Wiener Waterfront

Grünes Arbeiten in der ersten Reihe fußfrei

Wojciech Czaja, 5. August 2011, 17:16
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    Es ist still in der Rivergate-Lobby, die neben einem Portier auch Konferenzraum und beschattete Sitzplätze für das Restaurant birgt. Bis Jahresende soll der Vermietungsgrad auf 80 Prozent steigen.

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    Das Rivergate am rechten Donauufer wurde mit dem Green-Building-Zertifikat ausgezeichnet.

Das Office-Center Rivergate ist eines der auffälligsten und grünsten Gebäude an der neuen Wiener Waterfront, für Radfahrer gibt es Garagen und Duschen

Weitere Waterfront-Projekte sind bereits in Planung.

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Wien - Unter Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) wurde das rechte Donauufer in Wien 2006 zu einem eigenen Stadtentwicklungsgebiet auserkoren. Unter dem Titel Waterfront wurden - anfänglich in Zusammenarbeit mit der Harvard Graduate School of Design in Boston - Projekte entwickelt, die die Uferzone in der Leopoldstadt und Brigittenau nachhaltig aufwerten sollen. Ziel war und ist es, die Stadt näher ans Wasser zu bringen.

Eine der aufsehenerregendsten Bebauungen ist das vor einem Jahr eröffnete Office-Center Rivergate. Direkt neben dem Millennium Tower liegen - ein bisschen wie ein löchriger Weisheitszahn ohne Plombe - zwei 140 Meter lange Büroriegel, die durch ein gemeinsames Atrium verbunden sind. Mit dem Entwurf konnte sich das deutsche Büro Auer+Weber im Wettbewerb gegen internationale Größen wie Baumschlager Eberle, Dietmar Feichtinger und Dominique Perrault durchsetzen. Das Gesamtinvestitionsbudget beläuft sich auf 120 Millionen Euro.

Vermietung stockte

50.000 Quadratmeter Mietfläche beziehungsweise rund 2500 Arbeitsplätze stehen insgesamt zur Verfügung, doch bisher stockte die Vermietung. Ursprünglich hatte man sich ein oder zwei Großabnehmer gewünscht, die das Rivergate als Signature-Building nutzen sollten. Die Rechnung ging nicht auf, und man musste umdisponieren. In den letzten zwölf Monaten seit Fertigstellung konnte nun ein Viertel der Fläche vermietet werden.

Es ist still in der Lobby des gläsernen Gebäudes. Der Portier sitzt einsam in seiner Koje, ab und zu geht eine Mitarbeiterin vorbei. Seit kurzem zieht das Interesse wieder an. Neue Mietverträge mit dem Bazar-Verlag, mit der Far Freight GmbH und der Constantia Flexibles Holding sind unter Dach und Fach. In den nächsten Monaten möchten die beiden Eigentümer Signa Development Immobilien Entwicklungs GmbH und Raiffeisen-Leasing RBI AG 75 bis 80 Prozent Vermietungsgrad erzielen.

Green-Building-Zertifikat

"Das Office-Center Rivergate ist in eine Zeit mit schwierigen Rahmenbedingungen gefallen", sagt Herbert Putz, Projektentwickler bei Signa. "Ich bin zuversichtlich, dass die Nachfrage nach den Auswirkungen der Finanzkrise wieder zunehmen wird." Mit durchschnittlich 14,50 Euro pro Quadratmeter - die Spitzenmieten für die Dachgeschoße liegen bei rund 18 Euro - liegt der Bürokomplex im gehobenen Bereich. Doch dafür ist das LEED-zertifizierte Gebäude entsprechend sparsam im Energieverbrauch.

35 Prozent der benötigten Primärenergie für Heizung und Kühlung werden aus Grundwasser und Erdwärme bezogen. In den Übergangszeiten können die Büros ohne zusätzliche Energiequellen auf diese Weise temperiert werden. Die Sonneneinstrahlung, die im Winter gewünscht und im Sommer hinderlich ist, wird an der Nordfassade über Screens und an der Südfassade über zentral gesteuerte Metalllamellen geregelt.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Marktanalyse des österreichischen Büro- und Investmentmaklers EHL Immobilien werden zertifizierte Büroobjekte deutlich stärker nachgefragt als vergleichbare Objekte mit geringerer ökologischer Qualität. In Green Buildings - so lautet das Fazit der Studie - seien die Mieter bereit, aufgrund der niedrigeren Energiekosten um bis zu zehn Prozent höhere Mieten als in vergleichbaren, nicht zertifizierten Gebäuden zu zahlen.

Facility-Manager vor Ort

Einzige Voraussetzung: "Man braucht einen guten Facility-Manager vor Ort", sagt Herbert Putz. "Green Buildings sind hoch komplexe Systeme. Man darf die Einfahrzeit eines solchen Gebäudes nicht unterschätzen. Die Feinjustage der Haustechnik dauert eine ganze Saison. Ab dann funktioniert's wunderbar."

Ob die Waterfront Wien eines Tages tatsächlich eine zusammenhängende Stadtstruktur am Ufer der Donau ergeben wird, ist fraglich. Fix ist: Das Rivergate ist das bisher einzige Projekt entlang des Handelskais, das dem ursprünglichen Konzept der Harvard-Studenten nahe kommt. Es ist der Versuch, Arbeit und Freizeit miteinander zu verbinden und den Büroalltag mit einem Lunch-Picknick an der Donau aufzuwerten. Über einen bereits existierenden Steg - der Bebauungsplan sah vor, dass auf dem Grundstück des Office-Centers eine Radspindel errichtet wird - gelangt man zu Fuß zum Naherholungsgebiet.

Am Schnittpunkt dreier hochwertiger Radwege ist das Rivergate nicht zuletzt eine Einladung an den nicht motorisierten Individualverkehr. Im Erdgeschoß gibt es eine Fahrradgarage für etwa 120 Drahtesel. Um in voller Frische in den Arbeitstag gehen zu können, gibt es anschließend Umkleideräume und Duschen für Männer und Frauen. Eine Wiener Pionierleistung. Die ungewöhnliche Ausstattung brachte in der LEED-Zertifizierung zusätzliche Punkte ein. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.8.2011)

 

Wissen: Wiener Waterfront

Zu den ersten Projekten der sogenannten Waterfront, wie das rechte Donauufer im Wiener Stadtplanungsressort genannt wird, zählen das Einkaufszentrum Stadioncenter (fertiggestellt 2007), das ÖGB-Bürogebäude Katamaran (2008), das Office-Center Rivergate (2010) sowie das Refurbishment des Hotel Hilton Vienna Danube (2011). Unter den kommenden Bauvorhaben an der Waterfront befinden sich unter anderem die Marina City an der U2-Station Donaumarina mit dem rund 100 Meter hohen Marina Tower (insgesamt 150.000 Quadratmeter Bürofläche, geplante Fertigstellung 2013), ein neues Schiffsterminal für die DDSG Blue Danube sowie die Wohnbebauung Brigittenauer Bahnhof. Eine wichtige Rolle für die Entwicklung des gesamten Areals spielt die öffentliche Anbindung an die Stadt. Das im Stadtentwicklungsplan 2005 (STEP 05) festgehaltene Zielgebiet lebt von und mit der Verlängerung der U-Bahn-Strecke U2 nach Wien-Donaustadt. (woj)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
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ama2deus
00
radspindel

kann mir irgend jemand erklären, was das sein soll?

ich hab das wort noch nie gehört, und befinde mich da mit wikipedia und google (zumindest was logische ergebnisse betrifft) offenbar in bester gesellschaft.

ATHARAXIS
 
02

ein fekterisches Gebäude, hässlich wie die Nacht bei Neumond.

skipper2002
00
nur die adresse ist letztklassig

Stalker Tarkov
51
Glas, Beton, riesig

Immer schön krampfhaft auf modern machen. Die Wiener Gemütlichkeit muss anscheinend unbedingt weg, auch wenn es sie eh nie wirklich gegeben hat.

jassl11
10

die wiener gehen (freiwillig, in die suburbs), und sollen auch die 'gemütlichkeit' gleich mitnehmen. passt schon. der benko ist btw auch ein trioler.

Stalker Tarkov
11
"Suburbs", aha...

Und ein Tiroler ist es also, der "btw" mithilft, die Wiener Gemütlichkeit zuzupflastern. Soll er doch sein Heiliges Land Tirol zuklotzen.

jassl11
00

du hättest lieber 'speckgürtel' gelesen, eh klar. aber grad extra.

Stalker Tarkov
20

Per Du samma no lang net. Und Extra is a Wurscht. Eh kloar!

Stalker Tarkov
11
Aber zumindest

sieht es aus wie ungleich grosse Schamlippen. Mal ein Kontrast zu den phallischen Gebilden, die in letzter Zeit architektonisch erigiert sind.

Jim Knatterpeng
37
Working and living in good old Vienna

Sprechen, denken und leben Sie (d)englisch? Wenn ja, dann sind Sie im neuen Bürozentrum am richtigen Ort:

Waterfront
Harvard Graduate School of Design
Millennium Tower
Signature-Building
Lobby
Far Freight GmbH
Constantia Flexibles Holding
Green Buildings
Facility-Manager
Lunch-Picknick
Refurbishment
Marina City
Marina Tower

Nein, die obigen Zitate stammen nicht aus einem Bericht über die Londoner Docklands oder ein Neubauviertel in Seattle...

(Na ja, schließlich nennt sich die Eigentümerfirma Signa Development Immobilien Entwicklungs GmbH. Sie hat für den Fall, dass jemand das viel zu schwierige deutsche Wort "Entwicklung" nicht versteht, gleich noch das englische "Development" im Namen dabei.)

Wunderbare Welt
 
02
ich würde mich sehr freuen....

wenn man von glasfassaden in zukunft wieder absehen könnte, denn erstens kennt mans schon zur genüge und es ist fad wie ein butterbrot und zweitens ist es nicht ökologisch denn die klimaanlage rennt in diesen gebäuden wie irre und beim heizen geht viel energie verloren.......warum nicht verstärkten einsatz von holz>?

oregani
22

finde es ist mit der milleniumcity das gelungenste gebäude der gegend. Die Form ist interessant, ich finde auch der Platz bei der U-bahnstation hat viel profitiert von der offenen Struktur (da gibt es doch einen Durchgang oder so?) Absolut gut gestaltet auch mit dem Radweg und der U-bahn Trasse. Holz ist gut, passt da aber gar nicht rein, vor allem für ein Gebäude dieser Größe.

Radlerwahn68
32

gott sei dank mehr bürofläche für wien! hauptsache so ein scheiß gebäude steht einsam und verlasssen an einem verkehrsknotenpunkt! wie blöd ist diese stadt, daß immer noch büros gebaut werden obwohl 80% davon leer stehen?kann oder will da niemand regulieren eingreifen? wohnen wird immer unerschwinglicher und ohne schulden nicht möglich! burn this houses!

F. Ritzl
02
Gibt's eigentlich noch neue Bürobauten, die keine blaue Glasfassade haben?

Die ersten paar waren vielleicht schön und "anders" aber langsam wird's fad ...

der schwitzbär der schwitzt sehr
00
Das ist mal eine super idee!

Endlich kann ich nach dem Radeln duschen ohne vorher quer durch die Stadt heim zu fahren

Wie zahlt man dort ? Einen Euro einwerfen ? oder ist das gratis ?

Die Wiener SPÖ denkt ja doch noch an ihre Bürger !

Und ich hatte schon gedacht, die kuscheln seit dem Tode Zilks nur noch mit den Bonzen und verhökern der Raiffeisen die besten Lagen, um das Geld dann am Pratervorplatz zu verteilen

So kann man sich täuschen. Sind ja doch keine Schweinehunde, sondern Sozialdemokraten.

Protagoras v. Abdera
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Sie haben das nicht ganz verstanden: Die Duschen sind reserviert für die Mitarbeiter der Büroflächen und nciht für die Öffentlichkeit gedacht

Das steht pars pro toto für den Ganzen Entwicklungsplan: Von sieben Projekten sind sechs Büro- oder Geschäftsflächen. Bravo, Sozialdemokraten! So schreitet die Partei in die Zukunft. Überall wo master- oder entwicklungsgeplant wird, entstehen garantiert sozial isolierte und hierarchisierte Räume. Die Stadt wird zu Spielplatz der Finanzmarktroulette-Gewinner, und Häupl und Co. werfen eifrig die Kugel.

der schwitzbär der schwitzt sehr
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Ah so. Na irgendwo müssen sie die zig Millionen ja wieder hereinholen, die sie unfähigerweise verzocken.

Halt durch Gebührenerhöhung und durch Verschachern...

ichundwiederich
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Fällt Ihnen auf, dass sie innerhalb von 2 Postings 2 verschiedenen - völlig konträre - Meinungen vertreten?

Wunderbare Welt
 
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dabei sind...

die meisten existierenden büroflächen noch nicht mal ausgebucht......derselbe schmarrn auf der grünbergstrasse bei schönbrunn.........

dobraland
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Ist Raiffeisen beteiligt, weil derStandard Werbung machen muß?

Bertel Mann
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Raiffeisen-Leasing

dahofawors
80
bin heute bei spittelau vorbeigefahren

die stadt ist wirklich scheisse (sagt mein sohn)

ichundwiederich
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Ja eh. Ich glaube "bei Spittelau vorbeizufahren" (wie geht das überhaupt?) ist genau die richtige Methode um sich ein Bild von einer Stadt zu machen.

Return of fine weather
04

täuscht das
oder ist das Gebäude
seit einen Jahr leer,
und wird es auch in Zukunft bleiben.

E_Rybin
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wer braucht dort ein 100m hohes Bürohaus?

das steht dann sinnlos in der Gegend herum wie der Floridustower... die Stadtplaung scheint nur mehr grauenhaftes bereitzuhalten (s. Wr. Linien Hochhaus 1km weiter, sieht aus wie frisch aus Orwells 1984)

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