Neapel ist eine Scheibe

  • La PizzaEin gutes Stück ItalienNikko AmandonicoFotos: Ewa-Marie Rundquist Texte: Ian Thomson und Natalia Borri168 Seiten, 34.95 Euroedition Styria
    foto: verlag

    La Pizza
    Ein gutes Stück Italien
    Nikko Amandonico
    Fotos: Ewa-Marie Rundquist
    Texte: Ian Thomson und Natalia Borri
    168 Seiten, 34.95 Euro
    edition Styria

Die echte neapolitanische Pizza? Marinara und Margherita - "Alles andere sind Plagiate, die Touristen in sich hineinschlingen", schreibt Nikko Amandonico

"Eines Tages werde ich nach Neapel zurückkehren, weil es meine Heimat ist, die ich liebe. Aber nicht, um zu singen, sondern um Pizza zu essen."

Eine glückliche Wahl, dieses Zitat von Enrico Caruso, für eine Ode an die Pizza. Nikko Amandonicos Buch "La Pizza" ist eine Liebeserklärung an Neapel und sein weltberühmtes rot-grün-weißes Wahrzeichen. Versehen mit den eindrucksvollen Fotografien der renommierten schwedischen Fotografin Ewa-Marie Rundquist wurde es vom Deutschen Institut für Koch- und Lebenskunst zum Buch des Monats April 2011 gekürt.

"Am besten dort, wo sie erfunden wurde"

"Ich habe schon überall auf der Welt Pizza gegessen, aber nirgends schmeckte sie besser als dort, wo sie erfunden wurde", schreibt der in Schweden aufgewachsene Süditaliener, Grafikdesigner und Autor Nikko Amandonico, dessen letzte Publikation Parma. Lustvoll leben und genießen im Bauch von Italien als Kochbuch des Jahres 2010 ausgezeichnet wurde.

Zwei Varianten

"Die echte neapolitanische Pizza gibt es nur in zwei Varianten: die Pizza Marinara mit Knoblauch, Oregano und Olivenöl, und die Pizza Margherita mit Mozzarella und Basilikum. Alles andere sind Plagiate, die Touristen in sich hineinschlingen, missratene Nachahmungen, mit Belegen aus Ei, Ananas oder Würstchen auf einem viel zu dicken, durchweichten Boden", wütet Amandonico. Also ein Kochbuch mit nur zwei Rezepten? Keineswegs!

Erstens handelt es sich weniger um ein Kochbuch, denn um eine spannende Erzählung zu Historie und Legenden der Pizza. Teig, Holzofen, Olivenöl, Basilikum, Tomaten, Mozzarella und natürlich die Entwicklung von einer Speise der Armen zu einer der Reichen - all das hat seinen Platz.

Zweitens finden sich auf den letzten Seiten ganze 28 Pizza-Rezepte: Neben Pizza Marinara und Margherita stehen Calzone, Pizza Canzone del Mare (mit Kirschtomaten) oder Pizza alle vongole in der Gunst des neapolitanischen Pizza-Chefs.

Die "Pizza-Tabus"

Ganz im Gegensatz dazu die "Pizza-Tabus" der Associazione Verace Pizza Napoletana, einer Vereinigung zum Schutz der echten neapolitanischen Pizza. Nach dieser ist es verboten: Fett für den Teig zu verwenden. Einen Nudelwalker zu benutzen. Eine Backform zu verwenden. Im Elektroofen zu backen. Das Feuer künstlich zu nähren. Weitere Tabus sind kalte Pizza sowie  Pizza mit Spiegelei, Feigen, Bananen, Nutella, Ananas, Fenchel und Frankfurter Würstchen. Die Liste ließe sich fortsetzen...

Regeln großzügig auslegen

Darf man sich angesichts solcher Reglements über die sizilianischen Pizzarezepte wagen? Durchaus, wie Amandonico betont: "Geschrieben sind die Rezepte für all diejenigen, die in ihrer eigenen Küche Pizza backen wollen. Ich bin sicher, dass die Associazione Verace Pizza Napoletana meine kulinarischen Kreationen ganz und gar nicht gutheißen würde, aber als echter Süditaliener weiß ich, dass Regeln ja gerade dazu da sind, um sie großzügig auszulegen." (Eva Tinsobin, 7.8.2011, derStandard.at)

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