Debatte

Nationalität bei Feuerwehr ist "prinzipiell egal"

Bianca Blei, 5. August 2011, 13:24
  • Artikelbild
    foto: apa/daniel scharinger

    In sieben von neun Bundesländern dürfen auch Nicht-EU-Bürger zur Feuerwehr.

Integrationsstaatssekretär Kurz will in Kärnten und der Steiermark auch Nicht-EU-Bürger zur Feuerwehr lassen - Die neun Landesverbände beziehen Stellung

Alle, die helfen wollen, seien bei der Feuerwehr herzlich willkommen, sagt Pamela Hniliczka vom Österreichischen Bundesfeuerwehrverband. Da sei es egal, aus welchem Land sie oder er ursprünglich komme. Der Bundesverband habe aber keinen Einfluss auf die Landesgesetzgebung, die das Feuerwehrwesen in den jeweiligen Bundesländern regelt.

So kommt es, dass in der Steiermark und in Kärnten nur österreichische Staatsbürger, sowie EU und EWS-Bürger einer Wehr beitreten dürfen. Für Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz war das Anlass, Änderungen an den betroffenen Landesgesetzten einzufordern. Mit den Landeshauptleuten Franz Voves und Gerhard Dörfler sollen bald Gespräche stattfinden.

Keine strenge Auslegung

Im Landesfeuerwehrkommando Steiermark versteht man die mediale Aufregung nicht. Pressesprecher Thomas Meier weist darauf hin, dass in jedem Fall der Feuerwehrausschuss über die Aufnahme eines neuen Mitglieds entscheiden müsse, also die Ortsfeuerwehr selbst. Dieser Abstimmung müssen sich aber auch Staats- und EU-Bürger unterziehen. Außerdem dürfe man das Landesgesetz nicht zu streng auslegen, da es in der Realität anders gelebt werde: "Schon jetzt ist es so, dass auch ein Nicht-EU-Bürger, der gut integriert ist, bei einer Feuerwehr tätig sein kann."

Auch in Kärnten schwächt Mediensprecher Helmut Petschar ab. Zwar sei ihm persönlich kein Fall bekannt, doch sei er sich ziemlich sicher, dass es auch in Kärnten Personen mit Migrationshintergrund in Feuerwehren gebe. Man sei "offen für jeden". Bereits 1996 seien die gesetzlichen Bestimmungen zugunsten von EU-BürgerInnen geändert worden. So lange das aber nicht wieder der Fall sei, "muss man sich an das Gesetz halten". Man habe in Kärnten auch keine Nachwuchsprobleme bei den Einsatzkräften und müsse deshalb keine "gezielte Werbung unter Migranten machen".

"Erstaunt, dass es den Passus gibt"

Andere Bundesländer machen zwischen den Nationalitäten keinen Unterschied. So reicht im Burgenland ein Haupt- oder Nebenwohnsitz in einer Gemeinde, um Mitglied zu werden. Landesfeuerwehrkommandant Alois Kögl ist die Nationalität "prinzipiell egal". Warum die Initiative von Kurz aber gerade jetzt komme, versteht er nicht: "Meiner Meinung nach, muss die Bitte nach der Gesetzesänderung von der Feuerwehr kommen. Die weiß am besten, in welchen Bereichen Missstände bestehen."

Hermann Kollinger vom Oberösterreichischen Verband sieht das ähnlich. Er wäre "erstaunt gewesen, dass es überhaupt so einen Passus gibt". Für ihn stelle sich nur die Frage, ob unter den MigrantInnen ein generelles Interesse an Freiwilligenarbeit bestehe: "Viele kennen solch ein System aus ihren Heimatländern gar nicht." Trotzdem sei er sich sicher, dass in Oberösterreich alles getan werde, damit man auf diese Zielgruppe zugehe. Aktive Mitgliederwerbung sei in manchen Feuerwehren auf der Tagesordnung gestanden.

Salzburg: "Kein brennendes Problem"

Der stellvertretende Landesfeuerwehrkommandant von Tirol, Peter Hölzl, kann sich ebenfalls nicht vorstellen, dass dieser Passus einen Missstand bedeutet. Er weist aber darauf hin, dass es in Tirol reiche, Gemeindebürger zu sein, um der Feuerwehr beizutreten. In Salzburg ist es überhaupt nur Voraussetzung, bei keiner zweiten Feuerwehr Mitglied zu sein. Landesfeuerwehrkommandant Leopold Winter sieht ebenfalls "kein brennendes Problem" und findet es gut, dass der "Ortskommandant die letzte Entscheidungsgewalt bei der Aufnahme eines Mitglieds hat". Immerhin wüsste der am besten über die Situation in der Gemeinde Bescheid.

In Vorarlberg ist sich Günther Watzenegger, Geschäftsführer des Landesverbandes, sicher, dass bereits in jeder zweiten Feuerwehr im "Ländle" Mitglieder mit Migrationshintergrund tätig seien. In diesem Zusammenhang verweist er auf die Gastarbeitertradition in Vorarlberg, die vor allem in der Textil- und Metallverarbeitenden Industrie verbreitet sei. "Personen aus anderen Ländern sind eben dort zu Betriebsfeuerwehren gegangen und schlussendlich bei einer Freiwilligen Feuerwehr gelandet", sagt Watzenegger. 

Geschäftsführer Watzenegger spricht auch gleich einen Vorteil von MigrantInnen bei der Feuerwehr an: Ein Asylwerber aus Weißrussland sei, da er nicht arbeiten dürfe, bei einer Wehr. So würde er sich schon jetzt in die Gemeinde integrieren." Außerdem ist es nützlich wenn man jemanden hat, der aus einem anderen Kulturkreis kommt und eine andere Sprache spricht. Der kann mit Opfern und Betroffenen aus seinem Heimatland ganz anders umgehen als wir", sagt Watzenegger. (Bianca Blei, derStandard.at, 5.8.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 131
1 2 3 4
Patschertes_Tschapperl
00
28.8.2011, 18:37

Wäre ja noch schöner, zählte die Leutschaftigkeit eines Feuerwehrmannes!

Was zählt ist seine Fähigkeit, Menschenleben zu retten.

Anton Friesl
01
Ich vermute, dass es dem Feuer auch egal ist ob das Wasser geweiht ist oder nicht.,.

Reich sein muss sich lohnen!
00
Ja, ist sie - dazu braucht es allerdings keine Debatte und keine Medien

Wenn es Gesetzte gibt die es von der Nationalität abhängig machen ob man sich bei der Feuerwehr engagieren darf dann gehört dieses Gesetz eben geändert.

Aber das Thema muss nicht in die Medien und zu debattieren gibt es da imho auch nichts.

XYZ123
01
billige PR - sonst nichts

Muzungu
00
erinnert mich ein wenig...

...an die damals ausgelöste Diskussion: http://derstandard.at/129782184... ehrmagazin

Da ließ OÖ verlauten: "...dass jede Frau und jeder Mann bei der Feuerwehr aufgenommen und akzeptiert wird, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung".

Philip II
00

um Gottes Willen so ein Schwachsinn die ganze Gschichte das is so ein Publicity-Stunt! Das schau ich ma an dass in einem Kaff in Kärnten oder in der Steiermark der Chef von der FF sagt: Nein Sie können nicht zu uns weil Sie sind kein EU-Bürger...

K R
13
warum die kärntner braunen strampfen?

die verwenden andersreligiöse traditionell als brennmaterial

Salz Burger
01

Der junge Staatssekretär gefällt mir immer besser.

living reef
02
ja, er packt die "wirklich brennenden" integrationsprobleme in unserem land an...

Kratos
04
Also wenn meine Bude in Flammen steht

ist's mir sowas von Blunzn, wer da löschen kommt umd woher derjenige stammt. Und wenn er aus Swasiland oder Dschibuti kommt... Hauptsache, er löscht den Brand. Haben wir in Österreich denn wirklich keine anderen Probleme???

aixon
02

Kein Grund zu Aufregung! Wie schon im Artikel erwähnt: "..da es in der Realität anders gelebt werde".

Bin seit mittlerweile über 10 Jahren aktiv im steirischen Feuerwehrdienst. Wir stimmen im Feuerwehrausschuß über Neuaufnahmen ab. Aber die Tatsache, dass scheinbar im Feuerwehrgesetzt ein entsprechender Passus existiert war mir vorher gar nicht bekannt.

Das dies jetzt gleich wieder auf eine Sprachdebatte ausartet finde ich lächerlich. Egal ob EU Bürger oder nicht - das sagt auch nichts über Deutschkenntnisse aus... Außerdem ein Kroate spricht noch eher Deutsch als ein Franzose ;-)

my2cents

Adolf Ogi
00
eben

das ist eine volle Nonsens-Debatte, weil das Problem sowieso nur am Papier existiert.

der Rabe
150
Und diese Vereine werden aus Steuermitteln finanziert!

Es darf kein Steuer-Euro mehr für Vereinigungen mit rassistischen Elementen verwendet werden!
Auch der paramilitärische Charakter von Feuerwehren darf hinterfragt werden.

Block Bauer
00
12.8.2011, 09:52

Um in Ausnahmesituationen schnell und effizient helfen zu können bedarf es einer straffen gut aufeinander abgestimmten Organisation mit einer klaren Aufteilung von Aufgaben und Verantwortung!

Das paramilitärische Auftreten der Feuerwehr hat durchaus Berechtigung wobei es nicht jedermanns Sache ist.

Ich bin sehr froh daß es Menschen (egal ob Österreich, EU-Bürger oder Nicht-EU-Bürger) gibt die sich bereit erklären einen Teil ihrer Freizeit zu opfern um bei der Feuerwhr in welcher Funktion auch mitzuarbeiten um anderen Menschen in Not zu helfen!

mahoe
00

und das rote kreuz und der asbö sind gleich die nächsten, die gestanzt werden müssen,....

etwas "unüberlegteres" (um der zensur vorzubeugen) hab ich hier schon lang nicht mehr gelesen.

Stephan Fadinger
02
no na sind feuerwehren paramilitärisch organisiert

falls ein verunfallter irgendwo herauszuholen ist, oder ein haus löschen oder so, da brauchts rasche, klare entscheidungen und zackiges handeln, da muss klar sein wer das sagen hat, es muss klar sein was derjenige will und das ganze muss möglichst rasch und effizient ausgeführt werden

für basisdemokratische entscheidungsprozesse ist da kein platz da bedarf es einer paramilitärischen struktur

Stephan Fadinger
00
feuerwehren sind keine vereine

sondern körperschaften öffentlichen rechts, sie erfüllen gesetzlich definierte aufgaben, die in den feuerwehrgesetzen der länder definiert sind

und es ist ein riesenskandal das feuerwehren sich zu mehr als der hälfte selbst finanzieren (müssen) und nur ein teil ihres budgets von der öffentlichen hand kommt.

Philip II
00

ja genau diese Rechte Feuerwehr die nur warten auf den Kampfeinsatz...na Servas...

Philip II
00

selbiges gilt auch für meinen Satz nach nochmaligem durchlesen oO

Der Schurke mit der Gurke
00

Feuerwehr mit Heimwehr verwechselt?

Deep Sky
00

Von welchen Vereinen reden sie da? Die österr. Freiw. Feuerwehren können sie kaum meinen, das sind keine Vereine.

Jetzt neu: Kernschmelzkäse
04
Äh.... WAS ???

PARAMILITÄRISCH ???

Welche Drogen nehmen denn Sie bitte ???

Dagobert Drache
00
Brandobjekt geradaus ...

Erinnerst dich nicht? "Habt acht! Zur Meldung an den Herrn Hauptbewerter Gruppe rechts - schaut!" Wenn das nicht paramilitärisch ist, was dann?

Jetzt neu: Kernschmelzkäse
01
Das sind Vorgaben einer Sportdisziplin

Mit Feuerwehr hat dieser Bewerb garantiert nichts zu tun.
Aber das ist ein anderes Thema.
Dass es nun mal Hierarchien gibt liegt nun mal in der Natur der Sache. Im Fall des Falles kann eben nur einer das Sagen haben, da ist keine Zeit zum Abstimmen, was denn nun zu tun sei.
Das ist straff organisiert aber noch lange nicht "paramilitärisch"

Stephan Fadinger
01
genau das was sie da beschreiben ist paramilitärisch:

1) es gibt uniformen
2) es gibt dienstgrade
3) es gibt eine klare kommondohierarchie (um im ernstfall rasch entscheiden zu können)
4) es gibt drillausbildung (um im ernstfall das geübte auch um 3 Uhr nachts bei wind und wetter während ein verletzter um hilfe brüllt und 5 angehörige kreischend im weg stehen zu beherrschen

das ist paramilitärisch und das ist auch gut so

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 131
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.