Chaos in Hochsaison droht

Deutsche Fluglotsen streiken

2. August 2011, 17:38

Tausenden Urlaubern drohen Verspätungen und Flugausfälle. Noch besteht die Möglichkeit einer Schlichtung

Frankfurt/Wien - Mitten in der Urlaubssaison haben sich die deutschen Fluglotsen - erstmals in ihrer Geschichte - für einen Streik entschieden. Die Gewerkschaft der Fluglotsen (GdF) rief ihre Mitglieder auf, heute, Donnerstag, von sechs bis zwölf Uhr für sechs Stunden die Arbeit niederzulegen. Das am Wochenende vorgelegte verbesserte Tarifangebot der Deutschen Flugsicherung (DFS) sei "nicht verhandelbar", so die Begründung der Gewerkschaft am Dienstag. Durch den Streik könnten deutschlandweit bis zu 2500 Flüge entfallen.

Der Streik ist aber noch nicht unausweichlich, da die DFS jederzeit einseitig die Schlichtung anrufen kann, die einen Arbeitskampf zwingend um Wochen hinauszögern würde.

"Auf die Urlaubszeit können wir keine Rücksicht nehmen." Mit dieser zentralen Botschaft dürfte der Verhandlungsführer der Fluglotsen, Dirk Vogelsang, nicht nur die Deutsche Flugsicherung, sondern auch Millionen Urlauber ins Mark treffen. Vogelsang vertritt dabei die Interessen der rund 2000 Fluglotsen, die für die Sicherheit im deutschen Flugverkehr verantwortlich - und mit ihrer Situation unzufrieden - sind.

Weniger Überstunden

6,5 Prozent mehr Lohn, verbesserte Arbeitsbedingungen, weniger Überstunden und neue Strukturen im Unternehmen. So lauten die zentralen Forderungen der GdF. Das Unternehmen bot eine Erhöhung der Tarifgehälter ab 1. August um jeweils 3,2 Prozent plus eine sofortige Einmalzahlung in Höhe von 0,8 Prozent des Bruttojahresgehalts. Ab 1. November 2012 würden die Gehälter um weitere zwei Prozent, mindestens aber in Höhe der Inflationsrate steigen.

Der Luftraum über Deutschland gehört zu den verkehrsreichsten der Welt. Wer für sichere Starts und Landungen verantwortlich zeichne, arbeite in Stressphasen "wie ein Kampfpilot im Einsatz", sagt Vogelsang in Focus Online. Ein solcher Einsatz müsse auch entsprechend vergütet werden. Zudem müsse gewährleistet sein, dass auch in Zukunft die Sicherheit des Luftraums und nicht die Profitabilität des Sicherungsunternehmens im Vordergrund stehe - und das funktioniere nun einmal nur mit mehr Personal und weniger Überstunden.

Die Arbeitgeberseite sieht das naturgemäß anders. Zwar räumt man bei der Deutschen Flugsicherung ein, dass die Arbeit der Fluglotsen ein Höchstmaß an Verantwortung und Belastung bedeute. Andererseits sei der Lehrberuf mit einem durchschnittlichen Jahresbrutto von etwa 100.000 Euro auch ordentlich vergütet.

Zudem genießen die Wächter des Luftraums noch eine Fülle weiterer Privilegien. Die wöchentliche Arbeitszeit liegt zwischen 27 und 36 Stunden. Wie viele Stunden jeder Einzelne im Dienst verbringt, hängt erneut vom Einsatzort ab. Auch hier gilt die Devise: Je belebter der Luftraum, desto weniger Zeit muss gearbeitet werden. Belastungsausgleich heißt das Instrument, durch das die unterschiedlichen Arbeitszeiten, Urlaubsansprüche und Gehaltsdifferenzen berechnet werden.

In regelmäßigen Abständen werden die Lotsen auf Kur geschickt, um Entspannungsmethoden zu erlernen, Sport zu treiben und sich zu regenerieren. Und wenn die Lotsen am Ende ihrer Laufbahn - im Alter von 55 Jahren - in den Ruhestand gehen, zahlt das Unternehmen ihnen bis zum Erreichen des Rentenalters 70 Prozent ihres letzten Bruttogehaltes weiter. Zudem wird die gesetzliche Rente der Lotsen dann noch mit einer Betriebsrente aufgebessert. In Deutschland arbeiten rund 5500 Leute bei der Flugsicherung, davon 2400 Fluglotsen. (cr, DER STANDARD, Printausgabe, 3.8.2011)

Mahnende Stimme
01

Und das rechtfertigt jetzt was genau?
Was erzählen sie den Angehörigen eines Flugzeugunglücks, weil der Lotse übermüdet war?

57er Chevy
21
vollstes Verständnis für das Anliegen der Fluglotsen ...

... da streiken ja - wie im Bericht zu lesen war - die Ärmsten der Armen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.