Hörbuch: Marx und Engels unerwartet deftig

  • Die Akstinat-Brüder (Hg.), "Marx & Engels intim". Ein unzensierter 
Briefwechsel. € 14,95 / 70 min. Random House Audio, Köln 2011
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    Die Akstinat-Brüder (Hg.), "Marx & Engels intim". Ein unzensierter Briefwechsel. € 14,95 / 70 min. Random House Audio, Köln 2011

Der deutsche Linkspolitiker Gregor Gysi und der Universalkünstler Harry Rowohlt sind mit merkbarem Vergnügen bei der Sache

Dass diese Briefe erhalten sind, ist Dawid Rjasanow zu verdanken. Der Leiter des Moskauer Marx-Engels-Instituts trug den Schriftverkehr der beiden Philosophen Karl Marx und Friedrich Engels zu einer kompletten Sammlung zusammen. Der Inhalt der privaten Korrespondenz ist unerwartet deftig und lässt in eine Geisteswelt blicken, die man den Verfassern des "Kommunistischen Manifests" nicht zugetraut hätte: Erstens geht es, wie auch im Briefwechsel zwischen Thomas Bernhard und seinem Verleger Siegfried Unseld, häufig ums Geld. Marx pumpt den Fabrikantensohn Engels immer wieder an und hofft auf den baldigen Tod seines Erbonkels: "Stirbt er, bin ich aus der Patsche heraußen."

Häufig nicht politisch korrekt ist, was die beiden einander schreiben: Die Schweizer seien "ein grenzenlos aufgeblasenes Volk", die Dänen würden nur lügen. Ein Feindbild von Marx und Engels ist der Arbeiterführer Friedrich Lassalle, den sie als "jüdischen Nigger" beschreiben.

Hörbar lebendig wird dieser Austausch durch die Protagonisten: Der deutsche Linkspolitiker Gregor Gysi und der Universalkünstler Harry Rowohlt sind mit merkbarem Vergnügen bei der Sache. Die Schauspielerin Anna Thalbach funkt mit bissigen Bemerkungen bei dem Livemitschnitt einer Lesung in der Berliner Kalkscheune dazwischen. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Printausgabe, 6./7. 8. 2011)

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Karl Marx war nur ein Schüler von Hegel. Marx' Überlegungen gehen im Prinzip sowieso auf KANT und HEGEL zurück. KANT und HEGEL arbeiteten ideologiefreier, objektiver und somit "ehrlicher". Marx braucht man eigentlich nicht.

...und aus meiner abgrundtiefen Abneigung gegenüber Gregor Gysi brauche ich auch keinen Hehl zu machen...

Sie kennen sich aber aus, gell?

Wär er während der Wende in die CDU eingetreten, wie all die anderen Wendehälse, wär er jetzt Kanzler!

Und er wär ein noch größeres konservatives Idol als der Kohl, da der Mann mehr drauf hat, als bei einem historischem Ereignis zufällig Kanzler zu sein.
Aber der Gysi hat Prinzipien, die er treu bleiben wollte, und deswegen haben wir auch die ehemalige FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda als Kanzlerin. Aber damit hat Deutschland natürlich kein Problem!

"unerwartet deftig"

Unerwartet nur für jene, die das Kapital nicht gelesen haben.
Was er da in den zahlreichen Fussnoten reingeschrieben hat, ist ja auch oft recht deftig.

"Gallig" wäre eigentlich das bessere Wort.

"Lumpenproletarier"

„Auswurf, Abfall, Abhub aller Klassen“ - so Marx. Im Kommunistischen Manifest beschrieben Marx/Engels die subproletarischen Gruppen als „passive Verfaulung der untersten Schichten der alten Gesellschaft“. Literaten, Bettler und Tagediebe, sowie das, was die Franzosen 'la bohème' nennen, gehörte ausdrücklich dazu.

Nicht nur politically incorrect, sondern überhaupt wenig erfreulich für die gesamte Linke! Was hätte Marx zu den üblichen linken Demonstrierern gesagt?

Aber für Sie hätte er natürlich auch einige Sprüche auf Lager gehabt, z.B. etwas in dieser Richtung:

"Es bleibt nur noch ein treibendes Motiv, die Eitelkeit des Kleinbürgers, und er sorgt sich, wie bei allen Eitlen, nur noch um den Erfolg des Augenblicks, um das Aufsehen des Tages."

Ich denke wir unterschätzen alle wie stark sich unsere Mentalität verändert und wie fern uns diese Geisteswelt der Vergangenheit mitunter steht. Das betrifft nicht nur die Linke und Marx, da reichts ja schon sich die Linke von heute und vor 1968 anzusehen (und das sind sogar teilweise dieselben Personen!).

antisemitisch, rassistsich, abwertend gegenüber arme menschen, sexistisch, dass waren die herrschaften. interessante thesen, die zumindestens überlegenswert sind, ja, auch - teilweise. aber nun sind sie weit über 100 jahre alt.

und die meisten hängen noch immer diesen thesen an, langsamwirds zeit was neues, von mir aus auf basis des vernünftigen was marx & co gesagt haben, zu entwickeln. der anarchist kropotkin war da schon weiter, der hat in seinem buch gemeint, dass anarchie, also ordnung ohne hierachie, mit dem fortschritt denkbar wird. er glaubte schon mit dem telegraf wäre das möglich, eine hierachiefreie welt zu schaffen, sagte aber auch, in der zukunft gäbe es kommunikationsmitteln, die das noch wahrscheinlicher machen. ich denke langsam kommen wir in diese zeit, um uns das zumindestens zu überlegen.

eine hierachiefreie welt zu schaffen

Dank Internet und freien Zugängen ist das jetzt schon möglich!

Trotz Diktatur und Zensur wurde der arabische Frühling via Internet mitunterstützt.

Darum wird vor allem in den USA und Europa der Ruf nach stärkerer Kontrolle immer lauter!

Anarchie in der Grammatik tut weh.

:-) wenn sie nächstes mal ein paper von mir kontrollieren, dürfen sie mir das nochmals sagen. bei einem posting in einem onlineforum zwischen zwei arbeitsschritten und einer tasse kaffee, ist mir das so ziemlich powidl.

Die Linke hat noch nie etwas vom Proletariat gehalten....Sie liebten es nur ihre intellektuellen Führer zu werden und das Proletariat in ihren Phantasien zu vergöttern

, solange sie selbst mit den Proleten nur möglichst wenig in Berührung kamen. Die Liebe der Kommunisten zum Proletariat ist diesselbe wie die Liebe des städtischen Romantikers zur bäuerlichen "ursprünglichen" Lebensweise oder die Liebe des städtischen Intellektuellen zu primitiven Aufständischen am anderen Ende der Welt oder die Liebe der geistigen Na*zi-Elite zum "Volkskörper". In der Doku "Warum sie Hit*ler wählten" brachte es ein ehemaliger NSD*AP-Wähler auf den Punkt als er sinngemäß sagte: "Ich hätte auch die Kommunisten gewählt aber ich wusste nicht was Proletarier oder Bourgeoisie heißt..." Das sind also die Übermenschen des Kommunismus...rotbraune Wechselwähler der Unterschicht.

Es ist ja noch schlimmer! Eigentlich sollte das Proletariat sogar ganz abgeschafft werden! Das lag nie in der Absicht der Nazis.

Man mag einigen, und wenn man denn glaubt, das sei gerechtfertigt (mir persönlich erscheint es allerdings etwas ungerecht) meinetwegen auch allen Linken schlechthin persönliche Arroganz gegenüber Arbeitern vorwerfen, das steht auf einem anderen Blatt, aber die eingeforderte wahre Liebe zum Proletariat ist nicht nur zweischneidig, sondern geradezu widersinnig, falls denn das Programm die klassenlose Gesellschaft sein soll.

Und ich dachte immer,

Dänen lügen nicht?!

Dieser Aspekt hat mich auch auch ziemlich irritiert.

"Der Inhalt der privaten Korrespondenz ist unerwartet deftig und lässt in eine Geisteswelt blicken, die man den Verfassern des "Kommunistischen Manifests" nicht zugetraut hätte"

Ja, auch nur jene, die es nicht so genau wissen wollten. Der Rest wusste schon lange um die rassistische Grundeinstellung von Marx. Und das Vorurteil, dass Dänen immer lügen, sollte spätestens der Philosoph Otto ausgeräumt haben.

www.youtube.com/watch?v=k6ARX-4AG0g

Rassistische grundeinstellung? Nur als hinweis. Marx schwiegersohn paul lafargue hatte sowohl juedische als auch schwarze vorfahren und stammte aud der franz. karibik. Das war damals allen bekannt. Er hat sich sogar selbst als mulatte bezeichnet.

Das ändert ja nichts an meiner Aussage.

Also beim schnellen Hinschauen habe ich echt gedacht links sei Marx abgebildet.

nicht aktuell aber witzig

das ist doch schon im Mai 2009 rausgekommen

Ferdinand Lassalle, bitteschön,...

... deutscher Sozialdemokrat.

Von den Menschenrechten war Marx auch nicht sehr überzeugt, aber seine Jünger sind seit 1989 Geschichte...

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Aber Marx hatter mehr mit Demokratie am Hut als z.B. von Hayek, der lange Zeit nach Marx kam und dessen unsinnige Ideen wir jetzt ausbaden dürfen.

"Diktatur des Proletariats"

ist aber auch tatsächlich als Diktatur angedacht!

In genau dem Sinne, in dem sie auch den Kapitalismus als "Diktatur der Bourgeoisie" bezeichnet haben.

Im 19. Jhdt. war halt Diktatur ein wertfreier Begriff analog zu "Herrschaft".

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