Umfrage mit 22.000 Teilnehmern in 49 Spitälern - 13 Prozent kommen ohne ärztliche Überweisung
Wien - Österreichs Spitalspatienten sind zu einem hohen Prozentsatz zufrieden. Einschränkungen in der subjektiven Einschätzung existieren vor allem, was Wartezeiten, offenbare Doppeluntersuchungen und mangelnde Kooperation zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten betrifft. Das sind die Hauptergebnisse der ersten österreichweiten Patientenbefragung in Spitälern. 49 "Häuser" nahmen teil, aus ihnen rund 22.000 Kranke, hieß es am Dienstag bei der Präsentation der Resultate in Wien. 19.134 der Fragebögen konnten ausgewertet werden.
Jeder zweite wird doppelt untersucht
Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ): "Mir ist es ganz, ganz wichtig, dass wir heute die Gesundheitspolitik aus der Perspektive der Patienten in den Mittelpunkt rücken können. Die Patienten sagen zu 80 Prozent, dass sie mit der Betreuung in den österreichischen Krankenhäusern sehr zufrieden sind, aber es gibt auch große Schwankungen zwischen 63 und 95 Prozent. Es gibt durchaus Verbesserungspotenzial." Ein Beispiel, so der Ressortchef: "Wenn 47 Prozent der Befragten sagen, dass Doppeluntersuchungen vorkamen, bedeutet das, dass es ein ganz wichtiger Schritt im Rahmen der elektronischen Gesundheitsakte (ELGA, Anm.) ist, Verbesserungen zustande zu bringen."
Niederösterreich und die Steiermark nahmen nicht teil
NÖ-Patientenanwalt Gerald Bachinger - Niederösterreich und die Steiermark nahmen an der bundesweiten Umfrage wegen ähnlicher eigener Aktivitäten nicht teil - hob bei den Ergebnissen offenbar mangelnde Kooperation zwischen stationärem und niedergelassenen Bereich hervor: "Bis zu ein Drittel der Patienten hat die Erfahrung gemacht, nicht gut auf den stationären Aufenthalt im Spital vorbereitet worden zu sein." Die Wartezeiten bis zur Spitalsaufnahme hätten bei 40 Prozent weniger als eine Woche betragen, bei 13 Prozent aber länger als zwei Monate. Bei den Kranken mit derart langer Wartefrist zeigte sich aber eine Schwankungsbreite zwischen den 49 Spitälern von ein bis 50 Prozent.
Forderungen des Patientenanwaltes: "Wir müssen darauf schauen, dass alle Krankenhäuser mitmachen. (...) Es sollten auch die Rehab-Einrichtungen dabei sein, es sollte der niedergelassene Bereich eingebunden werden. (...) Meine Forderung ist, dass wir in Zukunft die Ergebnisse wirklich sichtbar machen." Nicht nur die teilnehmenden Spitäler, sondern auch die Patienten sollten wissen, wie das anvisierte Krankenhaus bis auf Stationsebene bei solchen Erhebungen abgeschnitten hat.
13 Prozent kommen ohne ärztliche Überweisung
Koordiniert wurde die Umfrage von "Gesundheit Österreich" (GÖG) unter der Leitung von Martina Lerchner. Auch sie verwies auf Verbesserungsmöglichkeiten, da bis zu ein Viertel der Patienten von keinen Verbesserungen des Gesundheitszustandes im Spital berichtete. 25 Prozent der nach eigener Einschätzung Schwerkranken hätten ein bis drei Stunden im Spital bis zum ersten Kontakt mit einem Arzt warten müssen.
Gesundheitspolitisch brisantes Detail. 13 Prozent der rund 19.000 Befragten waren ohne ärztliche Überweisung im Krankenhaus aufgenommen worden. Das spricht weiterhin für einen deutlichen Anteil an "ungesteuerten" Patienten, welche im Gesundheitswesen gleich an der teuersten Spitze ihre Eintrittspforte finden. Stöger wies allerdings in diesem Zusammenhang auf die positive Kehrseite der Medaille hin: Der Zugang zu Gesundheitsleistungen ist sehr niederschwellig. Weitere 17 Prozent - so die Details - kamen als Notfälle ins Spital. (APA)