Experten: Stromzähler bieten Einfallstor für Hacker

3. August 2011, 11:17
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Fernabschaltfunktion in intelligenten Stromzählern könnte für Angriffe auf das Stromnetz genutzt werden

Denkt Paul Karrer an Smart Meter, durchströmt ihn ein kalter Schauer. Nicht, weil er etwas dagegen hätte, mithilfe intelligenter Stromzähler in Haushalten und Betrieben Strom und Geld sparen zu helfen. Sondern vielmehr, weil die dafür in Österreich vorgesehenen intelligenten Messgeräte eine Funktion enthalten, die nicht so gut gesinnten Zeitgenossen Zugriffsmöglichkeiten auf die sensible Energieinfrastruktur eröffnen könnten.

"Die Stromversorgung in Österreich und Europa war bisher immer stabil, und niemand machte sich viel Gedanken über die Sicherheit"

Karrer ist Sprecher des Vereins Cyber Security Austria. In diesem haben sich Experten mit dem Ziel zusammengeschlossen, soweit wie möglich zu verhindern, dass durch die zunehmende Vernetzung über das Internet der Pulsschlag des öffentlichen und privaten Lebens erlahmt oder sogar zum Erliegen kommt.

Auslöser dafür könnten die harmlos anmutenden Smart Meter sein. "Die Stromversorgung in Österreich und Europa war bisher immer stabil, und niemand machte sich viel Gedanken über die Sicherheit", sagt Karrer im STANDARD- Gespräch. "Wenn intelligente Stromzähler kommen, die vollgespickt sind mit Informationstechnologie und kommunizieren können, wird das anders", zeichnet er ein düsteres Szenario.

Auch von Datenschützern werden die digitalen Stromkontrollore nicht gut aufgenommen. Sie sehen darin einen weiteren Schritt zum "gläsernen Kunden". Die Energieanbieter könnten damit gar nicht smarte Benutzerprofile erstellen, die mit dem Schutz der Privatsphäre unvereinbar seien.

Datensammlung

Für "viel problematischer" als das potenzielle Sammeln von Daten hält Karrer jedoch die sogenannte Fernabschaltfunktion, die in den intelligenten Messgeräten verfügbar sein soll. "Diese technische Funktion ist in den Mindestanforderungen für die neuen Stromzähler enthalten", bestätigt Harald Proidl von der Regulierungsbehörde E-Control. Die Energieanbieter argumentieren, über diesen virtuellen Schalter etwa bei Umzügen den Verbrauch sofort auslesen und die Umstellung auf einen anderen Kunden schneller regeln zu können.

"Das Kritische daran ist: Wer diese Funktion in die Finger kriegt, kann den Strom nicht nur für einen einzelnen Haushalt abdrehen, Wenn das an neuralgischen Punkten gleichzeitig passiert, dann ist ein Blackout einer ganzen Region die Folge", warnt Karrer.

Vereinfacht ausgedrückt passiert Folgendes: Werden durch Manipulation über das Internet in größerem Umfang Haushalte vom Netz genommen und wieder zugeschaltet, reagieren Kraftwerke entsprechend darauf. Geschieht dies willkürlich, kommt es zu Frequenzschwankungen. Das Ganze schaukelt sich hoch, die Stromsysteme durchlaufen diesen Prozess ab einem gewissen Punkt automatisch, geraten außer Kontrolle.

"Es ist alles gefährlich und auch nicht, wenn man mit IT-Kommunikation zu tun hat"

Die Sicherheitseinwände sind in der E-Control bekannt. Allerdings: "Es ist alles gefährlich und auch nicht, wenn man mit IT-Kommunikation zu tun hat", meint Proidl. Er geht davon aus, dass "entsprechende Vorkehrungen getroffen werden, damit nichts passieren kann". (Karin Tzschentke

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