Die am Horn von Afrika tätigen Helfer versuchen, Nahrungsmittel möglichst in der Region zu besorgen. Speiseöl wird aber bereits knapp – Für viele kommt die Hilfe zu spät: In drei Monaten starben in Somalia 29.000 Kinder
Addis Abeba / Mogadischu / Wien - Da immer mehr Menschen in Ostafrika vor Hunger und Gewalt fliehen, eröffnet Äthiopien ein viertes Füchtlingslager außerhalb Somalias, wie es am Freitag in Genf hieß. Das Lager soll bis zu 15.000 Menschen aufnehmen und das Camp Dollo Ado in Ostäthiopien entlasten. Die kaum überschaubare Situation im überfüllten Flüchtlingslager Dadaab soll nun ein Satellitenbild des Zentrums für Geoinformatik der Uni Salzburg aufzeichnen, um die Flüchtlinge zu zählen.
Neuankömmlinge müssen dort oft bis zu 40 Tage auf die Registrierung warten, wodurch sie sich zunächst unkoordiniert in den Randbereichen des Lagers ansiedeln.
In der somalischen Hauptstadt Mogadischu ist es nach Angaben der Uno bei der Hilfsgüterverteilung an Hungernde am Freitag zu einem schweren Zwischenfall mit mehreren Verletzten gekommen. Unbekannte sollen versucht haben, Nahrungsmittel-Lkws der UN zu plündern. In dem Land sind in den vergangenen 90 Tagen bereits 29.000 Kinder verhungert, wie ein US-Regierungsbeauftragter nach Angaben des TV-Senders Al-Jazeera berichtet.
Nur bei Engpässen kein lokaler Kauf
In Somalia selbst werden nur wenige internationale Organisationen zur Hilfe zugelassen. Eine davon ist das Internationale Rote Kreuz (IKRK). Dieses kauft Hilfsmittel nach Angaben von Jürgen Kunert, dem leitenden Logistiker des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), wenn vorhanden, lokal ein. Bei Engpässen greifen die Helfer auf Vorräte in ihren Verteilzentren in Nairobi oder auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten zurück. Am Wochenende bereitet das ÖRK zudem eine Hilfslieferung mit Wassertabletten vor, die möglichst rasch über den Luftweg nach Nairobi gebracht werden soll.
Auch Partner der Diakonie Österreich sind in Somalia im Einsatz. Sie kaufen Hilfsgüter wie Mais, Öl und Reis nach Angaben einer Sprecherin vor allem vor Ort. "Die Preise sind zwar ziemlich gestiegen, die Nahrungsmittel sind dann aber immer noch billiger als mit den Transportkosten."
Auch in Äthiopien und Kenia könne in weiten Teilen auf lokale Händler zurückgegriffen werden, schildert Georg Matuschkowitz von der Caritas Österreich. In Kenia verteilt die NGO Essensgutscheine, die Bedürftige bei Händlern der Region einlösen können.
Teure Verteilung, knappes Speiseöl
In einigen Gegenden in Äthiopien sei es aber notwendig, Vorräte aus Zentrallagern zu verteilen. Oft seien abgelegene Dörfer nur mit geländegängigen Kleinlastwägen erreichbar, was die Verteilung teurer mache, schildert Matuschkowitz. Was inzwischen sehr knapp sei, ist Speiseöl. "Das dürfte auch bereits von außerhalb Afrikas nach Äthiopien kommen", schätzt Matuschkowitz. Vom World Food Programme der (WFP) heißt es, Nahrungsmittel würden bevorzugt lokal eingekauft - in diesem Fall in Ländern wie Sambia oder Uganda, um Farmer dort zu unterstützen.
Österreich hat seine Hilfe für Ostafrika von 850.000 Euro auf 1,5 Millionen Euro aufgestockt, teilte das Außenministerium am Freitag mit. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 6.8.2011)