Burgenlands Kapitale Eisenstadt hat immer noch keinen Bahnhof, nur zwei Bahn-Höfleins
Eisenstadt - Seit Eisenstadt eine Landeshauptstadt ist, hat es vor allem mit einem Umstand zu kämpfen: dass es keine Landeshauptstadt ist. Deshalb wirkt vieles, was die Stadtväter und -mütter geplant und umgesetzt haben, auch ein wenig aufgeplustert.
Das wird es wohl auch weiterhin tun. Eisenstadt - das die Ungarn mit einigem Recht Kismarton, also Klein Martin nennen - ist das Stadtbild gewordene Resultat der Weltgeschichte, die das Burgenland vor 90 Jahren Österreich zugeschlagen, aber von diesem Zuschlag die Hauptstadt - Ödenburg, also Sopron - abgezogen hat.
Das bis heute spürbare Resultat ist nicht bloß die so exzentrische Lage, sondern vor allem die mangelnde verkehrsmäßig Integration. Alle traditionellen Wege führen nach Sopron. Eisenstadt liegt weiterhin am Rand. Und dass das so bleibt, dafür sorgen die ÖBB und ihre Auftraggeber, welche die Anbindung Eisenstadts ans hochrangige Bahnnetz zwar seit vielen, vielen Jahren versprechen, aber statt dessen lieber Autobahnen bauen, die dann halt auch ein wenig wirken wie Eisenstadt selber: aufgeplustert.
Die noch bis Herbst amtierende Bürgermeisterin, Andrea Fraunschiel (ÖVP), hat das Nichturbane an Eisenstadt stets als einen Vorteil angepriesen. Denn zum lebenswert ruralen Charakter geselle sich ja eine herzeigenswerte infrastrukturelle Dichte an Schulen, Ärzten und anderen städtischen Einrichtungen. Fraunschiels Vorgänger, der jetzige Wirtschaftskammerpräsident Peter Nemeth, sah Eisenstadt gar als "Cottage von Sopron", also quasi die Sonnenseite des knapp 20 Kilometer entfernten Ödenburg, was die Soproner selbst freilich ganz anders sehen, nämlich genau umgekehrt.
Eine der größten Herausforderungen für den designierten Bürgermeister Thomas Steiner ist also ohne Zweifel der Verkehr. Nicht nur, dass die Schienenverbindung von und nach Wien nur mit der Kirche ums Kreuz - via Neusiedl und Wulkaprodersdorf - möglich ist. Innerstädtisch gibt es gar keinen öffentlichen Verkehr.
Staumäßig hat das zweimal am Tag durchaus urbane Konsequenzen. Eisenstadt hat mit den eingemeindeten Dörfern Kleinhöflein und St. Georgen 13.000 Einwohner. Zumindest noch einmal so viele pendeln täglich ein, und kaum einer tut das öffentlich. Innerstädtisch verkehren nur die für Pendler wenig geeigneten subventionierten Taxis, eine City-Buslinie ist mangels Interesse schon in der Projektphase gescheitert.
Thomas Steiner, der die Stadt-ÖVP in die nächste Wahl 2012 führt, wird daran wenig ändern können. Was auch daran liegt, dass die Kleinheit der Stadt die Präsenz des Landes umso deutlicher macht. Eisenstadt ist eben weniger Hauptstadt als bloßer Sitz der Landesregierung. Die zur Zeit größte Baustelle der Stadt ist das sogenannte Kongress-Zentrum, das notwendig wurde, weil Land und Esterházy sich wegen der Schlossnutzung in die Haare geraten sind.
So wie bei der Frage der höherrangigen Bahnanbindung ist die Stadt da bloßer Zuschauer. Eisenstadt und Eisenstadt-Schule sind ja keine Bahnhöfe, sondern Bahn-Höfleins. Der Hauptbahnhof von Burgenlands Hauptstadt wird weiterhin die österreichische Raaberbahn-Zentrale in Wulkaprodersdorf sein. Steiner hofft, dass dem nicht so ist. "Wenn die neuen Gleise kommen, Wien in 45 Minuten zu erreichen ist, wird auch die Stadt ihre Aufgaben machen." Dann werde das Bahn-Höflein zu einem Taktknoten, "das Konzept ist schon fertig". Aber bis dahin wird wohl noch viel Wasser über die Wulka in den Neusiedler See fließen. (Wolfgang Weisgram, STANDARD-Printausgabe, 6./.8.2011)