Stadterweiterung Moskau

Ein Moloch verdoppelt sich

2. August 2011, 17:56

Erweiterung Moskaus soll 376 Milliarden Euro kosten

Moskau - Um drei Uhr früh im Stau zu stehen ist in Moskau, der größten Stadt Europas, keine Seltenheit. Auch dass man in der Metro von den Menschenmassen in den Wagon hinein- und auch wieder hinausgeschoben wird. Nur in den Sommermonaten, wenn es die meisten Moskowiter an den Strand oder auf die Datscha zieht, erholt sich die Stadt vom täglichen Verkehrskollaps.

Die russische Hauptstadt platzt mit ihren offiziell 11,5 Millionen Einwohnern aus allen Nähten. Zu den angemeldeten Einwohnern kommen noch einige Millionen illegaler Gastarbeiter aus den ehemaligen Sowjetrepubliken. Keine andere europäische Stadt ist so dicht besiedelt wie Moskau: Auf einem Quadratkilometer leben fast 11.000 Menschen. In Wien beträgt die Bevölkerungsdichte nur 4100 Einwohner je Quadratkilometer.

Das Platzproblem ist seit langem bekannt, doch bisher als gegeben hingenommen worden. Der neue Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin ist mit dem Ziel angetreten, das Verkehrschaos in den Griff zu bekommen. Nachdem er bisher kleine Erfolge feiern konnte, indem etwa Autos das wilde Parken im Stadtzentrum verboten wurde, plant Sobjanin nun einen großen Wurf.

Um das Verkehrs- und Infrastrukturproblem Moskaus zu lösen, soll einfach das Stadtgebiet um das 2,4-Fache wachsen. Dazu soll ein 144.000 Hektar großer kuchenstückförmiger Teil der Oblast Moskau eingemeindet werden.

Geplant ist die Schaffung von Wohnraum für zwei Millionen zusätzlicher Moskowiter und einer Million neuer Arbeitsplätze. Insgesamt sollen 60 Millionen Quadratmeter Wohn- und 45 Millionen Quadratmeter Büroflächen entstehen. In den neuen Stadtteil könnten auch, wie von Präsident Dmitri Medwedew am St. Petersburger Wirtschaftsforum gefordert, Ministerien, Behörden und die Regierungs- und Präsidialapparate ziehen.

Finanzierung unsicher

Die Tageszeitung Iswestija schätzt die Kosten für die Entwicklung des neuen Stadtgebietes auf 15 Billionen Rubel (rund 376 Milliarden Euro). Der Südwesten der Moskauer Oblast ist bisher noch wenig entwickelt. Bisher sind nur zwölf Millionen Quadratmeter verbaut. Oft fehlt es an einfachster Infrastruktur. Straßen, Kanäle, Strom- und Wasserleitungen sowie Gasanschlüsse müssen erst gebaut werden. Dazu kommen die Kosten für Sozialleistungen. Den derzeit 250.000 Einwohnern des neuen Stadtteils stehen als Neo-Moskowitern doppelt so hohe Löhne und Pensionen zu.

Die auf die Stadt zukommenden Investitionen betragen laut Leonid Perzow, Experte des Instituts für Stadtökonomie, rund ein Drittel des russischen Bruttoinlandsprodukts. Die Stadt Moskau müsste zehn Jahre lang sämtliche Einkünfte in die Entwicklung des neuen Stadtgebietes stecken. Experten gehen dennoch davon aus, dass die Erweiterung auf Kosten des Budgets und damit der Steuerzahler realisiert wird. Für private Investoren sei das Projekt aufgrund der vergleichsweise geringen Rentabilität nicht attraktiv.

Die Stadtregierung rechnet damit, dass die geplante Stadterweiterung rund zwei Jahrzehnte in Anspruch nehmen dürfte. (ved, DER STANDARD, Printausgabe, 3.8.2011)

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12 Postings
D.S.1
00
20.8.2011, 23:55
Klingt nach

gigantischer Planwirtschaft - und das 20 Jahre nach dem Untergang der kommunistisch-planwirtschaftlichen UdSSR, der hauptsächlich wegen deren ökonomischen Ineffizienz passiert ist!
Ob so was gut gehen kann?

Besser wären wohl vereinfachte Bedingungen für private Investoren: Wenn wirklich Wohnbedarf besteht, lässt sich doch gewinnbringend in gute Bauprojekte investieren, oder vielleicht nicht?

Stahl_____666
00
.

Bei Haselsteiners knallen die Sektkorken gerade so heftig, daß sie in Moskau als Böllerschüsse wahrgenommen werden.

Der Waehlerwille
 
00
Davon dürfen sie ausgehn.

system1
11
no dort werden sich wieder ein paar putin-anhänger

gsund stessen. richten die bei so einem monsterprojekt eigentlich gleich eine zentrale anlaufstelle ein, in der man seine schmiergeldkoffer deponieren kann?

vorratsdatenspeicherung1
 
01
Finanzhilfe

sicher besser und effizienter als die Finanzhilfe an Griechenland

Der Waehlerwille
 
018
Ist nun mal die grösste Stadt europas, und auch die bunteste und irgendwie auch interessanteste.

Durch und durch europäisch und .. europäische Baufirmen werden dort wirklich viel Geld verdienen.

Alpine, Strabag ....

Alexander Patjomkin
00
Sie haben Recht, Moskau ist einfach Spitze..

Nepo Mannheimer
61
...

Istanbul ist die größte...sowohl Fläche als auch Einwohner...ach ja, und schöööön ist Istanbul auch, nur schade, dass nur sehr wenig Leute Englisch sprechen

Der Waehlerwille
 
03
Was die Grösse anbelangt irren sie

Moskau ist nach wie vor grösser als Istanbul.

Bei Istanbul wird nur der Europäische Anteil der Stadt gerechnet (aus verständlichen Gründen). ist aber auch nicht schlimm nur zweitgrösste Stadt europas zu sein oder? Das macht Istanbul nicht weniger interessant.

http://de.wikipedia.org/wiki/List... te_Europas

kauf nix
64
fast ... aber ich finde instanbul doch noch eine spur interessanter

Tuncay
33
386 Milliarden, nur für eine Stadtentwicklung...

Von soviel Geld wird sogar der EU der Mund wassrig.

Standard Leser4
 
00
14.8.2011, 15:59

Sie sollten schon den gesamten Artikel aufmerksam lesen. Es steht nirgendwo d die 386 Mrd EUR auch investiert werden oder d es nur fuer Bauten ausgegeben wird. Wieviel ist der Anteil der sozialkosten ?. Es steht nur d es 10 Jahre Stadtbudget waere. Also es dauert dann so an die 40 Jahre ......da ja d Projekt fuer private Geldgeber nicht attraktiv ist.

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