zinssystem ist eine reine Umverteilungsmaschine von "Unten nach Oben".
Scheindemkratie hat sich als versteckte Banken- und Konzerndiktatur entpuppt, was auch nicht gesund ist.

Vielleicht ist es an der Zeit sich zu besinnen: welche Werte machen das Leben lebenswert?

wuzzelbaer
01
Sie müssen bedenken

dass die Israelis - und zwar glücklicherweise - NICHT gegen Materiaölismus demonstrieren, sondern eben vor allem für materielle Werte wie Wohnungsmieten usw. Moralische Turnübungen oder ätherische Wachstumskritik spielen da überhaupt keine Rolle.

Yar Ali
00
brav. gut aufgepasst.

Gegenflieger
02

Warum können die nicht so Brav sein wie wir.

eknaD
11
die Proteste führen dazu, dass Politiker ihre Ferien unterbrechen

"Knesset to hold emergency session as Israel's social protest grows"

http://www.haaretz.com/news/nati... s-1.377594

shahabblack
13
Ich hoffe immer noch diese Stimmung schlägt

überall auf der welt zu weil es nirgendwo gerecht zugeht.

Ich hoff die wut ist erst am kochen für die so lange anhaltende sklaverei wo wir behandelt werden wie vieh.

Man gaukelt uns freiheit vor und wir fressen es nur damit unsere erträge höher sind.

Trevor Goodchild
012
Überall auf dieser Welt haben es die Turbokapitalisten und unersättlich gierigen...

zu weit getrieben. Überall auf dieser Welt mehrt sich der Widerstand gegen dieses menschenverachtende und ungerechte System.
Wir müssen das trennede Element der Religionen und Ideologien überwinden und in einem sanften, gerechteren Kapitalismus light in Freiheit zusammenfinden.

Yar Ali
00
du hast wohl einen an der rübe ??? religion ist die lösung. islam ist ihr weg.

videoopa
00
Gute gedacht, auch in Salzburg, dazu das Video

http://vimeo.com/21692747

eknaD
02

"Wir müssen das trennede Element der Religionen und Ideologien überwinden"

ja, absolut. es sind wirklich trennende Elemente. Sie trennen die Menschen voneinander.

"und in einem sanften, gerechteren Kapitalismus light in Freiheit zusammenfinden."

von der Idee her ja -
wichtig ist glaube ich zu verstehen was die systemimmanenten Prinzipien des derzeitigen Geldsystems sind.
Also das Wort "Kapitalismus" einmal für einen Augenblick beiseite schieben und überlegen "Was ist Geld? Wie funktioniert das derzeitige Geldsystem?"

sehr zu empfehlen sind die Beiträge von Bernd Senf: http://www.berndsenf.de/MenuZinsp... ematik.htm

springflower
03
Toll, es gibt bereits Demonstrationen gegen den "Raubtier-Kapitalismus!"

Die dafür Verantwortlichen werden aber erst reagieren, wenn in sämtlichen Länder der ersten Welt regelrechte Revolten ausbrechen. Bis dahin wird von den Ausbeutern fleißig ausgebeutet, was das Zeug hält! Und die EU und Amerika schauen tatenlos zu. Kein Wunder, sitzen doch in den höchsten politischen Ämtern lauter Lobbyisten der Ausbeuter.

wuzzelbaer
00
Dreieinhalb Jahrzehnte

(seit in etwa 1975)

hat das Volk geschlafen nicht bloß in Israel in der ganzen besser entwickelten Welt!

Dass es den obersten 1% der Einkommensbezieher in dieser Zeit gelang ihren Anteil an der Wertschöpfung zu verveifachen lag daran dass es ihnen die restlichen 99% aufgrund ihrer politischen Bewusstlosigkeit so leicht gemacht haben!

Und auch die meisten derer die diese Zustände anprangerten machten es ihnen leicht weil sie sich auf moralische Aburteilungenm der "Gier" beschränkten statt den SACRO EGOISMO der breiten Volksschichten hochzuhalten...

super web checker
02
Volle Unterstützung

Hoffentlich kommt bei uns auch bald etwas in Bewegung. Die Menschen, die ihr Leben durch eigene Arbeit verdienen müssen, brauchen dringend mehr Schutz vor den großen Konzernen. Die Politiker müssen endlich wieder beginnen Politik für die Leute zu machen. In Europa haben die Unternehmen die Politik längst gekauft.
Leider ist aber auch heute im Standard die Headline den Börsen und ein paar wenigen Spekulanten gewidmet und 250.000 Menschen in Israel sind nur eine kleine Meldung wert.

videoopa
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genau so fordert es Christian Felber

http://vimeo.com/22169851

Jimmy Deen
01

aber immerhin :) es wird aufgewacht.

Viru
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die einzige lösung, die ich in israel kommen sehe, ist der verstärkte seidlungsbau zb in ost-jerusalem. auch geld verzichten kommt doch nicht in frage!

Trevor Goodchild
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Nur dann, wenn man beim Dogma des ewigen Wirtschaftswachstums bleibt.

Am Beispiel Israels sieht man nun am besten, wo die Grenzen dieses Systems liegen. Für uneingeschränkten Imperialismus wird die Welt langsam aber sicher zu klein, und Israel ist dafür auf jeden Fall zu klein.

wuzzelbaer
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Mit den "Grenzen des Wachstums"

hat dieser Protest aber wirklich GAR NICHTS zu tun.

Das ist gesunder Materialismus!

Israel ist eine reiche florierende Nation, High Tech und so weiter, und das ist in den Augen der Demonstranten durchaus gut so!

Es geht den Aufständischen um den Gesellschaftsvertrag.

Trevor Goodchild
00
ich weiss, danke!

lies einfach den Beitrag, auf den ich geantwortet habe, dann weißt warum ich das geschrieben habe....

zaikoh
13

wo ist das 'like' fuer die headline !!?

Regenwetter
01

Wie sollen die ganzen Poster hier schreiben lernen, wenn die Strandbad-Red. nicht in der Lage ist, billige das/dass-Fehler zu vermeiden?

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