Reformagenda Eisenstadt

Die besonders exzentrische Hauptstadt

5. August 2011, 18:44
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    foto: apa/schloss esterhazy gmbh

    Das bekannte Schloss Esterházy, wegen dessen Nutzung sich Land und Esterházy-Stiftung sich in die Haare geraten sind.

Burgenlands Kapitale Eisenstadt hat immer noch keinen Bahnhof, nur zwei Bahn-Höfleins

Eisenstadt - Seit Eisenstadt eine Landeshauptstadt ist, hat es vor allem mit einem Umstand zu kämpfen: dass es keine Landeshauptstadt ist. Deshalb wirkt vieles, was die Stadtväter und -mütter geplant und umgesetzt haben, auch ein wenig aufgeplustert.

Das wird es wohl auch weiterhin tun. Eisenstadt - das die Ungarn mit einigem Recht Kismarton, also Klein Martin nennen - ist das Stadtbild gewordene Resultat der Weltgeschichte, die das Burgenland vor 90 Jahren Österreich zugeschlagen, aber von diesem Zuschlag die Hauptstadt - Ödenburg, also Sopron - abgezogen hat.

Das bis heute spürbare Resultat ist nicht bloß die so exzentrische Lage, sondern vor allem die mangelnde verkehrsmäßig Integration. Alle traditionellen Wege führen nach Sopron. Eisenstadt liegt weiterhin am Rand. Und dass das so bleibt, dafür sorgen die ÖBB und ihre Auftraggeber, welche die Anbindung Eisenstadts ans hochrangige Bahnnetz zwar seit vielen, vielen Jahren versprechen, aber statt dessen lieber Autobahnen bauen, die dann halt auch ein wenig wirken wie Eisenstadt selber: aufgeplustert.

Die noch bis Herbst amtierende Bürgermeisterin, Andrea Fraunschiel (ÖVP), hat das Nichturbane an Eisenstadt stets als einen Vorteil angepriesen. Denn zum lebenswert ruralen Charakter geselle sich ja eine herzeigenswerte infrastrukturelle Dichte an Schulen, Ärzten und anderen städtischen Einrichtungen. Fraunschiels Vorgänger, der jetzige Wirtschaftskammerpräsident Peter Nemeth, sah Eisenstadt gar als "Cottage von Sopron", also quasi die Sonnenseite des knapp 20 Kilometer entfernten Ödenburg, was die Soproner selbst freilich ganz anders sehen, nämlich genau umgekehrt.

Eine der größten Herausforderungen für den designierten Bürgermeister Thomas Steiner ist also ohne Zweifel der Verkehr. Nicht nur, dass die Schienenverbindung von und nach Wien nur mit der Kirche ums Kreuz - via Neusiedl und Wulkaprodersdorf - möglich ist. Innerstädtisch gibt es gar keinen öffentlichen Verkehr.

Staumäßig hat das zweimal am Tag durchaus urbane Konsequenzen. Eisenstadt hat mit den eingemeindeten Dörfern Kleinhöflein und St. Georgen 13.000 Einwohner. Zumindest noch einmal so viele pendeln täglich ein, und kaum einer tut das öffentlich. Innerstädtisch verkehren nur die für Pendler wenig geeigneten subventionierten Taxis, eine City-Buslinie ist mangels Interesse schon in der Projektphase gescheitert.

Thomas Steiner, der die Stadt-ÖVP in die nächste Wahl 2012 führt, wird daran wenig ändern können. Was auch daran liegt, dass die Kleinheit der Stadt die Präsenz des Landes umso deutlicher macht. Eisenstadt ist eben weniger Hauptstadt als bloßer Sitz der Landesregierung. Die zur Zeit größte Baustelle der Stadt ist das sogenannte Kongress-Zentrum, das notwendig wurde, weil Land und Esterházy sich wegen der Schlossnutzung in die Haare geraten sind.

So wie bei der Frage der höherrangigen Bahnanbindung ist die Stadt da bloßer Zuschauer. Eisenstadt und Eisenstadt-Schule sind ja keine Bahnhöfe, sondern Bahn-Höfleins. Der Hauptbahnhof von Burgenlands Hauptstadt wird weiterhin die österreichische Raaberbahn-Zentrale in Wulkaprodersdorf sein. Steiner hofft, dass dem nicht so ist. "Wenn die neuen Gleise kommen, Wien in 45 Minuten zu erreichen ist, wird auch die Stadt ihre Aufgaben machen." Dann werde das Bahn-Höflein zu einem Taktknoten, "das Konzept ist schon fertig". Aber bis dahin wird wohl noch viel Wasser über die Wulka in den Neusiedler See fließen. (Wolfgang Weisgram, STANDARD-Printausgabe, 6./.8.2011)

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Posting 1 bis 25 von 53
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Bauernbua
10

Was soll dein "Höfleins" für ein niederdeutsches Litz sein?

Wir sprechen hochdeutsch. Und in der hochdeutschen Zunge gibt es keinen s-Plural (sollte geben!), zumindest nicht bei einheimischen Wörtern.

Am besten ist Höfe(r)l, Höfle, meinetwegen auch Höflein. Aber Ein- und Mehrzahl sind deckungsgleich, Sie Preuße.

a_ch
02
Eisenstadt hat ...

... eine Hundefreilaufzone, aber kein Kino. In der City werden Parkplätze gebaut, aber Geschäfte ziehen weg. Die Lokale schließen um 22 Uhr, aber eine Bürgerinitiative kämpft gegen nächtlichen Lärm. Schüler der HTL werden in Containern und im baufälligen alten Wifi unterrichtet, aber der Direktor hat als "Landeskatastrophenkommandant" (kein Scherz, ein Amt) eh alles im Griff. Das Schloss wird von den Esterhazys saniert, nachdem es vom Land 40 Jahre lang um ca. 1.800 Euro pro Monat (für 1.800 qm Büro- und 3.000 qm Veranstaltungsräume) genutzt wurde. Die Schlossmanagement GmbH bündelt jetzt kulturelle Kräfte und nutzt Synergien, aber keine Angst (um die Posten): Der Magistrat wird nicht mit der Bezirkshauptmannschaft fusioniert.

ASVG Rentner 2
00
Ein großer Bahnhof ist auch nicht nötig

Es genügt, wenn man Eisenstadt mit dem Auto erreicht.

La Balance
00

Mit dem Zug von Eisenstadt nach Wien in 45`, mit dem Auto ist das in ca. 25`möglich, na das ist ein Anzreiz für die Bevölkerung!

Gerhard Polak
00
Wenn sie die Strecke von E nach W in 25min fahren

kostet es Sie wahrscheinlich soviel an Verkehrsstrafen dass sie mit dem Hubschrauber einfliegen können.

Wie Vorposter schreiben: es gibt die Verbindung nach Wien (a über Neusiedl, b über Wr. Neustadt). Direkter geht es nicht, ausser man baut ein Millionengrab, wie die Koralmbahn, durch das Leithagebirge.

Im europäischen Verkehrsplan der EU wird das internationale Hochleistungsnetz (Bahn, Strasse) von Nord- nach Südosteuropa über Sopron geplant/umgesetzt. Zum Beispiel verlaufen die Verkehrswege Hamburg - Istanbul durch den Großraum Bratislava - Sopron. Eisenstadt braucht zur Internationalität effiziente Verbindungen nach Osten (Sopron). Ein Pendlergeeigneter Regionalbahnhof ist nötig, ein attraktives Regionalzugangebot ist da.

HunterThompson
00

25min sind mit Tempo 145 - also ohne Strafe - locker zu unterbieten... Sofern wir nicht von Montag Morgen sprechen...

Gerhard Polak
00
wie hoch ist der selbstbehalt für 25min

http://www.youtube.com/watch?v=2... re=related

rosalie68
00
statt neuen Einkaufszentren

mal Park & Ride und innerstädtischen öffentlichen Verkehr..das wäre fast wie Weihnachten und Ostern an einem Tag, mal in Eisenstadt einen Parkplatz außerhalb von Kurzparkzone mit erträglichen Fußmarsch ins Büro zu finden (nach 8.00 früh) ist wie ein Lottosechser

°<°~~
01

Den Beweis, dass Verkehrsanbindung nicht alles ist, tritt Bruck an. Am anderen Ende des Leithagebirges, verkehrstechnisch hoch erschlossen (A4, A6 nach Bratislava, tolle Zugverbindung nach Wien, Bratislava oder Moson, zwischen Wien und Bratislava gelegen.) und doch: da werden einstweilen die Gehsteige gar nicht mehr abgerollt. Eisenstadt hält sich im Vergleich doch sehr gut. Natürlich auch wegen der Rolle als Landeshauptstadt. Der Niedergang der Innenstadt ist erst in den letzten Jahren auffällig geworden.

Die großen Einkaufszentren vor der Stadt plündern halt die Innenstädte aus. Durch die Konzentration außerhalb der Stadt produzieren wir zusätzlich Verkehr (das Outlet-Center in Parndorf neben Bruck hat einstweilen zwei Autobahnabfahrt

Stoascheißer Koarl
32

Bauen wir einfach einen, mehr oder weniger, unnötigen Hauptbahnhof, geben wir ihn noch dazu einen englischen Namen (z.B. Bahnhofcity) und schon ist Eisenstadt eine "richtige" Hauptstadt, oder wie ist das zu verstehen?

Ich hoffe doch, dass es dazu ein wenig mehr brauch!

Und noch dazu ein Kongress-Zentrum? Schaut für mich eher aus wie ein Prestigeobjekt für irgendeinen Würstelpolitiker!!

Bald haben die Medien mehr als nur vom Skylink-debakel zu berichten!!

weekend friend
11

Ich wusste bis jetzt gar nicht, dass die ÖBB auch Autobahnen bauen...
Herr Weisgram, sind sie eventuell mit Frau Ungerböck liiert? Oder ist Ihnen dieser Schwachsinn ganz alleine eingefallen?

##V+##
00
Sorry to say, aber wenn Sie so ausfällig werden muss ich Sie schon fragen, ob Sie Probleme mit dem sinnerfassenden Lesen haben:

Im Text steht: "dafür sorgen die ÖBB und ihre Auftraggeber, welche die Anbindung Eisenstadts...etc."

Also: Wer sind die Auftraggeber?

Nicht ganz so gehässig bitte, danke,

weekend friend
11

Das war mir schon klar. Nur ist es eine Frage des Schreibstils ob man wen bewusst schlecht aussehen lässt. Und Hr. Weisgram hat hier bewusst die ÖBB in etwas hineingezogen, für das sie nichts kann. Man kann die ÖBB wegen genügend Sachen konstruktiv kritisieren, aber hier wird stupides Bashing betrieben. Und das nervt!

Stoascheißer Koarl
00
schlecht recherchiert^^

Mutantenwastl
31

Der moegliche Hintergrund:
Herr Weisgram hatte einmal ein Glaserl zuviel als er in Eisenstadt war und wollte zurueck zur Mutti nach Wien. Das Auto wollte er nicht mehr benutzen (was ihm hoch anzurechnen ist) und den Bahnhof - ob seiner Groesse - konnte er nicht finden.
Seitdem mag er Eisenstadt nicht mehr:)

norman m.
01
Pseudolustigkeit olé!

Dilbert
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Lieber Weisgram, seit der Elektrifizierung der Seestrecke ist Eisenstadt direkt mit Wien verbunden.

franz kurt
02

über neusiedl is jetzt nicht unbedingt der direkte weg von eisenstadt nach wien...

dannadosch
015

Wer den "Bahnhof" Eisenstadt-Schule nicht kennt:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File... -Bf-01.jpg

queso head
00
Wow

Wow. Da ist die Hölle los. Hoffentlich haben die ein Passagierleitsytem, zumindest auf den ersten 10 Gleisen.

du f.f. seemannsbar in panama city
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schick, schick.

furman
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Durch die sträfliche Vernachlässigung der Vorantreibung des Projekts Basistunnels Leithaprodersdorf wird die Metropole weiterhin abgewandt globaler Kapitalflüsse bleiben. Dieses verdammte Gebirge.

grifter
05

Das schläfrige Eisenstadt lebt von den busweise in die Stadt gekarrten Pensionisten, die angenehm ruhig an dem ebenfalls nicht mehr sehr lebhaften, da toten Joseph Haydn vorbeidefilieren und die spätestens am Abend wieder verschwunden sind.
Weiters lebt es noch von den Beamten, die auch spätestens um 16.00 Uhr die Flucht ergreifen.

Um das Hochklappen der Gehsteige bei Sonnenuntergang noch effizienter zu gestalten, besteht der Branchenmix der FuZo Hauptstraße aus gefühlten 23 Optikern und 18 Schuhgeschäften. Das einzige Kino der Stadt ging vor kurzem ein, womit die Landeshauptstadt wieder effizient um einiges ruhiger gestellt wurde.

Wenn die täglichen Staus nicht wären, könnte man es endgültig zu einem Kulissendorf machen :-)

Elfi...
01

...man könnte auch dort, eine Haftanstalt: für Politiker einrichten.

el peregrino
33
und einmal mehr zeigt sich, dass die abschaffung der bundesländer ein dringend nötiger reformschritt wäre !

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