Klima-Phänomen ENSO prägt Zyklus, der sich bis zur letzten Eiszeit zurückverfolgen lässt
Potsdam - Betrachtet man El Niño, der im engeren Sinne ein ozeanisches Phänomen ist, gemeinsam mit den Vorgängen in der Atmosphäre, erhält man ENSO, die "El Niño-Southern Oscillation". Mit seiner Warmphase (El Niño) und seiner Kaltphase (La Niña) ist es eigentlich als
Klimaphänomen des Pazifik bekannt. Dass es aber sogar weltweit das Klima beeinflusst, zeigt eine internationale Studie am
Beispiel der Klimaschwankungen im Osten Afrikas, wie das Helmholtz-Zentrum Potsdam berichtet. Die Studie wurde in "Science" veröffentlicht.
Die Sedimente im
Challa-See im Südosten Kenias dienten den Forschern dabei als "Klimaarchiv". Hier gezogene Bohrkerne zeigen ein Streifenmuster, in
dessen einzelnen Lagen sich Informationen über das Klima verbergen. "Je
nach Klima schwankt die Dicke dieser Schichten zwischen 0,08 und 7
Millimetern", führt der Potsdamer Wissenschafter Christian Wolff aus. "Ein Vergleich mit Messungen der Temperaturen
im tropischen Pazifik über die letzten 150 Jahre zeigt einen engen
Zusammenhang zwischen ENSO-Zyklen und den Rhythmen der Dürren und
Überschwemmungen in Ostafrika."
Phänomen mit Tradition
Die Länge des gezogenen Bohrkerns erlaubte eine Rückverfolgung der
Klimavariationen bis in die letzte Eiszeit. Die Klimaschwankungen in Ostafrika folgen offenbar seit 20.000 Jahren einem Muster: Während der La Niña-Kaltphase gibt es geringen Niederschlag und stärkeren Wind, wohingegen die El Niño-Warmphase zu Schwachwindlagen mit häufigem Regen führt. Während der kältesten Phase der letzten Eiszeit vor etwa 18.000 bis 21.000 Jahren war zudem das Klima Ostafrikas vergleichsweise stabil und trocken.
Es zeigte sich, dass auch in der letzten Eiszeit, als die Welt global etwa fünf
Grad kälter war als heute und die Tropen aufgrund der geringeren Temperatur über
weniger Energie im System verfügten, das ENSO-Phänomen als überlagertes
Muster zu sehen war, wenngleich abgeschwächt. Im Vergleich dazu waren die
letzten 3.000 Jahre wärmer und wechselhafter, mit starken Trocken- und
Dürreperioden, wie in diesem Jahr, und massiven Regenperioden, die dann
häufig zu Überschwemmungen führen. Klimamodelle zeigen, dass sich dieser
Trend hin zu extremeren Trocken- und Feuchtphasen in einer sich
erwärmenden Welt weiter erhöht. (red)