Tierschützerprozess

Kein Amtsmissbrauch: Velten ortet "bedenkliche Signalwirkung"

Maria Sterkl, 2. August 2011, 16:19
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    foto: newald

    Dass die PolizeibeamtInnen in der Tierschützercausa nun pauschal von allen Vorwürfen geheilt sein sollen, sieht Velten kritisch

"Sieht so aus, als wollte man ganz bestimmtes Ergebnis erzielen", meint die Linzer Jus-Professorin

Herbe Kritik an der Entscheidung, die Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs der leitenden KriminalbeamtInnen in der Tierschützercausa einzustellen, äußert Petra Velten, Strafrechtsprofessorin an der Kepler-Uni Linz. Die Entscheidung "erweckt den Eindruck, als wollte man das Handeln der Polizisten mit allen Mitteln und Methoden rechtmäßig erscheinen lassen", sagt Velten zu derStandard.at. Die Argumentation der Korruptionsstaatsanwaltschaft (KStA) sei teilweise derart brüchig, "dass es so aussieht, als wollte man ein ganz bestimmtes Ergebnis erzielen".

Wie berichtet, hatte die KStA die Ermittlungen gegen vier leitende Beamte der "Soko Bekleidung" eingestellt. Amtsmissbrauch sei den PolizistInnen nicht nachzuweisen, da man dafür belegen müsse, dass die BeamtInnen wissentlich gegen geltendes Recht verstoßen hätten, hieß es. Diese Begründung kann Velten nachvollziehen. Was bei der Strafrechtsprofessorin für Groll sorgt, ist die darüber hinaus gehende Erklärung der KStA, das Vorgehen der Polizei sei rechtmäßig gewesen.

"Polizei hätte alles weitergeben müssen"

Konkret geht es um den knapp 100-seitigen Bericht der verdeckten Ermittlerin "Danielle Durand", der von der Polizei zurückgehalten und nicht an die Staatsanwaltschaft weitergegeben wurde. Dass diese zentralen Ermittlungsergebnisse nicht ins Verfahren einflossen, hält die KStA in ihrer Begründung für "vertretbar, weil sich aus ihnen weder eine konkrete Be- noch Entlastung nach Art eines Alibibeweises ergeben hat". Eine Argumentation, die Velten "bestürzend" findet:  Es sei allgemein bekannt, dass "die Polizei alles, was auch nur irgendwie be- oder entlastend sein könnte, an die Staatsanwaltschaft weitergeben muss", erklärt Velten - und nicht nur handfeste Alibibeweise. 

"Keine Kontrolle mehr"

Nur so sei gesichert, dass die Staatsanwaltschaft aus einer Fülle von Informationen auswählen könne, welche Beweise relevant seien und welche nicht. Geschehe dies nicht, dann werde den Angeklagten jegliche Kontrolle über das Verfahren genommen - "eine Kontrolle, die erst dafür sorgt, dass das Verfahren rechtsstaatlich bleibt", sagt Velten.

Die Strafrechts-Professorin, die sich bereits während des Wiener Neustädter Verfahrens kritisch zu Wort gemeldet hatte, bemängelt zudem, dass die KStA den Einsatz der Verdeckten Ermittlerin  als rechtmäßig bezeichnet. Es sei offensichtlich, dass „Danielle Durand" als Ermittlerin tätig war und nicht, wie von der Polizei behauptet, nur Gefahren abwehren sollte. Die KorruStA sei der Argumentation der Polizei "mit einer Ratzfatz-Begründung" gefolgt, zeigt sich Velten verwundert: "Ich hätte mir erwartet, dass in einer rechtspolitisch so wichtigen Angelegenheit gründlicher argumentiert wird. Das ist sehr unglücklich."

Ähnliches gilt für die verweigerte Akteneinsicht, die ebenfalls für rechtmäßig erklärt wurde. Zulässig sei dies aber nur, wenn das Ermittlungsverfahren noch im Gange sei, sagt Velten - doch auch nach dessen Abschluss wurden den Beschuldigten Aktenteile vorenthalten.

"Bedenkliches Signal"

Insgesamt habe die Entscheidung der KStA eine "bedenkliche Signalwirkung", ist Velten überzeugt. "In Zukunft kann die Polizei dann wohl selbst entscheiden, ob sie die Ergebnisse eines Spitzels weitergeben oder nicht."  (Maria Sterkl, derStandard.at, 2.8.2011)

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Posting 1 bis 25 von 308
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so so ....
01
8.12.2011, 15:48

Irgendwie muss man Frau Prof. Velten dazu überreden, länger in diesem Land zu bleiben.

Hoffentlich beginnt es ihr nicht irgendwann so sehr zu grausen, dass sie geht.

nitramsen
02
Ich habe den Eindruck,

jetzt geht es step by step um Rücknahme des Freispruches. Danke, Petra Velten, dass sie die Dinge die relevant sind, beim Namen nennt.

Schnaberl
 
141
Angriff auf Vermögen und Schmieraktionen

Es wird auf das Vermögen von Landwirten ein rechtswidirger Angriff verübt. Es wird auf eine Handelskette ein rechtswidrigerAngriff verübt. Ebenso wird die Allgemeinheit durch Graffittiaktionen schwer geschädigt Niemand schreit nach dem Rechtsstaat

Ist es nicht logisch, dass die Ermittlungsbehörden alles versuchen müssen, die Täter zu finden. Da gehören eben auch ungewöhnliche Methoden dazu.
Herr Balluch handelt auch ungewöhnlich ...

so so ....
01
8.12.2011, 15:50

Ich werde Sie mal als Tierschützer denunzieren. Im darauffolgenden Strafprozess haben Sie dann ein paar Jahre Zeit, sich reinzuwaschen.

Dass gegen Sie nichts vorliegt, muß allerdings nicht extra in die Akten eingehen, wo simma denn...

scubaman
01
23.8.2011, 10:42
Der "Rechtsstaat" ist für alle da

basta così!
13
Eine der kreativeren

Ausreden für polizeilichen Amtsmissbrauch! ((-:

Esmeralda4
70
Mit ihren Prognosen ist sie schon vor dem Freispruch

schief gelegen.

Colleoni
05
Diese Aussage bitte erläutern!

Mir waren keine "Prognosen" von Velten bekannt, nur scharfe und berechtigte Kritik an der Verhandlungsführung.

Hinterwirth
30
11.8.2011, 15:45
Stimmt, sie hat damals schon getönt,

nach der von ihr kritisierten Verfahrensführung sei ein ausgewogenes Urteil unwahrscheinlich. Jetzt probiert sie sich wieder als Prophetin.

Johnny Brainstorm
01
25.8.2011, 17:04

Die Verhandlung war eine reine Farce, von Anfang an und bis zum Schluss, zweimal war ich dort und hab mich persönlich von der einseitigen Verfahrensführung überzeugt - Zu dem Zeitpunkt, als Veltens Kritik kam, war sie berechtigt, also spar dir deine buckelnde Rechtsstaatsschleimerei...

Colleoni
04
11.8.2011, 19:59
Ausgehend von der Verfahrensführung

zu dem Zeitpunkt, als Velten "getönt" hat (und mehrere Monate danach), waren ALLE von dem Urteil überrascht.

Den schlußendlichen Wendepunkt wird hauptsächlich der "linguistische Gutachter" gebracht haben, aber auch offensichtlich private Einsichtnahmen der Richterin in von der Polizei beharrlich unterdrückte Überwachungsvideos. Diese Aufnahmen, die ganz allgemein von der StA als belastend dargestellt worden waren, beinhalteten anscheinend nichts dergleichen.

Was soll es denn jetzt zu "prophezeien" geben? Die auffallend fügsame KStA will nach einem oberflächlichen Blick die Ermittlungen einstellen. Dies wird von vielen Seiten scharf kritisiert, so auch von Frau Velten.

europa.eu
05

Velten war aber bitte eine der wenigen kritischen Stimmen aus Juristenkreisen, die vor diesem Politprozess nicht gekuscht und ihre Meinung gesagt haben.

Bedenklich, dass wir das einer Professorin aus Deutschland lernen müssen.

Hinterwirth
00
11.8.2011, 15:46
Da muss ich Ihnen aber eine sehr selektive

Scheuklappenwahrnehmung vorwerfen. Woher auch immer das kommt.

Colleoni
02
11.8.2011, 16:28
Warum denn das?

Sie war zwar nicht die einzige Vertreterin der Lehre mit kritischen öffentlichen Aussagen aber sie hat schon sehr deutliche Worte gefunden, und sich dabei stark exponiert. Alle Achtung!

europa.eu
00

Da fehlt ein "von" im letzten Satz, natürlich...

Valentina Stein
01
@redaktion

Warum werden seit gestern Nachmittag KEINE Postings mehr freigeschalten???

Esmeralda4
50
Nur Ihre.

Und das ist auch gut so.

E Pie
 
00
Coram iudice et in alto mare in manu dei soli sumus

Man hat das Gefühl wenn man in Österreich vor Gericht steht das folgendes gilt:

Vor Gericht und auf hoher See sind wir allein in Gottes Hand.
(Coram iudice et in alto mare in manu dei soli sumus)

Don Quixote1
03
Korruptionsstaatsanwaltschaft - ein Alibiverein

um den Anschein der Rechtsstaatlichkeit zu bewahren.

Kaiser Borax
00

Korrusta!

Winterparadeiser
16
Es wurden seit 17:56 Uhr

keine Beiträge mehr veröffentlicht. Ist eine leise Verwarnung des BMJ oder des BMI vielleicht eingetroffen?

DaMoasta
00
Lang nicht mehr gehört:

Die nächste österreichische Bundeshymne:
http://youtu.be/AQhB5NZBk2U
Banana Joe => Banana republic

mike meyers
07

Es wird immer deutlicher, dass die KorruStA allein politischen Zwecken dient - man sollte ehrlich sein und sie in Korruptionsförderstelle umbenennen!

Ent-täuscher
010
DANKE STANDARD!

Hier wird nicht fader APA-Journalismus betrieben, nicht gehetzt: derStandard vertieft, reflektiert und fördert die öffentl. Diskussion. Eine beispielhafte journalist. Leistung! Danke Frau Mag. Sterkl!

sainty1
00
wundert das wirklich irgendwen?

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