Dürre

Ostafrika: NGOs kaufen Hilfsmittel weitgehend lokal ein

5. August 2011, 18:34
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    foto: reuters

    Frauen stellen sich bei einem Nahrungsverteilungszentrum des UN-Welternährungsprogramms in Mogadischu an. Die Lieferungen stammen laut WFP bevorzugt aus Sambia, Uganda oder Südafrika.

Die am Horn von Afrika tätigen Helfer versuchen, Nahrungsmittel möglichst in der Region zu besorgen. Speiseöl wird aber bereits knapp – Für viele kommt die Hilfe zu spät: In drei Monaten starben in Somalia 29.000 Kinder

Addis Abeba / Mogadischu / Wien - Da immer mehr Menschen in Ostafrika vor Hunger und Gewalt fliehen, eröffnet Äthiopien ein viertes Füchtlingslager außerhalb Somalias, wie es am Freitag in Genf hieß. Das Lager soll bis zu 15.000 Menschen aufnehmen und das Camp Dollo Ado in Ostäthiopien entlasten. Die kaum überschaubare Situation im überfüllten Flüchtlingslager Dadaab soll nun ein Satellitenbild des Zentrums für Geoinformatik der Uni Salzburg aufzeichnen, um die Flüchtlinge zu zählen.

Neuankömmlinge müssen dort oft bis zu 40 Tage auf die Registrierung warten, wodurch sie sich zunächst unkoordiniert in den Randbereichen des Lagers ansiedeln.

In der somalischen Hauptstadt Mogadischu ist es nach Angaben der Uno bei der Hilfsgüterverteilung an Hungernde am Freitag zu einem schweren Zwischenfall mit mehreren Verletzten gekommen. Unbekannte sollen versucht haben, Nahrungsmittel-Lkws der UN zu plündern. In dem Land sind in den vergangenen 90 Tagen bereits 29.000 Kinder verhungert, wie ein US-Regierungsbeauftragter nach Angaben des TV-Senders Al-Jazeera berichtet.

Nur bei Engpässen kein lokaler Kauf

In Somalia selbst werden nur wenige internationale Organisationen zur Hilfe zugelassen. Eine davon ist das Internationale Rote Kreuz (IKRK). Dieses kauft Hilfsmittel nach Angaben von Jürgen Kunert, dem leitenden Logistiker des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), wenn vorhanden, lokal ein. Bei Engpässen greifen die Helfer auf Vorräte in ihren Verteilzentren in Nairobi oder auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten zurück. Am Wochenende bereitet das ÖRK zudem eine Hilfslieferung mit Wassertabletten vor, die möglichst rasch über den Luftweg nach Nairobi gebracht werden soll.

Auch Partner der Diakonie Österreich sind in Somalia im Einsatz. Sie kaufen Hilfsgüter wie Mais, Öl und Reis nach Angaben einer Sprecherin vor allem vor Ort. "Die Preise sind zwar ziemlich gestiegen, die Nahrungsmittel sind dann aber immer noch billiger als mit den Transportkosten."

Auch in Äthiopien und Kenia könne in weiten Teilen auf lokale Händler zurückgegriffen werden, schildert Georg Matuschkowitz von der Caritas Österreich. In Kenia verteilt die NGO Essensgutscheine, die Bedürftige bei Händlern der Region einlösen können.

Teure Verteilung, knappes Speiseöl

In einigen Gegenden in Äthiopien sei es aber notwendig, Vorräte aus Zentrallagern zu verteilen. Oft seien abgelegene Dörfer nur mit geländegängigen Kleinlastwägen erreichbar, was die Verteilung teurer mache, schildert Matuschkowitz. Was inzwischen sehr knapp sei, ist Speiseöl. "Das dürfte auch bereits von außerhalb Afrikas nach Äthiopien kommen", schätzt Matuschkowitz. Vom World Food Programme der (WFP) heißt es, Nahrungsmittel würden bevorzugt lokal eingekauft - in diesem Fall in Ländern wie Sambia oder Uganda, um Farmer dort zu unterstützen.

Österreich hat seine Hilfe für Ostafrika von 850.000 Euro auf 1,5 Millionen Euro aufgestockt, teilte das Außenministerium am Freitag mit. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 6.8.2011)

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1 2
TheVox
01
"Die Preise sind zwar ziemlich gestiegen,....."

und dafür ist die lokale Bevölkerung auch unheimlich dankbar, weil sie sich jetzt auch kaum mehr das Essen leisten können.
Diese Entwicklung gab es auch während der Tschad-Mission des ÖBH. Weil die UNO und dort auch die europäischen Armeen jeden Preis zahlen ohne zu verhandeln, war das Warenangebot auf den lokalen Märkten bald so teuer, dass sich die Einheimischen nichts mehr leisten konnten.

rari
20
nützliche idioten

im Nachbarland Lybien wird gerade mit täglichem Millionenaufwand seitens der friedliebenden NATO die Infrastruktur und viele Zivilisten zerbombt.

Die Potentaten in den Hungerländern machen die besten Geschäfte auch mit Waffen und Piraterie ohne daß die diversen internationalen Gerichtshöfe oder die NATO nur einen Mukser machen.

In Österreich verhöhnen die vielbejubelten "Kultur"-Träger "Ich hab doch nichts zu verschenken", oder "Geiz ist geil" diejenigen, die doch noch etwas zu schenken oder spenden haben.

Und da wundert man sich, wieso die Spendenfreudigkeit zu wünschen übrigläßt ?

rules90
02

mit europäischen hilfgeldern preise ein bisschen mittreiben damit die jetztige mittelschicht die neuen armen werden

Baal Kagan
01
aber dann können wir

noch viel mehr menschen helfen.

Träume sind Schäume..
02
Industrialisierte, mechanisierte Landwirtschadt aufziehen

Mit hochgezüchteten Pflanzen, die das optimale am lokalen Klima rausholen.

Einmal etabliert und Hungerprobleme gelöst.
DAS ist die Hungerhilfe.

Alles Sonstige Gekreische von ökologischer Landwirtschfaft, Kleinbauernstützung usw. kommt meist von Typen mit vollen Tellern.
Die noch keine Hungerperiode bei unvermeidbaren Wetterschwankungen erlebt haben und sowieso meist in urbanen Zentren ohne Bezug wohnen.

Wer nicht hungern will muss radikal die Effizienz seiner Landwirtschaft erhöhen, denn der volle Teller der Gesammtbevölkerung steht über allen ;)

W.Hammerl
01

Ich bezweifle, dass man in Gegenden wie der Sahel-Zone auf die Dauer leben kann. Es gibt dort praktisch alle Jahre Hungerkatastrophen, die mit dem lebensfeindlichen Klima zusammenhängen. So schlimm es ist, aber ist wohl besser, die Menschen zu evakuieren und wo anders anzusiedeln. Die Frage ist nur wo.

Zinnmo
 
03

Bei dem Bevölkerungswachstum in der Region reicht auch das nicht. Dort gibt es heute 4x so viele Menschen wie 1950.

~
21
Und sich damit abhängig machen von US-Saatgut- und Chemiekonzernen(Monsanto)

Bei Nahrungsknappheit keine Exportware anbauen (Kaffee, Drogen, etc...)
Grossgrundbesitzer enteignen
Landwirtschaft für die Menschen im Land betreiben

Der junge Jim Kirk
01

womit bezahlen die menschen im lande dann die produkte aus eigener landwirtschaft?

~
01

Durch den Verkauf von Arbeitsleistung, wie bei uns auch

Wie bezahlen die Menschen jetzt für Lebensmittel?
A: Gar nicht, sie sind auf Hilfslieferungen angewiesen.

Träume sind Schäume..
03
Das ist unmöglich

Würde in der Region ein großer Nahrungsmittelüberschuss exestieren, gäbe es keine Hungertoten.

Bleiben nur 2 Möglichkeiten.
a) "Lokale" Händler importieren massenhaft Nahrungsmittel aus Industrieländern und verhöckern sie an Hilfsorganisationen.

b) Besagte Hilfsorganisationen kaufen mit Devisen das lokale Marktangebot leer.
Dadurch explodieren örtliche Preise für Nahrungsmittel.
Und die Bevölkerung hungert oder strömmt selbst zu den Flüchtlingscamps für eine Handvoll Brott.

In jedem Fall wär ich als Kenianer verdammt sauer auf diese "Helfer", die sich brüsten nur "lokal" zu agieren ;)

eagle13
 
01
Die NGO's verteilen die Katastrophe über eine größere Fläche in dem Glauben den Menschen zu helfen. Denn durch das weitgehende lokale Einkaufen zerstören sie das Gleichgewicht im Markt. Diese Hilfskatastrophe tritt jedesmal ein in dem sich die Preise

für Lebensmittel in den Gebieten, in welchen die NGO's einkaufen drastisch verteuern und somit die unteren Schichten die Lebensgrundlage entzogen wird.
Hierdurch werden instabile Staaten weiter destabilisiert und die NGO's schaffen sich den nächsten Einsatz bzw. man plündert ihre Lager.

stall
00
na und

soll die regierung einen hungerexperten nach schweden schicken zu erkunden, wie die das machen. dann überholen wir die schweden.

Rudine Karell
41
Verstehe ich das richtig?

das ist keine Dürre der Natur sondern eine Dürre in den Geldbörsen der Bevölkerung? Gott sei Dank hab ich nix gespendet.

Montgomery McFerryn
02

Wie naiv sind sie denn Afrika exportiert weiterhin Nahrungsmittel obwohl ein Teil verhungert. Und die NGOs machen ein gutes Geschäft mit uns.

johannes schenk1
00
ff drastisch gestiegen (verdoppelt und mehr, vor allem in Afrika)

dass selbst Menschen mit Arbeit und Einkommen Schwierigkeiten haben, ihre Familien zu ernähren (siehe Hungerrevolten 2008) - dieses Problem wird durch die Dürre am Horn von Afrika natürlich auch noch einmal verschärft.
Im übrigen verstehe ich nicht, warum eine Dürre der Natur für die Betroffenen schlimmer ist, als eine Dürre der Geldbörsen - beide führen zu Hunger und Tod und für beides können die Betroffenen meist nichts.

johannes schenk1
01
Es ist beides:

"Lokal" ist ein relativer Begriff - während am Horn von Afrika Hunger herrscht, gibt es in anderen Teilen Ostafrikas offensichtlich noch ausreichend Lebensmittel - zB während der Norden Kenias an sich sehr trocken ist, gibt es in anderen Regionen ausreichend Wasser und daher auch Nahrung.
Nur sind die lokalen Bauern, selbst tw. zu arm und tw. zu wenig solidarisch, um Lebensmittel herzuschenken - liegt auch an den verschiedenen Stämmen, unter zwischen denen üblicherweise wenig Solidarität herrscht.
Es gibt an sich so gut wie nie zu wenig Lebensmittel in der Welt - immer nur regional - aber die Frage ist, wie und auf wessen Kosten die Überschüsse aus zu den Hungernden kommen.
Daüber hinaus sind die Lebensmittelpreise seit ca. 2005 derart ff

Fan of the Rahner-Brothers
00
interessant!

schade, dass Ihre Antwort nicht ferig gepostet wurde; ich halte sie für interessant und aufschlußreich! vielen Dank!

johannes schenk1
00
das Ende des postings ist darüber -

ist leider so, wenn man erst beim schreiben merkt, dass das posting zu lange wird - das spätere posting wird dann über das erstere gestellt...
war blöd von mir. sorry.

Andreas Prucha
00

Und wenns so wäre: Was würde das prinzipiell ändern?

Dürre muss nicht unbedingt die gesamte Ernte vernichten. Sie kann sie auch geringer ausfallen lassen, und so die Preise in nicht zahlbare Höhen treiben. Der Effekt ist letztendlich der Gleiche: Die Leute haben nichts zum Essen.

Der einzige Nachteil dieser Art von Hilfe ist, dass dadurch die Gier der Produzenten belohnt wird.

Kowosch
 
03

Ist doch ziemlich klar: Primär in Somalia ist Dürre (und Bürgerkrieg), die Menschen fliehen großteils in die Nachbarländer bzw. in besser versorgte Gebiete. Auch wenn die Infrastruktur Kenias oder Äthiopiens nicht so überragend ist, so können eben Überschüsse aus anderen Landesteilen bzw. den Gebieten, wohin die Leute aus den eigentlichen Dürre- und Kriegsgebieten geflohen sind, an diese verkauft/verteilt werden.

So manche Hungersnot in afrikanischen Staaten hat übrigens auch ihre Ursache in ungenügenden Transporten von einem ins andere Landesteil. Z.T. technisch, z.T politisch bedingt.

Ob nun die österreichische Bevölkerung gegenüber Hungersflüchtlingen aus Nachbarstaaten allgemein besonders selbstlos wäre? Ich weiß ja nicht...

Kritiker1A
01
Ein Teil ist auch bedingt durch die EU-Afrarförderung, weil Äcker in Afrika nicht mehr bestellt werden, weil

das EU-Zeugs wegen der Subventionen billiger ist.

Dadurch verlieren die Menschen aber auch Ihr Einkommen.

Zusätzlich kaufen die CHinesen wie wild ind billig Ackerland, und somit verlieren die Leute ebenfalls Ihre Lebensgrundlage.

John Stuart Mill
02
Blablabla

Immer diese Ausreden.

Unsere Subentionen schaden nur, wenn die was exportieren wollen nach Europa. Es geht aber darum, dass die anscheinend nicht genug produzieren für den lokalen Markt (oder die Verteilung nicht funktioniert).

Das Problem ist nicht wieviel man spendet, sondern dass. Es dürften ausschliesslich Sachleistungen erbracht werden, denn sämtliche Geldflüsse versiegen sonst zum Grossteil im Korruptionssumpf und fördert, dass ein junge Leute lieber irgendein korruptes staatsnahes / NGO-nahes Amt anstreben als etwas anzubauen oder in der Privatwirtschaft zu arbeiten.

Und ja, einem hungernden Ungar, Schweizer, Andalusier oder Slowenen helfe ich gerne mit was zu Essen aus. Naja, nachdem die allerdings nicht mehr auf dem Standard pre

johannes schenk1
00
Wenn Sie mit Ihrem posting sagen wollen, dass die Afrikanischen Staaten

an ihren Problemen selbst schuld sind, haben Sie sicher teilweise recht.
Aber was können die Hungernden dafür?
Und ein Job in der Privatwirtschaft, in Somalia, Nordkenia oder einer ähnlichen Region?
Sie scherzen.
In Nordkenia kommen auf einen Hilfsarbeiterjob 20 Bewerber und für mehr reicht die Ausbildung meistens nicht. In Somalia ist Bürgerkrieg und Chaos. Und natürlich gibt es auch so gut wie keine Ausbildung.
Aber Sie haben Recht: Geld an Regierungen ist unsinnig.
Geld an NGOs kann sehr viel helfen, wenn man die richtigen erwischt.
Üblicherweise Gutes hört man vom Roten Kreuz, der Caritas, Oxfam, Diakonie - es gibt eine Menge guter Organisationen.
Die machen auch Fehler, aber ihre Hilfe ist meistens sinnvoll.

Kowosch
 
00
"Unsere Sub[v]entionen schaden nur, wenn die was exportieren wollen nach Europa."

Das haben Sie nun aber nicht ansatzweise durchdacht: Es geht um den Export der subventionierten Agrarprodukte aus der EU nach Afrika. Findet tatsächlich z.T. statt - und natürlich macht das dann für die lokalen Produzenten die Preise kaputt usw..

Übrigens landen - Korruption (vielleicht nicht nur bei den Behörden vor Ort, sondern auch bei den Exporteuren?)... - auch Sachspenden gerne mal auf dem lokalen Markt.

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