Derzeit ist es essenziell, dass die IWF-Führung nicht durch persönliche Justizprobleme behindert ist
Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit ermitteln Gerichte gegen Chefs des Internationalen Währungsfonds. Zuerst gegen Dominique Strauss-Kahn wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung eines New Yorker Hotelzimmermädchens. Jetzt muss sich seine Nachfolgerin Christine Lagarde Vorermittlungen wegen Amtsmissbrauchs als frühere französische Finanz- und Wirtschaftsministerin stellen.
Das ist nicht gut für den Währungsfonds. Als "lender of last resort", also als Krisenfeuerwehr, stellt er überall dort Finanzierungen für Staaten auf, wo sonst nichts mehr geht. Derzeit ist der Fonds gefragt wie nie. In diesen schwierigen Zeiten, da nicht klar ist, ob die Finanzkrise überwunden ist oder der nächste Einbruch noch bevorsteht, ist es essenziell, dass die IWF-Führung nicht durch persönliche Justizprobleme behindert ist.
Zwar hat die Zeit, als Strauss-Kahn in Haft war, gezeigt, dass der IWF auch ohne ihn handlungsfähig war. Dank des erfahrenen Stellvertreters John Lipsky war kein Führungsmanko beobachtbar. Auch Lagarde hat einen Stellvertreter benannt, den chinesischen Volkswirt Zhu Min. Es ist anzunehmen, dass er seinen Job hervorragend machen wird. Solange die IWF-Vorgaben von den Schuldnerstaaten hingenommen werden, wird der Fonds weiter seine Aufgaben machen können. Doch kann sich das wegen der berüchtigt harten Sparvorgaben des IWF schnell ändern. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 5.8.2011)