100.000 Tonnen Abfall pro Jahr gesammelt und in den Osten gebracht

  • 100 Tonnen Material werden alljährlich in Österreich gesammelt. Möbel, Hausrat und Haushaltsgegenstände machen die Hälfte des gesamten Volumens aus.
    apa-foto: georg hochmuth

    100 Tonnen Material werden alljährlich in Österreich gesammelt. Möbel, Hausrat und Haushaltsgegenstände machen die Hälfte des gesamten Volumens aus.

Boku-Forscher und internationale Partner untersuchen Auswirkungen in Mitteleuropa

Wien - Klapprige Anhänger, auf denen sich entsorgtes Gerümpel, Elektrogeräte und Altmetalle türmen - bei Sperrmüllsammlungen in den Gemeinden ist das kein seltener Anblick. Bei der informellen Sammlung von Abfällen und Wertstoffen in Österreich werden pro Jahr rund 100.000 Tonnen Material zusammengetragen. Dabei sind es vor allem ungarische Sammler, die das Geschäft mit dem Müll betreiben und die Fundstücke in ihre Heimatorte hauptsächlich zum Weiterverkauf transportieren. Das haben erste Erhebungen im Zuge des EU-Projektes "TransWaste" unter Federführung von Forschern der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien bereits gezeigt.

Im Zuge des Projektes sollen die Auswirkungen der hierzulande eher im illegalen Bereich angesiedelten Abfallsammlung durch Privatleute untersucht werden. "Man darf in Österreich Abfall nur mit einer Sammlererlaubnis sammeln", sagte Projektleiterin Gudrun Obersteiner vom Institut für Abfallwirtschaft der Boku. Dennoch dürfe natürlich eine Privatperson etwa das nicht mehr verwendete Gitterbett oder Fahrrad weiterverschenken bzw. verkaufen. Das Abfallwirtschaftsgesetz besage aber folgendes: "Wenn man sich einer Sache entledigen will, wird diese automatisch Abfall", so Obersteiner. Nur: Was ist nun Abfall und was ist keiner - die Definitionsschwierigkeit mache die Tätigkeit der informellen Sammler zu einer Tätigkeit "im legalen Graubereich, weil sie natürlich Geschenke entgegennehmen, aber auf keinen Fall Abfälle transportieren dürfen - das ist dann illegal".

Möbel, Hausrat, Haushaltsgegenstände

Mit 69 Prozent stammen laut den Forschern etwa zwei Drittel der informellen Sammler aus Ungarn, rund 80.000 Fahrzeuge pro Jahr fahren mit gesammelten Gebrauchsgegenständen von Österreich nach Ungarn. Neunzehn Prozent der informellen Sammler kommen selbst aus Österreich, andere reisen aus der Slowakei, Bulgarien, Slowenien, der Tschechischen Republik und Rumänien an. Knapp die Hälfte des gesammelten Materials machen vom Volumen her Möbel, Hausrat und Haushaltsgegenstände aus.

Im Rahmen des europäischen Projekts "TransWaste" soll nun untersucht werden, welche ökologischen, sozialen und ökonomischen Probleme das informelle Einsammeln von Abfall in Mitteleuropa mit sich bringt. "Wir wollen auch versuchen, dass man die illegalen Tätigkeiten ausschließt und das auf eine legale Ebene hebt", erklärt Obersteiner. So soll auch mit den Kollegen aus Deutschland, der Slowakei, Polen und Ungarn ein Leitfaden zum Umgang mit der informellen Abfallwirtschaft erarbeitet haben.

Wiederverwertung als ökologischer Nutzen

Bei der Abfallentsorgung stehen die informellen Sammler, für die die Selbstnutzung oder das Weiterverkaufen des Mülls häufig einen wichtigen Teil ihrer Lebensgrundlage darstellt, in Konkurrenz mit der offiziellen kommunalen und privaten Abfallwirtschaft, die aus dem Verkauf von wiederverwertbarem Material Einnahmen generiert. Die sammelnden Privatpersonen sind häufig ausgesprochene Spezialisten bei der Reparatur und Instandsetzung von Altwaren und entsorgten Elektro- und Elektronikgeräten. Die Wiederverwendung des Materials "hat natürlich auch einen ökologischen Nutzen", so Obersteiner. Auf der anderen Seite würden auch Sachen aus Österreich ins Ausland gebracht, "die bei uns besser entsorgt werden könnten, da bei uns die Möglichkeiten der Abfallwirtschaft und die Behandlungskapazitäten schon weiter sind".

Die Forscher wollen nun einen ersten Pilotversuche in der Slowakei starten, im September dann einen in Ungarn. Denn es wurden bereits "Formalisierungsideen entwickelt, die auf allgemeines Einverständnis stoßen", so Obersteiner, und mit denen also auch die heimische Abfallwirtschaft leben könnte. Die Pilotversuche basieren auf drei Ideen, wie man der informellen Sammlertätigkeit begegnen könnte: So könnte etwa bei Abfallsammelzentren eine Wiederverwendungsecke eingerichtet werden, so dass die Österreicher beim Wegbringen ihres entsorgten Materials selbst entscheiden können, ob das Produkt auch von den Privatpersonen weiterverwendet werden kann. Auf ungarischer Seite soll eine Organisation gegründet werden, die sich dann nur mit dem Sammeln von Produkten aus Österreich im Sinne von Altwarenhändlern beschäftigt und von Österreichern direkt kontaktiert werden kann. Die dritte Idee: Sozialökonomische Betriebe könnten sich in Österreich um die eigentlichen Abfälle kümmern und etwaige Reparaturen durchführen. (APA)

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