"Bei uns geht's ziemlich lustig zu", sagt Wally Rettl im Telefongespräch mit derStandard.at am Rande des Villacher Kirchtags. Im Hintergrund tönt die Blasmusik. Rettl ist Vizebürgermeisterin von Villach und war am Mittwochabend auch bei der FPK-"Infoveranstaltung" zur Causa Uwe Scheuch. Dazu hat sich die 62-Jährige etwas Besonderes einfallen lassen: Sie hat ihrem Parteichef ein Lebkuchenherz mitgebracht. "Normalerweise stehen Sprüche wie 'Schatzilein' oder 'Superhexe' drauf", sagt Rettl, aber für ihren Parteichef habe sie "Alles Liebe" gewählt. Es sollte zeigen: "Dass wir von Herzen bei ihm sind und ihm von Herzen alles Gute wünschen. Außerdem trägt der Uwe sein Herz am rechten Fleck." Es sei auch ein Zeichen der Solidarität, "weil wir alle an ihn glauben und wissen, dass er nichts getan hat."
Nichts getan? Moment. Es gibt doch das Gerichtsurteil erster Instanz. Wie für ihre Parteikollegen handelt es sich auch für Rettl um ein Fehlurteil. "Die Richterschaft ist nicht nur auf einem Auge blind, sondern auf beiden." Uwe Scheuch habe bei der Veranstaltung genau erklärt, wie die Sachlage wirklich gewesen sei. Und es könne schließlich nicht sein, dass ein Kinderschänder weniger Strafe bekäme als ein "völlig Unschuldiger". Scheuch sei auch durch die Medien vorverurteilt worden.
Was sich Wally Rettl von der nächsten Instanz in der Causa Scheuch erwartet? "Ich erwarte mir von einem unabhängigen Gericht, dass das Urteil revidiert wird. Ich gehe voll davon aus, dass er freigesprochen wird. Oder dass die Strafe auf eine minimale Sache runtergesetzt wird. Weil, so kanns ja nicht sein." Falls Scheuch nicht ins Gefängnis gehen muss, dann spricht sich Rettl dafür aus, dass er "selbstverständlich" im Amt bleibt. "Da wird sich nix ändern." Ein schlechtes Signal an die Bevölkerung sei das keines, denn: "Wir würden der Bevölkerung schon sagen, wie das läuft und was passiert." (Rainer Schüller, derStandard.at, 4.8.2011)