Lehrer-Dienstrecht: Gewerkschaft zweifelt an Lösung bis Jahresende

3. August 2011, 11:35

Rainer: "Das Bundeskanzleramt legt uns keine Zahlen vor" - Rechnet mit einem "Luftschloss"

Wien - Eigentlich hat die Regierung bis zum Jahresende eine Reform des Lehrerdienst- und Besoldungsrechts angekündigt. In den vergangenen drei Monaten sei allerdings kaum etwas weitergegangen, kritisiert Jürgen Rainer, Vorsitzender der Lehrervertretung an den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS).

Genau genommen fänden nicht einmal echte Verhandlungen mit den Dienstrechtsexperten des Unterrichtsministeriums und des für Beamten zuständigen Bundeskanzleramts statt, "wir diskutieren nur". Deshalb werde es auch nach dem zehnten Termin im Dezember keine echte Lösung für ein neues Dienstrecht geben: "Ich rechne damit, dass das ein Luftschloss wird." 

Sinnvolle Verhandlungen würden aus Rainers Sicht bedeuten, dass die Gewerkschaft die Beträge kennt, die die Regierung für das Reformprojekt zur Verfügung stellen wird, und dass Gewerkschaft und Experten der Ministerien einen gewissen Pouvoir bekommen und gemeinsam Gesetzesentwürfe "basteln". "Aber das Bundeskanzleramt legt uns keine Zahlen vor. Die haben offensichtlich noch nicht mit dem Finanzministerium gesprochen", so seine Vermutung.

Deshalb beschränke sich die "Arbeitsgruppe" (Rainer) aus Gewerkschaft und Dienstrechtsexperten darauf, zu den Überschriften der sechs Arbeitspakete (Berufsbild, Definition Funktionslaufbahn, Besoldungsmodelle, mittleres Management und Schulleitung, Verwaltungspersonal und Übergangsbestimmungen) "gemeinsam etwas hinzuschreiben. Bis dato hat das aber nicht gut funktioniert".

"Politische Entscheidung"

Es sei von Anfang an vermittelt worden, dass es eine rein politische Entscheidung sein wird, ob die Regierung nun 150 oder 300 Millionen Euro zusätzlich für die Reform - darunter eine Anhebung der Anfangsgehälter bei gleichbleibendem Lebenseinkommen - in die Hand nehmen wird. Wenn die Entscheidung aber ohnehin zwischen Bundeskanzleramt, Finanz- und Unterrichtsministerium gefällt werde, "dann brauchen wir nicht verhandeln". Er hoffe nur, dass es nicht schlussendlich politisches Hickhack um die Reform geben werde. 

Rainer ist allerdings nicht nur mit dem zu erwartenden Resultat, sondern auch mit der Leitung der Gespräche durch den Dienstgeber unglücklich - auch, wenn diese in einer angenehmen Atmosphäre stattfinden würden. "Wir haben uns auf Nebenschauplätzen bewegt. Wir unterhalten uns über interessante Dinge, aber das Ganze ist sehr beliebig", bemängelt er. Wichtige Fragen wie die der Lehrverpflichtung oder die in der medialen Diskussion stets hervorgehobenen höheren Einstiegsgehälter seien noch nicht einmal angeschnitten worden.

"Dienstgeber als Oberlehrer"

Und auch Gespräche zwischen zwei Partnern auf Augenhöhe würden anders aussehen. "Auf der einen Seite steht der Dienstgeber als Oberlehrer, der Tempo und Inhalte vorgibt. Auf der anderen Seite stehen die Gewerkschafts-Schüler." (APA)

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Posting 1 bis 25 von 75
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Hela
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so wenig wie die mir bezahlen...

kann ich gar nicht arbeiten!

lebowsky1
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Ich würde auch nicht mit Gewerkschaftern verhandeln

1. ich bin Lehrer
2. ich bin bei der Gewerkschaft
3. bei dem Verhalten der Lehrergewerkschaft seit ich das beobachte fällt mir auch kein einziger vernünftiger Grund ein, warum ich mit denen verhandeln sollte.
erst gestern wurde verkündet, daß die Gewerkschaft an den Eignungstests für die Lehramtsstudenten zweifelt. Was soll denn das?
Ich würd mir ein paar Experten holen, die mir sagen, wie das in anderen Ländern (Finnland) mit dem Dienstrecht ausschaut und dann knall ich das Ergebnis hin und verweise auf den Ländervergleich.
Ich finde, die machen das schon richtig.

D/E
02
Eventuell hätten Sie den entsprechenden Artikel über die

Meinung des BHS-Gewerkschafters zum Thema Eignungstests l e s e n sollen.

Überhaupt dürfte etwas Information nicht schaden.

Es wird sicher einige geben, die Sie für einen Troll halten. Das tue ich nicht, da ich weiß, dass es auch unter Lehrern Leute gibt, die sich ihre Meinung lieber ohne Kenntnis der Tatsachen bilden.

Es ist ja auch bequemer so.

lebowsky1
20

lesen ist nur die halbe übung, v e r s t e h e n heißt die sportart.

D/E
00
Das müssen Sie mir nicht sagen.

D/E
04
Übrigens wäre das finnische Lehrerdienstrecht tatsächlich eine

feine Sache -- für uns Lehrer. So wenig Unterricht und noch dazu bei solchen Rahmenbedingungen hätte ich gerne.

Denker9
00

Nachzulesen im Internet: "Lehrerdienstrecht: Wie es woanders funktioniert" vom 30.01.11 ein Artikel der Presse.

Der Vater Staat
414
Gewerkschaft wird ausgebootet

Ich fürchte Schmied und Heinisch-Hosek werden versuchen, die Gewerkschaften zu übergehen. Jede Dienstreform nach dem Muster "Blut-und-Tränen" würde 80% der ÖsterreicherInnen zu Jubelstürmen hinreißen.

Man wird die Unterrichtsverpflichtung hochschnalzen und es damit begründet, dass ohnehin "Lehrer" fehlen. Das Ganze bedeutet "Verheizen" der LehrerInnen bis zum Burnout und Unterrichtsqualität gegen Null. Aber Beifall ist ihnen sicher - es geht ja gegen die "bösen Lehrer" ...

didi111
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Böse Zungen meinen ja ernsthaft, daß..

"(das) Lehrersein eine angenehme Alternative zum Arbeiten ist!".

Das sehe ich nicht so.

In meinem Bekanntenkreis beginnen jetzt die Lehrer schon zu arbeiten durch Geben von Nachhilfestunden. Das passiert auch nachmittags.

Das machen sie ganz sicher nicht ums Geld. Ganz sicher nicht...

Nur nachmittags in der Schule zu sein und Nachhilfestunden zu geben oder Förderungen abzuhalten, scheint diese Freunde scheinbar zu überfordern.

Man MUSS die Lehrer zu "normalen" Arbeitnehmer erziehen mit einer verpflichtenden (!) 40-stündigen Anwesenheitszeit in der Schule. Dort kann auch (nachmittags zur Abwechslung) gearbeitet werden.

So haben auch Kinder von sozial schwachen Eltern eine Chance auf Schuldbildung.

llewellyn
01

ist ihnen vielleicht schon die idee gekommen, dass ihre Bekannten am Abend und an den Wochenden verbessern wenn sie an den Nachmittagen Nachhilfe geben?
Und wenn sie an den Nachmittagen in der Schule verbessern dann geben sie halt am Abend und an den Wochenden Nachhilfe...

Zara von Thustra
02

Jaja....Zynismus statt Denken. Das ist die Leichtigkeit des Daneben-Seins. Trotzdem: Schönen Tag noch!

Denker9
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"Arbeiten" heißt bei Lehrern vor allem VIEL reden und erklären- das hat rein körperlich seine Grenzen! Wer täglich vier bis sechs Stunden seine Stimme einsetzen muss, ist danach ziemlich müde. In keinem anderen Beruf muss so viel gesprochen werden und noch dazu mit höherer Intensität. Haben Sie schon vier Stunden lang vor 25 Kindern etwas erklärt, wobei diese Kinder nicht mucksmäuschenstill vor ihnen sitzen und ihnen gespannt zuhören?

LL MM
01

Ob Sie es glauben oder nicht: In den Schulen wird Förderunterricht angeboten.

Nur leider schwänzen diesen gerade diejenigen, die ihn am nötigsten hätten.

D/E
04
Der Blödsinn von den "nicht arbeitenden" Lehrern

wird nicht wahrer, wenn Sie ihn noch 999 mal posten.

Aber das dürfte Sie ja auch nicht interessieren.

Andreeeas
00

In Wirklichkeit ist so, dass wohl keiner so genau weiß, wie viel die Lehrer arbeiten, weil man es nicht kontrollieren kann.

Es steht Behauptung gegen Behauptung.

Dr_Olaf
 
01
Selbstversuch

Wenn sie es wissen wollen - probieren Sie es doch einfach im Selbstversuch aus:
Wählen sie sich ein Thema aus, in welchem sie sich versiert fühlen, und stellen Sie sich vor, sie solten zu diesem Thema 25 Jugendlichen etwas beibringen. Dafür haben sie 50 Minuten Zeit. Der Unterricht sollte interessant, abwechslungsreich, lehrreich und nachhaltig sein. Am besten mit einer guten Mischung aus Vortrag und Schülerarbeitsphasen. Stoppen sie ihre Zeit vom ersten Gedanken bis zum letzten Strich der für die Vorbereitung notwendig war. Dann haben sie eine Stunde Unterricht vorbereitet.
Sie haben dann allerdings noch nicht geprüft, korrigiert, mit Eltern gesprochen, an einer Konferenz teilgenommen, Leistung beurteilt, einen Ausflug organisiert…

Andreeeas
00

Das ist aber kein Widerspruch zu meiner Behauptung, oder?

Im Übrigen haben ich DAS (in meinem Fach) schon mehrmals gemacht und mache es auch gerne wieder: Warum? Weil es mir Spaß macht, mein Fach weiterzuverbreiten.

Neugierig bin ich hierbei auch auf die Kritik von Lehrern, was ich gut und was ich schlecht gemacht habe: Egal, was ich in Zukunft mit meinem Fach mache, kann mir das sicher nie schaden.

Interesse?

Dr_Olaf
 
00
kein Widerspruch

nur ein Tipp für alle jene die an der Arbeitsbelastung der Lehrer zweifeln, eine andere Sicht zu probieren. Es ist ja nachvollziehbar, dass sich Leute schwer tun, sich vorzustellen, welche Arbeiten ausserhalb der Stunde noch anfallen, weil man sie eben nicht sieht.
Wer das einmal versucht, sieht Schule vielleicht mit anderen Augen.

Andreeeas
00

Bei Lehrern, die ihren Job ordentlich machen, zweifle ich daran auch gar nicht. Und vor Lehrern, die ihren Job mit wenig Arbeit machen (glaube ein paar davon kennengelernt zu haben) habe ich allergrößten Respekt.

Ich habe nur etwas gegen diejenigen, die ich für inkompetent halte. In meinen 12 Jahren Schule waren das ca. 10-12 (wobei ich 1-2 davon nicht selbst regelmäßig hatte - die haben sich schon durch ein paar Supplierstunden disqualifizieren können).

D/E
02
so wie bei hunderten anderen berufen

Andreeeas
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Wovon aber bei weitem nicht alle vom Steuerzahler bezahlt sind. DAS ist der Unterschied, den Sie nicht begreifen wollen.

Denker9
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Der wirklich bedeutende Unterschied ist, dass alle Menschen mit Lehrern zu tun hatten oder haben (eigene Kinder) und somit betroffen waren oder sind. und sie sich oftmals ihnen gegenüber hilflos ausgeliefert fühlen!
Ein Problem ist auch, dass man als Eltern selten über positive Leistungen der Kinder informiert wird. Lehrer suchen meist den Kontakt mit ihnen, wenn etwas NICHT funktioniert und über diese Kritik am Kind fühlen sich auch die Eltern als Erziehungsversager. Das führt zu Unmut in der Bevölkerung.Hier müsste ebenfalls in der Ausbildung angesetzt werden und Studenten dafür sensibilisiert werden!

Andreeeas
00

Sie sprechen meiner Meinung nach wahre Worte, aber es ist nicht der einzige Grund:

An Lehrer werden als Akademiker höhere Maßstäbe angelegt, als an die Magistratssekretärin, wo man auch nicht weiß, wie viel sie arbeitet. Während ich selbstverständlich auch dort gegen Faulheit, Postenschacher, Geldverschwendung etc. etc. bin, erwarte ich von einem Akademiker mehr. Das finde ich völlig richtig.

Gleichzeitig hat ein Lehrer eine enorme Verantwortung der Gesellschaft gegenüber, weshalb das Interesse dort auch verständlicherweise höher ist.

D/E
01
Was gibt es da zu begreifen? Jeder halbwegs in der Welt stehende Mensch weiß, dass

es eine ganze Reihe von Berufsgruppen gibt, die aus öffentlichen Geldern bezahlt werden, und kaum jemand kann deren Leistung einschätzen.

Seien Sie so freundlich, mich nicht für dümmer zu halten als sich selbst. Ich denke, das ist aus meiner Sicht ein sehr bescheidener Wunsch.

Andreeeas
00

Und nur weil es bei anderen Berufsgruppen schlecht ist, lassen wir es auch bei den Lehrern so? Der österr. Weg: Lassma alles so wie es ist.

Nur keine Transparenz, und wenn jemand Transparenz fordert, dann mit einem Hinweis auf anderweitige Intransparenz blockieren. Super Lehrereinstellung!

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