Salzburger Landeshauptfrau: Ungeeignete Lehrer "nicht zumutbar" - "Freier Uni-Zugang ist eine Illusion“
Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) will auch an den Universitäten verpflichtende Eignungstests für Lehramtskandidaten einführen. Das berichtet salzburg.orf.at. Ungeeignete Lehrer sind laut Burgstaller "nicht zumutbar". Bildungsministerin Claudia Schmied hatte angekündigt, alle PädagogInnen auf ihre Eignung testen zu wollen. Derzeit gibt es nur an den Pädagogischen Hochschulen Aufnahmeprüfungen.
Burgstaller kritisiert auch das derzeitige Auswahlverfahren
an den Pädagogischen Hochschulen: "Wenn ein junger Mensch nicht perfekt
singen kann, dann ist das nicht so tragisch. Viel wichtiger wäre es,
dass die jungen Leute eine entsprechende soziale Kompetenz mitbringen,
dass sie die Neugier der Kinder fördern und die Kinder bei ihrer
Entwicklung unterstützen."
Wenn es nach Burgstaller geht, sollten die
Universitäten künftig auch die Möglichkeit haben, Studierende, die sich
nicht zum Lehrer eignen, vom Studium auszuschließen. "Ich finde, es ist
für Kinder nicht zumutbar, wenn es Lehrer gibt, die nicht geeignet
sind."
Für die Salzburger Landeshauptfrau stellt ihre Forderung keinen Widerspruch zum freien Hochschulzugang dar. "Ich bin der Meinung, dass wir auch bei den Universitäten die Studentenströme anders lenken sollen. Die jungen Menschen sollen das studieren, wofür sie wirklich geeignet sind und wo sie auch wirklich Zukunftschancen haben", sagt Burgstaller.
"Freier Uni-Zugang ist eine Illusion"
Im Interview mit der "Presse" legt Burgstaller nach. Der freie Zugang in der jetzigen Form sei "eine Illusion", sagt die Salzburger Landeshauptfrau. Sie spielt auf die schlechten Betreuungsverhältnisse an den Universitäten an, auf deren Unterfinanzierung und den zu erwartenden Ansturm deutscher Studenten: "Die Massen-Uni ist auch nicht die Freiheit, die ich mir für junge Leute wünsche."
Sie kritisiert, dass große Projekte in der Bildungspolitik jahrelang nur diskutiert, aber nie umgesetzt werden: "Der Stillstand in der Bildungspolitik frustriert mich sehr." Sie fordert deshalb, die Lehrergewerkschaft solle man bei den Verhandlungen um Bildungsreformen "ruhig eine Zeit lang ignorieren". Auch die Parteipolitik müsse zurückgedrängt werden. Denn: "Es gibt im Hintergrund viele, die die Reformen verhindern." Und das seien nicht die Spitzen der zuständigen Ministerien sondern vielmehr die Parteiapparate. (red, derStandard.at, 3.8.2011)