Schadensersatz

Datenklau: Rechtliche Schritte gegen die GIS kaum möglich

3. August 2011, 12:44
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    foto: gis.at

    GIS erwartet keinen Datenmissbrauch nach Anonymous-Hack - zum Artikel

214.000 betroffene Österreicher bekommen Post - "Die GIS hat schon schlaflose Nächte"

214.000 Österreicher bekommen derzeit unerfreuliche Post von der Gebühren Info Service GmbH (GIS). Sie gehören zu jenen ORF-Kunden, deren persönliche Daten "Anonymous" im Juli gestohlen hat - der WebStandard berichtete. Von rund 96.000 wurden auch die Kontonummern ergattert. Möglichkeiten für rechtliche Schritte gegen die GIS bestehen laut Hans Zeger von der ARGE Daten kaum - Sie haftet nur für Schäden und diese muss man beweisen können, so der Experte, aber: "Die GIS hat jetzt hier schon schlaflose Nächte"

"Als Betroffener habe ich relativ wenig Möglichkeiten"

"Als Betroffener habe ich relativ wenig Möglichkeiten", erklärte Zeger. Als Schaden gilt zum Beispiel, wenn von Kriminellen Geld abgebucht wird, wobei man gleichzeitig eine Minderungspflicht hat. Wenn Geld vom Konto verschwindet, darf man nicht einfach abwarten, sondern sollte handeln. "Ich muss versuchen, die Auswirkungen zu beschränken. So gesehen ist der Brief ein guter Schutz für die GIS", meinte Zeger. Dort steht: "Dennoch bitten wir Sie, in den nächsten Wochen besondere Aufmerksamkeit walten zu lassen."

"Auf der sicheren Seite ist man, wenn man es der Bank sofort sagt."

"Ich habe einen Schadenersatzanspruch und ein Schaden ist es auch, wenn ich das Konto wechseln muss oder andere zusätzliche Auslagen habe", so Zeger. Zeitaufwand wird nicht zurückerstattet. Generell rät er Betroffenen, sofort ihr Geldinstitut zu informieren. Sonst könnte es bei illegalen Abbuchen im Sinne der Minderungspflicht noch zu massiven Diskussionen kommen. "Auf der sicheren Seite ist man, wenn man es der Bank sofort sagt."

Komplex

Der weitere Weg ist dann etwas komplex: Das Geldinstitut kann zu einem Kontowechsel auffordern, deren Kosten die GIS tragen müsste. Dies muss man dieser im Vorfeld ankündigen und sie zur Zahlung auffordern. Will die GIS nicht für die Gebühr aufkommen und lehnt den Kontowechsel ab, trägt sie für etwaige Schadensfälle die Kosten - ganz nach dem Motto "wir akzeptieren, dass ein Schaden entstehen kann, und übernehmen diesen dann". Wobei es ausreicht, der GIS einen kurzfristigen Entscheidungszeitraum von einem Tag zu gewähren.

Abwarten

Abseits davon müssen die Betroffenen abwarten - und werden vermutlich etwas zittern: "Ich kann mit der Kontonummer sehr viel Unfug machen - auch ohne online Banking-Zugang bzw. gestohlenem Passwort", warnt Zeger. So zum Beispiel Einziehungsaufträge, deren Höhe nicht begrenzt ist. Diese werden von der Bank ungeprüft durchgeführt. Der Kontobesitzer muss sie binnen einer bestimmten Frist beanstanden, dann kann das Geld zurückgeholt werden. Kriminelle holen sich laut Zeger in der Regel kleiner Geldbeträge, die nicht auffallen und versehen sie als Spende für einen sozial gut klingenden Verein oder - bei Männern - als Bezahlung für pornografische Dienste. Bei mehr als 90.000 Kontonummern könnte so eine stolze Summe zusammen kommen. 

Name, Adresse und Geburtsdatum

"Je mehr Information ich über jemanden habe, desto leichter kann ich in seine Identität schlüpfen", so Hans Zeger von der ARGE Daten. Name, Adresse und Geburtsdatum reichen durchaus, um im Internet einzukaufen und sich bei entsprechenden Anbietern von eBbay bis Amazon zu registrieren. Musik, Downloads und Software können so bestellt werden und - wenn nach der Anmeldung mit den gestohlenen Daten ein Umzug fingiert wird - auch Handys und andere Geräte.

Die Beträge für diese Bestellungen werden mittels Abbuchungen bezahlt, die schwer zurückgeholt werden können - zumal bis zum Auffliegen eine gewisse Zeit vergeht. "Da kann es unter Umständen sehr schwierig für den Betroffenen sein, zu beweisen, dass er nicht selbst bestellt hat, sondern ein Betrüger", meinte Zeger. Für beide Fälle - Einziehungsauftag und Abbuchung - muss die GIS bei Beweisbarkeit Schadenersatz leisten.

"Ich kann eine Anzeige wegen gröblicher Verletzung der Sicherheitsmaßnahmen beim magistratischen Bezirksamt in der Wiener Innenstadt machen, die für den Firmensitz der GIS zuständig ist"

Abseits davon kann sie verwaltungsrechtlich belangt werden: "Ich kann eine Anzeige wegen gröblicher Verletzung der Sicherheitsmaßnahmen beim magistratischen Bezirksamt in der Wiener Innenstadt machen, die für den Firmensitz der GIS zuständig ist", erklärte Zeger. Dies ist zwar keine Möglichkeit, an Schadenersatz zu kommen, könnte der GIS aber anhand des Datenschutzgesetz (DSG) theoretisch eine Strafe von bis zu 10.000 Euro - und zwar pro Fall - einbringen. Dies ist laut Zeger aber nicht wahrscheinlich, vor allem wegen der Formulierung "gröblich". Darunter würde man laut Zeger eher verstehen, dass die GIS auf ihrer Internetseite eine Liste mit allen Wiener-Kunden auf Suchanfrage frei abrufbar veröffentlicht.

Das im DSG vorgesehene immaterielle Schadenersatzrecht, das auf eine kreditschädigende Veröffentlichung - also eine Bloßstellung - abzielt, greife nicht, da an den Daten wie Name, Adresse und Kontonummer nichts anstößig ist. Was Betroffene angesichts dieser Situation machen können, ist laut Zeger nur eines: Das Konto beobachten und "gelassen aufmerksam sein". Nach merkwürdigen Spuren der eigenen Identität muss man das Internet nicht durchforsten: "Das kann man nicht verlangen, das würde die Lebensqualität massiv beeinflussen."

"Mehr Theorie als Praxis"

Ähnlich sieht es der Verein für Konsumenteninformation (VKI): Ansprüche auf Schadenersatz seien derzeit "mehr Theorie als Praxis", erklärte Maria Ecker von der Rechtsabteilung gegenüber der APA. Rechtliche Schritte unternehme der VKI derzeit nicht, es gebe auch nur sehr wenige Beschwerden. Man werde die Situation jedenfalls beobachten.

"Es gibt bis jetzt keine Schadenersatzforderungen"

Die GIS gab sich am Mittwoch abwartend: "Es gibt bis jetzt keine Schadenersatzforderungen. Sollte so etwas kommen, müsste man es natürlich rechtlich prüfen", sagte GIS-Sprecher Herbert Denk der APA. Ähnlich sieht es bei Ersatzkosten beim Kontowechsel aus: "Das müssen wir uns dann wirklich im Einzelfall ansehen." (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 182
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Nelson25
00
16.8.2011, 12:05
hab leider auch ein briefechen von diesem scheißverein bekommen. ich finde es als frechheit, das daten im I-Net zugänglich sind welche personenbezogen sind. daher sichkt in zukunft einen brief (Porto zahlt Gis). ist vieles sicherer!

blacksheep1
10
Daten gestohlen?

sind die jetz nimmer bei gis?

weil ich dachte: wenn jemand was stiehlt isses dort weg und dann bei denen die das stehlen.

habn die vielleicht nur daten ausgelesen?

daitsches sprache schweres sprache fia schuanalistän, oda?

Rigglerobber
00
Captain Obvious strikes again!

die Hacker haben etwas unter Ihre Kontrolle gebracht, was ihnen nicht gehört. Dass "Besitz" nicht nur materielle Dinge sind, die man forttragen kann, das muss man im Jahr 2011 eigentlich nicht mehr diskutieren, sie Schlaumeier!

mittwoch
02
wär doch super

dann hätte die gis meine daten nimmer und ich nen 50er mehr im börserl ;)

Rigglerobber
00

so hab ich das noch nicht betrachtet ;-)

AnonAustria
 
00

Naja, die Daten bei der GIS sind aus mysteriösen Gründen verschwunden...

x x3
01
Wieder so ein billiges Witzchen

von einem ganz Schlauen.

Wenn der Schlaue nur die Bedeutung des Verbs "stehlen" kennen würde.
Kleiner Tipp: mal in den Duden schauen.

fox-didl
01
Keine Schadenersatzforderungen?

Das ist nun die gleiche Lüge wie "es sind nur wenige Daten gestohlen worden". Ich habe bereits Schadenersatz schriftlich gefordert, da meine gehüteten Personaldaten inkl. E-Mail nun ein einer abhanden gekommenen Datenbank liegen.

Das Lügenmärchen geht nun weiten...
Ich schreibe der GIS nun zurück mit einem Link zu diesem Artikel und weshalb sie schon wieder Lügen erzählen.

Die kritische Stimme
00
Welcher Schaden

ist Ihnen genau entstanden?

Schadenersatz können Sie nur für entstandenen Schaden fordern, nicht für zukünftig möglichen.

Bumbu
 
00
ist Ihnen genau entstanden?

Woher soll man das wissen, bevor er eingetreten ist? Bis dahin hat man aber auf jeden Fall die Angst vor dem Schaden, den Zeit- und Nervenverlust bei den ganzen durch die Blödheit der GIS verursachten Canossagängen bei Amt und Bank.

Samhain
01

Der Schaden entsteht dadurch, dass es Firmen gibt, die für Datensätze zahlen.

Bumbu
 
07
Wenn Geld vom Konto verschwindet, darf man nicht einfach abwarten, sondern sollte handeln

Klar. Das nennt man auch Sklaverei: Ich muß zum Vorteil anderer unentgeltlich arbeiten.

Richtig wäre es so: Liebe GIS, ihr habt es versemmelt, und jetzt plagt ihr euch bitte mit der Bank herum, daß ich ein neues Konto bekomme. Wenn das fertig ist, dann schreibt ihr mir die neue Nmmer und kümmert euch darum, daß alle meine Geschäftspartner, die mir per Dauerauftrag überweisen, auch davon erfahren.

Und wenn ihr das nicht machen wollt, dann übernehme ich den Job gerne, so lange die Kohle stimmt. Was bietet ihr?

klar kent
00
liebe gis kunden..

...um ihre sicherheit bzgl. privater daten zu gewährleisten, empfindet es die gis (ja, wir!) also unbedingt notwendig die monatlichen gebühren zu erhöhen. dies geschieht nur zur ihren eigenen schutz ;-)

NotDarkYet
01
Wenn der Chef der GIS wüsste was sich gehört, dann würde er zurücktreten.

e^(pi*i)+1= 0
06

Meine Güte, was soll er denn sonst machen? Die Flughafenposten sind gerade vergeben worden, bei der ÖBB braucht man auch keine Manager mehr und die Casinos Austria müssen erst die Lotto-Ausschreibung abwarten.

Und mit Parteibuch und 0-Qualifikation kommt man sonst nirgends mehr unter...naja, vielleicht wird mal ein Top-Job in einer Sozialversicherungsanstalt frei.

susi_mueller
00
11.8.2011, 11:08

beim orf steht ein chefsessel 'zur wahl' ;)

pcyco
00

wo ist bitte das problem mit der kontonummer.

steht bei firmen auf jedem briefpapier.

aber vielleicht ahb ich was verschlafen.

- Ykä -
00

Dann schicken sie mir doch ihre Kontonummer, Bankleitzahl und Ihren Namen und ich zeige Ihnen wie "sicher" Ihr Konto ist.

Es reicht, diese Angaben auf einen Erlagschein zu schreiben und in die Selbstbedienungsboxen einzuwerfen.
Sie haben dadurch garantiert Probleme:
1. Zu beweisen dass das nicht von Ihnen veranlasst wurde
2. Das Geld zurückzubekommen.

Erlagscheine und die SB box sind eine der unsichersten Einrichtunge der Banken. Es kann natürlich sein dass Sie Ihr Geld wieder bekommen, aber den Aufwand dafür ersetzt Ihnen vermutlich niemand.

mbli
00
lt. gis war mein name mit der adresse ebenfalls betroffen, aber ohne kontendaten. wenn das stimmt, findetman das in jedem telefonbuch und wäre wertlos.

left
01

Stimmt schon. Aber es gibt genug Leute, die Ihre Adresse nicht veröffentlicht wissen wollen und somit auch nicht im Telefonbuch stehen.

Korr Upt
00

Es mag zwar sein, das ihr Name+Adresse im Telefonbuch auch zu finden sind. Aber mit einer Kontonummer kann man schon wesentlich mehr Schaden anrichten (auch wenn den eigentl. Schaden dann evt. ein Onlinehändler hat).

Ich sehe es eher, dass dieses Schlamassel als dringliche Ermahnung/Warnung gesehen werden sollte, Kundendaten nach aktuellen Regeln der Technik und Wissenschaft zu schützen. Beim nächsten Mal sind es vielleicht nicht nur Name, Adresse und Kontonummer sondern auch Bankbewegungen, Einkaufsgewohnheiten (anhand von Kundenkarten im Supermarkt), polit. Gesinnungen, Bewegungsprofile,... Und da wirds dann schon sehr problematisch wenn solche Daten "verloren" gehen...

Achmo Ledbid
00
12.8.2011, 09:12
das ist nicht nur mahnung

sondern bestandteil des DSG, dass personenbezogene schutzwürdige daten nach dem stand der technik zu schützen sind. leider ist das aktuelle DSG erst 11 jahre alt, betroffene sind nur einzelbürger die keine lobby haben und nicht klagen. daher sind solche paragrafen immer noch nicht beispielhaft ausjudiziert.

skipper2002
00
ABMELDEN,ABMELDEN,ABMELDEN!!!

Bin seit 30 Jahren Schwarzseher.

KistenFreund
 
01
Wie du mir..

OK, rechtlich haben die Betroffenen also quasi keine Chance.

Die GIS verursacht durch eine stümperhafte Absicherung der Kontodaten unnötige Arbeitszeit, um die Konten ständig zu prüfen.

Also schlage ich vor, auch der GIS einmal zu zeigen, was unnötig verschwendete Arbeitszeit bedeutet.

Aufruf: Kündigt eure Verträge!

Auch wenn es letztlich einen Zwang für die Gebühren gibt, erzeugt die Bearbeitung der Kündigungen und Neuanmeldungen Arbeitszeit.

Mit ein wenig Glück, bleibt dann weniger Gewinn für die Vorstände am Jahresende übrig. Zweck erfüllt.

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