BMHS-Gewerkschafter Jürgen Rainer: Jeder siebente Lehrer direkt aus der Wirtschaft
Wien - Auch wenn mit dem Start der neuen Pädagogenausbildung
2013 ein zweisemestriges Eignungsverfahren geplant ist, wird auch
weiterhin fast jeder siebente Lehrer ohne eine solche Überprüfung in
der Klasse stehen. Denn bei den Fachlehrern, die direkt aus der
Wirtschaft angeworben werden, um an den berufsbildenden mittleren und
höheren Schulen (BMHS) zu unterrichten, ist eine solche Hürde "gar
nicht möglich", wie BMHS-Gewerkschafter Jürgen Rainer (FCG) gegenüber
der APA betont.
Denn die Fachlehrer - sie machen zwei Drittel der BMHS-Lehrer
bzw.
rund 15 Prozent aller Lehrer aus - würden nicht als Pädagogen,
sondern als Fachpraktiker an die Schule geholt. In der Regel werden
sie laut Rainer ein Jahr auf Probe angestellt, wo beobachtet wird, ob
sie mit Jugendlichen arbeiten und diesen ihr Fachwissen vermitteln
können. Scheinen sie geeignet, werden sie fix angestellt und nach
einigen Jahren an den Pädagogischen Hochschulen (PH) "pädagogisch
nachjustiert".
Pädagogik-Angebote an den Technischen Unis
Auch wenn das aktuelle Modell aus Rainers Sicht funktioniert,
würde er sich zukünftig Pädagogik-Angebote an den Technischen Unis
wünschen, damit angehende Ingenieure schon dort ihre Neigung zum
Lehrerberuf testen können. Denn derzeit, sagt Rainer, sei es in
wirtschaftlich guten Zeiten sehr schwer, gute Lehrer zu finden. Erst
in der Krise würden viele an die Möglichkeit denken, als Lehrer ihr
Fachwissen weiterzugeben.
Die Lehrer für allgemeinbildende Fächer an den BMHS werden in
den
meisten Fällen an den Universitäten ausgebildet, wo es derzeit
keinerlei Selektion bei den Lehrämtern gibt. Für diese Gruppe ist aus
Rainers Sicht auch die von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ)
präferierte Variante eines Eignungsverfahrens sinnvoll, bei der die
Interessenten innerhalb der ersten zwei Semester u.a. im Rahmen von
Schulpraxis auf ihre sozialen und kommunikativen Fähigkeiten
abgeklopft werden.
"Der Ansatz ist völlig richtig. Wenn jemand ungeeigneter Lehrer
wird, ist das nicht akzeptabel", so der Gewerkschafter. Die Schüler
sollten immerhin nur von den Besten ausgebildet werden und für den
Betroffenen sei es verlorene Zeit. "Je früher ich erkenne, dass der
Beruf nichts für mich ist, desto besser ist es für das gesamte
System."
Gegen Aufnahmetests an PH
Ablehnend steht er hingegen dem System der Aufnahmetests an den
PH, wo Lehrer für die Volks-, Haupt-, Sonder- und Polytechnischen
Schulen ausgebildet werden, gegenüber. So seien an den PH im
vergangenen Jahr trotz Lehrermangel Dutzende Bewerber für das
Volksschullehramt, darunter vor allem Frauen, abgewiesen worden, weil
sie etwa am Gesangsteil des Aufnahmetests gescheitert seien. Das
bedeute aber noch lange nicht, dass diese für den Lehrerberuf nicht
geeignet sind. "Ich halte Aufnahmetests im Großen und Ganzen für
Schwachsinn, wenn sie Fertigkeiten abfragen", betont er. "Es muss
dabei um die emotionale Intelligenz gehen, der Rest kommt ohnehin mit
der Ausbildung." (APA)