Rund 350 FPK-Anhänger stärkten ihrem Parteichef in Pörtschach den Rücken
Pörtschach - "Uwe! Uwe! Uwe!", skandierten die Anhänger bei seinem Eintreffen im Kongresshaus in Pörtschach am Wörthersee. Wenigstens hier bekam der wegen Korruption - nicht rechtskräftig - verurteilte FPK-Chef und Kärntner Landesvize Uwe Scheuch nur vereinzelt Buhrufe zu hören. Genau deswegen hatte der Jugendreferent tags zuvor noch seine eigene Beachvolleyball-Party für 1000 Jugendliche gemieden, die er eingeladen hatte.
Eine kleine Gruppe von Getreuen postierte sich in Pörtschach schon vor dem Kongresshaus. "Uwe ist kein Verbrecher!" oder "Wir lassen uns von einem Fehlurteil nicht stoppen!", war dort auf den Transparenten zu lesen.
Im Saal wurde der FPK-Chef mit Jubel und Akklamationen bedacht - gerade so, als hätte er eben eine Heldentat vollbracht. Wie ein Märtyrer einer außer Rand und Band geratenen "Politjustiz" wurde Uwe Scheuch dann auch von den rund 350 Parteimitgliedern stundenlang gefeiert, die eigentlich zu der Info-Veranstaltung über das "Schandurteil" gekommen waren. Unter den Gästen auch FPK-Landeshauptmann Gerhard Dörfler, die FPK-Regierungsmitglieder und viele Bürgermeister sowie der EU-Abgeordnete Andreas Mölzer, Nationalratsabgeordneter Martin Strutz und Herbert Haupt.
Wenn an der Parteibasis die Empörung über das erstinstanzliche Urteil vereinzelt in Drohungen mündete ("In Kalabrien würde der Richter nimmer leben!"), so hielten sich doch die meisten Funktionäre weitgehend an die Sprachregelung: Man kritisierte vor allem das Urteil als hart.
"Da müsste man ja alle 132 Bürgermeister einsperren, wenn sie für Investoren intervenieren", echauffierte sich etwa der Klagenfurter Vizebürgermeister Albert Gunzer. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war zwar nicht erschienen, hatte aber seinen Stellvertreter Norbert Hofer und Generalsekretär Herbert Kickl geschickt. Letzterer schimpfte über die rot-schwarzen "Zotteln", die sich jetzt der "Justizkeule" bedienen würden, "weil sie uns anders nicht mehr besiegen können."
"Aber", so rief Kickl: "Die gesamte FPÖ steht wie ein Mann hinter dir, Uwe!" Das Kesseltreiben habe eingesetzt, seit sich FPK und FPÖ wiedervereinigt hätten. Gerhard Dörfler machte klar, dass er keinesfalls als Nachfolger Scheuchs für die Parteispitze bereitstehe: "Jeder Versuch, uns auseinanderzudividieren, wird scheitern." Scheuch selbst bekräftigte: "Ich werde nicht weichen vor diesem krassen Fehlurteil! Ich werde meine Arbeit für Kärnten fortsetzen und alle Rechtsmittel ausschöpfen." Denn mit diesem Urteil sei eine neue Dimension des politischen Kampfes gegen die Freiheitlichen eröffnet. (stein, DER STANDARD; Printausgabe, 5.8.2011)