Richterin urteilt: "Megaupload könnte sich schuldig gemacht haben" - Geschäftsmodell ähnelt eher Kino.to als Downloadplattform
Die Download-Plattform Megaupload muss sich in einer Urheberrechtsklage vor einem US-Gericht verantworten. Beim Kläger handelt es sich um den Verleger des Erotikmagazins Perfect 10. Damit macht auch wieder der Unternehmer und selbsternannte "geniale Hacker" Kim Schmitz, der unter dem Pseudonym "Kimble" operierte, Schlagzeilen. Er soll, wie Perfect 10 behauptet, hinter Megaupload stecken.
Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Inhalten
Die Klage wurde bereits Anfang des Jahres eingereicht, ein Antrag auf Abweisung Klage wurde von einem US-Gericht abgewiesen. Der Vorwurf: Es sollen von Perfect 10 urheberrechtlich geschützte Inhalte ohne Erlaubnis über Megaupload verbreitet worden sein.
Vorangegangene Klageversuche
Der Betreiber von Perfect 10 hatte sich bereits in Klagen gegen Google und zuletzt gegen den Schweizer Internetdienstleister RapidShare versucht, jedoch ohne Erfolg. Ein Gericht hatte entschieden, dass bei Rapidshare keine
Urheberrechtsverstöße vorliegen. Über die Plattform könnten keine
Inhalte gefunden werden, hieß es. Im Fall Megaupload scheinen die Karten günstiger zu liegen.
"Megaupload könnte schuldig sein"
Bei Megaupload könnte die Sachlage anders liegen, urteilt die verantwortliche Richterin. Dies berichtet das US-Portal Techdirt, wo auch die vorläufige Entscheidung des kalifornischen Gerichts veröffentlicht wurde.
Nach Meinung des Gerichts habe Megaupload nicht nur Download-Material zur Verfügung gestellt, sondern seine Nutzer ermuntert, Dateien hochzuladen. Demnach konnten für große Mengen auch Prämien kassiert werden. Darüber hinaus sollen illegale Angebote empfohlen worden sein. Eine Ähnlichkeit zum Filmportal Kino.to, das im Juni geschlossen wurde, sei also gegeben.
Über 200 Millionen Dollar Gewinn
Megaupload hatte in den vergangenen Jahren für viel Wirbel in den Medien gesorgt und soll Schätzungen zufolge mehr als 200 Millionen US-Dollar Gewinn abgeworfen haben. Finanziert hat sich die Seite hauptsächlich durch Werbeeinnahmen.
Wer ist "Kimble"?
Kim Schitz aka "Kimble", wie er sich zu New-Economy-Zeiten nannte, hielt damals die Unterhaltungsbranche in Atem. Spekulationen zufolge sei er Hauptakteur hinter Megaupload. In einem Gespräch mit ZDNet hatte das Unternehmen erstmals eine Verbindung zu "Kimble" zugegeben. Im Jahr 2010 fand das Magazin Investigate schließlich heraus, dass Schmitz Mitgründer von Megaupload war und auch hinter dem Pseudonym "Kim Dotcom" steckte.
"Einer der zehn reichsten Menschen Neuseelands"
Nach einer Flucht klickten für das "Enfant terrible" der New-Economy-Zeiten im Jahr 2002 in Thailand die Handschellen. Der Deutsche wurde wegen Untreue und Insiderhandel verurteilt. Auf seiner Website kimble.org, die inzwischen offline ist, zeigte er seine Vorliebe für schnelle Autos und einen luxuriösen Lebensstil. Der 37-Jährige bezeichnet sich in einem Online-Interview mit dem neuseeländischen News-Portal nzherald als einen der zehn reichsten Menschen Neuseelands.
Eine Chronologie der Ereignisse und mehr Informationen zu "Kimble" hat der deutsche Journalist Thorsten Kleinz in einer Kimble-Doku zusammengestellt. (ez, derStandard.at, 06. August 2011)