Reformagenda Föderalismus

Nicht alle freuen sich auf kleinere Landtage

2. August 2011, 19:08
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    foto: apa/frankl

    Der steirische Landtag bekam neue Kunststoffbänke samt elektronischen Anschlüssen. Nach einer Reduzierung der Sitze wären sie zu groß.

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    grafik: der standard

Politiker hoffen auf Sympathie, wenn sie bei sich selber sparen, meint Föderalismusforscher Peter Bußjäger - Aber es gibt auch Gegenargumente zur Verkleinerung von Landtagen - Kleinparteien wären dabei Verlierer

Wien - Mit ihrer Ankündigung, das lange umstrittene Proporzsystem in der Steiermark abzuschaffen und den Landtag zu verkleinern, ernteten Landeshauptmann Franz Voves und sein ÖVP-Vize Hermann Schützenhöfer österreichweit Applaus.

Die beiden "Reformpartner" wollen ihren Willen zum Sparen - auch bei sich selbst - bekunden. Im Landesparlament sollen ab 2015 nur mehr 48 statt wie bisher 56 Abgeordnete sitzen.

Uneinigkeit in Salzburg

Damit wurde etwa die Debatte in Salzburg belebt: Landeshauptfrau Gabi Burgstaller hält eine Verkleinerung des Landtags für "überlegenswert". Angesichts der Sparzwänge wäre es ein symbolischer Akt Strukturen zu bereinigen. Auch die FPÖ wäre dafür.

Aber die verfassungsrechtlich notwendige Mehrheit kommt in Salzburg ohne ÖVP nicht zustande - diese fürchtet, dass nicht mehr alle Bezirke (wie der kleine Lungau) im Landtag vertreten wären. Auch Salzburgs Grüne sind gegen eine Reduzierung.

Steirische Bedenken

Die steirischen Grünen haben nichts gegen eine Verkleinerung, wenn diese mit einer Stärkung der Minderheitenrechte für kleine Parteien einhergeht. Aber diese sind dann möglicherweise gar nicht mehr im Landtag vertreten.

Größere "demokratiepolitische Bedenken" hat die Klubchefin der steirischen KP, Claudia Klimt-Weithaler, die nur einen "Versuch, ihre Macht auszubauen" hinter den Plänen von SPÖ und ÖVP vermutet. Den großen Einsparungseffekt sieht sie nicht - normale Landtagsabgeordnete verdienen 5304 Euro brutto.

Steirische KP-Politiker verzichten ab einer Obergrenze von 2200 Euro auf ihr Gehalt und zahlen den Rest "nicht an die Partei, wie andere Fraktionen", wie die Politikerin betont, "sondern in einen Sozialfonds, aus dem in Not geratenen Bürgern schnell und unbürokratisch geholfen wird". Im Fall von Klimt-Weithaler, die als Klubchefin rund 5600 netto (brutto 10.200) Euro verdient, gehen monatlich 3400 an den Fonds. "Wenn das alle machen würden, können wir auch 56 Abgeordnete behalten", glaubt Klimt-Weithaler.

Renovierung wirft nun neue Fragen auf

"Bis jetzt ist es ja nur eine Ankündigung", gibt sich der steirische FPÖ-Klubchef Georg Mayer gelassen. Seine Fraktion hat Erfahrung mit den Hürden für Kleinparteien - von 2005 bis 2010 war sie überhaupt nicht im Landtag. Prinzipiell würde man eine Verkleinerung trotzdem "begrüßen".

Erst im Vorjahr wurde der Sitzungssaal im steirischen Landhaus, einem Renaissancepalast aus dem 16. Jahrhundert, um zweieinhalb Millionen Euro renoviert. Dabei wurden auch die alten Holzbänke gegen zwei weiße Kunststoffkreise - für genau 56 Sitze - ersetzt. Ob man diese nun wieder herausreißen oder einfach nur lückenhaft besetzen will, kann derzeit niemand sagen.

"Anschlag auf die Demokratie"

Das Burgenland hat eine Landtagsverkleinerungsdebatte gerade erst hinter sich gebracht - Resultat waren die vorgezogenen Wahlen im Mai 2010, die von der SPÖ gewünschte Verkleinerung von 36 auf 32 Landtagssitze und von sieben auf fünf Landesräte fiel aus: FPÖ und Grüne stimmten im Dezember 2009 dem roten Paket zu, die für die Zweidrittelmehrheit nötige ÖVP nicht. Sie hielt das Argument von Landeshauptmann Hans Niessl, man könne sich über die Legislaturperiode zehn Millionen Euro einsparen, für wenig stichhaltig. VP-Landeschef Franz Steindl sprach dagegen von einem "Anschlag auf die Demokratie".

Eine Verkleinerung des Landtags (36 auf 30 Sitze) wird in Vorarlberg seit 2010 diskutiert, in der letzten Landtagssitzung vor dem Sommer auch im Landtag selbst. Föderalismusforscher Peter Bußjäger versteht die Verkleinerungsideen, aber auch die ablehnende Position in Tirol und Oberösterreich: "Manche Politiker wollen halt den Eindruck erwecken, bei sich selbst zu sparen." (cms, ruep, wei, ver, STANDARD-Printausgabe, 3.8.2011)

Kommentare:

Pro kleinere Landtage von Otto Ranftl

Contra kleinere Landtage von Conrad Seidl

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Posting 1 bis 25 von 89
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hans friedrich 2
00
kein problem von kleinparteien!

das problem für kleinparteien ist nicht die größe des landtages. es sind die stimmenprozente, die eine partei erreichen muss, um überhaupt im landtag vertreten zu sein.

peter schmidt
 
00
Man sollte dazu schreiben das Peter Bußjäger vom Institut

für Föderalismusforschung aus VOrarlberg stammt. Er ist seit nunmehr gut 30 Jahren verdienstlich als Lobyist der Bundesländerrechte tätig.

ProfKreuzundQuer
00
man sollte dazu anmerken - nicht aller bundesländer - soweit ich mich erinnere, ist sogar eines von der finanzierung dieses

institutes abgesprungen.

ist sowieso nicht nachvollziebar, warum ein landesangestellter über die landesgrenze nach innsbruck fährt, um sich in diesem institut aufzuhalten.

genaugenommen zeigt uns dies, wozu der föderalismus gut ist - in dieser ausprägung nämlich zu gar nichts.

auch lese ich im standard.at nichts über wesentliches, dass föderalismusforscher zum diskurs beitragen.

also - zusperren und ersetzen. besser ein institut auf uni niveau etablieren, das sich mit wesentlichen dingen des lebens beschäftigt.

danke!

ProfKreuzundQuer
00
wer spaziert schon zum landeskaiser um sich etwas gutes zu tun ...

mir fallen da nur grossindustriellenfamilien ein ...

es ist einfach humbug zu glauben, identität entsteht im landhaus. das war vielleicht früher einmal zu zeiten der brieftauben, die wesentlich waren.

heute pfeifen es die spatzen vom dach - gesetzgebung auf landesebene führt nur zu blockade und stillstand.

volkswirtschaftlich betrachtet machen landesbedienstete sicherlich sinn - aber ihre macht scheint einfach zu gross zu sein.

man sieht dies an anstehenden reformvorhaben in österreich - da gelingt keine gesundheitsreform oder schulwesenreform, da jeder landeskaiser sein eigenes süppchen kochen will.

ein föderalismusinstitut sollte auf der uni angesiedelt sein - nicht finanziert durch ein paar bundesländer. nicht mal allen!!!!!

locken
02
Verkleinern der Landtage Abschaffung des Bundesrates !!

Michael Holzermayr2
01
Was für eine sinnlose Diskussion.

Anzusetzen ist von den Gemeindeverfassungen aufwärts. Sehen Sie sich die Zahl der Gemeinderäte in einer 5000-Einwohnergemeinde an, Herr Föderalismusforscher Bußjäger, und erklären sie mir deren Notwendigkeit.

Dormouse
01

"VP-Landeschef Franz Steindl sprach dagegen von einem "Anschlag auf die Demokratie"."

wohl eher auf sein geldbörserl...aber das kann dem steuerzahler getrost am A vorbei gehen!

C:\>rm -rf
04

WEG MIT DEN LANDTAGEN - DIE BRAUCHT NIEMAND.
Außer die Sesselwärmer die drinn sitzen.

badblackguy.blogspot.com
 
01
Wir reden hier über "Peanuts" - was bringen uns diese Einsparungen im Promille Bereich?

Sorry, bei einem Gesamtbudget von ung. 150 Mrd. € sind diese Einsparungen mehr als lächerlich!

Was verdient ein Landesrat 6.500 € Brutto?

Ich halte solche Einsparung für Demokratiepolitisch bedenklich. Wir könnten uns auch die Wahlen ersparen, weil es doch nichts Neues bringt. Es kommt doch immer wieder zu einer Koalition SPÖ-ÖVP, die eine ist unerwünscht und die andere nicht realistisch.

MFG

Dormouse
01

in jeder spalte, die unsere 2 regierungsparteien "geschlagen" haben verstecken sich solche "lächerlichen" beträge - irgendwo muss man halt anfangen...übrigens - wir könntens auch auf die spitze treiben, und jeder strasse einen abgeordenten/bürger- bzw. dann strassenmeister spendieren - kann ja auch nicht der sinn sein!

badblackguy.blogspot.com
 
00
Die Steiermark hat 970.930 Wahlberechtigt und 56 Abgeordnete

Auf einen Abgeordnete kommen ca. 17.300 Wähler ist gering, in Deutschland sind die Verhältnisse ähnlich.

Es geht um große Brocken wie

z.B.: Linz von ein hochspekulatives Swap-Geschäft bis jetzt einen Verlust von mehr als 60 Mil. Euro verursacht hat!

z.B.: Wien Werbung verschlingt nach Schätzungen ung. 100 Mil. Euro, wenn nicht viel mehr, weil jenes will ja die SPÖ nicht

und es gibt viele dieser Beispiele in Österreich

karl radek1
04
Keine Verkleinerung der Landtage,

sondern Aufhebung der Landesfürstentümer und Entlassung der Entourage in den Arbeitsmarkt.
Aufhebung der Bezirke, dafür Zusammenlegung von Gemeinden zu sinnvollen Verwaltungseinheiten von > 20.000 Einwohnern.

locken
01
9000 Einwohner 33 Gemeinderäte davon29 Stimmvieh ohne eigene Meinung !!

badblackguy.blogspot.com
 
00

Nur die kosten uns keinen Cent - in kleineren Gemeinden verdienen Gemeinderäte gar nichts

Schottermizzi
02
Bussjäger

lebt sehr gut vom Föderalismus mit seinem Institut, das der Steuerzahler finanzieren darf. Dieser Schnittlauch auf allen Suppen ist wirklich verfechtbar.

sonne-licht
 
10
landtage zuwenig

es geht um diese ganze anhängselpolitik/klientel.

steuergeldbezieher (mitarbeiter land und stadt) in vielen branchen und ihre überzogenen pensionsverträge und absicherung ist der größte broken am schuldenberg von österreich.

jeder kleine bezieher wird gekürzt nur die "sesselfurzer" bleiben bei ihren vorstellungen von sparen, die anderen werdens schon richten, sonst werdens eben gezwungen durch steuertaktiken.

mir ist das ein dorn im auge, was mir keine hoffnung gibt für den standort österreich in der zukunft.

da will sich ein großer broken von menschen immer auf kosten "der anderen" arbeiter/angestellte/selbstständigen profilieren.

wo ist die leistung vieler dieser menschen. aufsichtspflicht ist zuwenig ohne kontrolle.

hanslblasta
00
ja, eh, gute Idee!

Beschränkung auf eine/n öffentlich bezahlte/n Mitarbeiter/in pro Abgeordneter/n;
was darüberhinaus noch an Leuten notwendig erscheint, kann ja von anderen Interessensgruppen, zB Industriellenvereinigung oder der katholischen Kirche bezahlt werden; da finden sich sicher Modelle ...

Spitzmaus
00
Die Kosteneinsparung ist gegenüber dem...

..Gesamtbudget minimal. Die Herrschaften scheiden ja nicht aus dem Leben sondern müssen woanders untergebracht werden. Wesentlich wichtiger eine Änderung im Zuständigkeitsbereich. Es kann nicht sein, dass für eine Sache drei oder mehr Abteilungen zuständig sind noch dazu mit verschieden verantwortlichen Politikern verschiedener Farbe die sich dann noch gegenseitig blockieren.

Roter Baron
13

in der tat
wenn die provinzkaschperln frei gesetzt werden
sind sie ja am freien arbeitsmarkt unvermittelbar.

roter baron

Bauschutz
01
Einspruch Euer Gnaden

Erhebliche Einsparung ergibt sich, da ja am freien Arbeitsmarkt unvermittelbar daher

Bedarfsorientierte Mindestsicherung:
12x im Jahr für Alleinstehende bzw. Alleinerziehende 752,94 Euro und für Paare 1.129,41 Euro.

gegenüber jetzt
http://tinyurl.com/3gowd5o

badblackguy.blogspot.com
 
00

böse aber gut, entspricht leider der Realität

Alec
11
Ich würde die Landtage generell abschaffen,

aber um mich an der Diskussion zu beteiligen mal diese Überlegung zum Thema Salzburg.
Salzburg hat, wie z.b. Kärnten, Tirol, schon einen relativ kleinen Landtag. Das ist für kleinere Parteien nicht sehr schön. 33 wäre eine schöne Zahl, gerade Mandatszahlen können bei der Mehrheitsbildung manchmal anstrengend sein.

hanslblasta
10
je moderner eine Gesellschaft, desto höher der "Regelungsbedarf"

als vor Urzeiten jeder den Abfall auf den zuständigen Misthaufen warf, war dies die einzige Regel einer "Müllentsorgung"; als die Städte wuchsen und eine Kanalisation bekamen, wuchs damit auch die Notwendigkeit, dies zu verhandeln, zu finanzieren, zu reglementieren; irgendwer, irgendeine Instutution mußte dies tun - zgl wuchs damit die Leistungsfähigkeit der Politik! diese wiederum wollte dann auch mehr leisten ...
als noch der Medizinmann für Heilungen zuständig war, konnte jede/r Entscheidungen für die "Volksgesundheit" überblicken - heute haben wir ein äusserst komplexes und äusserst leistungsfähiges Gesundheitswesen - mit hohem Regelungsbedarf!

komplexe systemische Zusammenhänge können in Medien leider kaum dargestellt werden ...

Londo Mollari
 
02

ein system das sich auf zwangsvorschriften stützen muss, wird vom leben immer mehr davon überrascht werden, dass x, y oder z noch nicht/nicht ausreichend/zu ungenau geregelt ist. die regel an sich ist die kösung der vergangenheit, der zukunft aufgezwungen. dabei kann nichts sinnvolles herauskommen, das wusste schon Goethe. nur sind 99,999% der anderen menschen außer stande, das einzusehen.

hanslblasta
00
wer spricht von "Zwangsvorschriften"? - das ist Ihre Diktion!

sobald Menschen zusammenleben, besteht in irgendeiner Form immer Bedarf, dieses Zusammenleben zu regeln; größere Sozietäten - bei 12 Personen gibt es immerhin schon eine halbe Milliarde Interaktionsmöglichkeiten! - können solche Regelungen nur mehr vertretungsweise aufgestellen bzw hat niemals jede/r den gleichen Informationsstand;
nun, in komplexen modernen Gesellschaften kommen eine Fülle von Problemstellungen, Bedürfnissen und Interessen zusammen - jetzt stellt sich die Frage, warum Sie bei diesem offensichtlichen Regelungsbedarf gleich an "Zwangsvorschriften" denken
abgesehen davon: ohne Regelungen setzt sich halt der Stärkere durch ...

btw: was macht Ihre Erleuchtetheit gegenüber "99,999% der anderen menschen" aus?

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