Christian Liebhauser-Karl verurteilte Uwe Scheuch
"Herr Scheuch, Korruption ist ein Geschwür, das den Rechtsstaat bedroht."
Eine "generalpräventive Sanktion" sei erforderlich, "um dieses Geschwür zu bekämpfen" . So unverblümt hat noch nie ein österreichischer Richter einem österreichischen Politiker sein Urteil "schuldig" im Sinne der Anklage entgegengeschleudert.
Und dabei ist der in erster Instanz verurteilte Kärntner Landes-Vize und FPK-Chef Uwe Scheuch keineswegs der erste Prominente, den der Klagenfurter Richter Christian Liebhauser-Karl (43) in heiklen und spektakulären Prozessen verurteilt hat.
"Quatschen Sie mich nicht nieder", rügte er etwa Finanzjongleur Wolfgang Auer-Welsbach, der sich den präzis gestellten richterlichen Fragen immer wieder zu entwinden versuchte. Letztlich gestand Auer-Welsbach, von Liebhauser-Karl in die Enge getrieben, seine Betrugsabsichten ein. Auch Ex-Hypo-Vorstand Wolfgang Kulterer musste vor dem akribisch vorbereiteten Richter in die Knie gehen und einen Schuldspruch wegen Bilanzfälschung hinnehmen.
Nach Liebhauser-Karls Urteilsbegründung in Scheuchs "Part of the Game"-Affäre blieb wohl auch dessen Verteidiger, Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer, kurz der Mund offen.
Christian Liebhauser-Karl sei ein exzellenter Jurist, der nichts dem Zufall überlasse, beschreiben ihn Kollegen. Und er beuge sich nicht vor vermeintlich Mächtigen. Auch wenn, wie etwa im Fall Scheuch, Druck auf ihn und seine Familie ausgeübt wird. Seine Frau Astrid (mit ihr hat Liebhauser-Karl eine kleine Tochter) ist als Jugendanwältin im Ressort von Jugendreferent Uwe Scheuch beschäftigt. Der gebürtige Wolfsberger, der in Mindestzeit sein Jus-Studium in Graz absolviert hat, lässt sich aber nicht einmal von den wilden Attacken der Freiheitlichen gegen das Scheuch-"Schandurteil" sonderlich beeindrucken. Wenn es ihm zu bunt wird, dann geht Liebhauser-Karl, der seit 1997 am Landesgericht Klagenfurt werkt, eben in die Luft - mit seinem Segelflugzeug. Oder er widmet sich seiner zweiten Leidenschaft neben der Juristerei, der Musik.
So brachte er den Klagenfurter Kammerchor als Leiter zu neuer künstlerischer Blüte, was ihm neben der Anerkennung von Profimusikern auch eine Auszeichnung der Stadt Klagenfurt durch FPK-Kulturreferent Albert Gunzer einbrachte. Außerdem spielt Liebhauser-Karl konzertreif Klavier und Cello. Auch ein Weg, den Grauslichkeiten des Lebens am Gericht für einige Zeit zu entgehen. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD; Printausgabe, 4.8.2011)