Die Kärntner ÖVP hat die Möglichkeit, Druck auf die FPK auszuüben und einen Rücktritt von Scheuch zumindest wahrscheinlicher zu machen
Die ÖVP tut sich mit dem Schmuddelkind FPK einigermaßen schwer. Überall außer in Kärnten versuchen sich die Schwarzen von den Blauen radikal abzugrenzen. Nur in Klagenfurt nicht: Dort kuschelt die ÖVP in einer Koalition mit der FPK auf Landesebene. Bis zum Urteilsspruch am Dienstag. Da entdeckten auch die Landesschwarzen die Moral und gingen entrüstet auf Distanz.
Die Koalition mit der FPK wurde von VP-Landeschef Josef Martinz nicht beendet, aber „ausgesetzt". Was zuvor vereinbart wurde, soll noch halten, ab jetzt gelte aber das freie Spiel der Kräfte. Was das heißt, ließ Martinz offen. Im Landtag ist die Mehrheit jedenfalls futsch, sollten die Schwarzen tatsächlich auf Opposition gehen. Das könnte heißen, dass das bereits vereinbarte Budget nicht beschlossen werden kann. Die ÖVP hat damit die Möglichkeit, Druck auf die FPK auszuüben und einen Rücktritt von Scheuch zumindest wahrscheinlicher zu machen.
Die ÖVP auf Bundesebene druckst herum und mischt sich nicht ein: Landessache sei das, man wolle keine Ratschläge geben. Neben der strafrechtlichen Komponente gebe es aber auch eine moralische, fügte der schwarze Klubchef in Wien immerhin an. Die gab es allerdings auch, als der Steuerberater von Martinz auf dessen Vermittlung für eine Rechtsauskunft und ein sechsseitiges Gutachen beim Hypo-Verkauf sechs Millionen Euro kassierte. Was passierte? Nichts. So viel zu den Kärntner Moralvorstellungen.(DER STANDARD; Printausgabe, 4.8.2011)