Reformagenda Klagenfurt

Klagenfurt lebt vom Familiensilber

3. August 2011, 18:00
  • Artikelbild
    foto: apa/gindl

    Viel zu groß und viel zu teuer: Das Klagenfurter Stadion wurde um 67 Millionen Euro für die EURO 2008 gebaut, jetzt schnappt die Kostenfalle zu.

91,6 Millionen Euro Schulden sollen zwar abgebaut werden, es fehlt aber ein konkretes Konzept

Klagenfurt - "Unser Ufo ist gelandet!" Ergriffen begrüßten Klagenfurts Stadtpolitiker die Fertigstellung des riesigen, futuristisch anmutenden Fußballstadions für die Fußball-EM 2008. Heute ist der Glanz ab, das für 32.000 Zuschauer ausgelegte Stadion beginnt mangels attraktiver Fußball- und sonstiger Veranstaltungen langsam zu verfallen. Eine horrende Kostenfalle für die finanzmarode Kärntner Landeshauptstadt bleibt der um rund 67 Millionen Euro vom damaligen freiheitlichen Landeshauptmann Jörg Haider und Klagenfurts Ex-Bürgermeister Harald Scheucher (VP) erzwungene Prestigebau allemal.

"Was sollen wir machen? Wir können das Stadion nicht einmal wie ursprünglich vorgesehen zurückbauen" , klagt die Klagenfurter Vizebürgermeisterin Maria Luise Mathiaschitz. Denn dann würde der Bund seine Rückbau-Zusage über 15,5 Mio. Euro zurückziehen, und das Millionen-Desaster für die Steuerzahler würde erst recht schlagend.

Das Stadion ist nicht die einzige finanzielle Baustelle der Stadt Klagenfurt. Seit gut einem Jahrzehnt währt der Reformstau in der Kärntner Landeshauptstadt. Außer Oberflächenkosmetik sei bis heute kein klares Konzept erkennbar, meint die rote Vizebürgermeisterin, die mit der Klagenfurter FPK unter Bürgermeister Christian Scheider eine Zweckkoalition eingegangen ist.

Das Klagenfurter Budget mit einer aktuellen Verschuldung von 91,6 Millionen Euro muss jedenfalls dringend saniert werden, seit langem steht auch eine Verwaltungsreform an, die zu nachhaltigen Einsparungen führen soll. Es sei zwar schon einiges passiert, doch beim FPK-Stadtregierungspartner sehe man bei der Umsetzung "keine Ernsthaftigkeit" . Vor allem bei den Ausgaben für diverse Events attestiert Mathiaschitz der FPK-Stadtsenatsmannschaft keinerlei Sparwillen. FPK-Finanzreferent Albert Gunzer hingegen verweist auf eine Reduktion der Klagenfurter Schulden von rund zehn Millionen Euro gegenüber dem Voranschlag für 2010. Auch die Erhöhung der Kommunalsteuer hat mehr Geld in die leeren Kassen gespült als vorgesehen.

Weitere Privatisierungen sind in Klagenfurt derzeit kein Thema. Der Teilverkauf der Stadtwerke 2006 an den Verbund brachte immerhin rund 150 Millionen Euro. 65 Millionen davon wurden in einem stadteigenen Fonds angelegt. 15 bis 30 Millionen müssen jedoch jährlich zum Stopfen der dringlichsten Budgetlöcher angezapft werden. Damit schrumpft das Klagenfurter Familiensilber rasch zusammen. Das laut Vertrag mit dem Verbund zugesicherte Gasdampfkraftwerk, über das dieser gemeinsam mit der Stadt Klagenfurt in großem Stil Strom vor allem nach Norditalien verkaufen will, ist wegen zahlreicher Anrainer-Einsprüche blockiert. Kein Geld gibt es daher auch für ein neues Hallenbad, die neue Eishalle oder das neue Tierschutzheim. Drastisch gekürzt wird vor allem bei Sozial- und kulturellen Einrichtungen.

Auch bei der Demokratiereform gibt es keine Fortschritte. Zwar wurde die Zahl der Stadträte von neun auf sieben reduziert, doch das kann die Statutarstadt Klagenfurt nur gemeinsam mit dem Land umsetzen. Der Gemeinderat wurde geradezu kaltgestellt. Als massiv beurteilen Kritiker auch das Personalproblem der Stadt. Mitarbeiter, die sich politischen Wünschen nicht fügen wollen, würden gemobbt oder entfernt. Wie der frühere Magistratsdirektor Peter Jost, dem man ungerechtfertigte Zulagen vorwarf. Vor kurzem wurde er von allen Vorwürfen freigesprochen. FPK-Bürgermeister Christian Scheider war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD; Printausgabe, 4.8.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 44
1 2
Ravenspower
11
15.8.2011, 22:55
Das Stadion sollte endlich weiter ausgebaut werden

es nützt nichts. man sollte es technisch aufrüsten und eine art multifunktions-stadion nach US-vorbild errichten. anschliessend wäre es nicht nur das modernste und schönste teil österreichs - es wäre auch ein dauerbetrieb möglich (konzerte internationer stars, hochwertige TV-produktionen, sportveranstaltungen usw.!).

natürlich würden dann die top-konzerte des jahres nicht mehr in wien sondern alle in kärnten stattfinden - das ist klar! wäre auch für die wiener schön, dann kämen sie mal aus ihrer "stinkerten" stadt heraus.

leider denkt niemand soweit.

gerade die riesige kapazität brächte die chancen und auch die gewinne. da AT sehr klein ist wäre das einzugsgebiet gross genug um es wöchentlich voll zu füllen!

Nua kane Blauen
00
Kärnten

Neue Schulden jede Stund',
das Geld holt man sich vom Bund.

Mister Magister
 
12
Ist eine Milchmädchenrechnung, ich weiss, trotzdem hats Spass gemacht:

Pro Kopf Schulden Klagenfurts (Regiert von FPÖ/K):
9744 Euro

Pro Kopf Hilfe Europas für GR (Die von besagter FPÖ vielzitierten "Pleitegriechen):
10000 Euro

Unterschied zwischen den Pleitegriechen und den Heimathelden: stolze 2,5%

Oh oh...sieht so aus als hätten die selbsternannten Retter des Abendlandes im allgemeinen, und des österreichischen Geldes im speziellen gehörgen Erklärungsbedarf :-P

sl1der
00
Ist eine Milchmädchenrechnung, ich weiss, trotzdem hats Spass gemacht:

Ich komm dadrauf:
91.600.000€ /94.303EW =971,34€/EW

:P

Mister Magister
 
10

oh verdammich, da hat sich eine null zuviel in meinen rechner geschlichen...

schade, da will man mal die FPÖ ordentlich bashen, und dann wird nichts draus...na egal, der nächste justizskandal, oder braune wortmeldung lässt sicher nicht lange auf sich warten ^^

danke für die aufdeckerarbeit sl.1der!

Uljanovnig
00
Nur Mut Frau Mathiaschitz !!!!

Weg mit dem Stadion und Sie gewinnen die nächsten Wahlen !!!

gewissengewissen
 
00
Privatisierungen durchführen heisst, "uns" alle um viel Geld zu bringen ...

... weil die Gewinne (zb damals der Verstaatlichten) sich wesentlich höher aufsummieren, Jahr für Jahr, als irgendein "Kauf"preis" von "Investoren" je Geld hereinbringen kann.

Dass die Schuldenzinsen so stark sinken, dass dieser Verlust ausgeglichen wird, ist ein frommes Märchen.

(sonst wäre jeder ein Vollidiot, der je an Kauf von Staatsbetrieben dachte)

Genauso falsch ist es, mit der gegenteiligen Überlegung Staatseigentum zu bauen, wie das beim Klagenfurter Stadion der Fall ist (wo dann laufende Kosten entstehen)

Beides ist (falsch) von US "Markt"wirtschaft" kopiert:
dort sucht sich Politik private Investoren für neue Projekte (und DESHALB gibt es kaum Staatsbetriebe), und Misserfolge gehen eben pleite.

Auch Banken ...

gewissengewissen
 
00
... und besonders infames Gerücht ist es, "Markt"wirtschaft" auch noch politische Macht nachzuwerfen, denn ...

... was dabei herauskommt, haben Regierungen von Thatcher (GB), Reagan und Bush (US) und LDP (Japan) bis zum Erbrechen gezeigt.

Inklusive dem Leidtragen der restlichen Welt.

EU hat sich einen Bocksfuss eingehandelt, den "Vertrag von Maastricht" (mit seiner politischen Betonierung im "Vertrag von Lissabon") ...

... statt etwa Mindestkriterien für gesicherte Lebensumgebung der heute jungen Leute zu schaffen, etwa nach dem Prinzip "fix+variabel" (fix=Existenzgeld + variabel=Jobgeld) oder ähnlich.

mit Automatisierung und Robotisierung werden inzwischen aber auch konventionelle "Sozial"standards" ("Entlastung-von-Arbeit" etc.) sinnlos.

Was fehlt, ist (Mindest)Einkommen, das wenigstens Konsum und Nahrung(sproduktion) sichert.

momodeluxe
01

was wurde aus den fantastilliarden, die die hypo jährlich dem land ausschütten wolte, um so das budget zu sanieren?

man verliert ja ganz den überblick

bully bullson
00
"Klagenfurt lebt vom Familiensilber"

...wie ganz Kärnten...

Hr.Berth
01
Blöd ist nur,

dass die "Familie" Österreich ist.

Trevor Goodchild
10
Das ist ´s was rauskommt, wenn man die BlauBraunen...

...schalten und walten lässt wie´s ihnen beliebt. Neoliberalismus pur, die Menschen werden überall ärmer, der Konsum bricht ein, die Schulden werden trotzdem immer grösser.
Das Desaster das sich daraus ergibt, ist kaum reparabel.
Wer BlauBraun wählt, versenkt Österreich im ideologischen, politischen und finanziellen Mist.

Karl Krammer
102
Schulden in Klagenfurt pro Einwohner: 979 Euro

(92.000.000/94.000)

Schulden von Wien pro Einwohner: 2176 Euro(3.070.000.000/1.700.000)

Quelle für den Schuldenstand von Wien: http://diepresse.com/home/poli... o-Schulden

Al Bundy
10
lernen Sie rechnen und die Zusammenhänge zu verstehen und dann posten Sie!

Mike Freeman
01

Mit dem nackten Finger auf einen angeblich noch schlimmeren Schuldner zu zeigen macht das Debakel im eigenen Hinterof nicht besser. Haider und seine Nachfolger haben euch in die Scheiße geritten, dass ist die bitter Wahrheit vor der euch auch nicht ein humpelnder Vergleich mit dem pösen Wien schützt. Es wäre höchste Zeit euch endlich jemanden zu suchen der anfängt den Scherbenhaufen aufzuräumen - je länger ihr damit wartet desto schlimmer wird das erwachen werden.

Wir in Wien verhindern in zwischen Strache damit es nicht so weit kommt wie bei euch.
Übrigens Danke für das warnende Beispiel.

living reef
11
übrigens falsch zitiert!

sinnerfassendes lesen des von ihnen angeführten artikels ergibt nämlich, dass wien den geringsten schuldenstand aller bundesländer hat. in keiner weise wird der von ihnen angeführte betrag von an die 2700 euro in diesem berich erwähnt. vielmehr ist von 1807 euro die rede! bitte daher entweder besser recherchieren und richtig zitieren oder es schlichtweg beleiben lassen wenn die intellektuelle kapazität nicht ausreicht!

living reef
11
ihr excel funktioniert offenbar mangelhaft

3000000000/1700000 bring bei meiner version im MSoffice 2000 die summe von 1764,70 !
abgesehen davon ist wien stadt und bundesland zusammen, also müßten sie um vergleiche anzustellen die defizite aller kärntner städte/gemeinden sowie das defizit des landes zusammenzählen und dann durch die gesamteinwohnerInnenanzahl kärntens dividieren. kärnten hat die höchste pro kopf verschuldung österreichs und wäre in einem rating unter griechenland!

Peter Lustig2
01

Dieser Vergleich ist reiner Schmarrn. Wien ist auch Bundesland und nicht nur eine (Klein-)Stadt. Wenn Sie sich den aktuellen Rechnungshofbericht zur Verschuldung der Bundesländer ansehen, hat Kärnten die bei weitem höchsten Schulden, gefolgt von Niederösterreich. Zusätzlich zur Pro Kopf Verschuldung Kärntens müssen sie noch die Schulden von Klagenfurt dazuzählen, dann kommen Sie näherungsweise auf eine Zahl für Klagenfurt, die Sie mit den Schulden in Wien vergleichen können.

samuel117
00

Nicht alles was hinkt, ist auch ein Vergleich. Wien ist nicht nur eine Stadt, sondern auch ein Bundesland. Bei dieser Berechnung müssten also auch die Schulden des Bundeslandes Kärnten anteilsmäßig eingerechnet werden.

living reef
00
nicht zu vergessen die schulden der kärntner gemeinden!

Kralj Matjaz
00
..die Stadt...

müsste von einem EU Kurator geführt werden....1 Million butterten die FIKSP Partie in einen Fussballverein, der nun mit 350.000 Schulden da steht, trotztdem konnte dieser Verein 10 neue Spieler kaufen..??? ein Fall für die Korruptionssta......das ist nur ein Beispiel und übrigens ein unfähiger BM kassiert ca.12000 im Monat und die STR so an die 8.000 netto....über deren Qualität zu sprechen ohnehin sinnlos ist....

Uljanovnig
04
Die Haider Seuche,

mitgetragen von ÖVP und SPÖ beginnt erst jetzt so richtig um sich zu greifen.

Wirklich tolle Aussichten und weit und breit keine Verantwortlichen.

des is mei extra
00

Unser Geld für unsre Leut!

anton-aus-tyrol
 
00
Kärnten pleite gehen lassen!

Dann kann man das ganze Land in einem extern gesteuerten Insolvenzverfahren komplett übernehmen und die FiKler zum Teufel jagen...

Post-vom-Poster
 
01
91,6 Millionen Euro Schulden sollen abgebaut werden

na, der Ghaddaffi wird wohl die Knete 'rausrücken,
wenn, ja wenn er dafür Österreicher wird, als part of the game, ja??

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 44
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.