Die europäischen Spitzenpolitiker, besonders Merkel, scheinen die unhaltbaren Verhältnisse einfach zu akzeptieren
Angela "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste" Merkel. Nicolas "La Grande Illusion" Sarkozy. Die führenden Politiker der Europäischen Union verfügen über wenig Autorität und kaum mehr Vertrauen. Merkel wird von der eigenen CDU als zu diffus und gestaltungsunwillig kritisiert, Sarkozy von den eigenen Gaullisten als zu erratisch und egozentrisch.
Man darf nicht ungerecht sein. Merkel, Sarkozy und ein paar andere haben zuerst in der Weltfinanzkrise, dann in der Staatsschuldenkrise im letzten Moment gehandelt und das Schlimmste abgewendet. Aber es ist wohl nicht ungerecht, ihnen vorzuwerfen, dass sie keinen Plan, kein Konzept haben, wie es mit Europa weitergehen soll. Hätten Kohl und Mitterrand, Helmut Schmidt und Giscard d'Estaing es besser gemacht? Sie glaubten an die unbedingte Notwendigkeit Europas, das tun Merkel und Sarkozy wohl auch, aber sie sind nicht bereit, Risken einzugehen. Vielleicht wäre das im Moment auch gar nicht die richtige Haltung, vielleicht ist dieses Durchwursteln angesichts der Lage der Weltfinanzwirtschaft sogar die einzige Möglichkeit.
Aber die europäischen Spitzenpolitiker, besonders Merkel, scheinen die unhaltbaren Verhältnisse, die uns in diese Lage gebracht haben, einfach zu akzeptieren, ohne Suche nach einem Paradigmenwechsel. "Die Märkte" - die sind halt so. Den Klientelismus kann man nicht antasten. Es gibt keinen Gestaltungswillen. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2011)