Das Simón Bolívar Symphony Orchestra in Salzburg
Salzburg - Hoffentlich waren die Akustikexperten der Festspiele anwesend. Wenn nicht, haben sie die Gelegenheit verpasst, das Funktionieren der frisch renovierten Felsenreitschule unter Extrembedingungen zu studieren: Das Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela unter Gustavo Dudamel war da. Gut zweihundert Musiker gaben ihr Letztes an Lautstärke und Begeisterung, gut 1500 Festspielgäste auch.
Dudamel hält seine Hundertschaften so weit beisammen, dass immer wieder auch Luft und Raum sich auftun, etwa für klangvolle technisch hervorragende Bläsersoli. Da hört man dann, dass neben Temperament auch Technik zu Gebote steht. Wie Dudamel die Klangeruptionen aufbaut, bei der Grundlautstärke Forte immer noch Reserven für ein sich entwickelndes Fortissimo findet, hat ebenfalls seinen Reiz.
Die Streicher freilich verbindet im Forte weniger ein gemeinsamer Klang als ein einziges alles überdeckendes Megavibrato.
Das war mitunter Hollywood'sches Gefühlskino statt Raffinesse, bei einem Programm mit Peter Iljitsch Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüren nach Shakespeares Hamlet und Romeo and Juliet. Dazwischen tobte Der Sturm op. 18 Fantasie nach Shakespeare.
Vor den Musikstücken wurde jeweils Shakespeare rezitiert. Simon Callow las einiges aus Hamlet, The Tempest und Romeo and Juliet: mit viel Einsatz und unter Aufbietung gehauchter, gezischter oder gestöhnter Konsonanten. Das Publikum war hingerissen. (Heidemarie Klabacher/DER STANDARD, Printausgabe, 3. 8. 2011)