Begriffswolke

Kommentar | Michael Simoner
5. August 2011, 19:45

Je schwammiger ein Gesetz formuliert ist, desto eher wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen

Was ein "Hassprediger" ist, weiß niemand genau, aber jeder hat so seine eigene Vorstellung. Weil sich eben viel in dieser dunklen Wolke abladen lässt, hat es der Hassprediger fast überall in der nichtmuslimischen Welt zum Staatsfeind Nummer eins geschafft - auch in Österreich, wo 600.000 Muslime leben und wo im kommenden Jahr der 100. Jahrestag der Anerkennung des Islam als Religion begangen wird.

Geht man davon aus, dass Hassprediger aus religiösen Motiven zum Krieg gegen Andersgläubige aufrufen, war nicht nur Osama bin Laden einer, sondern wohl auch Papst Urban II. mit seinem Aufruf zum Kreuzzug. Die christliche Abendlandkomponente spielt oft noch in rechtsextremen Verschwörungstheorien eine Rolle, wie die schrecklichen Ereignisse in Norwegen gezeigt haben. Aber auch in Österreich packen rechte Politiker gern das Kreuz aus, um vor einer "Überfremdung" zu warnen. Sind das dann nicht auch Hassprediger?

Der Kampf gegen den Terror wird überhaupt immer öfter mit Begriffswolken geführt. Absicht oder nicht, aber je schwammiger ein Gesetz formuliert ist, desto eher wird (versehentlich) mit Kanonen auf Spatzen geschossen, wie der umstrittene Anti-Mafia-Paragraf im Zusammenhang mit den letztlich doch noch freigesprochenen Tierschützern gezeigt hat. Das ist untragbar, weil es fundamentale Persönlichkeitsrechte zerstört. (STANDARD-Printausgabe, 6./7.8.2011)

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8 Postings
Offensichtlich ist "Hassprediger" doch ein gutes

und brauchbares Wort, denn der Autor hat recht:
Natürlich sind auch rechtsradikale Fremdenhasser Hassprediger, und aus heutiger Sicht wäre es wohl auch der zitierte Urban II (nur sollte man nicht heutige Kriterien auf das Hochmittelalter anwenden)
Hassprediger ist also eben jeder, der Hass und Gewalt predigt - da gibt es muslimische, christliche und in andere nicht- oder pseudoreligiöse Ideologien verstrickte.
Es gibt wohl viel an diesem und ähnlichen Worten zu kritisieren, wie etwa, dass Schubladisierungen selten hilfreich sind - aber diese (obenstehende) Kritik ist keine.

assad führt auch einen kampf gegen den terror

oder weissrussland oder israel

urban, der vor tausendirgendwas jahren gelebt hat, ist natürlich höchst aktuell ...

"... desto eher wird (versehentlich) mit Kanonen auf Spatzen geschossen"

also dass die größte ermittlungsaktion der österreichischen geschichte VERSEHENTLICH gegen unliebsame aktivisten geführt wurde halte ich für ausgeschlossen.
die gründung einer SOKO auf zuruf eines (mit dem damaligen innenminister befreundeten) unternehmers, die abstellung von WEGA-beamten, um die aktivisten gefährlicher erscheinen zu lassen, die unterschlagung von entlastenden beweisen etcpp sind ja dokumentiert.

der GEZIELT schwammige paragraf wird GEZIELT eingesetzt.

apropos schwammig:
"hassprediger" sind die politiker nur dann zu nennen, wenn sie eine religion offiziell vertreten
politiker des hasses wäre angebrachter

was den rückgriff auf urban anbelangt, ist das halt eine typische rückprojektion, in diese falle gehen viele ahistoriker
jeder angriff der osmanischen kalifen wäre dann ja wohl auch folge der hasspredigt
würde man diese konsequent ausführen, würde man prompt bei den religionsgründern landen

das ist etwas zu eindimensional, oder?

nehme eher an , ihr denken ist eindimensional, rechte, ob politiker oder nicht sind mal keine hass-perdiger, was tut strache denn? ein friedliches miteinander propagieren? glaube nicht. wen ich mich recht erinnere hat ratzi vor einiger zeit auch einiges unpassendes zitiert. religionsgründer? hat jesus krieg gepredigt? welche(n) religionsgründer meinen sie denn?

das war ihnen zu hoch, eindeutig

Wie wahr.

Aber das eigentliche Ziel ist ja die Beschneidung der Rechte.

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