FPÖ-Reaktion

Strache spricht von "Skandalurteil" und "Politjustiz"

2. August 2011, 13:26

Landeshauptmann Dörfler: "Unerwartetes und krasses Fehlurteil" - Kickl schießt sich auf Richter ein: "Gesinnungsjustiz" komme sonst nur in totalitären Regimen vor

Wien - Die FPÖ hat nach dem nicht rechtskräftigen Urteil gegen den Kärntner Landeshauptmannstellvertreter Uwe Scheuch (FPK) die Gerichtsbarkeit scharf attackiert. Parteichef Heinz-Christian Strache spricht über Facebook von einem "Skandalurteil".

Strache im Wortlaut: "Das heutige Skandal-Urteil gegen Uwe Scheuch ist unfassbar! Nachdem man uns demokratisch bei Wahlen nicht besiegen kann, will man uns (Scheuch, Winter, Kurzmann, Sabatitsch-Wolff, etc) offenbar mittels Politjustiz als Opposition kriminalisieren und wegsperren! Sie bekämpfen uns, weil wir den Mächtigen im Weg sind und für das Volk da sind!"

In einer Aussendung legte Strache später nach: "Dieses Urteil zerstört die Rest-Seriosität der österreichischen Justiz nun endgültig." Besonders die Staatsanwaltschaft entwickelt sich in Straches Augen "in eine für den Rechtsstaat bedenkliche Richtung". Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) drohte er, die FPÖ werde sich "eine derartige Gesinnungsjustiz" nicht gefallen lassen. Strache sagte auch, er stehe weiter voll hinter Scheuch.

Landeshauptmann: "Krasses Fehlurteil"

In einer ersten Reaktion bezeichnet Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) das Urteil gegen Scheuch als ein "unerwartetes und krasses Fehlurteil". Der Kärntner Landeshauptmann geht nicht davon aus, dass das Urteil in dieser Form vor dem Oberlandesgericht in Graz halten werde. Daher ist für ihn auch klar, dass jemand, der nicht rechtskräftig verurteilt ist, von niemandem zum Rücktritt aufzufordern ist. Denn im Rechtsstaat gelten der Instanzenzug und die Rechtskraft einer Entscheidung für alle Bürger gleich.

Kickl: "Politjustiz"

Auch FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl sprach in einer Aussendung am Dienstag von "Politjustiz der übelsten Sorte gegen einen Unbescholtenen und Unschuldigen" und von einem "Skandalurteil". Im Gespräch mit derStandard.at betont Kickl, dass Scheuch "die volle Rückendeckung der Freiheitlichen Partei" habe. Es sei vor den Augen der Öffentlichkeit politisch-motiviert versucht worden, die Freiheitlichen zu kriminalisieren, "weil sie demokratisch durch die Regierung nicht in den Griff zu bekommen seien". Der Richter habe sich als "Handlanger der politisch Mächtigen" erwiesen.

"Dieses Fehlurteil wird als Schandfleck in die Geschichte der Justiz eingehen", ist sich Kickl sicher. Der Richter sei offenbar von Anbeginn an von seiner Verurteilungsabsicht "regelrecht besessen" gewesen und habe das Urteil "wohl schon fix und fertig mitgebracht", glaubt man in der FPÖ, der Schwesterpartei der FPK. Anstatt nach Gerechtigkeit zu suchen habe der Richter "den Willen der Politisch-Etablierten in Österreich im Gerichtssaal eiskalt vollzogen". Kickl beschuldigte zudem etwa die SPÖ, aufgrund der schnellen Reaktion das Urteil bereits vor dem Richterspruch gekannt zu haben.

Auch an der Verhandlungsführung gegen Scheuch hagelte es freiheitliche Kritik. Der Richter habe "den Kern der Rechtsfrage beharrlich negiert und jedes einzelne der vielen Argumente der Entlastung eiskalt abgewiegelt", meinte Kickl. "So etwas kommt sonst nur in totalitären Regimen vor." Der FPÖ-Generalsekretär sieht nun die Seriosität der gesamten österreichischen Justiz "endgültig massiv bedroht", seine Gesinnungsgenossen seien wiederum "Freiwild für politisch motivierte Richter". Den Entschluss Scheuchs, in Berufung zu gehen, unterstützt Kickl erwartungsgemäß - "eine derartige Gesinnungsjustiz muss unseren entschiedensten Widerstand entgegen gesetzt bekommen".

FPK versendet Durchhalteparolen per SMS

Die FPK hat mittlerweile ihre Anhängerschaft per SMS mobilisiert. In Textnachrichten des "Freiheitlichen Teams" an die "lieben Freunde" der Landeshauptmann-Partei ist von einem "vollkommen unverständlichen, rein politisch motivierten Urteil" die Rede. Auch der Satz "Jetzt erst recht" findet sich in der Nachricht.

Weiters bedankt sich die FPK in den Kurzmitteilungen für das Vertrauen der Anhänger. Man werde sich "nicht unterkriegen lassen". Zudem werden die Anhänger aufgefordert, "keine Kommentare und Stellungnahmen nach außen" abzugeben. (APA/red/derStandard.at, 2. August 2011)

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Einzelstimme
02
Gedächtnis der Wähler

Mein Steuergeld denkt nicht, wofür es verwendet wird. Es ärgert sich nicht einmal, dass ein Schmiergeldforderer nach dem Urteil erster Instanz nicht den Hut nimmt. Ich kann die Realpolitik in einem anderen Bundesland eh ned ändern.

Viele Wählerinnen und Wähler sollen sich diese Schmierenkommödie merken. Unser Geld für unsre Leit heißt offenbar. Wir nehmen, solang wir ned außitragen werden.

Nationalratsperiode auf 4 Jahre verkürzen. Gauner - egal welcher Partei - müssen schneller abgewählt werden können.

biobert
01

Lieber Herr Strache, ein Politiker sollte Rückgrat haben, den haben Sie nicht!

Verbrecher schreibt man mit F!
00
Der Strache wird eines Tages noch schauen ob der Scheuch dann zu ihm

steht wenn er vor Gericht steht.
Das könnte ja passieren oder nicht?

Erika Rothen
02
In Wahrheit dürfte (nicht nur) Strach froh sein,

wenn er diesen unsäglichen Scheuch endlich entsorgt bekommt; seine Empörung ist vielleicht nur gespielt und taktischer Natur.

Bei Dörfler ist sowieso klar, dass er den Scheuch (der sicher schon an Dörflers LH-Sessel sägt) schnellstmöglich los wird.

Der Scheuch gehört ja zu den windigen Gestalten, denen man nicht gerne alleine am Abend begegnen möchte, und ich bin mir sicher, dass selbst die moralfreiesten der FP-Rabauken nicht unglücklich sein werden, wenn dieser Halbstarke endlich im Häfen landet.

Einzelstimme
00

Wie wahrscheinlich ist es, dass der frühere (designierte) Wr. Bgmstr-Kandidat so intelligent ist, wie Sie für denkmöglich halten?

Von Ibiza aus: Politjustiz.
Von Villach aus: widerlegbare Beobachtungen
Von Wr. Neustadt aus: nicht nachvollziehbare Hörerlebnisse
Vom Rednerpult: Waffen für alle zur Verbesserung der Sicherheit

juergenp83
00

Das einzige, das man ansatzweise als "unfair" erachten könnte ist, dass Scheuch erst einer von ganz wenigen verurteilt wurde ... da gäbs noch einige mehr aus allen Parteien die solche Geschäfterl ganz normal finden "weils eh jeder macht".
Insofern kann ich schon verstehen, dass die blauen da etwas sauer sind, dass halt wieder einer der ihren so blöd war sich erwischen zu lassen.
Kann man nur hoffen, dass es auch noch anderen passiert.
Lustig ist halt die Argumentation der Parteijustiz. "Da Uwe hat da zwar a bissl was verbrochen, aber verurteilt is er halt nur wegen seiner Parteifarbe worden und das darf nicht sein, also Freispruch für uns alle."

au contraire
00
Bevor's noch komplett untergeht in dem ganzen Wirbel:

http://derstandard.at/131180275... n-Muslimen

schlechter Gutmensch
01
juergenp83
00

Zeigt sehr gut über was man alles Gras wachsen lassen kann, wenn man an der richtigen Stelle sitzt. Eigentlich grad mal 5 Jahre her, vergessen habens trotzdem schon wieder die meisten von uns.

schlechter Gutmensch
01
und die FPÖ hat über Feind Scheuch geflucht und geätzt,....

... heute sind sie wieder die allerbesten Freunde....

Deutliches Zeichen von nicht vorhandenem Rückgrad.

schlechter Gutmensch
01
Nepomuk Eder
00

eine sternstunde des österreichischen kabaretts!

SK26
00

geschwüre heilen sich eben nicht von selbst...

naso
02
wer sich nichts zu schulden kommen läßt braucht die justiz nicht zu fürchten

blackbeauty3
00

wie man so naiv sein kann, guten morgen in der rechtssprechung!!!

naso
00

o.k., ich hätt's vielleicht unter anführungszeichen setze sollen, oder ironie dazuschreiben.
andererseits hab ich geglaubt, mein folgeposting würde als "lösung" ausreichen.

naso
01

sagen's doch immer, oder?

ganzsichernicht
 
03
...mir wird übel, wenn man in österreich von "mutigen" richtern spricht...

...davon sollte man doch ausgehen, nicht?

noracismonearth
01
ist das jetzt keine terroristische vereinigung die gegen den staat arbeitet?

Tscharli Tschepplin
03
Häfn

Unser Häfn für unsere Leut!!!!

ganzsichernicht
 
01
...das ganze soll wieder nur davon ablenken, worum es im kern geht: der scheuch IST ein VERURTEILTER und das wg KORRUPTION. das wurde bewiesen!!!!

und sogar bei scheuch galt die unschuldsvermutung...

ganzsichernicht
 
02
...da kann man also ungestraft die rechtstaatlichkeit infrage stellen...das ganze theater fällt streng genommen unter den straftatbestand der verleumdung, oder??

Magnus13
02
Der Richter hat Mut bewiesen

Ich ziehe meinen Hut vor ihm. Respekt! Das Urteil wird aber in zweiter Instanz höchstwahrscheinlich aufgehoben.

Und der Richter wird wahrscheinlich nicht mehr lange im Dienst sein. Dafür werden die Herren der FPÖ/FPK wahrscheinlich sorgen und das wird dann kein Skandal sein, sondern "part of the game!"

der wanderfalke
 
00
Der Richtersenat in Graz kann das Urteil nicht 'verbösern',

weil die StA nicht dagegen berufen hat. Aber Scheuch ist ein Verurteilter, wenn auch noch nicht rechtskräftig. Das wird das OLG als GH II nachholen. Einen Freispruch wird es für Scheuch nicht geben.

silverbridge
00
Das schau ich mir an.

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