Linux-Zukunft

Wayland: Weg mit dem X-Server - aber nicht zu schnell

Andreas Proschofsky, 6. August 2011, 20:52
  • Artikelbild
    vergrößern 917x611
    grafik: archiv

    Bis Wayland X ablösen kann, gibt es noch einiges zu tun, nicht zuletzt müssen die diversen Toolkits der Desktops angepasst werden. Sowohl bei Qt als auch bei Gtk+ sind diese Arbeiten aber bereits im Gange.

Kwin-Entwickler zeichnet Weg zur nächsten Generation des Grafik-Stacks warnt aber vor vorschnellen Schritten

Im Rahmen eines Vortrags auf dem derzeit in Berlin stattfindenden Desktop Summit widmete sich der für den Fenstermanager Kwin bei KDE zuständige Martin Grässlin der weiteren Zukunft des Linux-Desktop - im Konkreten jener des Grafik-Stacks. Mit Wayland soll auf Sicht der klassische X-Server abgelöst werden, so eine immer wieder kommunizierte Meinung. Dem stimmt Grässlin zwar prinzipiell zu, warnt aber auch vor vorschnellen Handlungen.

Historie

Die Meriten von X seien zunächst einmal unbestritten, es gebe wohl kein anderes bereits in den Achtziger-Jahren entstandenes Open-Source-Projekt, das bis heute ähnlich erfolgreich sei. Zudem sei X sehr gut erweiterbar, was auch viele der fortgeschrittenen Fähigkeiten moderner Desktops erst möglich gemacht habe.

Problematik

Dies ändere aber nichts an diversen fundamentalen Problemen, die sich in den letzten Jahren immer stärker gezeigt haben: Die Entwicklung sei langsam, kann kaum mit den Bedürfnissen der einzelnen Desktops mithalten, die Programmierschnittstellen wären gar gerade zu antik, so etwas wie "Input Redirection" gebe es bis heute gleich gar nicht.

Moderne Hürden

Vor allem aber sei X nie für die Bedürfnisse von Desktop-Effekten und Co. ausgelegt gewesen, das Compositing müsse entsprechend an anderer Stelle im Stack "aufgesetzt" werden. Ein Fenstermanager müsse dauernd um diese fundamentalen Defizite herum arbeiten. Schaue man sich den aktuellen Grafik-Stack an sei X eigentlich wenig mehr als ein Proxy zwischen anderen Komponenten - und noch dazu einer, der in vielerlei Weise im Weg steht.

Ersatz

Wayland räumt mit diesen klassischen Problemen auf, ist wesentlich schlanker und stellt den Compositor ins Zentrum. Technologisch gebe es also erhebliche Vorteile , dazu komme, dass sich mit MeeGo, Qt und Intel große Player im freien Softwarebereich hinter Wayland gestellt haben. Alles gut also? Nicht so ganz, wie Grässlin herausstreicht, denn Wayland sei aktuell noch weit davon entfernt, wirklich realistisch einsetzbar zu sein.

Ungeprüft

So werde es wohl noch ein ganze Weil dauern, bis die diversen Hardwarehersteller - wenn überhaupt - passende Treiber liefern. NVidia verwende ja bis heute noch nicht einmal das schon vor Jahre eingeführte Kernel Mode Setting, erinnert der Entwickler. Auch müsse sich Wayland erst im Realeinsatz bewähren, viele potentielle Probleme würden sich wohl erst dann erweisen.

Plasma Active

Der zentrale Fokus der Wayland-Bemühungen von KDE gelte dann auch zunächst dem Plasma-Active-Projekt, einem Unterfangen eine eigene User Experience für Gerätekategorien jenseits des klassischen Desktops - von Tablets bis zum Media Center - zu etablieren. Bis Wayland am Linux-Desktop wirklich einsetzbar sei, würden hingegen wohl noch einige Jahre vergehen.

Schrittweise

Aus KDE-Sicht schlägt er denn auch eine schrittweise Herangehenweise vor, so werde man in nächster Zeit versuchen die Abhängigkeiten KWins von X nach und nach zu entfernen. Dies mache ohnehin auch aus anderer Sicht Sinn, sollten damit doch Portierungen auf weitere Plattformen - wie Windows oder Android - leichter werden.

Beginn

Eine erste Testversion des KWin-Wayland-Zweigs soll es im kommenden Winter geben, für Plasma Active und "Early Adopter" soll das Ganze dann ab Sommer 2012 zu nutzen sein. Erst danach könne man überhaupt erst mit der dritten Phase beginnen, die die EndbenutzerInnen in den Fokus stellt - und für die man die Nutzung von X-Anwendungen unter Wayland ermöglichen müsse.

Appell

Zum Schluss appelliert Grässlin an andere Linux-Desktop-Projekte - allen voran GNOME mit der GNOME Shell und Ubuntu mit Unity - nicht zu früh auf Wayland zu setzen. Es sei essentiell den Wechsel nicht früh sondern "richtig" durchzuführen - hier solle man aus vergangenen Problemen mit Technologien wie dem Audio-Stack Pulseaudio lernen. (Andreas Proschofsky aus Berlin, derStandard.at, 06.08.11)

Kommentar posten
14 Postings
NONE
02

Jedes Projekt das als Nebenziel die Vernichtung von Xorg hat ist ein Projekt das man begrüssen muss.

Xorg hat Linux aufgehalten.

Weg damit. Je schneller umso besser.

werwolfi
00

ungewohnt viele grammatikfehler, herr apo.

und was ist fb3quW982QPQ? ;o)

"Zudem sei X sehr gut erweiterbar, was auch viele der fortgeschrittenen fb3quW982QPQFähigkeiten moderner Desktops erst möglich gemacht habe."

inhaltlich aber wie immer gut recherchiert.

mr. fusion
010

apo pastet unabsichtlich sein passwort in den artikel hinein: fb3quW982QPQ

Redaktion derStandard.at/Web
05

Tja, das kommt vom spätabendlichen Arbeiten, von Netzverbindungsproblemen und einem nervösen Finger der offenbar den Mittelklick ins falsche Fenster gesetzt hat ;) Glücklicherweise hab ich viele unterschiedliche Passwörter für viele unterschiedliche Anwendungen, das hier war nur ein nebensächliches / öffentlich nicht zugängliches (für Wireless Tethering, wer es genau wissen will) und ist natürlich schon geändert.

Jedenfalls: Danke für die Hinweise!

apo

<!-- 42 -->
00
tzzz,...

und dann auch noch ohne sonderzeich,...

32stellig sollte auch min. sein ;)

Redaktion derStandard.at/Web
01

War ja nur ein "Low Security"-Passwort ;) WIFI-Tethering brauch ich fast nie, und wenn doch dann ist das auch mehr als ausreichend um Leute effektiv draußen zu halten ;)

apo

Abdul Alhazred
00

Ich schlage vor, Sie überlassen das Passwortgenerieren Mr.Data: http://www.youtube.com/watch?v=IPphyjkXnPc

werwolfi
00

lieber apo, wie *merkst* du dir solche passwörter?
;o)

Bastian Balthasar Bux
00

vermutlich mit keepass. ;)

werwolfi
00
kee-pass oder keep-ass?

war schon klar, ich verwende ja auch eine wallet :o)

werwolfi
02

vielleicht auch eine verschlüsselte meldung ans mutterschiff.... ;o)

afterthought
00

Oops...

Früher habe sich Zeitungen KorrekturleserInnen geleistet... Welch Luxus...

motd
00
damit sie es -gratis-

[[Object alloc] init];
 
00
WTF?

:D

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.