Kraftakt

Sensationelle Rieder in Kopenhagen

4. August 2011, 20:57
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    foto: jens dresling/polfoto/ap/dapd

    Beinahe hingerichtet und am Ende doch noch erfolgreich, die Wikinger aus dem Innviertel.

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    foto: epa/jan christensen

    Beinahe schon eine Runde weiter, am Schluss doch noch rausgeboxt, die Gelben von Brøndby IF Kopenhagen.

Die Wikinger schaffen nach einem 0:4-Rückstand mit zwei späten Toren gegen Brøndby IF doch noch den Aufstieg ins Play-off zur Europa League

Kopenhagen - Österreichs Fußball-Cupsieger SV Ried hat sich am Donnerstagabend in einem äußerst dramatischen Spiel für das Play-off zur Europa League qualifiziert. Die Oberösterreicher verloren nach dem 2:0-Heimsieg das Rückspiel zur dritten Qualifikationsrunde beim dänischen Spitzenclub Bröndby IF zwar verdient 2:4 (0:2), schafften aber bei einem Gesamtscore von 4:4 aufgrund der Auswärtstorregel den Aufstieg. Nach Toren von Jan Kristiansen (39.), Michael Krohn-Dehli (45./Foulelfer) und Osarna Akharraz (53., 55.) sah Bröndby schon wie der sichere Aufsteiger aus, doch dank Treffern von Daniel Royer (71.) und Anel Hadzic (88.) durften am Ende doch noch die Innviertler jubeln.

Ohne Kapitän Glasner

Den ersten Schock hatte das Team von Paul Gludovatz schon vor dem Anpfiff zu verkraften gehabt, denn Kapitän Oliver Glasner leidet noch immer an den Folgen seiner am Sonntag im Bundesliga-Match in Wien gegen Rapid erlittenen Gehirnerschütterung. Zwar hatte der 36-Jährige am Vormittag einen Fitnesstest mit zahlreichen Kopfbällen absolviert, klagte aber nach dem Mittagessen über Schwindelgefühle sowie Orientierungsschwierigkeiten und musste vor dem Spiel ins Krankenhaus gebracht werden. Die Ärzte entschieden, dass Glasner zwecks weiterer Beobachtung auch die Nacht im Krankenhaus verbringen musste.

Bröndby startete enorm druckvoll, wie 84 Prozent Ballbesitz in den ersten zehn Minuten beweisen. Doch verstanden es die Dänen zunächst nicht, diese Dominanz in Tore umzumünzen. Nach einer Unsicherheit von Ried-Goalie Gebauer schoss Akharraz (1.) ebenso drüber wie Kristiansen aus 18 Metern (4.). Bei der zweiten Weitschuss-Chance von Kristiansen zeigte Gebauer, der im Hinspiel mit zahlreichen Glanzparaden noch der Matchwinner gewesen war, erneut eine Schwäche, als er den Ball zwischen seine Beine durchkullern ließ, aber gerade noch vor der Linie zu fassen bekam (8.).

Ried rührte zwischendurch Beton an

Nach rund einer Viertelstunde ließ dieser Anfangsdruck spürbar nach, zudem stand die "Betonabwehr" der Oberösterreicher sicher. Just in der Phase, in der Ried mutiger wurde, gingen die Dänen in Führung: Bei einem Gewaltschuss aus 25 Metern von Kristiansen unterlief Gebauer der nächste Patzer, als er den Ball beim Fangversuch mit dem linken Oberarm ins eigene Tor lenkte (39.). Nach diesem Tor witterte Bröndby seine Chance. Zunächst scheiterte Kristiansen noch an Gebauer (43./Fußabwehr), doch nach einem Foul von Karner an McGrath im Strafraum (44.), entschied der deutsche Referee Thorsten Kinhöfer auf Elfer, den Krohn-Dehli sicher verwertete (45.).

Die Dänen machten auch nach dem Wechsel weiter Druck und jubelten nach einem Doppelschlag von Akharraz bereits über die vermeintliche Vorentscheidung. Der 20-Jährige stoppte sich zunächst einen weiten Pass vorbildlich mit der Brust herunter und traf mit einem sehenswerten Drehschuss flach ins kurze Eck zum 3:0 (53.). Nur zwei Minuten später spitzelte er den Ball zum 4:0 ins rechte Eck (55.) und versetzte die nur rund 8.000 Fans endgültig in Verzückung. Die Rieder wirkten in dieser Phase "mausetot", wohl niemand rechnete mehr mit einem Comeback der "Wikinger" aus dem Innviertel.

Mut zur Offensive

Taktikfuchs Gludovatz reagierte aber sofort, stellte von Defensive auf Offensive um, indem er die Spanier Nacho und Casanova für Hammerer und Basala-Mazana (beide 61.) ins Spiel brachte. Und ein Weitschuss von Nacho leitete auch das erste Tor der Innviertler ein, denn nach der zu kurzen Abwehr von Bröndby-Goalie Andersen verkürzte Royer im Nachschuss via Innenstange auf 1:4. Nach diesem Gegentreffer wurden die Dänen sichtlich nervöser, hatten jedoch zunächst bei einem Casanova-Kopfball aus kurzer Distanz (84./vorbei) Glück. Nach einem weiten Freistoß von Gebauer war es dann aber soweit: Der Ball landete beim von der Abwehr vernachlässigten Hadzic, der sich diese Chance nicht entgehen ließ und den Ball zum 2:4-Endstand in die Maschen jagte. (APA)

Bröndby IF Kopenhagen - SV Ried 4:2 (2:0)
Bröndby-Stadion, 8.000, SR Kinhöfer/GER

Torfolge:
1:0 (39.) Kristiansen
2:0 (45.) Krohn-Dehli (Foul-Elfmeter)
3:0 (53.) Akharraz
4:0 (55.) Akharraz
4:1 (71.) Royer
4:2 (88.) Hadzic

Bröndby: Andersen - Randrup, Goodson, Stenderup, Rasmussen (58. Frederiksen) - Nilsson, Krohn-Dehli, Kristiansen - Thygesen, McGrath (87. Jatta), Akharraz (75. Agger)

Ried: Gebauer - Karner, Reifeltshammer, Riegler - Basala-Mazana (61. Nacho), Mader, Hadzic - Lexa, Carril (46. Hinum), Royer - Hammerer (61. Casanova)

Gelbe Karten: Stenderup, Krohn-Dehli, Akharraz, Frederiksen bzw. Hadzic

Kommentar posten
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djzaus
00

diese Wahnsinsspartie hat mich ein wenig an Admira vs. Antwerpen 1992 erinnert (damals 2:4 daheim, 0:2 auswärts zu pause mit 10 mann, dann noch 4:2 und leider in der Verländerung verloren). Nur diesmal mit Happy End für den österreichischen Club, Gratulation dafür !

Atterl
 
00

Das war damals aber noch um einiges ärger...

Say UH - AH - CZERNIA ... SAY-UH-AH-CZERNIA!

Beim Hinspiel war ich in der Südstadt, war echt unglücklich das Match, aber Stimmung spitze... auch wegen den Belgiern und dem oben erwähnten Anfeuerungsruf ;).

Was mir bei der Gelegenheit einfällt: Früher waren bei Admira-Heimspielen im EC immer Fans von haufenweise anderen Vereinen im Stadion: LASK, Austria UND Rapid etc... Damals war ich für genau Hintergründe noch ein bissl jung, warum gibt's das heute eigentlich nimmer? Wäre doch cool, EC-Heimspiele von österr. Vereinen mit breitgefächerter Unterstützung im Stadion (net nur vorm TV!).

Aja, und eine Jahre später habe ich dann den Hasi in Antwerpen besucht, beim Spiel gg. Mechelen ;)

kraeutrpolizei
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LETS GO RIED! ich mag den klub einfach jede saison mehr :)

Truhe
 
00

Also wenn Ried gegen Bröndby spielt würd ich doch meinen dass die Dänen die Wikinger sind, oder?

berti russell
10

schöner fussballabend!

irgendwie war ich immer überzeugt, dass ried das noch schafft. wg. der körpersprache, auch weil bröndby zurückgenommen hat bzw. platt war.

für gludovatz(´ standing) ist der gestrige abend so richtig genial verlaufen (siehe auch u20). hat er sich aber auch mehr als redlich verdient.

sein interview nach dem match war kultig!

Wiesen Barbara
10
Gludowatz neuer ÖFB-Teamchef!

Glück hin oder her: Ried-Coach Paul Gludowatz hat eine super-motivierte Truppe, so wie das von ihm einst betreute U-20-Team (WM-Vierter 2007). Also, werter Herr ÖFB-Präsident Windthner: Warum machen Sie Ihren Ex-Angestellten nicht zum Nachfolger von Constantini, dem Sie ja offenbar nichts mehr zutrauen?

Silvio Lackner
10
Fast wärs ins Auge gegangen.

Warum spielt man so schlecht (verdientes 0:4), wenn man, siehe letze 20 min (2:4), es doch drauf hat, besser zu spielen? (= für mich verbleibende Frage). Beinahe hätte nämlich wieder das Österreich-"Schicksal" zugeschlagen.

Fer Luzi
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Ich stelle fest: Ried ist die beliebteste Mannschaft in Österreich.

Es gibt hier so gut wie keine negativen Kommentare. Und das ist gut so.

Ich hab mich mit den sympathischen Riedern auch gefreut. Toll gekämpft, verdient "gewonnen".

weekend friend
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Ich hab mich gestern für Ried mehr gefreut, als für Salzburg. Das soll was heissen! Gaaaaaaaaanz tiefe Verbeugung für diese Leistung gestern!

Pablo Passo
01
Wahnsinnspartie!!!

Endlich wieder mal ein EC-Klassiker mit österreichischer Beteiligung. Tolle Moral, so zurück zu fighten. Gratulation an die Rieder und ihrem "Schilfschneider" (© J.Krankl).

Alastair McKenzie
 
03
Gratulation!

Als Rapidler ziehe ich beeindruckt den Hut - wie schon nach dem Heimspiel. Dieses Spiel erinnerte an legendäre Europacupschlachten!

fow
00
SUPER

schön zu sehen, dass bei internationalen erfolgen ÖSTERREICHISCHER clubs fans aus allen lagern sich freuen können!!

auch nochmals: glückwunsch nach ried zu dieser leistung und dem aufstieg aus wien10!

hedgehog
01

Gratulation an SK Ried. War ein mehr als spannender Fußballabend. Aber kann mir jemand sagen, warum die Rieder auch "Wikinger" genannt werden?

minderbelastet
00
SV Ried.

Das geläuterte gesuderte Übliche
01
Gratulation an Ried!

Und natürlich auch an Austria und Salzburg. Da ist man einmal aus privaten Gründen verhindert, und schon verpasst man 2 legendäre Europacupschlachten und einen sicheren Aufstieg. :-(

Centurio Willi Dunkl
01

freut mich sehr!!

GWG

Seife
01

Gratulation auch aus Hütteldorf. Wer nach solch einem Krimi Fußball nicht liebt, dem ist nicht mehr zu helfen, Wahnsinn!!!

Alastair McKenzie
 
00

Kann mich nur anschließen! Diese Spiel beweist, dass bei allem Respekt vor der rein finanziellen Attraktivität von Gruppenphasen der sportliche Wert von K.o.-Duellen doch ein ungleich größerer ist.

syndesmoseband
01
???

0:4 - "Taktikfuchs Gludovatz reagierte aber sofort..."

Matthiz
00

spät aber doch ;)

Alfred73
00
Gruppeneinteilung zu Auslosung:

Mögliche Gegner:
PSV Eindhoven (NED)
FC Dynamo Kyiv (UKR)
Celtic FC (SCO)
S.S. Lazio (ITA)
Birmingham City FC (ENG)
FC Rapid Bucuresti (ROU)

mMn wäre Celtic die "machbarste" Lösung.
Die schottischen Teams haben in der laufenden bislang ziemlich enttäuscht.

Da Chigurh Toni
00

sportlich gesehen wären psv (lässige auswärtsfahrt) , lazio (lässige auswärtsfahrt) und kiew (geile auswärtsfahrt) sicher ein alptraum.

was bei letzteren hinzukommt: dynamo würde wahrscheinlich auch keine fanmassen nach ried oder salzburg locken

rapid und celtic (lässige auswärtsfahrt) sicher machbar.

und zweitligist birmingham? da hab ich absolut keine ahnung, wie die aufgestellt sind.

Concordia
00
was für ein fußballabend...

bin völlig fertig ins bett gegangen :)

es war grandios, es war spannend, es war emotional, es war herrlich.

in der nächsten runde darf es ein bisschen weniger dramatisch sein :)

Robgeb er
10
.

Da machen Sie sich mal keine Sorgen. Nach jeweils 20 Min können sie da völlig entspannt den Fernseher abdrehen!

brand
01

Nach dem 4. Tor der Dänen.
"Taktikfuchs Gludovatz reagierte aber sofort, stellte von Defensive auf Offensive um,..."

Na geh' (nichts gegen Gludovatz. Ich halten ihn - wie wohl viele andere - für einen ausgezeichneten Trainer).

Aber dass in österreichischen Medien der Trainer der bei einem Stand von 2:4 von Defensive auf Offensive umstellt als "Taktikfuchs" bezeichnet wird, ist wohl zum Schmunzeln :-)

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