Aber: "Es soll nicht jeder alles studieren können" - Salzburger Landeshauptfrau hatte den freien Uni-Zugang als "Illusion" bezeichnet
Wien - Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) hat
sich mit ihrer Forderung nach einer generellen Steuerung des
Uni-Zugangs von ihrer Partei eine Abfuhr geholt. "Die SPÖ Position
bleibt klar: Wir sind gegen Zugangsbeschränkungen", hieß es von Laura
Rudas gegenüber der APA. Das Ziel müssten mehr und nicht weniger
Studenten sein. Statt den Zugang zu beschränken, gelte es, die neue
Studieneingangs- und Orientierungsphase "mit Leben zu füllen".
Rudas forderte - "wie bereits beschlossen" - eine bessere
Ausstattung der Unis. Das Problem, dass immer mehr deutsche Studenten
an Österreichs Unis strömen, muss aus ihrer Sicht auf europäischer
und bilateraler Ebene gelöst werden. "Es darf nicht sein, dass
österreichische Studenten unter dem deutschen Numerus Clausus leiden
bzw. deshalb keinen Studienplatz bekommen können."
Gegenüber der "Presse" konnte sie sich jedoch einen Seitenhieb auf Bummelstudenten nicht verkneifen: "Wer studieren will, soll auch tatsächlich studieren." Sie forderte, dass "nicht jeder alles studieren können soll." Zwar sei sie gegen Knock-Out-Prüfungen, aber die neue Studieneingangsphase würde ein gutes Instrument sein. Sie wünscht sich keine Hürde, sondern jeder Student solle seine Stärken und Schwächen herausfinden. "Wovon ich nichts halte, ist, wissenshungrige junge Menschen vom Studium fernzuhalten."
Kritik an Burgstaller
Die Aussage der Salzburger Landeshauptfrau, der freie Uni-Zugang sei eine Illusion (derStandard.at berichtete), und ihre Forderung nach einem Aufnahmeverfahren für Lehramtsstudenten sorgt auch bei SPÖ-Vorfeldorganisationen für große Kritik. Der Verband sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) verlangt von Burgstaller, klar für den freien und offenen
Hochschulzugang einzustehen.
"Studierende nach zwei Semestern auszuschließen, weil sie nicht für
ein Studium geeignet seien, ist absolut fahrlässig und benachteiligt
besonders jene, die finanziell schlechter gestellt sind", betonte
Mirijam Müller, Bundesvorsitzende des VSStÖ, in einer Aussendung.
"Wir brauchen nicht weniger,
sondern mehr Studierende", sagte am Donnerstag auch Wolfgang Moitzi, Vorsitzender der Sozialistischen Jugend (SJ). Studiengebühren und
Zugangsbeschränkungen seien keine Lösung für die Finanzlücke an den
Unis, vielmehr müssten die Anstrengungen in Richtung zwei Prozent des
BIP für die Hochschulen gehen, so Moitzi in Richtung Burgstaller in einer Aussendung.
Auch die Junge Generation in der SPÖ (JG) lehnt Vorschläge
zu einer "Steuerung" des Universitätszugangs entschieden ab.
Stattdessen fordert Tina Tauß, Bundesvorsitzende der Jungen
Generation, ein Grundsatzbekenntnis zum freien Bildungszugang und zu
einem sozial gerechten Ausbau des Stipendiensystems.
"Wir brauchen
Zugangsregelungen"
Positives Feedback erhält Burgstaller aus den Reihen der ÖVP. "Wir brauchen
Zugangsregelungen, um die Qualität für Lehrende und Studierende
sicherzustellen", sagte Silvia Fuhrmann.
"Wir wollen die Qualität an den Universitäten weiter ausbauen", so
die ÖVP-Abgeordnete, die Mitglied im Wissenschaftsausschuss ist.
"Die von
Burgstaller angesprochenen Lösungsvorschläge sind sehr vernünftig und
es freut mich, wenn dadurch Bewegung in die festgefahrenen
Bildungsfronten kommt", sagte Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer. (red, APA, derStandard.at, 4.8.2011)