Freiwilligen-Heer: Läuft es in Deutschland tatsächlich so gut, wie Darabos meint?

3. August 2011, 11:55

Verteidigungsminister Darabos ist zuversichtlich, dass der für Anfang September geplante Besuch bei seinem deutschen Kollegen Thomas de Maizière Argumente für ein Freiwilligenheer liefern wird. Darabos hatte vor Monaten eine Reform des österreichischen Bundesheeres und eine Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht gefordert (derStandard.at berichtete).

In Deutschland wurde ebendiese am 1.7.2011 offiziell "ausgesetzt", ab sofort muss niemand mehr den Wehrdienst "gegen seinen Willen" antreten. Begleitet wurde die Abschaffung von sicherheitspolitischen Bedenken - die Befürchtung stand im Raum, nicht genug Freiwillige würden rekrutiert werden.

Österreichisches Verteidigungsministerium: "Rekrutierung in Deutschland läuft gut"

Verteidigungsminister Darabos hat sich laut Aussendung "diese Woche über die Rekrutierung in Deutschland informiert". Er nennt dabei die Zahl von "13.000 Freiwilligen, die angeworben werden konnten". Weiters beklagt sich Darabos, dass die Lage in hiesigen Medien negativer dargestellt werde, als sie tatsächlich sei.

Tatsächlich musste die deutsche Regierung ihre Erwartungen bezüglich der Rekrutierung für eine Freiwilligenarmee mehrfach nach unten adjustieren: So hatte der ehemalige deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg, unter dem die Reform beschlossen wurde, ursprünglich noch von 15.000 Freiwilligen pro Jahr geträumt. Sein Nachfolger de Maiziere hatte diese Zahl rasch auf ein Drittel gesenkt.

Tatsächlich nur 3400 neue Freiwillige

Am 1.7. traten nun 3419 neue Freiwillige in den Dienst ein, wie "Die Zeit" berichtet. Die von Darabos genannte Zahl von 13.000 Freiwilligen besteht neben diesen 3.400 neuen Rekruten aus ehemaligen Wehrpflichtigen, die noch durch das alte System rekrutiert wurden. Sie haben ihre Wehrpflicht verlängert oder fallen schlicht noch in die alte Regelung.

Der Anwerbungserfolg der deutschen Streitkräfte ist also um einiges geringer als erhofft. So schreibt auch der Spiegel, dass das Interesse junger Leute am freiwilligen Wehrdienst "denkbar gering sei". Außerdem wurde nun bekannt, dass mehr als 10 Prozent der 3.419 neu angeworbenen Freiwilligen ihren Dienst bereits wieder quittiert haben. 440 von ihnen sind bereits wieder ausgeschieden. (Fabian Schmid, derStandard.at, 2.8.2011)

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unterschiedliche modelle

die 3.419 beziehen sich auch auf die freiwilligen wehrdienstleistenden - nicht die berufs- und zeitsoldaten der bundeswehr. ein "freiwilliger grundwehrdienst" ist im darabos-modell ja gar nicht vorgesehen. in österreich bräuchten wir "nur" berufs- und zeitsoldaten, die ein ordentliches gehalt plus prämien bekommen. da muss man schon gleiches mit gleichem vergleichen, wenn man etwas auf den prüfstand stellt. laut deutschen medienmeldungen sind seit märz bereits rund 4000 freiwillige grundwehrdiener rekrutiert worden. dazu kommen 5700 wehrpflichtige, die länger bei der bundeswehr bleiben. und nach angaben de maizières läuft auch die anwerbung von berufs- und zeitsoldaten gut. zum 1. juli hätten sich 3761 Zeitsoldaten für 24 Monate oder läng

der darabosch träumt von warme eislutschern! und ist total unfähig!

Lieber Redaktion, hier sind die Fakten:

Von der Wehrpflichtarmee zur Freiwilligenarmee

Berlin, 01.07.2011, Presse- und Informationsstab BMVg.
Am 1. Juli 2011 tritt das Wehrrechtsänderungsgesetz 2011 in Kraft. Nach über 50 Jahren Wehrpflicht wird fortan auf die Einberufung von Wehrpflichtigen verzichtet. Statt dessen können junge Frauen und Männer einen bis zu 23-monatigen Freiwilligen Wehrdienst leisten.

Am Montag, dem 4. Juli 2011 werden 3.419 Freiwillige (3.375 Männer und erstmals 44 Frauen) ihren Dienst in den Streitkräften aufnehmen.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnten seit Jahresbeginn 13.916 Freiwillig Wehrdienstleistende gewonnen werden. Ca. 5.700 davon haben sich als ehemalige Grundwehrdienstleistende im Rahmen der Binnenwerbung weiterverpflichtet. Die übrigen wurden b

Ein Berufsheer funtioniert nur, wenn es grossen Teilen der Bevoelkerung schlecht geht,

wie zB in den USA, GB, F, I, ..und die Leute keine Wahl haben oder sich keine Berufsausbildung bzw Studium leisten können !
Wollen wir ein solches System wirklich bei uns haben ?

Probezeit eben...

10% Ausschuss im ersten Monat ist doch eh total harmlos. Oder wie hoch ist das Drop Out während des Probemonats in der restl. Privatwirtschaft?

Ja, mit Zahlen hat es der Darabos.

Warum der noch immer irgenein politisches Amt hat ist mir nicht verständlich!

interessante berichte jeden morgen in ARD/ZDF

von den 3.400 statt 13.000 freiwilligen, haben bereits 20% die truppe verlassen ("hat halt nicht gepasst" oder "es gibt was besseres"). experten gehen am ende der anfangsphase von 30-40% aus, wenn nicht mehr.

wie will darabos da seine phantasiezahl erreichen.

Bei den Freiwilligen welche die Zivildiener in D ersetzen sollen sieht's angeblich noch trauriger aus.

Allerdings! (Zivi-Ersatz = "Bufdi")

http://www.peterhahne.zdf.de/ZDFde/inh... 54,00.html

Programmierter "Bufdi"-Flop
Bilanz der Hilfsdienste ist erschütternd. Zum 1. Juli suchte zum Beispiel der Arbeiter-Samariter-Bund 1700 Freiwillige, doch es meldeten sich ganze 50 Bufdis. Dem Malteser Hilfsdienst erging es nicht besser: Von den benötigten 900 Plätzen konnten nur 98 besetzt werden, bei den Johannitern haben sich nur 170 gemeldet. Noch schlimmer ist das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei der Caritas. Von 3300 Plätzen konnten nur 300 vergeben werden.

das heer so wie es jetzt ist muss eindeutig einen totalumbau erfahren! die anzahl an schwerem gerät wie panzer oder haubitzen müssen drastisch reduziert werden, nur mehr auf kleine, gut ausgebildete (und ausgerüstete!!!), schlagkräftige und schnell verfügabare truppe setzen!
den rest in den katastrophenschutz integrieren!

das beamtendienstrecht muss neu definiert werden!
weg mit den ganzen sesselpupsern und tachinierern die nur zeit absitzen!!!

pauschalierungen

Sind unsachlich und unglaubwürdig

Das sehe ich anders

Mit kleinen Spezialeinheiten kann man kein Land verteidigen und im Ausland haben österreichische Soldaten aufgrund unserer Neutralität nichts verloren.

Also entweder wir betreiben ein Heer zur Landesverteidigung oder, wenn wir meinen wir würden keine Landesverteidigung mehr benötigen, wir lassen es ganz bleiben.

Entschuldigens schon, aber

eine Truppe ohne Panzer, ohne Haubitzen und ohne Luftunterstützung ist alles Mögliche aber sicher nicht "schlagkräftig". Ohne Panzer etc. können sie auch nicht gut ausbilden! (Wie soll man denn die Zusammenarbeit mit verschiedenen Verbänden üben? Nato-Beitritt?)

Zu ihrem letzten Satz: Ihnen ist entgangen, dass das schon längst passiert? Siehe KPE. Und eines sollte auch klar sein: Die alten Beamten wird man nicht einfach so los! Das wird sich noch einige Jahre ziehen, bis die dann halt durch erreichen des Pensionsalters ausscheiden!

warum nicht gleich ganz abschaffen, sollte ein bedarfsfall eintreten kann man immer noch rasch eine söldnertruppe anheuern und wenn die anderen es auch so machen dann handeln die söldnerheere den krieg unter sich aus, dieser findet dann nicht mehr an einem wochenende oder bei schlechtwetter statt, auch hohe feiertage fallen aus die löhnung erfolgt kollektivvertraglich die bedingungen für die dem anschein nach kämpfende truppe sind auch ansonsten klar festgelegt, ich wette dass sie da aus dem ausland ( afrika? )jede menge leute bekommen

ettinger muss wieder zurück auf seinem posten lieber norbert!

Entacher?

Hötzendorf und der Ruhegenuss

Seit Königgrätz ist das halt mit dem Beruf des Soldaten in AUT nicht so eine Erfolgsgeschichte. Darüber hinaus war auch die 2. Republik nie so wirklich an einem funktionierenden Heerwesen interessiert. Die Paar, die sich doch dafür entschieden, sind halt nicht zum öBH gegangen, sondern beim öBH geblieben. Das ist motivatorisch ein riesiger Unterschied. Ohne Imageverbesserung, sozialer Rahmenbedingungen und Einbettung in ein strukturiertes Gesamtgefüge (nach x-Jahren Heer Übernahme im öffentl. Dienst, o.ä..) wird das nix. Dies jedoch als Argumente für die Beibehaltung der Wehrpflicht zu verwenden, wäre idiotisch.

einfache Lösung

Das AMS soll einfach schwer vermittelbaren nach einem Jahr das Heer als Job vorschlagen.

1. die nehmen eh alles was noch kriechen kann
2. der darabos kommt auf seine zahlen

Interessanter Ansatz

wir schaffen also die Wehrpflicht ab in dem wir Langzeitarbeitslose zum Wehrdienst verpflichten.

Mal ganz abgesehen davon, dass wir damit die Unterschicht unter Waffen stellen.

Das AMS vermittelt schon seit Jahren an das Heer - ist halt nicht ganz so einfach denk ich mir. Wenn nämlich jemand jung & fit genug für das Heer ist, findet er auch in der Privatwirtschaft ohne Probleme einen Job.
Und mit ausrangierten 50-jährigen fängt das Heer nix an.

wird eh so kommen. daß man allerdings leuten, die eigentlich einen sachwalter brauchen, geladene schußwaffen aushändigt, beunruhigt mich etwas.

Darabos ist zuversichtlich....

... das er die "Fakten" schon so hinbiegen wird, dass es gut klingt und nichts mehr mit der Realität zu tun hat.

die schlechte wirtschaftslage treibt in den USA bereits wieder mehr junge leute in das militär, das könnte bald auch in europa passieren. dass das bisher nicht so ist, beweist, dass die jungen leute hier an sich kein interesse am soldatenspielen haben. man hat mindestens 3-4 generationen gegen ihren willen in den wehrdienst gezwungen und wundert sich, dass kein vertrauen in die demokratie (die sie ja verteidigen sollten), vorhanden ist.

abschaffung der wehrpflicht ist ein muss, wenn demokratie wieder glaubwürdig werden soll.

ebenso wichtig ist die einfürung des

BEDINGUNGSLOSEN GRUNDEINKOMMENS,

damit die armen sich nicht doch wieder zum wehrdienst gezwungen sehen. die FI (finanzindustrie) setzt offenkundig auf raubkrieg...

klar, das BGE *andenkopfgreif* ... aber irgendwie nett von dir, leute die das BGE vorschlagen disqualifizieren sich so bequem selbst.

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