Bettina Pfluger

Giftige Mischung neu angerührt

Kommentar | Bettina Pfluger, 5. August 2011, 17:59

Zögerliche, widersprüchliche Politik führt zu Rezessionsangst und Vertrauensverlust

Die Talfahrt an den Börsen war ein Schock. Jetzt wäre es hoch an der Zeit, dass auch die Politiker aufwachen, zu nachhaltigen Reformen ansetzen und Abstand nehmen vom politischen Hickhack, wie es uns zuletzt rund um die US-Schuldenkrise eindrucksvoll gezeigt wurde und in der europäischen Finanzpolitik vorgeführt wird.

Dass die hohe Verschuldung für einige Länder in Europa zur massiven Belastung geworden ist, ist nun ja wirklich nicht mehr neu. Die Frage ist aber, warum die finanzielle Hilfe aus dem Rettungsfonds, die angekündigten Sparprogramme und Privatisierungsvorhaben es nicht schaffen, die Märkte zu beruhigen. Das liegt wohl daran, dass Europas Politiker es noch immer nicht geschafft haben, mit einer Stimme zu sprechen. Wenn EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso gerade einmal zwei Wochen nach den Beschlüssen des Eurosondergipfels Anpassungen und eine neuerliche Aufstockung des gerade erst ausgeformten 440 Milliarden Euro umfassenden Eurorettungsschirms fordert, dann schwingt eines mit: Der große Zweifel, ob die EU die Schuldenkrise wirklich im Griff hat. Und das ist nicht vertrauensfördernd.

Hinzu kommt, dass alles Rettungsgeld eines noch nicht bewegt hat - nämlich die dringlichen Strukturreformen. Die meisten Länder der Eurozone gaben unabhängig von der Wirtschaftskrise seit Jahren deutlich mehr aus, als sie einnahmen. Die dahintröpfelnde Diskussion um eine einheitliche Wirtschaftsregierung in Europa muss beschleunigt und zu einem Abschluss gebracht werden. Die gemeinsame Währung als Signal ist zu wenig.

Eine strukturelle Veränderung haben auch die USA bitter nötig. Der Immobilienmarkt, dessen Zusammenbruch die Finanzkrise ausgelöst hat, ist noch immer nicht in Schwung gekommen - ganz im Gegenteil. Die Preise für Eigenheime sind in den wichtigsten US-Märkten im Frühjahr wieder deutlich gefallen. Der Case-Shiller-Index der Ratingagentur Standard & Poor's (ein Immobilienindex für 20 Städte in den USA) ist zuletzt deutlich gesunken und liegt aktuell auf dem Niveau von 2003.

Ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell haben die USA nicht, wie die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit zeigt. Die Wirtschaft hängt am Binnenkonsum, der rund 70 Prozent zum BIP beiträgt. Lässt die Kauflaune nach, wird es grimmig. Dass dem bald so sein wird, zeigen die sinkenden Konjunkturindizes. Dem Aufschwung geht die Luft aus. Das gilt für die USA - deren Wachstum zuletzt deutlich nach unten korrigiert wurde - und für Europa. Was diesen Cocktail zu einem gefährlichen Mix macht, ist die derweil steigende Neuverschuldung.

Noch eine Facette darf nicht unbeobachtet bleiben. Das Wachstum bremst sich auch in den Schwellenländern ein. Die höheren Nahrungsmittelpreise und die dadurch ausgelösten Zinserhöhungen schwächen die Kaufkraft. Denn Nahrungsmittel machen in den Schwellenländern einen wesentlich höheren Anteil an den gesamten Verbraucherausgaben aus als in den Industriestaaten. Dass uns die Schwellenländer - wie zuletzt - aus der Krise ziehen, darauf darf also nicht weiter gehofft werden.

Die Mischung aus Rezessionsangst und Vertrauensverlust ist eine giftige, wie die Finanzkrise eindrucksvoll gezeigt hat. Derzeit sieht es jedoch so aus, als ob sich dieses Szenario wiederholt. Die Party ist - wieder einmal - vorbei. Bis der Himmel an den Märkten wieder blau ist, könnte es noch dauern. (Der STANDARD; Print-Ausgabe, 6./7.8.2011)

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Facialbook
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Ahnungslose Dame.

Es ist völlig egal, mit wievielen Stimmen gesprochen wird, wenn die Botschaft verheerend ist.

Zentner
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Die EU soll nicht mit "einer Stimme sprechen" denn sie ist keine Diktatur sondern eine Demokratie. Entscheidungsfindungsprozesse dauern eben - der Markt ist nicht wichtiger als die Demokratie.

susanne kowarc
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Der Staat mischt sich mit Gewalt und Zwang in zu viele Dinge ein. Dinge, die ihn gar nicht sehr viel angehen

und die er auch gar nicht bezahlen kann.

Und der Staat sollte den Leuten daher für diese Dinge, die ihn gar nicht sehr viel angehen, auch eher nicht so viel Geld wegnehmen wie zurzeit. Die Leute sollen nämlich besser selbst entscheiden, was sie mit ihrem eigenen Geld machen wollen und nicht der Staat soll das entscheiden.

Andreas Prucha
01
11.8.2011, 02:23

Der Staat mischt sich eher zuwenig ein.

Steinbock1959
00

Sie sind eine, denen es ums Geld geht, oder?

susanne kowarc
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Wem denn nicht?

Und auf Grund tausendfacher historischer Erfahrungen ist es absolut sicher, dass Sparmaßnahmen das Wirtschaftswachstum viel weniger treffen als Steuererhöhungen. Denn Geld in Händen von Politikern und Beamten wird immer viel ineffizienter ausgegeben als in den Händen der Bürger.

Christian Apl1
Christian Apl
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und wo haben Sie die letzten 30 Jahre verschlafen?

Steinbock1959
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Fähige Politiker und eine fähige Verwaltung, die mit dem Steuergeld auch ordentlich wirtschaften?

Steinbock1959
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Wenn das Geld nur verludert wird, wird es wohl auch keiner gerne hergeben, oder?

good vibration
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Die tut ja so als ob der Markt funktionieren würde!

In Wahrheit ist der "Freie Markt" mit seinen gierigen und wachstumssüchtigen Heuschrecken die wahre Ursache von gröbster Ungerechtigkeit, brutalster Ausbeutung Verschwendung an Grundstoffen und menschlichen Ressourcen. Dabei geht es weder um gute Nahrungsmittel oder heilende Medikamente oder technisch sinnvolle Produkte sondern überwiegend um Gewinnmaximierung für die Privaten und die Staaten sollen dann den Ruin vermeiden, einfach pervers!

Steinbock1959
00

Liegt es nicht auch an der Politik und der Verwaltung?

Andreas Prucha
00
11.8.2011, 02:25

Natürlich zum Teil auch. Aber mit ein Fehler ist, dass die Politik auf die Balance des Marktes vertraut.

Steinbock1959
03

Der Ludwig Erhard hat gesagt, dass die Wirtschaft nur Mittel zum Zweck sein darf - und dass die gesellschaftlichen Aufgaben das Entscheidende sind.
Dass sonst daraus der Tanz um das Goldene Kalb wird.

Steinbock1959
01

Wenn darauf eine Ideologie wird.

the comedian
 
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dummes inhaltsleeres gewäsch

CouchDB
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Reformen ? Wohl am falschen Ende.

Wasser ist lebenswichtig aber wenn alle paar Jahre das Sofa durch Wohnzimmer schwimmt ist der letzte Anrainer für einen Dammbau. Warum also keinen Dammbau gegen die unkrontrollierten Märkte - derzeit schwimmt uns alle paar Jahre Sofa vor der Nase davon, die Antwort der Kapitalistenvertreter ist die selbe wie im Mittelalter: Lasst uns ein paar rothaarige Weiber (Sozialsysteme) verbrennen und ein paar Homos (Renter) aufhängen dann wird alles wieder gut.

Steinbock1959
00

Sollte man es nicht zumindestens versuchen?

Andreas Prucha
00
11.8.2011, 02:28
Es wird doch schon laufend versucht. Es wird doch schon laufend mehr dereguliert und bei Sozialsystemen eingespart.

Seltsamerweise wirds ehr schlimmer als besser dabei. Da stellt sich die Frage, ob die Wirtschaftsheinis *tatsächlich* den richtigen Schuldigen benennen, oder ob sie nicht nur selbst mehr und mehr abcashen wollen auf Kosten der Durchschnittsbürger.

Weil eins ist klar: Fonds und dergleichen sind gewinnorientierte Unternehmen. Und welches gewinnorientierte Unternehmen stellt seine eigenen Produkte nicht besser dar, als sie sind?

Bitte Bitte
03
Als die Noekons um die Jahrtausendwende ein wohlbestelltes Haus übernahmen, standen einigen ob soviel Ignoranz die Haare zu Berge.

Nicht nur bei uns und den USA, sondern weltweit.

Setzt man eine so radiklale Kehrtwende, wie die Neokons, d. h. zurück vor die Französische Revolution, dann ist man im 1. Schritt völlig frei und ungebunden.

Ein Moment der Macher, wie wir ihn mit Ihm und KHG hierzulande hautnah und noch unverfrohrener mit der Bush-Huliburton-Administration in Übersee erleben durften.

Im 2. Schritt sind diese Macher dann davon abhängig, was sie im 1. Schritt machten. Das System ist verriegelt. Der Wagen steht auf Schiene.

Je radikaler und autokratischer man im 1. Schritt war, umso verriegelter ist das System.

Im 3. Schritt kracht der Wagen dann an die Wand.

Was wir jetzt erleben, ist ein Leben ohne Auto, bzw. dass man ein totes Pferd nicht reiten kann.

Steinbock1959
00

Sollte man dabei nicht auch an eine Geschichte aus der Bibel denken?

Gerhard Gilnreiner
 
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Hier oben erlebten wir eine journalistische Auffädelung von Vokabeln die etwa zu Thema gehören - total am wesentlichen vorbei

"Die Mischung aus Rezessionsangst und Vertrauensverlust ist eine giftige,..."

Darum geht es nicht, das Wesentliche einfach ausgedrückt:

....Schulden machen sollte man nur für Projekte die sich refinanzieren - direkt über Einnahmen oder über Umwegrentabilität

....keine Schulden machen sollte man für die Deckung von jährlichen Fixkosten denen kaum Einnahmen gegenüber stehen, weil sie im nächsten Jahr wieder anfallen, aber vermehrt um die Zinsen früherer Perioden

....möglichst niemals sollte man in die Lage kommen Umschuldungen (verschiebungen auf später) vorzunehmen

Das - weil irgend wann die Zinsenbelastung so hoch werden kann, dass man kaum Spielraum fürs kommende Budget hat

Also geht also um Fakten, nicht nur um Hysterie

Jake Gittes
14

Mit derart oberflächlichen Analysen darf man sich nicht wundern, wenn man immer wieder wie der Ochs vorm Berg (oder der Börsianer vor der Anzeigetafel) steht und die Welt nicht mehr begreift.

Kein Wort von den wahren Ursachen:

Amerika:
Golfkrieg 1, Bush Senior
Golfkrieg 2, Bush Junior

Deregulierung der Finanzmärkte seit den 80igern, daraus folgernd
Weltfinanzkrise und Bankencrash d. folgend
gewaltiges Rettungspaket durch Obama, d. f.
Explosion der Schulden

Europa:
Fehlkonstruktion des Euro
daraus folgend
keine Widerstandskraft gegen die
Weltfinanzkrise, daraus folgend
Staatsschuldenkrise, d. folgend
Vertrauensverlust usw. usw. usw.

Steinbock1959
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Haben wir nicht auch über unsere Verhältnissse gelebt und hat das nicht auch etwas mit der Politik und der Verwaltung zu tun?

Steinbock1959
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Ja, aber was kann man dagegen tun?

Jake Gittes
01

Ja was kann man tun? Jeder einzelne kann sich mal grundlegend informieren wie die Dinge sich verhalten. Das braucht Zeit und Hingabe, weil sowohl politisches wie makroökonomisches Verständnis vonnöten ist.

Dann kann man sich einbringen wo immer man ist und seine Meinung vertreten bzw. schreiben.

Und dann kann man noch hoffen, dass immer mehr Leute die Zeichen der Zeit erkennen werden, sich öffentlich zu artikulieren beginnen (z. B. durch Demonstrationen, siehe Israel momentan) und dass die Regierungen gezwungen werden, eine andere Politik zu machen oder verjagt werden.

Vor allem darf man keinen Defätismus verbreiten, denn das ist der größte Freind jeder Veränderung.

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