Arbeiten, um zu leben - oder doch umgekehrt?

5. August 2011, 17:39
  • Personal- Professorin Jutta Rump: Millennials sind keine Pampers- Generation, funktionieren aber nicht nach dem Motto "Leben, um zu arbeiten". Leistung ist für sie verbunden mit Freude an und Sinn in der Arbeit.
    foto: fh ludwigshafen

    Personal- Professorin Jutta Rump: Millennials sind keine Pampers- Generation, funktionieren aber nicht nach dem Motto "Leben, um zu arbeiten". Leistung ist für sie verbunden mit Freude an und Sinn in der Arbeit.

Die Ansprüche, Werte und Sicherheiten der Jungen kollidieren nun in Unternehmen mit jenen der Älteren - Jutta Rump über das radikale Durcheinander

STANDARD: Sie sagen, das nunmehr akut notwendige Generationenmanagement in Unternehmen werde sich mit Konflikten zu beschäftigen haben?

Rump: Es treffen in Unternehmen zunehmend vier Generationen aufeinander: Babyboomer (ab Mitte der 1940er-Jahre geboren), die Generation X (in den 60er- und 70er-Jahren geboren), die Generation Y (ab 1980 geboren) und die Millenniumbabys - Generation Z. Das vor dem Hintergrund verlängerter Lebensarbeitszeiten, weniger Nachwuchs und Fachkräfteengpässen. Unternehmen kommen da also um ein Management mehrerer Generationen gar nicht herum. Das heißt aber, dass die Babyboomer und Teile der Generation X die interessanten Stellen noch länger besetzen werden, sie sehen, dass die Älteren sitzen und diese Stellen blockieren. Das erzeugt das Gefühl einer permanenten Glasdecke, gleichzeitig wissen sie, dass ihre Laufzeit auf dem Arbeitsmarkt gut 45 Jahre betragen wird. Das bringt erhebliche Konflikte in puncto Chancen und Perspektiven.

STANDARD: Sie betrachten die Elite der Naturwissenschafts- und Betriebswirtschaftsabsolventen, die wie kleine Edelsteine gehandelt werden?

Rump: Nein, ich spreche von all den Jungen, die einen Abschluss haben, ich spreche nicht von Exzellenzgruppen.

STANDARD: Die nach 1980 Geborenen werden oft als "Surf- und Snowboard-Generation" bezeichnet, Leistungswille wird ihnen abgesprochen. Stimmt das also ganz und gar nicht?

Rump: Die sind keine Pampers-Generation! Schauen Sie sich die Stunden- und Freizeitpläne dieser Leute von klein auf an: Die stehen gewaltig unter Leistungsdruck.

STANDARD: Aber sie wissen auch die Macht der Demografie hinter sich.

Rump: Ja, deswegen prallen auch Wertewelten im Arbeitsleben aufeinander: Bei den Babyboomern ist Leistung verbunden mit Pflicht und Disziplin. Bei der Generation Y ist Leistung mit Freude an und Sinn in der Arbeit verbunden. Die Älteren haben das Motto "Leben, um zu arbeiten", die Jungen haben es umgedreht und arbeiten, um zu leben. Das wirft traditionelle Ordnungen in Organisationen total durcheinander.

STANDARD: Auch was die Ansprüche an die sogenannte Work-Life-Balance betrifft?

Rump: Vereinbarkeit ist für die Jungen ein Wert, nicht eine Modeerscheinung. Das Rollenverständnis ist anders, bei Jungen tatsächlich partnerschaftlich. Das wirft traditionelle Arbeitszeitmodelle durcheinander. Frauen werden nun sehr schnell höhere Teilhabe am Erwerbsleben haben. Die Arbeitswelt wird weiblicher - das wird mit demografischen Treibern auch nachgefragt. Aber: Die Rahmenbedingungen in Unternehmen sind männlich. Karriere heißt meist Vollzeit, muss zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr gemacht werden und stützt sich auf Netzwerke - das ist männlich und wird so nicht weiter bestehen können, wenn Unternehmen alle Potenziale des Arbeitsmarktes nutzen wollen - und aufgrund der Alterungssituation auch müssen.

STANDARD: In den Studien zum Wunschkatalog der Jungen ist Geld nicht vom Thron gestoßen, obwohl jene, die gute Abschlüsse haben und daher besonders begehrt sind, überwiegend aus gut aufgestellten Familien, meist als Einzelkinder, kommen. Geld bleibt zentral?

Rump: Geld ist allen Generationen wichtig. Für die Generation Y reicht es allein aber nicht mehr aus, Immaterielles hat in der Bedeutung gleichgezogen - vom Sabbatical bis zum sozialen Engagement des Arbeitgebers.

STANDARD: Das klingt nach heftigem Wind des Wandels für Unternehmen ...

Rump: Über all das reden wir ja schon einige Zeit. Jetzt sind aber die Schmerzen groß genug, dass Unternehmen munter werden: Sie können ihre Aufträge nicht mehr erfüllen, finden die Leute nicht, die sie brauchen, oder verlieren sie schnell wieder. Der Wind ist tatsächlich heftig geworden. Ohne Management von Vielfalt wird diese demografische Herausforderung nicht zu bewältigen sein.

STANDARD: Was heißt das konkret für die Personalpolitik?

Rump: Personalpolitik muss Investitionspolitik sein. Wer glaubt, dass es beim Thema Personal noch immer um eine "weiche" Sache geht, wird die demografische Herausforderung nicht schaffen. Und sie ist schon da. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.8.2011)

UTTA RUMP ist Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Ludwigshafen/Rhein mit Schwerpunkt Personal- und Organisationsentwicklung. Sie referiert beim Forum Personal am 13. und 14. 10. in Salzburg. Infos zum Programm: http://personal.opwz.com

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2

auf die sch... arbeit ist eh keiner scharf - aber weil man geld braucht, tut man es halt. leider sind privatierstellen dünn gesät, schön wer einen job hat der ihm spaß macht, und er in ruhe gelassen wird - wird sich aber vermutlich in grenzen halten.

wie wahr

Bei dieser unmenschlichen Arbeitswelt vergeht einem das Arbeiten.
Ich möchte auch gerne Privatier sein ;-) und dann TÄTIG sein.

erste stufe:
arbeiten um zu überleben.
zweite stufe:
arbeiten um zu leben.

beide stufen erspart man sich, wenn die arbeit spaß macht. dann lebt man einfach.

Wieso erschießt man die Alten nicht einfach?

Arbeiten Sie weiter, wird ihnen vorgeworfen, zu blockieren.
Gehen Sie früher in Pension, wird ihnen vorgeworfen, Sozialschmarotzer zu sein.

Die ältere Generation muss doch die Arbeitsplätze blockieren. Schliesslich muss man ja bis 65 arbeiten. Anders gehts ja nicht.

Ich finde es eine Frechheit das diese Generation als Blockierer bezeichnet wird, wenn dauernd ein höheres Pensions-antritts-alter gefordert wird.

Letztendlich steigt der Wettbewerb und es wird härter für JEDEN Arbeitnehmer.

Das Blockieren bezieht sich wohl eher darauf das biologisches Alter und Dienstalter in vielen Unternehmen eine wichtigere Kenngröße sind als Qualifikation.

Dienstalter ist ja noch zu einem gewissen grad nachvollziehbar, aber das biologische Alter heisst doch nur das man es schafft nach links und rechts zu schauen beim überqueren der Straße und trifft erst mal keine Aussage ob der oder diejenige tatsächlich qualifizierter ist als jüngere Kollegen...

Arbeitsplätze "blockieren"?

Es gibt eine fixe Anzahl Arbeitsplätze?
Und solange A was arbeitet, hat B nix zu tun?

Also ich lebe auch nach dem Motto "Arbeiten um zu Leben"

Ich kenne genug Kollegen der Generation X, Y welche gleich oder aber genau anders denken. Das kann man nicht einfach pauschalisieren.

Es ist wohl eine Sache des Gehalts, je höher desto eher lebt man um zu arbeiten. Bei uns gibts genug ältere Kollegen welche es sich sehr gut gehen lassen, frei nach dem Motto "was soll mir schon passieren". Andere ältere arbeiten als wäre es ihr Lebensziel.

Jeder wie er mag. Solange die Arbeitsleistung mit der Entlohnung übereinstimmt.

"Solange die Arbeitsleistung mit der Entlohnung übereinstimmt."

Da liegst du aber falsch, denn die Berufsjahre erhöhen die Entlohnung. Die Leistung beinhaltet auch die Berufsdauer. Bedenke, dass du nicht für Leistung, sondern für Arbeitsstunden bezahlt wirst. Vermutlich erhältst du keinen Accordarbeitslohn.

Arbeitsleistung <> Gesamtleistung

Was ist das für ein Schwachsinn!? Die Besetzung von Posten ist eben oft mit dem Lebensalter verbunden! Welcher Absolvent hat denn früher gleich eine verantwortungsvolle Führungsposition inne gehabt - ist ja eigentlich auch zum Schutz für den jungen Arbeitnehmer! - Und wer möchte nicht berufliche Ziele erreichen?

Stimmt, aber...

...natürlich spielt die Geburtenrate eine Rolle...

2010:
30-39jährige: 1,1 Mill
40-49jährige: 1,4 Mill
50-59jährige: 1,1 Mill

Bei den 40-50 jährigen (also beginnend mit dem Lebensalter in dem man spätestens in Führungspositionen gelangt sein sollte) gibt es ca. um 400.000 mehr Menschen, als bei den heute 30jährigen und 50jährigen. Diese 400.000 sind in die letzten Winkel der Führungspositionen geströmt, die von den jetzt 50jährigen verlassen wurden bzw. noch nicht vorhanden waren.

Nimmt man jetzt noch die Tendenz zur Verflachung der Hierarchien und der reduzierten Anstellung von Beamten dazu (vor allem von Akademikern), bleibt für die heute 30jährigen tatsächlich nicht mehr viel übrig.

Was für ein

bullshit. Was kommt eigentlich nach "generation z"?

ziemlich

retro

Generationenkonflikt?

Schwachsinn, den einzigen Konflikt,nden es bald geben wird, ist der zwischen Reich und arm, weil es dazwischen in naher Zukunft nichts mehr geben wird.
Ehrliche Arbeit hat nur noch Ramschwert und alles, wovon die Reichen profitieren wird immer teurer, weil sich nicht der Markt reguliert, sondern jene, die Macht haben regulieren.
Spätestens, wenn's für die Mehrheit ums nackte Überleben geht, wird sich endlich maßgeblich was ändern müssen - dann halt wie immer in der Geschichte der Menschheit mit Gewalt.

"Babyboomer (ab Mitte der 1940er-Jahre geboren), die Generation X (in den 60er- und 70er-Jahren geboren), die Generation Y (ab 1980 geboren) und die Millenniumbabys - Generation Z."

blöd - jetzt ist das alphabet aus und die soziologen können ihre institute zusperren... ;oP

generation Z...und was kommt dann?
der weltuntergang 2012! ;-)

world war z ;)

Jetzt spielt man die Alten...

schon wieder gegen die Jungen aus.

Und um keinen Preis einräumen, dass alt wie jung der Wunsch gemeinsam ist, für ihre Tätigkeit angemessen bezahlt zu werden. Nein, dann lieber gleich einen Generationenkonflikt herbeireden.

Ergänzend:

Ich glaub kein 'Babyboomer' ist über eine sinnstiftende Arbeit, die mit privaten Interessen vereinbar ist wirklich böse.

'Leben um zu arbeiten' ist wohl eher Propaganda - oder solls Motivation sein? - von Arbeitgeberseite. Ich habs aber auch sinngemäss von 30jährigen gehört, die in Führungspositionen kamen.

>Fachkräfteengpässen

ROFL, ab hier nicht mehr ernst zu nehmen.

Ich musste schon bei "Generation Z" lachen, der Schwachsinn zieht sich im Artikel aber wirklich durch bis zum Schluss.

So ist eben die Sprache in der Manager-Etage. Sie müssen sich da das erklärende Wort einfach dazu denken. Es heißt richtig:

>Billigfachkräfteengpässe

Schließlich spricht man nämlich über Geld nicht. "Man" hat es.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.