Drei Ex-Soldaten wegen Mordes an Dorfbewohnern verurteilt - Tatsächliche Haftzeit auf 50 Jahre begrenzt
Guatemala-Stadt - Haftstrafen von über 6.000 Jahren hat ein guatemaltekisches Gericht für ein Massaker an indianischen Ureinwohnern im Jahr 1982 verhängt. Drei ehemalige Soldaten der Spezialeinheit "Kaibiles" wurden wegen der Ermordung von mehr als 200 Männern, Frauen und Kindern zu je 6060 Jahren Gefängnis verurteilt, ein früherer Unteroffizier zu 6066 Jahren. Die tatsächliche Haftzeit ist in Guatemala allerdings gesetzlich auf 50 Jahre begrenzt.
Die Soldaten hatten am 5. Dezember 1982 praktisch alle Einwohner des Dorfes Dos Erres massakriert und Tote und Verwundete in einen Brunnen geworfen. Den Dorfbewohnern wurde vorgeworfen, die in der Region operierende linke Guerilla zu unterstützen. Um ihr Verbrechen zu verschleiern, hatten sich die Soldaten als Aufständische verkleidet.
In Guatemala herrschte ab 1960 ein Bürgerkrieg, in dem das Militärregime vor allem die indigene Bevölkerung bekämpfte. Bis 1996, als ein Friedensvertrag unterzeichnet wurde, kamen dabei etwa 240.000 Menschen, die meisten von ihnen Mayas, ums Leben oder verschwanden spurlos.
In dem Prozess, der in dem mittelamerikanischen Land als historisch galt, wurden in den vergangenen Tagen zahlreiche Zeugen gehört. Darunter waren Forensiker, die sich darauf spezialisiert haben, von den Streitkräften begangene Gewalttaten während des Konflikts zu untersuchen. (red/APA/sda)