Pädagogen-Ausbildung Neu

Laut Gewerkschaft Eignungsverfahren bei Fachlehrern "nicht möglich"

2. August 2011, 16:09

BMHS-Gewerkschafter Jürgen Rainer: Jeder siebente Lehrer direkt aus der Wirtschaft

Wien - Auch wenn mit dem Start der neuen Pädagogenausbildung 2013 ein zweisemestriges Eignungsverfahren geplant ist, wird auch weiterhin fast jeder siebente Lehrer ohne eine solche Überprüfung in der Klasse stehen. Denn bei den Fachlehrern, die direkt aus der Wirtschaft angeworben werden, um an den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) zu unterrichten, ist eine solche Hürde "gar nicht möglich", wie BMHS-Gewerkschafter Jürgen Rainer (FCG) gegenüber der APA betont.

Denn die Fachlehrer - sie machen zwei Drittel der BMHS-Lehrer bzw. rund 15 Prozent aller Lehrer aus - würden nicht als Pädagogen, sondern als Fachpraktiker an die Schule geholt. In der Regel werden sie laut Rainer ein Jahr auf Probe angestellt, wo beobachtet wird, ob sie mit Jugendlichen arbeiten und diesen ihr Fachwissen vermitteln können. Scheinen sie geeignet, werden sie fix angestellt und nach einigen Jahren an den Pädagogischen Hochschulen (PH) "pädagogisch nachjustiert".

Pädagogik-Angebote an den Technischen Unis

Auch wenn das aktuelle Modell aus Rainers Sicht funktioniert, würde er sich zukünftig Pädagogik-Angebote an den Technischen Unis wünschen, damit angehende Ingenieure schon dort ihre Neigung zum Lehrerberuf testen können. Denn derzeit, sagt Rainer, sei es in wirtschaftlich guten Zeiten sehr schwer, gute Lehrer zu finden. Erst in der Krise würden viele an die Möglichkeit denken, als Lehrer ihr Fachwissen weiterzugeben.

Die Lehrer für allgemeinbildende Fächer an den BMHS werden in den meisten Fällen an den Universitäten ausgebildet, wo es derzeit keinerlei Selektion bei den Lehrämtern gibt. Für diese Gruppe ist aus Rainers Sicht auch die von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) präferierte Variante eines Eignungsverfahrens sinnvoll, bei der die Interessenten innerhalb der ersten zwei Semester u.a. im Rahmen von Schulpraxis auf ihre sozialen und kommunikativen Fähigkeiten abgeklopft werden.

"Der Ansatz ist völlig richtig. Wenn jemand ungeeigneter Lehrer wird, ist das nicht akzeptabel", so der Gewerkschafter. Die Schüler sollten immerhin nur von den Besten ausgebildet werden und für den Betroffenen sei es verlorene Zeit. "Je früher ich erkenne, dass der Beruf nichts für mich ist, desto besser ist es für das gesamte System."

Gegen Aufnahmetests an PH

Ablehnend steht er hingegen dem System der Aufnahmetests an den PH, wo Lehrer für die Volks-, Haupt-, Sonder- und Polytechnischen Schulen ausgebildet werden, gegenüber. So seien an den PH im vergangenen Jahr trotz Lehrermangel Dutzende Bewerber für das Volksschullehramt, darunter vor allem Frauen, abgewiesen worden, weil sie etwa am Gesangsteil des Aufnahmetests gescheitert seien. Das bedeute aber noch lange nicht, dass diese für den Lehrerberuf nicht geeignet sind. "Ich halte Aufnahmetests im Großen und Ganzen für Schwachsinn, wenn sie Fertigkeiten abfragen", betont er. "Es muss dabei um die emotionale Intelligenz gehen, der Rest kommt ohnehin mit der Ausbildung." (APA)

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pretty_woman
 
00

Ohne pädagogische Ausbildung funktioniert es auch in AHS/BHS nicht. Wir wissen doch selbst noch aus unserer Schulzeit, dass jedes Fach super spannend sein kann, wenn der Lehrer einen tollen Unterricht macht, sprich den Schülern sein Fachwissen verständlich vermitteln kann. Fachwissen ist wichtig aber Fachwissen zu haben heißt noch lange nicht es vermitteln zu können!!!
Bzgl. des PH Aufnahmetests bin ich der Meinung, dass das Fach Musik nicht über Volksschullehrer "sein oder nicht sein" bestimmen kann - bei mir war es so - alle Tests waren sehr gut (auch Deutsch, Situationsperformanz & Sport etc. super) ja nur am singen scheiterte ich ... trotz priv. Gesangsstunden & Gitarrenunterricht ... schade!!!

Günther Schmid
01
Und wo ist das Problem!?

Auf einer höheren Schule braucht ja der Lehrer wirklich nicht mehr die pädagogische Kompetenz. Da soll massig Fachwissen vorhanden sein (und da scheiterts aus meiner Erfahrung derzeit meist).

Diese Schüler werden wenige Jahre später nämlich einen Chef haben, der garantiert NICHT pädagogisch geschult ist.

Wichtig ist die Pädagogik vom Kindergarten bis zur Unterstufe. Danach sollten die Kinder doch wohl einigermaßen gefestigt sein und mit kleinen Problemen fertigwerden.

a_ch
01
Hier liegt das Problem:

In vielen höheren Schulen, speziell im 1. und 2. Jahrgang, sitzen Schüler, die nicht motiviert sind (finden/wollen keinen Job; von Eltern geschickt etc.) und/oder nicht ausreichend begabt sind (Lehrerjobs haben Priorität).

An Abendschulen könnte Ihr Einwand daher zutriffen. Tut er aber nur zum Teil: Denn ein "guter", pädagogisch kompetenter Lehrer kann seine Schüler wesentlich weiter bringen als ein inkompetenter.

Ad Privatwirtschaft: Wer einen inkompetenten Chef hat, kann sich eine andere Firma suchen. Versuchen Sie mal, als Schüler (Vater/Mutter), inkompetente Lehrer loszuwerden.

Wie schon Karl Popper sagte: "... das Wichtigste ist, schlechten Lehrern in der Schule die Möglichkeit zu schaffen, die Schule zu verlassen.“

Irma la Douce
00
Googlen sie mal "Didaktik" ;-)

Günther Schmid
00
Alle reden aber von Pädagogik...

und in der Oberstufe ist davon höchstens noch die Hälfte wichtig. Die Erziehung sollte schon lange passiert sein (zumindest soweit sie von einem Lehrer überhaupt vermittelt werden kann).

D/E
02
Wer Pädagogik und Didaktik nicht auseinanderhalten

kann, sollte eventuell ein Wörterbuch benützen.

Und die These, dass man für ältere Studierende beides eigentlich eh nicht braucht, ist -- gelinde gesagt -- gewagt.

Günther Schmid
00
Nochmal gaaaanz langsam...

Ich habe nie von Didaktik gesprochen - deswegen auch der Hinweis, daß von Pädagogik die Rede ist.

Und der Bereich "Erziehung" fällt meiner Meinung nach in der Oberstufe flach. Deswegen meine Aussage, höchstens die Hälfte der Pädagogik.

Jetzt verstanden oder soll ichs in der Kuschelecke aufzeichnen?

D/E
01
Kommen Sie ein bisserl runter und lesen Sie sich

den ersten Satz Ihres Postings noch einmal durch:

"Auf einer höheren Schule braucht ja der Lehrer wirklich nicht mehr die pädagogische Kompetenz. "

Das ist schlicht und einfach unhaltbar.

Ehrlich gesagt, finde ich in Ihren Ausführungen nichts, was einen derart anmaßenden Ton rechtfertigt.

Günther Schmid
00
Zitat:

"Wer Pädagogik und Didaktik nicht auseinanderhalten
kann, sollte eventuell ein Wörterbuch benützen."

Basierend auf!?

"Das ist schlicht und einfach unhaltbar." Für Sie. OK. Für alle!? Fraglich.

Bin herunten.

D/E
00
Wie jede/s Berufsfeld hat auch das des Lehrers theoretische Grundlagen.

Ich bin ausgebildeter AHS-Lehrer und seit annähernd 20 Jahren in der Erwachsenenbildung tätig. Dass für diese Tätigkeit keine pädagogischen Fähigkeiten und Fertigkeiten nötig seien, ist eine Aussage, für die es keinerlei sachliche Grundlage gibt.

Mit anderen Worten: Sie ist schlicht und einfach falsch. Und das ist keine Einzelmeinung. (Leseempfehlung dazu: Schüßler, I., Didaktik der Erwachsenenbildung und Weiterbildung, Paderborn: 2011)

Ihr Geplänkel mit einem anderen Poster um die Begriffe "Didaktik" und "Pädagogik" hat mich dazu provoziert, auf den grundlegenden Unterschied zwischen den beiden Begriffen hinzuweisen. (Die Anmerkung war übrigens gar nicht auf Sie persönlich gemünzt.)

Günther Schmid
00
Trotzdem Ansichtssache.

Ich kenn es nur von der anderen Seite - als Lernender. Und da muß ich einfach sagen: das meiste Sinnvolle habe ich von Spezialisten gelernt, die nicht einmal in die Nähe der Pädagogik gekommen sind.

Auch schon als Jugendlicher auf der HTL waren einige "Lehrer" kaum fähig, Inhalte zu vermitteln. Sie waren aber die perfekten Begleiter, wenn man wirkliches Fachwissen brauchte - was die ganzen pägagogisch geschulten Lehrer leider nicht annähernd schafften.

Ja, man mußte lernen, mit den Spezialisten richtig umzugehen und wie man möglichst viel Wissen von Ihnen abzapfen konnte. Aber genau das war es, was ich im späteren Berufsleben IMMER brauchte.

Meine persönliche Meinung ohne Anspruch auf Richtigkeit.

D/E
11
Ich gebs auf.

Theano
02

Es braucht Kompetenz und Fachwissen, und zwar auch in den allgemeinbildenden Fächern, vor allem in der Oberstufe. Ich sehe es als fatalen Irrweg, die Lehrenden dieser Fächer zu reinen Pädagog(inn)en umzudefinieren und sie semesterlang die Entwicklung des Kindes von 3-18 studieren zu lassen. In der Oberstufe sitzen junge Erwachsene, keine Fünfjährigen.

EricderRote
01
beides

wäre dringend notwendig. Pädagogisch richt zu handeln, erhöht mämlich die Chance, dass das Wissen auch bleibt (=Bildung) gewaltig. Selbts in der Erwachsenenbildung ist pädagogische know jow enorm wichtig. Vielleicht werden die solcherart behandelten Jugendlichen selbst einmal Chef, um dann die NICHT pädagogischen Kotzbrocken in den Betrieben langsam zu ersetzen...

stall
00
wenn alle experten hier

ihre ernergie auf ein lehramtsstudium konzentrierten oder in ihr eigenes berufliches fortkommen steckten und nicht hier gute oder schlechte ratschläge erteilten, wäre auch schon viel getan.

Andreeeas
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Ich hoffe, Sie studieren auch vorher einmal Politikwissenschaften bevor Sie eine Meinung zur Politik äußern, das jeweilige NaWi-Fach für Kommmentare bei der Wissenschaft, Geschichte für...

linx
01
Mann oh Mann!

was hab ich präpotente BHS-LehrerInnen erlebt! pädagogische nulpen, emotionale krüppel usw.
klar wollen die keine pädagogische ausbildung machen. sind ja herrgötter.

EricderRote
00
genau"herrgötter" -

die aber schnellstens von ihrem thron runterzuholen sind!!!!

lehrer
00
auch kompetenzen überprüfen

was stellt sich der der gewerkschaftler eigentlich vor: selbstverständlich müssen angehende lehrer auch ein gewisses fachwissen nachweisen können: musik, sport. rechtschreibkenntnisse etc gehören eben zur vermittlungspflicht von VS-lehrerInnen!!

super Typ
00

Da sollte man aber vielleicht über die Unterrichtspraxis an Volksschulen nachdenken. Es kann doch nicht sein, dass uns ansonsten gut geeignete PädagogInnen verloren gehen, nur weil die nicht gut singen können!

Es stellt sich die Frage, ob man nicht eigene, evtl. externe, Musiklehrer beschäftigen sollte.

LL MM
01

Auch bisher gab es manchmal Probleme. Da scheiterte es nicht beim Aufnahmeverfahren, dafür aber während der Ausbildung.

Weitere "gefährliche" Bereiche sind: Sport (Wer z. B. nicht schwimmen konnte oder die Limits nicht schaffte, konnte ein Problem kriegen) oder Textiles Werken. Ja, es gab in der Tat männliche Studenten, bei denen es beim Stricken (fast) scheiterte.

Es wäre in der Tat zu überlegen, ob man sich nicht aus den Bereichen Sport, Werken, Bildnerische Erziehung und Musik zwei Schwerpunkte aussuchen muss, die man dafür ordentlich beherrschen muss.

Kein Mensch kann für all die genannten Fächer dieselbe Begeisterung haben bzw. diese vermitteln.

EricderRote
02
Eigenkönnen

wie hoch das Eigenkönnen ist, ist zweitrangig, er/sie muss es vermitteln können, d.h. ein guter Kommunikator sein. Der Dirigent eines Orchesters ist auch nicht der beste Geiger oder der beste Bläser, der Trainer einer Mannschaft auch nicht immer der beste Spieler. Pädagogik ist Kommunikation und da fehlt es vielen LehrerInnen, professionelle Kommunikationsmethoden und überzeugen als menschliche Autorität ist des Rätsels Lösung...

LL MM
01

Kommt drauf an: Ist beim Turnen machbar. Aber in Musik schon schwieriger.

EricderRote
00
Nusik

gerade in Musik ist es leicht machbar, es gibt z.B. viele MusikschulehrerInnen, die ein bescheidenes Eigenkönnen haben, aber großartige PädagogInnen sind, während die "Stars" meist voller Allüren und mieselsüchtige PädagogInnen sind. Das ist auch von den Dirigenten vielafach bekannt..

Sam Deer
 
01

Das hieße aber in Zukunft auf das Klassenlehrer-Prinzip in den Volksschulen zu verzichten, was in größeren Schulen in Ballungszentren villeicht noch möglich sein wird; in kleinen Dorfschulen können sich daraus ziemliche Probleme entwickeln. Es ist einfach so, Volksschullehrer sind die Wunderwuzzies des Schulsystems, die schlichtweg alles einigermaßen drauf haben müssen(sollten)

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