Rechtspopulist hinterließ aber keinen Abschiedsbrief
Warschau - Nach dem Selbstmord des früheren polnischen
Vize-Regierungschefs Andrzej Lepper hat die Staatsanwaltschaft in Warschau
mögliche Geldsorgen des Rechtspopulisten ins Spiel gebracht. "Finanzprobleme
könnten der Grund für den Suizid von Andrzej Lepper gewesen sein", sagte ein
Sprecher der Staatsanwaltschaft am Samstag vor Journalisten in Warschau. Am Ort
des Geschehens sei aber kein Abschiedsbrief gefunden worden, fügte er hinzu. Zu
Details der angeblichen Geldprobleme äußerte sich der Sprecher zunächst nicht.
Der 57-jährige Rechtspopulist Lepper war am Freitagnachmittag erhängt in
seinem Büro im Zentrum von Warschau aufgefunden worden. Nach Angaben von Zeugen
wurde er in der Früh desselben Tages zuletzt gesehen. Am Abend bestätigte die
Polizei unter Berufung auf ärztliche Angaben, dass sich Lepper das Leben
genommen habe. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erhängte sich Lepper an einem
Seil, das an einem Boxsack befestigt war. Lepper war früher selbst Boxer.
Lepper war als Chef der rechtspopulistischen Bauernpartei Selbstverteidigung
(Samoobrona) von 2006 bis 2007 Landwirtschaftsminister und stellvertretender
Ministerpräsident in der konservativen Regierung von Jaroslaw Kaczynski. Im
Februar vergangenen Jahres wurde er wegen sexueller Nötigung von
Mitarbeiterinnen seiner Partei zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis
verurteilt. Er legte Berufung ein und entging so zunächst der Haft. Das
Verfahren lief auch noch, als er sich am Freitag das Leben nahm. (APA)