Leogangs Skiberg wird im Sommer zum rasanten Bikepark. Auch normale Radler kommen auf ihre Kosten
Skiberge im Sommer sind kein wirklich schöner Anblick. Zwischen Liftstützen, Pistenschneisen und leeren Skibars ist von einer Bergidylle wenig zu spüren. Aber manche Wintersportorte machen aus der Not eine Tugend und verschreiben sich ganz dem einen Sportgerät, mit dem man ähnlich rasch ins Tal rasen kann wie mit Skiern - dem Mountain-Bike.
So hat die Pinzgauer Gemeinde Leogang auf ihrem Hausberg, der Asitz, den größten Bike-Park Europas errichtet. Rund um die Talstation tummeln sich junge Männer - Frauen machen sich bei diesem Vergnügen rar - in eine moderne Ritterrüstung, die sie auf dem waghalsigen Ritt über die steilen, oft schlammigen Hänge vor dem Schlimmsten schützen soll. Für gewöhnliche Radfahrer und Mountain-Biker, die ihr Gerät mit der extra für Räder ausgerüsteten Gondeln auf den Berg hieven, reicht schon der Blick auf die Reifenspuren, die vertikal den Berg hinunterlaufen, um sich im Bikepark aufs Zuschauen zu beschränken.
Sanfter Weg ins Tal
Aber es gibt auch andere Wege, um den Berg auf zwei Rädern zu erleben. Auf Forstwegen - das Pendant zur blauen Piste - kann man sanft ins Tal rollen. Noch schöner ist eine etwa 30 Kilometer lange Route, die entlang eines Grates oberhalb von Saalbach führt und wunderschöne Blicke ins Tal bietet. Über mehrere idyllisch gelegenen Almen gelangt man ins Tiroler Hochfilzen gelangt, von wo ein Talweg nach Leogang zurückführt.
Hochfilzen ist der erste Stopp auf einer Salzburger-Tiroler Radtour, auf der man gar nicht auf die Berge muss. Er führt 67 km lang rund um die Leoganger und Loferner Steinberge durch das Pillerseetal nach Waidring und weiter nach Lofer, von wo man parallel zu Straße nach Saalfelden und Leogang radelt. Weil entlang des Wegs lokale Schulen und Künstler interessante und zum Teil auch witzige Kunstwerke aufgestellt haben, wird der Weg "Skulpturen-Radweg genannt". Die Steigungen auf dem Weg sind auch für ungeübte Biker gut zu schaffen, besonders für all jene, die sich ein E-Bike ausgeborgt haben. Aber auch dann gehen die vielen Kilometer ganz schön in die Beine.
Ähnlich lang ist der Radweg rund um den Zeller See, der mit einem Abstecher in das pittoreske Stadtzentrum von Zell am See verbunden werden kann.
Die Mischung aus Berg- und Talwegen und die vielen radgeeignete Gondelbahnen - neben der Asitz sind vier Bahnen in Saalbach-Hinterglemm im Betrieb - machen das Gebiet zu einem der besten Raddestinationen in Österreich. Aber auch Wanderer kommen in Leogang auf ihre Kosten.
Zahlreiche Wanderwege beginnen von der Bergstation der Asitz weg, die noch schöneren aber führen auf der anderen Talseite in die Steinberge. Traumhaft ist der 1200-Höhenmeter Aufstieg über das Birnbachloch, wo auch im Sommer etwas Schnee liegt (die Bezeichnung Gletscher ist etwas übertrieben) auf die Passauer Hütte, von der man einen Blick auf die gesamte Hohen-Tauern-Kette hat und leicht zu zwei anspruchsvollen Klettersteigen gelangt.
Hotellerie auf hohem Niveau
Als Ort ist das in die Länge gezogene Leogang zwar mäßig attraktiv, aber das wird durch die prachtvolle Landschaft zwischen den schroffen Steinbergen und den schmiegsamen Kitzbühler Alpen mehr als wettgemacht. Und die kleine Tourismusgemeinde bietet inzwischen eine hervorragende Hotellerie auf höchstem - vier Stern superior - Niveau.
Neben dem bekannten Krallerhof bietet der etwas kleinere Forsthofgut im Winter eine Lage gleich neben der Bergbahn (die Talabfahrt führt tatsächlich durch das Hotel) und im Sommer den vielleicht schönsten Badeteich in den Alpen. Das ganze Jahr begeistert eine spannende Küche und ein ungemein freundliches Personal. Was bisher im WaldSpa gefehlt hat - ein ordentliches Hallenbad - wird im Dezember eröffnet.
Und auch kulturell ist Leogang nicht so im Eck, wie die geografische Lage suggeriert. So zeigt das ambitionierte Bergbau- und Gotikmuseum in diesem Sommer Teile der Gotiksammlung des verstorbenen Kunstsammlers Rudolf Leopold. Und das nahegelegene Saalfelden lockt mit seinem Jazzfestival jeden Sommer Tausende Musikfans in die Region. (Eric Frey/DER STANDARD/Printausgabe/06.08.2011)