Stadt- und Metaebenen-Hochradelei

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Hochradelei, so Christoph Chorherr, wirke zwar stilvoll und erhaben, sei aber vor allem eines: mühsam

Die Gefahr, mit so einem Rad übersehen zu werden, meint Christoph Chorherr, während er sein Fahrrad an ein Wartehäuschen der Wiener Linien lehnt, sei "eher gering. Darum hast du mich ja auch bemerkt - und deshalb werde ich auch ausdrücklich mit diesem Rad gebucht." Aber das, erklärt der grüne Vordenker, wären schon 50 Prozent der praktischen Vorteile eines Hochrades: "Sichtbarkeit - die andere Hälfte ist der Überblick."

Abgesehen davon, gibt Chorherr zu, wirke Hochradelei zwar stilvoll und erhaben, sei aber vor allem eines: mühsam. "Im Grunde", doziert der grüne Wiener Gemeinderat, "ist ein Hochrad ein Fixie (ein Rad mit starrer Übersetzung, Anm.). Bergauf geht das schon ordentlich in die Beine."

Und bergab? "Ja, daran denkt man kaum - bis es das erste Mal abwärts geht: Bergab ist es am Hochrad noch anstrengender. Du bremst de facto nur mit den Pedalen. Je größer der Reifenumfang, umso mehr Kraft braucht man: Du darfst die Füße nie von den Pedalen nehmen." Die Bremse, erklärt Chorherr und zeigt auf den Zug vom Lenker zum kinderwagenradgroßen Hinterrad, "ist ein Witz. Ein StVO-Alibi."

Abgesehen davon, meint Chorherr, sei Hochradfahren kaum schwieriger als "normales" Radfahren: "Zwei Stunden, dann hat man es raus." Danach - mit dem ersten Hochgefühl - kämen aber oft Hoch(rad)mut und Fall: der hoch-unelegante Abstieg. "Wer hoch oben thront, vergisst leicht, dass er beim Langsamerwerden instabil wird. Und der Weg runter Platz und Zeit braucht. Das passiert jedem - aber meistens nur einmal." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD/Automobil/29.07.2011)

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