Horn von Afrika

Hungersnot breitet sich aus, Sterbequote unter Kindern alarmierend hoch

4. August 2011, 10:10
  • Artikelbild
    foto: epa/antoine de ras

    Die Angaben der Vereinten Nationen über die stark steigende Mortalität unter den Kindern im Flüchtlingslager Dadaab dürften die Situation nur mangelhaft darstellen. Diese Zahlen bezögen sich ausschließlich auf Todesfälle in den medizinischen Zentren in dem Lager.

Drei weitere Regionen in Somalia betroffen, immer mehr Kinder unter fünf Jahren sterben wegen Unterernährung

Addis Abeba/Nairobi/Wien - Die Vereinten Nationen haben in drei weiteren Regionen Somalias offiziell eine Hungersnot ausgerufen. Hintergrund sei die steigende Zahl der an akuter Unterernährung leidenden Menschen im Süden und im Zentrum des Bürgerkriegslandes, teilten Ernährungsexperten der UN am Mittwoch mit. Auch die Sterberate sei deutlich erhöht.

Zugleich warnte die zuständige UN-Organisation FSNAU, dass die Hilfsleistungen für die leidende Bevölkerung weiterhin unangemessen seien; "Es wird erwartet, dass sich die Hungersnot in den nächsten vier bis sechs Wochen auf alle Regionen im Süden Somalias ausweiten wird, und es wird sich wahrscheinlich bis mindestens Dezember 2011 nichts an dieser Situation ändern."

Bereits vor zwei Wochen war in zwei Regionen Südsomalias eine Hungersnot ausgerufen worden. Somalia leidet ganz besonders unter der schwersten Dürre seit 60 Jahren. Große Teile des Südens werden von der islamischen Al-Shabaab-Miliz kontrolliert, die Hilfen westlicher Organisationen nur bedingt zulässt.

Sterberate unter Kindern "alarmierend hoch"

Die Sterbequote bei den unterernährten Kindern aus Somalia in den kenianischen Flüchtlingscamps steigt. Die Zahlen seien mittlerweile "alarmierend hoch", teilte die UNO mit. Im größten Flüchtlingslager der Welt in Dadaab in Nordkenia sei die Quote der Kinder unter fünf Jahren, die die Hungersnot nicht überlebten, zuletzt von 1,2 pro 1000 auf 1,8 gestiegen.

Die USA lockern ihre Sanktionen gegen die Shebab-Miliz, um diese zu mehr Kooperation zu animieren. In Österreich starteten ORF und "Nachbar in Not" eine Spendenkampagne für Ostafrika. Auch andere Organisationen verstärkten ihre Aktivitäten.

Die Angaben der Vereinten Nationen über die Mortalität unter den Kindern in Dadaab dürften die Situation nur mangelhaft darstellen. Diese Zahlen bezögen sich ausschließlich auf Todesfälle in den medizinischen Zentren in dem Lager. Dabei sei kaum abzuschätzen, wie viele Buben und Mädchen täglich in anderen Teilen des Lagers ums Leben kämen, hieß es. In Dadaab leben derzeit fast 400.000 Menschen; die meisten stammen aus dem Bürgerkriegsland Somalia. Ursprünglich war das Camp für 90.000 Menschen gebaut worden.

Ähnlich kritische Lage in anderen Lagern

Die Lage im äthiopischen Flüchtlingszentrum Dolo Ado sei ähnlich kritisch. "Immer neue Flüchtlinge kommen geschwächt und ausgemergelt vom Hunger und dem langen Fußmarsch aus ihren Dörfern an. Eines von drei Kindern, das in Dolo Ado ankommt, ist unterernährt.", teilte die UNO mit. Auch innerhalb Somalias sei die Zahl der Unterernährten extrem hoch, berichtete das Flüchtlingskomitee UNHCR. Die UNO schätzt, dass fast zwölf Millionen Menschen von der Hungersnot betroffen sind.

Zwar würden die auf die Miliz selbst abzielenden Sanktionen aufrechterhalten, sagten US-Regierungsvertreter am Dienstag in Washington. Die USA würden aber nicht rechtlich gegen Hilfsorganisationen vorgehen, die "in gutem Willen" Nahrungsmittel in die von der Shebab-Miliz kontrollierten Regionen transportierten.

Die USA beschuldigen die Miliz, die seit Jahren gegen die international unterstützte Übergangsregierung in Mogadischu kämpft, Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida zu unterhalten. 2008 verhängte Washington Sanktionen gegen die Miliz, die jegliche Unterstützung für die Gruppierung unter Strafe stellt. Einige Hilfsorganisationen fürchteten daher rechtliche Konsequenzen, wenn sie mit der Miliz zusammenarbeiten, um Hilfsgüter in die betroffenen Regionen zu bringen.

Aktionen in Österreich

In Österreich gab es am Mittwoch weitere Initiativen. So hat die Kindernothilfe über lokale Partner in Somalia, Äthiopien und Kenia mit Soforthilfe begonnen. Angesichts des menschlichen Elends am Horn von Afrika starteten der ORF und die Stiftung "Nachbar in Not" eine eigene Aktion mit dem Titel "Hunger in Ostafrika". ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz betonte in einer Aussendung die Dringlichkeit für Hilfe.

Auch die Grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig rief zu Spenden auf. Man hoffe auf große Unterstützung durch die Österreicher. "Nachbar in Not" nannte auch konkrete Beispiele für Hilfsmöglichkeiten. Lebensmittelpakete (35 Euro), können eine Familie rund einen Monat lang ernähren. Mit hochkalorischer Spezialnahrung für Kinder (74 Euro) kann einem Kind zwei Monat lang geholfen werden. Die Diakonie verwies auf durch Regenfälle in Somalia noch zusätzlich steigende Seuchengefahr. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 180
1 2 3 4 5
LeChuck™
01
Land grabbing in Äthiopien, Sudan, Kenia und anderen "Entwicklungsländern"

Zitat aus einem lesenswerten Artikel aus dem Vorjahr:
"Thousands of people will be affected and people will go hungry."

http://www.guardian.co.uk/environme... -land-grab

ARTE-Doku zum selben Thema:
http://www.arte.tv/de/320159... 01590.html

The Chaos Path
01
Somalia leidet ganz besonders unter der schwersten Dürre seit 60 Jahren.

ja, aber es ist fraglich, ob sich das klima dort bessern wird, oder ob es nicht besser wäre, wenn die leute diese landstriche verlassen.

bei den hilfslieferung sehe ich leider nur zwei effekte:
1) die milizen bereichern sich und können weiter krieg spielen
2) das wenige, was bei der bevölkerung ankommt, führt dazu, dass sie sich weiter vermehrt. wodurch as dann noch mehr hungrige menschen gibt.

seit 1991 gibt es dort fast ständig krieg, diese art der politik, um zu "helfen" führt niergendwo hin. nach 20 jahren sololte man schön langsam an alternativen denken.

froilein froilein
10
Diese Landstriche verlassen....

ok. Das nennt man Migration. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, den Wohnort zu wechseln, wenn dort das Leben unmöglich wird.
Dann muss aber auch Europa bereit sein, Migranten aufzunehmen.
Die umliegenden Länder nehmen eh die meisten Flüchtlinge auf (bevor der Vorschlag kommt, dass diese Leute sich gefälligst nur in der Region neu ansiedeln sollen). Dann darf sich auch Europa dem Gedanken nicht verschließen (aber auch Australien, USA, und andere reicheren Länder)

biggi729
02

bei dem foto krampfs einem das herz zusammen :o(

froilein froilein
00

29 000 Kinder sind bereits am Hunger vestorben

Dagmar Rehak Wien
 
12
Fragen - bitte beantworten:

"Zwar würden die auf die Miliz selbst abzielenden Sanktionen aufrechterhalten, sagten US-Regierungsvertreter am Dienstag in Washington. Die USA würden aber nicht rechtlich gegen Hilfsorganisationen vorgehen, die "in gutem Willen" Nahrungsmittel in die von der Shebab-Miliz kontrollierten Regionen transportierten."
Auf welcher rechtlichen Basis können die USA Sanktionen setzen oder rechtlich in Somalia gegen jemanden vorgehen?

"Die USA beschuldigen die Miliz, die seit Jahren gegen die international unterstützte Übergangsregierung in Mogadischu kämpft, Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida zu unterhalten."
Heißt "international unterstützt" hier in Wirklichkeit "vom Ausland eingesetzt"?

Gendo
12

Äm mal in kurzfrom. Jeder Staat kann gegen jeden anderen Staat sanktionen verhängen. Also z.b. seinen Bürger vebieten mit dem anderen Land oder in dem anderen Land Geschäfte zu machen oder überhaupt dort hin zu reisen. Tut ein Brüger oder eine Firma das trotzdem wird es eben im Herkunfland für das brechen der Sanktionen zur Verantwortung gezogen.
Mit ein wenig Nachdenken wären sie wohl auch auf diese Lösung gekommen, aber sie wollten wohl mal wieder "USA ist der böse Herrscher der Welt" höhren.

Helicopterman
11
Das Gegenteil, nämlich

ein neues Talibanistan in Somalia, wäre Ihnen also lieber?

BobaFett
00

bitte um hilfe, werter Standard.at:
ich zoegere schon seit tagen zu spenden, weil angesichts des wirrwarrs keine klare empfehlung fuer mich sichtbar wird, kann man das bitte mithilfe eines unabhaengigen expertenplenums schnell und unbuerokratisch klaeren und eine spendenempfehlung aussprechen?

vielen dank!!!

froilein froilein
00
Es sind mehrere Hilfsorganisationen vor Ort tätig

Hier die Liste aus dem Standard
http://tinyurl.com/3arw8fm

Diese Organisationen haben alle ein Spendengütesiegel und einen sehr guten Ruf.
Wenn man das Kennwort dazuschreibt (findet man auf der HP der jeweiligen Organisationen), dann werden die Spenden ausschließlich im Rahmen dieser Hilfe verwendet, ansonsten werden die Gelder auch in laufenden Projekten verwendet, die ja auch nach wie vor funktionnieren müssen.

BobaFett
00

dankeschoen, lange liste!
+
waren / sind World Vision nicht auch in diverse malversationen verwickelt, stichwort Habsburg?!?

turn of a friendly card
00
Deren Spendengütesiegel und guten Ruf ziehe ich in Zweifel

weil diese Sache noch immer nicht geklärt sein soll.

http://www.gpa-djp.at/servlet/C... 2999037851

Wo kommt das Geld hin, wenn die anstrengende Arbeit eh von Freiwilligen geleistet wird?

freeye
11
gütesiegel hin und her

selbst wenn 100% des spendengelds ankommt, finanziert man nur die warlords.

froilein froilein
10
Nein, man finanziert Lebensmittel und Wasser für die akut vom Hungertod bedrohten Menschen

Das Geld bekommen die Hilfsorganisationen, die dann die Verteilung organisieren.

Sh. nataraj
26
das Dilemma ...

a) Alternative 1: spenden. Führt dazu, dass die Verbrecher und Mörder, die ihre eigenen Mitbürger umbringen, mit Hilfsgütern versorgt werden.

problematische Alternative, weil "DAS SYSTEM" in Somalia eben so ist wie es ist

b) Alternative 2: also DAS SYSTEM ändern. Das ginge nur mit Waffengewalt und in ziemlich grosser Dimension. WER schiesst? Weviele Organisationen und Staaten würden schreien: IMPERIALISMUS !!

c) Alternative 3: wait and see. In Europa mussten Millionen von Menschen gewaltsam sterben, bevor der jahrhunderte dauernde Kriegswahn/Absolutismus/Massenunterdrückung/Massenmord zumindest die letzten 65 Jahre lang einer überregionalen / transnationalen Zusammenarbeit und internationalen Rechtsstaatlichkeit Platz gemacht hat.

froilein froilein
32
Jetzt geht es einmal Millionen von Menschen vor dem Hungertod zu retten

In Somalien ist die Katastrophe besonders groß- aber auch die angrenzenden Länder sind betroffen.
Die Menschen sind auf der Flucht und leben auch in Äthiopien und Kenya in Lagern, wo sie von Hilfsorganisationen betreut werden. Diese NGOs können nicht mit leeren Händen helfen.

Um Systeme und wasauchimmer geht es jetzt nicht- sondern um akute Hilfe.
Ich hoffe ihr Punkt 3) bedeutet nicht in unfassbar zynischer Weise, dass sie meinen, die Leute sollten einfach sterben.

Sh. nataraj
00
jetzt einmal bitte ohne Hysterie

ich meine dasnicht zynisch sondern ganz sachlich: ALLE Menschen sterben. Auch ich. Auch Froilein. Das ist nicht meine Entscheidung.

Vor 150 Jahren war es in Mitteleuropa ganz normal, dass eine Familie 10 Kinder bekommen hat, wovon dann 3 bis 4 schon bei der Geburt gestorben sind, andere als Kinder, andere als junge Erwachsene.

Bessere medizinische, hygienische, aber vor allem auch bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen haben die Sterblichkeit gesenkt, die Geburtenrate konnte auch sinken.

In Afrika werden weiterhin unter miserablen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen sehr viele Kinder geboren, um die hohe Sterblichkeit auszugleichen.

Eine Änderung der Verhältnisse (Traditionen) dauert sehr lang, selbst wenn man sich das wünscht

froilein froilein
10
Keine Ahnung wo Sie Hysterie herauslesen

Mir ist Ihre Schlussfolgerung nicht ganz klar.

Ihre Ausführungen sind, naja, eher banal. Nona sterben wir alle irgendwann. Aber was schließen Sie daraus? Finden Sie, dass diese Leute gefälligst an Hunger zu sterben haben oder worum geht es da?
Finden Sie generell, dass man Menschen nicht in einer Gefahrensituation retten darf? Sei es Blinddarmentzündung oder Autounfall oder Krebserkrankung oder Bergnot. Diese Leute werden ja auch spätestens irgendwann sterben.
Also, was meinen Sie mit Ihren Ausführungen?

xxx...yyy...
10
das ist schon richtig

ABER darum geht es in ländern wie äthiopien und somalia ja schon seit jahrzehnten. und es wird sich nichts ändern, wenn wir (und die einwohner) weiterhin nur darauf warten wann wir das nächste mal hilfskonvois losschicken müssen.

wieviel sich ändern kann ist allerdings aufgrund der klimatischen bedingungen alleine schon fraglich. wo monate- oder jahrelang keine nennenswerten niederschläge auftreten kann nichts wachsen.

F.B.R.
20
Nein, so ist da nicht korrekt.

Zu sagen, das geht dort sowieso schon seit Jahrzehnten so, ist völlig falsch.

Die letzte derartige Hungerkatastrophe in dieser Region war vor 65 Jahren.

turn of a friendly card
00
Weiter unten gibts ein Post mit einem Artikel der 25 Jahre alt ist, bitte lesen.

xxx...yyy...
00
bitte?!

die letzte hungerkatastrophe in äthiopien vor 65 jahren?

in diesem ausmaß meinetwegen, aber dass es in dieser region regelmäßig hungerkatastrophen gibt ist ja wohl unbestritten. wir können natürlich darüber sinnlos debattieren ob man bei 500.000, 1.000.000 oder 3.000.000 betroffenen von katastrophe zu sprechen beginnt ;-)

.exe
11
sehr sehenswert zum thema finde ich:

Jean Ziegler - (nichtgehaltene) Festspielrede 2011: Der Aufstand des Gewissens

http://www.youtube.com/watch?v=N... re=related

xxx...yyy...
00
was schlägt herr ziegler denn vor

um in ländern wie somalia nachhaltig und verlässlich landwirtschaft betreiben zu können? ist europa, der böse westen, das kapital daran schuld, dass es dort solange nicht regnet bis selbst die widerstandsfähigsten getreidesorten vertrocknen?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 180
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.