Kaffeehaus-Renovierung

Wie sich das Landtmann selbst erneuert

Martin Putschögl, 3. August 2011, 13:15
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    foto: apa/hochmuth

    Das Café Landtmann wird Stück für Stück generalüberholt.

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    So werden etwa die 80 Tische, die wie die Sessel noch aus dem Jahr 1873 stammen, wieder auf Vordermann gebracht, da sie im Laufe der Zeit "schief" geworden sind. Außerdem wird das gesamte Kaffeehaus mit neuen Vorhängen ausgestattet.

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    Gleich einen neuen "Touch" bekommt das "Löwelzimmer": Derzeit ist der Raum in der Farbe Schilfgrün gehalten, künftig soll er in weiß erstrahlen. Stuckleisten und Art-Deco-Elemente werden vergoldet, außerdem wird die Beleuchtung des Raumes auf den neuesten Stand gebracht.

Betreiberfamilie Querfeld steckt bis zu 150.000 Euro in die Renovierung des Traditionscafés am Wiener Ring

Es ist eine Wiener Institution - vor allem als Kaffeehaus, aber auch als regelmäßiger Treffpunkt der Hauptstadt-Medienmenschen: Schließlich finden im Café Landtmann täglich zahlreiche Pressekonferenzen statt. Am heutigen Mittwoch lud Chef Berndt Querfeld allerdings ausnahmsweise einmal in eigener Sache in sein Traditions-Café am Dr.-Karl-Lueger-Ring: Im August wird das bekannte Kaffeehaus nämlich umfassend renoviert. Querfeld, der auch Obmann der Fachgruppe der Wiener Kaffeesieder ist, steckt zwischen 100.000 und 150.000 Euro in neue Sitzbezüge sowie in die Generalüberholung der noch aus 1873 - dem Jahr der Eröffnung des Cafés - stammenden Tische und Thonetstühle.

Vergrößerung wird angedacht

Auch an eine buchstäbliche Aufstockung der Gasträume wird gedacht: Im Zuge eines Wasserrohrbruches im Stockwerk über dem Café habe man nämlich wunderschöne Salons entdeckt, die früher eine Anwaltskanzlei beherbergten, heute jedoch leer stehen. Die insgesamt 180 Quadratmeter großen Räume "waren früher die Salons des Hauses, und jetzt vielleicht schon bald die Landtmann-Salons", so Querfeld. Mit dem Hausbesitzer, der Wlaschek-Stiftung Amisola (die kürzlich das Schlosshotel Velden erworben hat), sei man schon in Verhandlungen, eine Entscheidung steht in Kürze an.

Wieviel es kosten würde, die Salons in Altwiener Kaffeehausatmosphäre zu hüllen, weiß Querfeld allerdings noch nicht. Wo früher prachtvolle Gemälde hingen, sind derzeit nämlich nur noch die Nägel zu sehen - "und da ist die Frage, ob ich zum Altwarenhändler gehe, oder ins Dorotheum". 

Denkmalschutz

Die Familie Querfeld, die heute an acht Wiener Standorten Cafés bzw. Patisserien betreibt, übernahm das Landtmann im Jahr 1976. In den 1980er-Jahren wurde zuletzt umfassend renoviert, davor fand 1929 eine Komplettrenovierung statt, in deren Zuge das Café auch die heute denkmalgeschützte Innenausstattung, etwa die charakteristische Holzvertäfelung, bekam.

Größter Posten der anstehenden Renovierung wird der Austausch der Sitzbezüge. "Fast jedes Wiener Traditionscafé hat ja sein eigenes Motiv", so Querfeld; der Stoff mit Blattmuster, der sich auf den Sitzbänken des Landtmann findet - Wollvelours, also echte Schurwolle -, stammt von der niederösterreichischen Firma Backhausen. Tausend Laufmeter zu je rund 50 Euro werden dort extra für das Landtmann gewoben, "das ist also eine teure Angelegenheit", meint Querfeld. Etwas weniger teuer ist die Ausstattung sämtlicher 80 Logen des Kaffeehauses mit Steckdosen, die auf der Beantwortung einer grundsätzlichen Frage beruht, so Querfeld: "Wollen die Leute eher Ruhe im Café, also auch keine Handys, oder doch eher einen Arbeitsplatz mit WLan?" Es sei dann die Entscheidung hin zum Arbeitsplatz gefällt worden, erzählt der oberste Wiener Cafetier. WLAN sei schon seit fünf Jahren - "wie übrigens in den meisten Innenstadt-Cafés" - gratis verfügbar, nun folgen eben auch die Steckdosen "zur Auflademöglichkeit der diversen elektronischen Devices".

Sanierung Peu à peu

Renoviert wird übrigens bei laufendem Betrieb, nacheinander werden im Gastraum einzelne Logen gesperrt und in Angriff genommen. Querfeld hofft nun auf schönes Wetter, damit die Besucher im Wintergarten oder im Schanigarten sitzen können. Anfang September soll alles fertig sein.

In seiner Eigenschaft als Fachgruppen-Obmann äußerte sich Querfeld am Mittwoch auch zur anstehenden Sperrstunden-Ausweitung in Wien. Wie berichtet, haben sich Stadt und Wirtschaftskammer auf eine Ausdehnung bei Unterhaltungsbetrieben von 4 auf 6 Uhr geeinigt, in Sachen Kaffeehäuser soll es im Herbst zu Gespräche mit der Stadt kommen. Querfeld sieht wenig Handlungsbedarf für eine Rund-um-die-Uhr-Öffnung, wie dies beispielsweise in Niederösterreich möglich ist, auch wenn "einige wenige" seiner 2.800 Mitglieder in der Kaffeesieder-Innung dies befürworten würden. Derzeit dürfen Kaffeehäuser in Wien von 6 Uhr früh bis 2 Uhr nachts geöffnet halten, allerdings ist es schon jetzt möglich, bei der Polizei eine Sondergenehmigung zu beantragen. Das Landtmann sperrt täglich um 7:30 Uhr auf und schließt um Mitternacht. (map, derStandard.at, 3.8.2011)

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16 Postings
Jägermeister
04
Bei den frechen Preisen der Querfeld-Kaffeehäuser (auch Café Museum) ...

... sollte man vielleicht nicht auch noch versuchen, sich für Investitionen im genannten Umfang abfeiern zu lassen ...

Aber der Krug geht bekanntlich so lange zum Brunnen, bis er bricht ... Auf die klassische Kaffeehaus-Klientel hat man offenbar ohnehin schon weitgehend verzichtet.

Ein anständiger, nur mehr im Ausland fleissiger Öst
02

bin schon gespannt, wann die nächste fix befestigte Erweiterung auf öffentlichen Boden erfolgt ... für diesen dauerhaften Ausbau dieses "Zeltes" vor dem eigentlichen Cafe (und damit eine Erhöhung der Verkaufsfläche um 1/3) hat man einigen Mitarbeitern des nur einen Watschelgang entfernten Rathauses sicherlich ganz besonders guten Kaffee serviert... *vormichhinpfeif*

gimme hope
00
29.10.2011, 18:41
Danke

Danke für diese Aussage.

Das Landtmann ist (wie andere Lokale in der Käntner Straße, am Graben, auf der Mariahilfer Strasse) eines der vielen, vor denen die Stadtpolitik kapituliert.

Die Stadtpolitik ignoriert die Belange der Fußgänger (da hilft auch kein neuer Fußgängerbeauftragter) und opfert tausende Quadratmeter öffentlichen Raum (Gehwege, Fußgängerzonen) dem schnöden Mammon namens 'Schanigärten'.
Mit Schanigarten hat der Wintergarten des Landtmann wahrlich nichts zu tun - sonst könnte man wenigstens im Herbst/Winter nebeneinander (und nicht im Gänsemarsch hintereinander) die Gehsteige nutzen.

faust
05
so schön das landtmann auch ist...

... aber ohne das gehalt eines sektionschefs ists dort einfach zu teuer.

Ernst Marx
00

Rauchersaloon gibts auch keinen mehr.

cst
00
Gebackene ...

... Topfentorte mit Himbeeren vom Landtmann zum Geburtstag! Erinnere mich gerade aus der Ferne an eine schöne Zeit, sorry.

Lex Barker jun.
00
Ach, der Brostkasten muß auch wieder geputzt werden!

strangerinastrangeland
 
09

Gleich so eine Mega-Investition, das wird ungefähr der Umsatz von zwei Wochen sein.

Dieses heldenhafte Unternehmertum müssen wir gebührend im Standard feiern...

dünneseis
02
max. 1 woche

God of futball
50
4,70 - ein mehr als fairer preis...

aflen
012
Seit die Melange

€ 4,70 kostet, bin ich Gast im Landtmann gewesen ...

sledgehammer44
00
27.1.2012, 20:14

die spö die dort haust will mit dem gemeinen volk ja nichts zu tun haben. maximal mit den leuten die die stenzl im ersten als proleten ansieht, weil sie nicht auf einer privatschule waren...

Club-der-dichten-Toten
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Erst seit dann?
Warum nicht schon vorher?

Poldi Fesch
00
ATS 21.-

bzw. erste Staatspruefung, das wars dann

Dietmar Gombotz
02
4,70 - man merkt

das ich schon lange nicht mehr im landtmann war

meist im prückl

DrBelacqua
00

Auch 3,30 sind für dieses Gschloder zu viel...

*puke*

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