Politologen

"Kaum Auswirkungen auf Kärntner Politik"

3. August 2011, 15:11

Thomas Hofer und Peter Hajek zu den möglichen Folgen der Affäre rund um den FPK-Chef

Als Reaktion auf die Verurteilung von Uwe Scheuch hat die Kärntner ÖVP die Koalition auf Eis gelegt (derStandard.at berichtete). Die Folgen davon werden von Polit-Experten als eher unspektakulär bezeichnet. "Es wäre nicht so, als ob die ÖVP die Koalition aufgekündigt hätte", sagt Politologe Thomas Hofer, "es sind zwar Konsequenzen da - etwa ein freies Spiel der Kräfte bei neuen Projekte - aber die ÖVP hat nicht so heftig reagiert, wie sie es hätte können." Auch Peter Hajek kommentiert das Geschehen als kaum folgenreich: "Im Grunde genommen läuft das Geschäft weiter, realpolitisch gibt es keine Auswirkungen." 

Hofer: "ÖVP spielt auf Zeit"

Hofer vermutet, dass die ÖVP auf eine rechtskräftige Verurteilung Scheuchs warte: "Ich denke, die ÖVP hofft auf das Szenario, dass das Urteil gegen Scheuch bestätigt wird, und man dann mit dem viel berechnbareren und moderateren Gerhard Dörfler - der dann unumschränkt die Nummer Eins der FPK wäre - weiterregieren kann." Hofer sieht Landeshauptmann Dörfler auch als Gewinner der Causa Scheuch: "Egal, wie es ausgeht: Dörfler gewinnt hier. Bestätigt die nächste Instanz das Urteil nicht, kann er sagen, er hätte es schon immer gewusst. Bestätigt der Oberlandesgerichtshof Graz das Urteil, müsste Scheuch wohl zurücktreten und Dörfler wäre die klare Führungsperson der FPK."

Politberater Hajek sieht Dörfler hingegen in einer "unangenehmen Situation", immerhin sei Scheuch ja Landeshauptmannstellvertreter. "Was ist, wenn es zu einer rechtskräftigen Verurteilung kommt? Dann könnten Uwe Scheuch und auch sein Bruder Kurt sagen: Wir wollen von euch Solidarität. Somit wären Dörfler - und in weiterer Folge auch Strache - in einem Erklärungsnotstand."

"Schwesterpartei FPK bereitet FPÖ mehr Sorgen als Freude"

Hajek meint weiters, dass die FPÖ-Spitze nicht von den Problemen in Kärnten überrascht sein dürfe: "2006 hat (FPÖ-Generalsekretär) Vilimsky in einer Aussendung noch gefordert, dass Scheuch eingesperrt gehöre (es ging um Vorwürfe wegen Versicherungsbetrug, Anm.). Daran sieht man, wie schnell sich die politischen Verhältnisse ändern."

Hofer verweist darauf, dass Kärnten als "echte Hochburg des dritten Lagers" natürlich strategisch wichtig ist, "aber bislang hat sich die Fusion nicht ausgezahlt." Er meint, dass die Reaktion der FPÖ bei den Wählern auf kein Verständnis stoßen wird: "Es werden nicht alle schreien: 'Oh Gott, diese armen freiheitlichen PolitikerInnen'."

Auch Hajek glaubt, dass das Verhalten der FPÖ nach der Verurteilung nicht vorteilhaft war: "Auf Straches Facebook-Seite ist der Tenor beispielsweise nicht: 'Der arme Scheuch', vielmehr heißt es, dass alle Politiker schlecht seien. Gleichzeitig desavouieren FPÖ-Mitglieder in Frontalangriffen die Justiz, die derzeit schon einen Vertrauensschwund hat. Insgesamt ist das dem demokratischen Gemeinwesen nicht förderlich."

"Fall Susanne Winter zeigt, wie FPÖ vorgeht"

Hajek spricht den Fall Susanne Winter an, die rechtskräftig verurteilt wurde und immer noch im Nationalrat sitzt: "Anhand dieses Verhaltens damals kann man das Verhalten in der Causa Scheuch ablesen, es wird nicht unähnlich sein." Eine Distanzierung der FPÖ von Scheuch sei, so Hajek, jetzt nicht mehr möglich.

Straches Performance bei der Causa Königshofer wird von den beiden Politologen strategisch nicht so streng beurteilt. "Man hat den letzten Notausgang erwischt, aber immerhin hat man ihn erwischt", so Hofer, "die FPÖ hat gesehen: Wenn wir das noch verteidigen, dann schadet es der Partei." Auch Hajek meint, dass Königshofer einfach eine Linie überschritten habe: "Aber wer registriert das schon? An den Herrn Königshofer wird sich in einem halben Jahr keiner mehr erinnern."

ÖVP muss sich inhaltlich distanzieren

Inwiefern das Verhalten der FPÖ die ÖVP, deren Obmann Spindelegger ja eine schwarz-blaue Koalition 2013 nicht ausschließen will, beschädigt, ist unklar. "Ich glaube, es wäre sicherlich gescheit, aus Sicht der ÖVP zu sagen: 'Mit so einer FPÖ kann man nicht koalieren, wir hoffen auf Besserung", so Hofer, "aber eine Koalition kategorisch auszuschließen wäre wahltaktisch unklug." Dennoch müsse man sich von solchen Skandalen distanzieren, denn natürlich gäbe es Bürgerliche, denen das zutiefst zuwider sei.

Hajek verweist hingegen auf die geringe politische Halbwertszeit solcher Fälle: "Die entscheidende Frage ist: Wie nah sind solche Handlungen an einem Wahltag? Es gibt natürlich bürgerliche Wähler, die sich länger erinnern, sie könnten sich abwenden. Aber das ist hauptsächlich nicht der Fall, weil der Wähler deutlich mehr zum Stimmungswähler wird und für ihn die Stimmung zwei bis drei Monate vor der Wahl entscheiden ist." (Fabian Schmid, derStandard.at, 3.8.2011).

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21 Postings
Kralj Matjaz
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..die beiden Scheuch s ...

könnten auch beschliessen, zurückzutreten und Neuwahlen auszuschreiben...der Herr Dörfler könnte ja auch sagen ohne euch beiden ginge es besser....wie im Lotto oder..??

Queen of Sheba
 
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Gut, dass "Politologen" bei püolitischen Entscheidungen nichts mitzureden haben.

Zumindest bei einer Politik, die diese Bezeichnung verdient.

nick morgenland
 
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auf der anderen seite (was sie gesagt haben, ist ja nicht ganz falsch): die politik ist zu wichtig, als dass man sie auf dauer parteisoldaten und parteiideologen überlassen sollte.

Karl Heiden1
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Politologen haben die Bedeutung von Meteorologen:

Es kann alles auch ganz anders kommen!

Queen of Sheba
 
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Und : im nachhinein weiß man immer, warum man falsch lag.

thomas1231
23

alle Kärtner die ich kenne sind eigentlich völlig in ordnung..
Die die ich kenne sind allerdings studenten / studierte und leben in wien und würden ums verrecken nicht vor der pensi zurück ziehen wollen ....

Anscheinend verlassen alle schlauen Leute Kärnten, und was zurückbleibt kann man sich ja selbst vorstellen ....

lupe3
 
03
Kärnten ist nicht 100% FPK

So böse Verallgemeinerungen kommen üblicherweise eher von den rechten Ferkeln. Man muss nicht übertreiben. Traurig genug die relative Mehrheit von weit unter 50%, die zu einem guten Teil auch der „heruntergefallenen Sonne“ geschuldet ist, der Naivität in der damaligen speziellen Situation und dem nachwirkenden grenzenlosen Populismus ..
Habt also etwas Respekt vor der Mehrheit der Kärntner Bevölkerung, die dieses demokratische Diktat, wie immer es zustande gekommen ist, erdulden muss ... einen Dolm als Landeshauptmann, einen dauergrinsenden, verurteilten Stellvertretrer und 2 unfähige Lausbuben im Finanz- und Sozialreferat ertragen müssen. Wir, der mehrheitliche Rest, sind gestraft genug ... mindestens bis zu den nächsten Wahlen.

you dont see me
02

der scheuch hat auch in wien an der boku studiert.
ich kenne außerdem eine menge leute die schlau sind
und nicht studiert haben.
was genau ist jetzt schlau daran in wien zu wohnen ?

Super Sharp Shooter
01
und erst gestern hab ich geschichten gehört,

dass er bei veranstaltungen der boku-landwirtschaftsstudenten regelmäßig mit seinen kärntner recken reingeschneit ist. mit hitlergruß. schockierend!

Bigmouth
10

Es gibt schon noch ein paar schlaue Leute in Kärnten, solche wie mich zum Beispiel. Die hat vielleicht die unerträgliche Präpotenz mancher Wiener nach dem Studienabschluß dazu motiviert, FPK hin oder her, lieber doch nachhause zurückzukehren als sich das Zusammenleben mit den realen Vorbildern von Edmund Sackbauer dauerhaft anzutun.

loundy
 
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ich tippe darauf dass...

...kleine teile des urteils aufgehoben werden um das strafmass unter die grenze drücken zu können bei der scheuch zurücktreten muss.

die blaubraunorangen wähler können dann mit "urteil wurde aufgehoben, unschuld bewiesen" halbwahrheiten gefüttert werden und unsere bundespolitik muss den konflikt, der mit kärnten auszufechten wäre, nicht führen.

win-win für beide seiten.

nur nicht für unsere halt.

denn der konflikt mit kärnten muss irgendwann ausgetragen werden.

sonst sind die nächsten hypo-desaster (wetten die haben schon wieder irgendwelche finanzierungskonstruktionen zur eigenfinanzierung auf kosten der landesschulden zusammengebastelt...?) und das weitere ignorieren von vfgh-urteilen, die einem nicht passen, vorprogrammiert.

Fandango
00
die Hypo gehört mittlerweile nich tmehr dem Land sondern dem Bund.Die Landeshaftung (was ja keine Erfindung der Kärntner ist) läuft 2018 aus.

das strafausmass müsste unter 12 monate fallen ... teile des Urteils kann man allerdings nicht aufheben, es gibt nur einen Anklagepunkt oder ?

Aber egal, ich hoffe doch dass das Urteil hält, wenn nicht, dann schiebt es aber bitte nicht mehr auf us Kärntner, sondern auf die Grazer oder die Politjustiz ....

Und zum vfgh-> es war immer noch der NR gefordert, ein Gesetz zu erlassen (was bis vor einem Monat nicht passiert ist).

Klar hätten man die Erkenntnis de facto umsetzen können (in dem man die blöden tafeln aufstellt) aber nur weil ein Gesetz aufgehoben ist, gilt natürlich kein neues Gesetz. Ich hoffe du verstehst die Gewaltentrennung.
Legislative (=NR) erlässt ein neues Gesetz, Exekutive (im Fall Land Ktn) stellt tafeln auf.

loundy
 
00
mhm. mhm.

die strafhöhe kann auch bei einem anklagepunkt von der nächsten instanz verringert werden, aber sie haben wahrscheinlich recht dass das urteil an sich nicht aufgehoben werden wird wenn es nur einen anklagepunkt gibt.

und missverstehen sie mich nicht, ich schieb' das nicht auf "die kärntner" und dieses nr-gesetz, das sie erwähnen, ist genau einer der konflikte, den man simpel ausfechten hätte müssen in dem man dieses gesetz erlässt und sich nicht von einem bundesland (egal ob kärnten oder ein anderes) einschüchtern lässt.

das hat auch nichts mit gute oder böse kärntner zu tun, es ist halt eine vfgh-entscheidung und die muss zuerst umgesetzt (gesetz im nr) und dann auch durchgesetzt werden, sonst ist der vfgh schlichtweg nix wert.

Fandango
00

es wird wohl so sein, wenn scheuch auch nur 2 Monate sitzen geht, muss er wohl zurücktreten.

Das kann der HC auch nicht mehr mittragen.

ad vfgh) weisst du wie oft ich lesen musste, dass Kärnten die vfgh entscheide missachtet ? Selbst in der ZIB wurde das so dargerstellt.....

Der eigentlich Skandal war, dass die Regierungen Schüssel, Gusi und Faymann zu feig waren. Da hätte man nichts ausfechten müssen.

Und wie kann Kärnten den Bund einschüchtern ?

( ich glaube aber, dass es den FP'lern noch mehr und schnelleren Auftrieb gegeben hätte, wenn man drüber fährt). Die heutige Lösung hätte man auch scho 2006 haben können aber da wollte die SP vor der Wahl Schüssel keinen Erfolg gönnen

aiuto
00
ich frage mich dann,

wann denn wirklich noch Auswirkungen auf die kärntner Politik haben könnte.

Bigmouth
01

Allemal die Rechtskraft des Urteiles, weil dann der Amtsverlust ex lege eintritt. Vielleicht sagt Bimbo aber dann auch, dass die Gerichte sich geirrt haben und seine Rechtsexperten der Ansicht sind, dass das ein Fehlurteil ist und dieses daher ignoriert werden darf. Vielleicht konsultiert er auch vorsichtshalber noch das gesunde Volksempfinden; für Bimbo ist das ja eine primäre Rechtsquelle, gleichrangig mit Urteilen und dem übrigen schwer verständlichen Zeug. Er sollte sich in dem Fall aber auf eine Überraschung gefasst machen; soweit ich das überblicken kann, hält sich das Mitleid mit Scheuch auch in Kärnten in Grenzen.

aiuto
00
Ihr Wort in Gottes Ohr.

Tino1967
 
05
Ich frag mich nur,

wie der Dörfler nach seinem gestrigen ZiB-2-Auftritt, wo er den Scheuch über die Grenzen der Peinlichkeit hinaus verteidigt hat, gestärkt hervorgehen soll, wenn der Scheuch verurteilt wird!

Hansi Huber
04

Da hatte er 2l Wein intus...

Fandango
00

normale partie. 2L = Spiegel.

Ich habs leider nicht gesehen ...muss ich mir halt auf YouTube oder so angucken ....

CrangerMan
01

Man kann nur hoffen, dass Scheuch weggesperrt wird und nicht mehr zurückkehrt.

Dass Strache und Co. aus wahltaktischen Gründen von Politjustiz (was natürlich Blödsinn ist, bislang waren die Braunen immer verschont) sprechen, ist leider nichts Neues und könnte sogar helfen, ein paar linkefeindliche Stimmen mehr zu gewinnen.

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