Laut Bildungsforscherin

Diskriminierung von Migranten in Schule strukturell bedingt

5. August 2011, 13:45

Nicht von Vorurteilen, sondern festgefahrenen Strukturen verursacht - Bildungsforscherin Gomolla: Neuorientierung auf allen schulischen Ebenen

Wien - Ein Kind mit Migrationshintergrund, das nicht perfekt Deutsch spricht, verliert im Unterricht den Anschluss und stört seine Klassenkollegen: Das ist eines der Vorurteile, wegen denen Migrantenkinder an Schulen bei Beurteilungen und Entscheidungen während der Schullaufbahn diskriminiert werden, sagt Mechtild Gomolla, Bildungsforscherin an der Uni Hamburg. Sie sieht den Ursprung dieser Vorurteile nicht in den Köpfen einzelner Menschen, sondern strukturell verankert. Im Rahmen des dritten Dialogforums der Donau-Uni Krems zu "Migration geht alle an" thematisierte sie heute, Freitag, in Gmunden die "institutionelle Diskriminierung" und wie man dagegen ankämpfen kann - und muss.

Ob an Kindergärten, Universitäten, Schulen oder in der Berufsbildung: "Institutionelle Diskriminierung ist in erster Linie in Strukturen und zentralen gesellschaftlichen Organisationen angelegt", erläutert Gomolla. So fällen Lehrer oder Schulleiter bei der Einschulung, beim Übergang nach der vierten Schulstufe oder der Überweisung an Sonderschulen "permanent Negativentscheidungen, die am Sprachstand der Kinder oder manchmal auch dem kulturellen Hintergrund, dem Wohnumfeld und der religiösen Orientierung" festgemacht werden. Meistens seien diese Entscheidungen nicht auf Vorurteile der Verantwortlichen zurückzuführen, "sondern auf Handlungsoptionen und strukturellen Bedingungen an Schulen".

Rahmenbedingungen entscheiden über "Problemfälle"

In Deutschland habe sich der Missstand entwickelt, dass immer wieder Migrantenkinder bei der Einschulung zurückgestuft werden. Strukturelle Rahmenbedingungen - wie beispielsweise fehlende Mittel für zusätzliche Sprachförderung - spielen eine große Rolle dabei, "ob Kinder als Problemfälle wahrgenommen werden oder nicht", so Gomolla. Mit Sprachdefiziten werden oft andere Probleme assoziiert, "mangelnde Schulfähigkeit" werde dann als legitimes Argument für eine Rückstellung genannt. "Solche Entscheidungsmuster führen dann oft zu negativen Bildungsverläufen."

Auch in Österreich sieht Gomolla ähnliche Tendenzen wie in Deutschland "was die Bildungsbeteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund angeht". Forschung und Politik tendieren dazu, Ursachen im Elternhaus zu suchen, "aber es wäre wichtig, hier ganz systematisch in den Blick zu nehmen, welchen Beitrag die Schule am Abbau von Bildungsungleichheit leisten kann". Dabei setze man heute verstärkt auf Inklusion, die nicht mehr nur mit der Integration von behinderten Kindern assoziiert, sondern auch auf sämtliche Differenzen wie Geschlecht und ethnische Herkunft ausgeweitet werde.

Mainstreaming in Lehrerausbildung verankern

Das heißt: Statt - vor allem sprachlichen - Zusatzangeboten zum Unterricht braucht es umfassendere Strategien, die diskriminierungs- und rassismuskritische Bildung mit Initiativen verbinden, die Unterschiede beim Bildungserfolg aufgrund von Migrationshintergrund, sozio-ökonomischem Status oder Geschlecht abbauen sollen. Kurz: Mainstreaming (ähnlich wie bei Gender-Fragen) auf allen Ebenen von Unterricht und Schule. "Schulen benötigen dafür Rahmenstrukturen, Anleitung und Unterstützungssysteme", so Gomolla, "aber auch bereits in der Lehrerausbildung und später -fortbildung muss das verankert werden."

Vor allem in der lokalen Schulentwicklung müsse angesetzt werden, so Gomolla. Viele Eltern würden davor zurückschrecken, ihre Kinder in Schulen mit hohem Migrantenanteil zu schicken, weil diese oft mit einem niedrigen Leistungsniveau gleichgesetzt werden. Hinzu kommt, dass einzelne Schulbezirke bewusst so geschnitten würden, um Migrantenkinder zu separieren. Im Schweizer Kanton Zürich setzt man mit der Strategie "Qualität in multikulturellen Schulen" (QUIMS) genau an dem Problem der "Ghettoschulen" an. Dabei wird der Mainstream-Ansatz flächendeckend institutionalisiert und kontrolliert; Fragen der Differenz und Chancengleichheit fließen in die Qualitätssteuerung von Schulen ein. "So können wir sicherstellen, dass auch in Schulen mit hohem Migrationsanteil ein hohes Leistungsniveau herrscht und toller Unterricht gemacht wird", meint Gomolla.

"Kombiniert mit geschickter, lokaler Schulpolitik" wie der Lenkung von Schülerströmen, so Gomolla, "kann man in den einzelnen Schulen Veränderungen bewirken." Immerhin wirkt sich Diskriminierung von Kindern nicht nur auf die folgende Schullaufbahn aus - "was da an den Schulen vermittelt wird, hat eine ganz hohe soziale und emotionale Komponente". (APA)

Kommentar posten
18 Postings
living reef
02
20.8.2011, 08:58
es liegt oftmals nicht an der sprachförderung in kiga und schule

sondern am nichtsprechen der deutschen sprache sobald die kinder aus diesen institutionen wieder in ihr elterliches umfeld kommen. sprache kann nur durch permanentes üben perfektioniert werden. hier haben die betreffenden kinder oft das problem, dass eben zu hause nicht oder nur ungenügend deutsch gesprochen wird. es ist aber immer ein einfaches die problematik auf "institutionelle diskriminierung" zu reduzieren.

ND1
03
17.8.2011, 17:10
Neuorientierung auf allen schulischen Ebenen

... welchen Beitrag die Schule am Abbau von Bildungsungleichheit leisten kann ... Mainstreaming auf allen Ebenen ... Schulen benötigen Rahmenstrukturen, Anleitung und Unterstützungssysteme ... usw.

Wäre es nicht die einfachste Lösung sie würden einfach Deutsch lernen??

torch
 
06
15.8.2011, 11:33
Mechtild Gomolla, Bildungsforscherin an der Uni Hamburg

...

Also Aufregung zurück, es geht da mehr um Neu-Kölln und andere islamische Viertel, drei Türkische Fernsehprogramme, Wille zur Abschottung statt Integration, Sozialhilfe per Chipkarte vom Automaten, Vollversorgungskültür und mehr als 80% zumeist türkische Kinder in den Klassen.

http://www.konservativ.de/epoche/13... o_136p.htm

Die Multi-Kulti-Ideologie "übersieht" die sozialpolitische Schieflage, redet schön, die Zeiten von Randalen wie in London etc. sind nicht mehr fern.

Wen überrascht da noch der hohe FP-Stimmenanteil?
Die FP wird offenbar quer durch alle Lager gewählt, insbesondere aber von der klassische SP-Arbeiterklasse im 10ten, bzw. ebenso in anderen Bezirken etc, die wählt blau, warum denn wohl?

Keyser
07

Mir ist jemand bekannt - der aus dem arabischen Raum fliehen musste, gemeinsam mit der Familie. Kein Wort hat er verstanden, mit 7 kam er nach Deutschland. Er beschrieb Deutsch als Zischlaute.

Er hat es jedoch schnell gelernt. Und was ist er heute? Arbeitslos? Hartz IV Empfänger? Gesellschaftsopfer, weil man ihn falsch Einstuftem während seiner schulischen Karriere? Nein! Er hat sein Abi gemacht, Informatik studiert, und arbeitet inzwischen in einem renommierten Unternehmen.

Wenn hauptsächlich Ausländer in der Klasse sitzen, und dann dem Unterricht nicht folgen können oder wollen, nicht nur aus sprachlichen Gründen - könnte es damit vllt. auch etwas zu tun haben, oder?

neural trading
06

selten soviel bloedsinn gelesen! noch daemlicher und falscher gehts ja nimma.

politisch verfolgt
14
ich empfehle ihnen

robert m.'s kolumne. sie werden überrascht sein und ihr urteil revidieren müssen.

Shirin Maier
015
UFF!

"Ein Kind mit Migrationshintergrund, das nicht perfekt Deutsch spricht, verliert im Unterricht den Anschluss und stört seine Klassenkollegen: Das ist eines der Vorurteile,..."

ja, was für ein böses vorurteil... natürlich verlieren die kinder nicht den anschluss... und das leistugnsniveau ist selbstverständlich auch nicht niedriger... und wer behauptet, man müsste die unterrichtssprache verstehen können, um dem unterricht zu folgen, ist ein böser "diskriminierer".

W.v.Grün, Erfinder düsengetriebener Wunderwaffeln
03
Propganda.

Lupenrein und von Realität, geschweige denn Wahrheit so weit weg wie Emden von Palermo.

LSDBlue
010

Also ich hab eher den Eindruck dass Schwabokinder an unseren öffentlichen Schulen diskriminiert werden - mein Kind kommt definitiv in keine Schule mit einem Migrantenanteil von 43% oder mehr... los gehts, strichelts mich rot aber ich steh dazu

DarwinsHammer
016
Strukturell bedingt

Und inzwischen schaffen es die linksgerichteten Medien nicht mal mehr die No Go Areas in Deutschland zu verheimlichen:

http://www.derwesten.de/nachricht... 26287.html

Bei uns wirds auch bald soweit sein.

Cloon
 
11
10.8.2011, 22:32
der hier ist auch ned schlecht...

http://www.welt.de/vermischt... v-auf.html

lg Cloon

hast1
07
soso,

frau brickner ist jetzt auch schon bildungsforscherin.

torch
 
01
15.8.2011, 12:17

Wenn Sie sich die Mühe des Lesens machten, da steht (APA) darunter und nicht (Irene Brickner/DER STANDARD, ... ).

Ändert aber nichts an dem propagandistisch agitatorischen Inhalt.

fischkopp
425

Was für ein Gelaber

Frau Trude
71

In Bezug auf ihr eigenes posting haben sie schon etliche grüne stricheln kassiert.

migl1
02

Und zwar weil?

österreicher ist, wer es trotzdem ist
319
weil ständig von Diskriminierung gesprochen wird.

Wenn jemand im Bildungssystem scheitert, ist selbstverständlich "die Gesellschaft" schuld, die den- oder diejenige strukturell benachteiligt und aufgrund festgefahrener Strukturen und sozialer Vorurteile etc. etc. etc.

Die Frau Bildungsforscherin sollte einmal daran denken, dass es Aufgabe der Eltern ist, ein Kind "gesellschaftsfähig" zu machen - ihm auch den Wert von Bildung zu vermitteln - und dass jeder letztlich für seine Ausbildung selbst verantwortlich ist.

Es reicht nicht - wurscht ob mit oder ohne Migrationshintergrund - sich sofort für diskriminiert zu erklären, weil man halt keinen Doktortitel hat...

LGM
04

das Ignorieren der tatsächlichen Probleme, die dadurch entstehen, dass Kinder die Sprache nicht beherrschen und die Forderung nCh Mainstreaming anstatt Sprachkursen geht schon in die Riechtung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.