Wohngespräch

Früher hatte ich immer die Nähmaschine im Blick

8. August 2011, 09:56
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    foto: lisi specht

    Anna Aichinger in ihrer Wohnung, in der neben vielen alten Möbeln und ihrem Hündchen auch ihr Modeatelier untergebracht ist.

    (Foto: Lisi Specht)

Die Wiener Modemacherin Anna Aichinger wohnt mitten in der historischen Innenstadt, wo sie sehr vieles an ein Dorf erinnert

Die Wiener Modemacherin Anna Aichinger wohnt mitten in der historischen Innenstadt, wo sie sehr vieles an ein Dorf erinnert. Michael Hausenblas hat sie besucht.

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"Seit ich auf der Welt bin, lebe ich in diesem Haus in der Wiener Innenstadt. Das sind mittlerweile 32 Jahre. Mein Vater hat das Haus 1978 gekauft und dann Schritt für Schritt renoviert. Zuvor sah das Haus, wie die meisten Gebäude damals in Wien, sehr grau aus. Die Grundstruktur geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Seit 1820 sieht es mehr oder weniger so aus wie jetzt.

Mein Bruder wohnt einen Stock über mir, und meine Eltern sind oben im Dachboden zu Hause. Früher hat die ganze Familie hier in dieser Wohnung gewohnt, heute ist sie allein mein Reich, das ich mit meinem Hund und meiner Arbeit teile. Die Wohnung misst circa 130 Quadratmeter und liegt im ersten Stock. Gut die Hälfte davon nimmt mein Atelier ein, wo ich derzeit mit einer Assistentin und zwei Praktikantinnen arbeite.

Wahrscheinlich haben wenige Menschen ein solches Zuhause-Gefühl wie ich. Ich hatte nie ein altes Daheim oder ein neues Daheim, sondern immer nur dieses ursprüngliche. Wie soll ich sagen? Ich bin hier total verwurzelt. Das gilt auch für die Umgebung. Man könnte durchaus von einem Dorfcharakter sprechen. Jeder kennt jeden, dann gibt's die Kirche am Franziskanerplatz und das Kleine Café, das diese Atmosphäre abrundet.

Aber es ist nicht so, dass ich das ganze Jahr hier in der Wohnung bin. Ich reise berufsbedingt ziemlich viel, bin zum Beispiel viermal im Jahr in Paris. In Südfrankreich oder in New York zu leben würde mir auch gefallen - allerdings nur als Zweitwohnsitz. Ich mag Wien sehr, und ich kann mir durchaus vorstellen, mein ganzes Leben in diesem Haus zu wohnen. Wenn man sich viel auf Reisen befindet so wie ich, dann ist es schön, so eine Basis zu haben.

Außerdem haben wir seit kurzem einen alten Bauernhof im Waldviertel, wo ich gerade zwei Wochen verbracht habe und es durchaus noch länger ausgehalten hätte. Ich liebe es, frische Blumen und Kräuter in meiner Wohnung zu haben. Und erst kürzlich habe ich meine Liebe zum Gemüsezüchten entdeckt. Früher war mir das Grün nicht so wichtig. Vielleicht hat das was mit dem Älterwerden zu tun. Welcher Jugendliche sitzt schon gern auf einer Wiese und schaut einfach nur in die Landschaft?

Am selben Platz zu wohnen und zu arbeiten - das hat seine Vor- und Nachteile. Man muss einfach Wege finden, diese beiden Dinge voneinander trennen zu können. Anfangs hatte ich immer die Nähmaschine im Blickfeld, mittlerweile sind Atelier und Wohnbereich aber so gut wie vollständig getrennt.

Ich finde es amüsant, wenn im Hof Touristengruppen stehen und das Haus begutachten. Es bedeutet mir viel, in einem Altbau zu wohnen. Ich könnte mir gar nicht vorstellen, in einem Neubau zu Hause zu sein. Die große Raumhöhe, die schöne Form der Fenster und Türen, all das strahlt für mich eine gewisse Eleganz und Großzügigkeit aus, die ruhig auch etwas Patina haben darf.

Am liebsten halte ich mich auf der Couch und am Schreibtisch auf. Nur das Loch dort oben in der Wand gefällt mir nicht. Das hätte eigentlich schon seit drei Jahren zugespachtelt gehört. Ein Zimmer mehr wäre auch nicht schlecht, aber man kann ja schließlich nicht alles haben.

Was die Möbel betrifft, habe ich einen Hang zu Vintage. Die Chaiselongue aus den Dreißerjahren hat meine Mutter tatsächlich aus einem Schuttcontainer gerettet. Ich sammle die verschiedensten Dinge. Aber von Zeit zu Zeit habe ich das Gefühl, dass es eng wird, und dann trenne ich mich wieder von manchen Sachen. Nur meine Globen-Sammlung würde ich niemals hergeben. Ich mag es, wie sich an ihnen abzeichnet, wie sich die Welt verändert und Grenzen verschieben." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.8.2011)

ANNA AICHINGER wurde 1978 in Wien geboren. Sie besuchte die Universität für angewandte Kunst in Wien und studierte dort bei namhaften Gastprofessoren wie etwa Jean Charles de Castelbajac, Paolo Piva, Raf Simons sowie Viktor & Rolf. Seit dem Jahr 2006 arbeitet sie als selbstständige Designerin in Wien und präsentiert ihre Kollektionen zweimal pro Jahr in Paris bei der Fashion Week sowie auf diversen anderen internationalen Messen. Das Markenzeichen von Aichingers Entwürfen sind klassische, oftmals sogar strenge Elemente im Einklang mit raffiniert geschnittenen Drapierungen.

Link

www.annaaichinger.com

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immer schön freundlich
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30.8.2011, 11:57

ist 32 das neue 50? oder hat sie ein senior-model auf das sofa gesetzt?

wie lautet die adresse, die sich touristen ansehen? man erfährt viel über das haus, aber weiß nicht wo es steht?

immer schön freundlich
00
30.8.2011, 11:55

"Welcher Jugendliche sitzt schon gern auf einer Wiese und schaut einfach nur in die Landschaft?"

ich!

skitourenphilosoph
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die dame hat einen eigenartigen geschmack - ich möchte nicht ihr haberer sein ;-)

princess of fame
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Welcher Jugendliche sitzt schon gern auf einer Wiese und schaut einfach nur in die Landschaft?

Der romantisch verliebte Jugendliche. ;-)

Klinge Ling
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Irre, wie die Menschen hier neidisch geifern. Ich kann nichts unsympathisches an diesem Bericht erkennen. Und wenn manche Leute aus besseren Verhältnissen kommen als wir, so what? Müssen die, nur um ihr schlechtes und unser neidiges Gewissen zu befrieidigen, im 15. Bezirk in einer Gang-Klo Wohnung leben?

Dr Don Tango
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versteh ich auch nicht. braucht man eigentlich auch kein elternsponsering um sich sowas leisten zu können. maximal eine mittelmässige ausbildung und entsprechende motivation im leben.

princess of fame
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Irre, wie die Menschen hier neidisch geifern

Was die meisten vom Neid getriebenen allerdings nicht bedenken: Sooo schön ist es im Ersten auch nicht unbedingt. Ich kenne ein paar, die im Ersten wohnen (ja, auch aus wohlhabenden Familien) und es ist keine Freude, wenn tagsüber die Touristen alles zuparken und verstellen, abends die Flaneure durch die Stadt streifen, manche bsoffn, manche grölen, manche speibn.
S´ho hoit ois zwa Seitn. ;-)

alexanderletten
 
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Der Stuhl ist aber nicht ganz Vintage, da diesem die Beine gekürzt wurden.
Der hatte wohlmöglich auch- tlw. gedrechselte- Verstrebungen zwischen Vorder- und Hinterbeinen.
Als Buchablage finde ich das gar nicht übel, sollte man auf der eigenwilligen Chaiselongue-Konstruktion verweilen, als Vasenfundament jedoch eher langweilig.

bleak_vision
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Also bitte. Derartige Selbstdarstellungen gehören in den Boulevard oder die branchenspezifische Jubelpresse.

Der Waehlerwille
 
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Mit den Möbeln kann ich ehrlichgesagt nix anfangen ..

der schwitzbär der schwitzt sehr
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Die Kommode hat hübsche Rundungen...

captain__ingwer
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und schon wieder

eine "kreative", die ihren Lebensstil von den eltern finanzieren lässt

princess of fame
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die ihren Lebensstil von den eltern finanzieren lässt

Ist imho besser, als sie nimmt jemandem den Arbeitsplatz weg, der auf das Einkommen angewiesen ist, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. :-)

postingname*
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nicht nur von den eltern...

auch jahrelang systematisch vom freunderlverein der UNIT F gefördert. dazu in relation stehende ergebnisse??

Der Hutmacher
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Ein sehr schöner Aufsatz. Leider hat man den Namen des Hündchens nicht erfahren.

P. Schmirgel
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und drei globen! - einer fetter wie der andere ;-)

muppetbasher
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Das heisst "Globusse"!

nebenerwerbsposter
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du meinst den O-Bus?

P. Schmirgel
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BobaFett
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wenn schon, denn schon:
Glo-bu-li
!!!
^^

TillaEulenspiegelin
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Nur der ganz links ist ein Globulus. In der Mitte steht der einzige wirkliche Globus, und der auf der rechten Seite ist eigentlich ein Globissimus. :P Wahrscheinlich ist das ein kombiniertes Montessorimaterial - kosmische Erziehung und Reihenbildung. Genial!

BobaFett
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:D

muppetbasher
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Neineiiiin!

Globulisse > auch nicht schlecht!

Und wie heisst die Mz von
Balkon?
Album?

BobaFett
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10.8.2011, 10:26

»Atlas« ham'S vergessen ;)

jumpingjack flash
01

endlich ein junger mensch mit rundbaumöbel - bravo!

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