Verbandspräsident

"Der Handel beutet keine Mitarbeiter aus"

Interview | Verena Kainrath, 5. August 2011, 18:31
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    foto: standard/hendrich

    Stephan Mayer-Heinisch: Händler jammern immer.

Stephan Mayer-Heinisch fordert höhere Gehälter für junge Ver­käufer. Warum er sonntags ein­kaufen will und Greißlern nicht nachtrauert

Standard: In der Wiener Kärntner Straße gibt es ab September auf einen Schlag durch Peek & Cloppenburg gut 12.000 Quadratmeter Verkaufsfläche mehr. Welche Händler bleiben dadurch auf der Strecke?

Mayer-Heinisch: Die Handelsstrukturen sind im Umbruch, und zwar großflächig. Der Kunde will Neuankömmlinge - und deren gibt es viele. Forever 21 macht sich breit, eine Firma Primark wird kommen. Das setzt bestehende Händler und Standorte enorm unter Druck. Die Innovationsgeschwindigkeit wird höher, der Lebenszyklus von Konzepten kürzer. Wer da nicht mehr mitkann, erzielt miese Renditen.

Standard: Starken Verdrängungskampf gibt es freilich schon lange.

Mayer-Heinisch: Es gibt eine dramatische Beschleunigung der Veränderung, die rabiater ist, als wir alle denken. Die Händler müssen über die Schuhschachtel hinausschauen. Das Konsumverhalten der Jungen ändert sich, das Internet revolutioniert einzelne Branchen völlig. Technologie, Mobilität sind im Wandel. Unsere Debatten über Ladenöffnung und Kollektivverträge werden uns wie ein Schmarrn vorkommen. In zehn Jahren sieht der Handel anders aus. Wer nicht mittut, dem geht es wie dem Kohlenhändler. Das war eine große Branche - heute geht sie keinem ab.

Standard: Stört Sie die wachsende Uniformität der Einkaufsstraßen?

Mayer-Heinisch: Gute Konzepte setzen sich überall durch. Es ist Wettbewerb in reinster Form. Ich verstehe Leute nicht, die sagen, es ist schad, dass es den Meinl oder kleine Greißler nicht mehr gibt. Wieso haben sie dann einst beim Mitbewerb gekauft? Da ist schon ein bissl Wirtschaftsromantik dahinter. Gehen Sie in den siebenten Wiener Bezirk: Was es da an kreativen Textilern gibt. Ist einer gut, findet er seinen Weg. Man macht nicht nur am Stephansplatz gute Geschäfte.

Standard: Neu aufgeflammt ist der Streit um die Ladenöffnungszeiten. Was halten Sie von Richard Lugners Kampf für Einkaufssonntage?

Mayer-Heinisch: Er ist ein guter Geschäftsmann, und für sein Unternehmen ist damit was zu holen. Er traut sich was zu sagen, was ich erfrischend finde. Und manchmal geht es nur mit Klagen vor Gericht, um Bewegung in die Sache zu bekommen. Eine Gesellschaft muss das aushalten. Ich halte nichts von einem Diskussionsverbot.

Standard: Rentiert sich der offene Sonntag wirklich? Der Widerstand ist auch unter Handelsketten groß.

Mayer-Heinisch: Am Sonntag offenzuhalten soll ein Recht und keine Pflicht sein. Sperren alle auf, verlagern sich die Umsätze, was wenig sinnvoll ist. Aber warum lässt man die Touristen nicht sonntags zum Naschmarkt gehen? Wien hat starken Städte- und Kongresstourismus. Warum macht man es den Konsumenten so schwer, ihr geliebtes Geld auszugeben?

Standard: Vielleicht weil das auch auf Kosten der Beschäftigten geht? Gewerkschafter üben scharfe Kritik an Arbeitsbedingungen im Handel.

Mayer-Heinisch: Wir haben strenge Arbeitszeitvorschriften. Die Zahl der schwarzen Schafe ist begrenzt - der Handel beutet keine Mitarbeiter aus. Eine ganze Branche zu brandmarken ist unnotwendig.

Standard: Verkäufer sind mittlerweile überwiegend Regalschlichter und Kabinenausräumer. Das Image ihrer Jobs ist miserabel ...

Mayer-Heinisch: Das bereitet große Sorgen. Der Handel ist der zweitgrößte Arbeitgeber, die Zahl seiner Mitarbeiter stieg im Vorjahr um vier Prozent. Man muss sich anstrengen, sein Image zu verbessern. Es gibt gute, aber keine flächendeckenden Versuche. Es gehören dabei auch die Kollektivverträge verändert: Es braucht flachere Lebenseinkommenskurven. Junge dürfen finanziell nicht zu kurz gehalten werden, Ältere nicht in Gefahr gebracht werden, als zu teuer rausgedrängt zu werden. Es ist ein heißes Thema, das sich keiner anzugreifen traut.

Standard: Der Handel klagt heuer über magere Geschäfte. Zu Recht?

Mayer-Heinisch: Händler jammern immer. 2009 und 2010 waren in Österreich erstaunlich gut. Heuer ist die Straße ruppiger. Auch wegen des permanenten Krisen- und Steuergeredes. Das verunsichert.

Standard: Wieso gilt Shoppen dennoch als eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Österreicher?

Mayer-Heinisch: Der Mensch ist ein Herdentier, er verzweifelt alleine. In der westlichen Welt gibt es Tendenzen zur Vereinsamung. Früher gab es die Marktplätze, heute trifft man sich in Handelszentren.

Standard: Warum definieren sich so viele Menschen über Konsum?

Mayer-Heinisch: Ich rate ... Konsum kann man herzeigen, er differenziert einen oder macht zu einer Gruppe zugehörig. Sich über Leistung zu definieren ist mühsamer. (Verena Kainrath, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 6./7.8.2011)

Stephan Mayer-Heinisch (57) ist Präsident des Handels- und Shoppingcenterverbands. Der Jurist war langjähriger Chef von Humanic und zuvor in der Entwicklungspolitik in Afrika engagiert.

Am 22. September veranstaltet der österreichische Shoppingcenter-Verband im Haus der Industrie in Wien einen Kongress zum Thema "Einkaufen 2025 - Bleibt alles anders?"

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sirnicha
12
Mayer-Heinisch: Wir haben strenge Arbeitszeitvorschriften. Die Zahl der schwarzen Schafe ist begrenzt - der Handel beutet keine Mitarbeiter aus.

dieser ungustiöse typ dürfte noch nie etwas mit dem handel zu tun gehabt haben -
beispiel supermarkt: öffnungszeit 7.00 - 19.00 uhr,
unbezahlter beginn ca 6.00, unbezahltes ende fast immer nis 20.00 uhr. ist durch die bank üblich.
bezahlung: unterm hund, draufzahler: hauptsächlich frauen und deren familien. gewinner: die ketten, die scih nur durch farbgebung in den geschäften unterscheiden.
besondere lümmel: schlecker, lidl, spar, rewe, hofer,
also alle, bei denen man täglich einkaufen muss.
das nennt dieser ungustiöse typ vielfalt - bravo!

warp.faktor
00
Freier Wettbewerb ...

... ist schon ein Schei..System.

Zwar kann man fast überall ein paar Cent sparen, aber leider nicht von einem Lohn leben, wie er in chinesischen Arbeitslagern üblich ist.

obiwan
04
Lieber Herr Mayer Heinisch

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen dass Sie aus Ihrem Traum erwachen und der Aufprall nicht zu schockierend wird.

Wir haben es in der Hand! Es geht auch anders, zwar mit mehr Mühen, dafür umso nährender, für alle!

Einkaufszentren meiden, Einzelhandel stärken, und Einkaufen auch als Kommunikation sehen, eigene Netzwerke stärken, Begegnungen forcieren!

Es gibt nichts Gutes außer man tut es, Erich Kästner

Perkun
01
Auch eine Rechenart

Forever 21 geht vorwärts
Forgotten 65 schreibt man ab

Perkun
00
Sag es halt so....

Dann nennt man es halt Abzocken

Ben Hur1
12
Aeusserst erkenntnisfoerdernd

Einen Priester nach der Existenz von Gott zu befragen ist ebenso erkenntnisfoerdernd wie diesen Asozialen zu befragen, ob der Handel Mitarbeiter ausbeutet.

Seine Strategie:

Stufe 1: Leugnen
Stufe 2: Relativieren und Nebelgranaten (wie flottchen) werfen
Stufe3: Bedauern und von schwarzen Schafen sprechen
Stufe:4 Verbesserungen versprechen, um das Thema wieder aus den Schlagzeilen zu bekommen.
( hab ich allerdings von einem anderen Poster uebernommen. Trifft allerdings auch hier zu )

Nirvanacharly
 
01
bin schon sehr oft um 1/2 5

am nachmittag vor meiner bank gestanden und gemerkt das diese bereits geschlossen ist. unsere bankster sollten auch bis 19:00 arbeiten müssen, vielleicht werden sie dann realistischer diese maden.

Franz Schwingenschrot
03

Der Handel beutet keine Mitarbeiter aus. Das ist wohl der Witz der Woche. Der gute Mann soll einmal bei der AK nachfragen, wieviele Klagen es jährlich im Handel gegen Arbeitgeber gibt.
http://gedaunknsplitta.blog.de

Fritz Meyer
00
"Ei, Grossmutter, warum hast Du so grosse Zähne?"

"Damit ich beim Märchenerzählen noch fotogener bin!"

Wer diesem Lobby-Onkel glaubt, der meint auch, dass aus einer Kamera ein kleines Vögelchen kommt.

Steinbock1959
00

Soll er seine G´schichtln doch wem anderen erzählen.

Nirvanacharly
 
02
scherz lass nach,

so was verlogenes sollte man gar nicht medial erscheinen lassen. 1 1/2 Std. vor beginn, eine danach unentgeltlich arbeiten das ist die raelität.

Quargelbrot
02

Mir fällt kein Handelsmitarbeiter ein, der annähernd die Rechte der anderen Angestellten besitzt, wenn es abseits von Kollektivvertrag und Co. geht.

Handelsangestellte sind in der Regel die ärmsten Schweine.

Mir kommt alles hoch, wenn ich diesen scheinheiligen Bockmist lese.

Livia Maurer
02
"Der Mensch ist ein Herdentier, er verzweifelt alleine"

Nein, Herr Mayer-Heinisch, ich bin weder verzweifelt noch alleine. Muss wieder mal neue Kleidung uä. angeschafft werden, setze ich mich an einem Sonntag mit einer Kanne Kaffee oder einer Flasche Rotwein in Ruhe vor mein Zaubergerät und lasse mir die Ware vor die Haustüre bringen. 1) Kein Stress 2) Keine Massen 3) Kein Rauchverbot 4) Speis und Trank zu moderaten Preisen 5) Keine Fahrtkosten. Verzweifelt bin ich an solchen Tagen nie. Meine Mitmenschen fehlen mir auch nicht.

andreas00
04

Der Kapitalist beutet alle Arbeitnehmer aus, insbesondere jene die wenig flexibel bzw, zu alt sind.
Der Handel ist einer der schlechtesten Branchen in Österreich
Es lebe das Prekariat

Jackie Treehorn
18

"Stephan Mayer-Heinisch (57) ist Präsident des Handels- und Shoppingcenterverbands. Der Jurist war langjähriger Chef von Humanic..."

Der Herr dürfte wohl am besten wissen, wie Ausbeutung funktioniert. ;) Schmieriger Kotzbrocken.
Jeder weiß, dass Handelsangestellte ausgebeutet werden. Aber es dann auch noch aalglatt zu leugnen.. dazu gehört einiges.

Poldi Fesch
00
nur die

schlechten

emerad
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ein mann eines paradigmas, das gerade mit bomben und grananten untergeht.

nosferatus3
04
zwei dinge sind anzumerken

1) der handel finanziert seine sonderangebote über niedrigstlöhne seiner mitarbeiter
2) der konsum kann in zeiten des sinkenden realeinkommens eben nur schwächer werden.

Nee-Chee
00
Die Sonderangebote

werden grossteils von dern Herstellern finanziert.

Arbeit für die Zensur
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RICHTIGER IST:

Der Handel beutet Mitarbeiter und Kunden aus!

Liz Aver
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Wenn nicht alle immer gleich so verallgemeinern wuerden! Ich finde die Einstellungen des Mayer-Heinisch sehr interessant und intelligent. Der wird mit seiner bisherigen beruflichen Vergangenheit schon ein bisserl Einblick in den Handel gewonnen haben, um sich eine Meinung bilden zu koennen.

Liz Aver
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Ich kauf gern am Sonntag ein!

Ich kauf gern am Sonntag ein, v.a. Lebensmittel. Meiner Beobachtung nach arbeiten am Sonntag oft Studenten oder Teilzeitangestellte, die sich was dazu verdienen wollen. Bin kein Shopping-Junkie, aber am Sonntag ist es einfach ruhiger. Als Wochenendtourist in eine Stadt zu kommen und geschlossene Läden vorzufinden, ist öd. Bei Ketten wie Primark wär ich vorsichtig aufgrund der verheerenden Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern.

Chocoholic
10
Ich habe überall auch immer mit Vorliebe am Sonntag eingekauft,

Auch wenns z.b. Verkürzte Zeiten für eine Sonntagsschicht war (z.b. 12-17.00 in Schweden).
Sa und So ausschliesslich junges Dazuverdienerpersonal in UK z.b. Find ich auch super. Kein Stress, keine Hetzereien vom Büro weg, um ja noch das halbe Stündchen einkaufshetze mit 3/4 der anderen Berufstätigen zu teilen, wo man dann eine halbe Stubde in der Schlange steht, obwohl alle 20 Kassen voll besetzt sind.... Hach, waren das Zeiten, jetzt bin ich retour im Ostblock...

nosferatus3
02
naja ob es am sonntag ruhiger ist

sei dahingestellt. beim billa im franz josef bahnhof hat man am sonntag den eindruck es bricht gleich eine hungersnot aus.

Liz Aver
00

Sorry. Ich rede von London, wo alle Supermaerkte am Sonntag offen haben.

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