Rund 1.000 EntwicklerInnen treffen sich eine Woche lang zum Wissensaustausch - Spannung und Konfliktpotential
Ab Samstag ist Berlin für einige Tage lang so etwas wie die Welthauptstadt des Linux-Desktops: Rund 1.000 EntwicklerInnen vornehmlich aus den KDE und GNOME-Projekten versammeln sich eine Woche lang, um über die weitere Zukunft ihrer jeweiligen Projekte zu brüten - und auch gleich Möglichkeiten zur projektübergreifenden Zusammenarbeit auszuloten. Der Desktop Summit ist eine - zum zweiten Mal stattfindende - Zusammenführung der Einzelkonferenzen Akademy und GUADEC.
Spannung garantiert
Die Vorzeichen könnten dabei kaum spannender sein: Während man bei GNOME erst vor wenigen Monaten die vollkommen neu gestaltete Version 3 der Software veröffentlicht hat, werkelt man bei KDE mit "Plasma Active" an einem eigenen Interface für Geräteklassen jenseits des klassischen Desktops - und denkt auch schon leise über ein mögliches KDE5 nach.
Ubuntu
Und dann wäre da natürlich noch Ubuntu, immerhin die seit Jahren unumstritten am stärksten verbreitete Linux-Desktop-Distribution jenseits des Enterprise-Bereichs. Hersteller Canonical beschreitet bekanntermaßen zunehmend eigene Wege, will mit dem eigenen Unity-Desktop reüssieren. Dieser basiert zwar weiterhin auf der GNOME-Plattform, technologisch bedient man sich aber auch schon mal im KDE-Umfeld. So setzt die 2D-Version von Unity auf das - unter anderem - bei KDE genutzt Qt, womit das C++-Framework auch zum ersten Mal offiziell mit Ubuntu 11.10 mitgeliefert werden wird.
Problematisches
Diskussionsstoff gibt es aber auch so schon genug: Während man bei KDE dieses Jahr den Strategiewechsel bei Nokia in Fragen Qt zu verkraften hat, sind Unity und GNOME - und ihre Änderungen an der User Experience - nicht bei allen NutzerInnen gut angekommen. Dass Linus Torvalds alles andere als angetan von GNOME3 ist, geistert ja gerade erst durch die Gazetten, ist bei seiner Vorgeschichte aber ohnehin keine sonderliche Überraschung.
Keynote-Vorschau
Im Kontext des Desktop Summit ist es da schon "amüsanter", dass ihm ein gewisser Dirk Hohndel in seiner Ablehnung kaum nachsteht - und gleich nachlegt, dass KDE4 noch schlimmer sei. Denn dieser ist nicht nur SUSE/SuSE/S.u.S.E-Urgestein und derzeit bei Intel federführend für Open-Source-Fragen zuständig, sondern auch derjenige, der die Aufgabe hat, die Eröffnungs-Keynote des Desktop-Summits zu halten. Sollte er sein per Google+ angestellte Überlegung, all dies in die Keynote einzubauen, wahr machen, könnte es also gleich zum Auftakt "interessant" werden.
Copyright-Assignment
Wem das noch nicht genug Konfliktpotential beherbergt, der darf sich noch auf Samstag Abend freuen, wo ein Diskussionspanel zum Thema "Copyright Assignment" am Plan steht. Hier diskutieren dann unter anderem Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth, Novell-Entwickler Michael Meeks und Bradley Kuhn, Executive Director der Software Freedom Conservancy, über ihre doch recht stark divergierenden Ansichten zum Thema Rechteübertragung an Organisationen oder Unternehmen.
Viel Positives
Freilich wäre es reichlich ungerecht, den Desktop Summit alleine an seinem Flamewar-Potential zu messen, im Zentrum steht schlussendlich doch das gemeinsame Interesse an der technologischen Weiterentwicklung der eigenen Plattformen und dem Ideenaustausch. Und in dieser Hinsicht ist das Programm ganz schön vollgepackt, an den Kerntagen - vom 6.-8.August - wird in vier Tracks parallel vorgetragen und diskutiert. Dem folgen dann noch weitere vier Tage mit Workshops, Birds-of-Feather-Sessions und Projektversammlungen, bevor der Desktop Summit am 12. August seine Pforten schließt.
Berichte
Der WebStandard wird wie von den vergangenen Jahren schon gewohnt am Desktop Summit vor Ort sein, und laufend über die Veranstaltung berichten. (Andreas Proschofsky aus Berlin, derStandard.at, 05.08.11)