Kuba zieht die Notbremse

2. August 2011, 18:10
  • Ernesto "Che" Guevara an einer Hauswand in Havannas Altstadt: Bald nur 
noch ein Mythos der Vergangenheit?
    foto: dapd / javier galeano

    Ernesto "Che" Guevara an einer Hauswand in Havannas Altstadt: Bald nur noch ein Mythos der Vergangenheit?

Ein halbes Jahrhundert nach der Einführung des Sozialismus ringt sich Kubas Führung dazu durch, mit Privatisierungen die Wirtschaft des Karibikstaates vor dem endgültigen Ruin zu bewahren

Havanna - Am Ende soll Kuba, geht es nach der Regierung, ein strahlender, sozialistischer Staat sein. Seine Menschen sollen Privateigentum erwerben können, aber den Gefahren widerstehen, mit denen der "Kapitalismus und sein Hunger nach Luxus Ungleichheiten in der Welt auslöst" - so heißt es jedenfalls in den "Leitlinien der Wirtschafts- und Sozialpolitik der Partei und der Revolution", die im vergangenen April durch den VI. Kongress der Kommunistischen Partei beschlossen und am Montagabend im kubanischen Parlament angenommen wurden.

Kuba beschreitet damit endgültig den Weg der Reformen, um die siechende Wirtschaft vor dem Ruin zu retten. Das Reformprojekt, allgemein "Aktualisierung" genannt, zielt darauf ab, vor allem die Wirtschaft im kleinunternehmerischen Bereich zu privatisieren. Schon seit vergangenem Oktober dürfen die Kubaner fast 200 Dienstleistungen und Berufe selbstständig ausüben und sogar andere Menschen beschäftigen.

Im Straßenbild der Hauptstadt Havanna ist der Wandel seit Anfang dieses Jahres auch nicht mehr zu übersehen: Geschäfte, Friseursalons und Privatrestaurants öffnen, Bauern verkaufen ihre Produkte auf kleinen Märkten oder einfach an Straßenecken, wo auch Haushaltswaren, DVDs und CDs angeboten werden.

Zeitenwende per Gesetz

Auch der Staatssektor mit den großen Betrieben soll reformiert werden. Bis 2015 sollen 1,8 der fast fünf Millionen Angestellten entlassen werden und in der Privatwirtschaft unterkommen. Die Unternehmen sollen im Gegenzug mehr Autonomie vom Staat erlangen und in ihrer Gebahrung künftig "Markttendenzen" berücksichtigen dürfen. Sie sollen freilich sozialistisch bleiben, gleichzeitig aber sogar für ausländische Investoren interessant werden.

Diese Unternehmer von außerhalb werden zunächst vor allem im Tourismus erwartet. Nicht zuletzt in diesem Zusammenhang soll es auch Reiseerleichterungen für die Kubaner geben.

Kuba, das vor einem halben Jahrhundert den Sozialismus einführte, steht in der Tat vor einer Zeitenwende, berücksichtigt man die Neuerung, dass auch der Privatbesitz von Immobilien ermöglicht werden soll. Bisher mussten die Kubaner ihre Wohnungen und Häuser untereinander tauschen, in Zukunft sollen Marktgesetze gelten.

Der Umbruch war von langer Hand geplant: Schon im vergangenen Dezember erklärte Präsident Raúl Castro vor der Nationalversammlung: "Entweder wir berichtigen das, oder wir vernichten die Bemühungen ganzer Generationen." Selbstkritisch war der Staatschef auch am Montag: "Nicht der US-Imperialismus, sondern unsere eigenen Fehler sind unsere größten Feinde."

Für die Opposition ist die Absegnung des neuen Wirtschaftskurses nicht genug: "Wir brauchen keine 'Aktualisierung', sondern einen Systemwechsel", sagte der Sacharow-Preisträger Guillermo Farinas im vergangenen April anlässlich des kommunistischen Parteitages. Und Dissident Oswaldo Paya: "Die Kommunistische Partei kann nur etwas Gutes tun, wenn sie dem Volk zurückgibt, was dem Volk gehört: alle Rechte und die Souveränität". (dpa, gian, DER STANDARD, Printausgabe, 3.8.2011)

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Das wohlversorgte Paradies

Dankenswerter Weise gibt die FAO ja einen kleinen Überblick über die Lebensmittelproduktion in diesem Wirtschaftswunderland: http://faostat.fao.org/site/339/... fault.aspx

Danach stehen jedem Kubaner
1 Liter Milch
100 Gramm Fleisch
1,2 kg Tomaten
400 Gramm Kartoffeln
50 Gramm Hühnerfleisch und
1 kg Reis
in der Woche zu. Aber nur wenn man auch alles verwertet. Paradiesische Zustände.

Notbremse!

Lasst uns weiterhin an die inhaltsleeren Worthüllen klammern: links, rechts, Demokratie, Diktatur, Neoliberalismus, Sozialismus, Kommunismus, Kapitalismus, Marxismus... Für viele ist es einfach zu schwer Dinge zu begreifen, ohne sie in diese Hüllen zu stecken und dann mit anderen durch den Gebrauch anderer Hüllen zu diskutieren. Wem geht es um was? Geht es um Systeme, um Politik, um Ideem, Ideologien, um die Freiheit der Menschen, um den Mensch an sich, um das Individuum, um die Gruppe, um das Individuum in der Gruppe, um die Gruppe von Individualisten,... ? Viele Hüllen, führen sie auch zu Gefühlen, zu Handlungen?

Her mit der öko-sozialen Marktwirtschaft!

Im Grunde geht kein Weg daran vorbei: weder neoliberaler Ultrakapitalismus noch Kommunismus sind der Weg, sondern Sozialdemokratie mit Umweltbewusstsein bzw. öko-soziale Marktwirtschaft. Das heißt, ein sozial verträglicher Weg der Mitte, und Wohlstand für eine möglichst breite Schicht (statt viel Armut und wenige Superreiche).

Alles andere ist langfristig extrem unvernünftig.

Geld verdienen zu können ist ein Talent, das erlaubt und gefördert gehört wie jedes andere menschliche Talent, aber es darf auch nicht bevorzugt werden vor allen anderen Talenten und Möglichkeiten (wie es der Ultrakapitalismus tut).

find´ ich gut, Ihren Vorschlag,..

deshalb fühl ich mich übrigens in Deutschland so wohl.

danke.

lg

Sternchen gegen den Kapitalismus müssen wir uns aber anders wehren als einfach nur nichts tun. Im Kommunismus kommt man damit durch... Im Kapitalismus verhungert man und wird ausgegrenzt. Schon Marx sagte die Arbeiter müssen sich organisieren damit man sich den Fesseln entledigen kann. Kurzum jeder Millionär ist Systemfeind, sofern er nicht bereit ist auf Renditen auf sein Kapital zu verzichten, die nichts mit seiner wirklichen Arbeitsleistung zu tun haben und davon gibt es leider nur wenige...

wann beantworten Sie mir endlich meine Frage? ...

"Vor dem endgültigen Ruin zu retten"

also nicht so, wie GR, Portugal, GB und USA, die ja alle pleite sind?

Man beachte die Wortwahl:" vor dem endgültigen Ruin zu retten" - verglichen mit den Nachbarländern der Karibik, die gelehrige Schüler des Neoliberalismus sind, ist Kuba ein Wohlfahrtsstaat.

Sandra Weiss reloaded? Sind ihr ihre eigenen Artikel mittlerweile so peinlich, dass sie unter Pseudonym schreibt?

Wieviele dieser "gelehrigen Schüler des Neoliberalismus" haben eigentlich eine eigene Börse?

Und ja, verglichen mit andern Dritte-Welt-Ländern steht Kuba tatsächlich nicht so schlecht da.

Aber schon beim Vergleich mit Griechenland würd ich persönlich lieber in Griechenland leben als in Kuba.

Kuba ist ein Wohlfahrtsstaat aber ohne Geld, alles ist abbruchreif und man kann sich beruflich nicht verwirklichen.

Man sollte einen demokratischen Weg der Mitte beschreiten statt fanatisch links oder rechts.

die Mitte ist das Österreich???
Kubas Weg ist dezentralisation, Genossenschaften, Kleinunternehmen und alles essentielle Staatlich oder im staatlichen Einflussbereich. Das ist gleichzeitig auch der einzige Weg frei zu sein. Demokratischer Staat plus Selbsterfüllung mit echter Arbeit bei Chancengleichheit.

USA wer arm immer arm, keine Demokratie, Sklavenarbeit, Freiheit - Märchen, da das Kapital den Weg vorgibt nicht die Bedürfnisse der Bevölkerung. Allerdings ist das Land viel reicher als Kuba.

Ö- will ich garnicht erwähnen, unnötiger rückständiger Beamtenstaat, der viel zu hohe Steuern den Arbeitern abverlangt.

Das ist kein Weg, wenn sie mal beim bärtigen Marx nachschlagen

Kleinunternehmen und Dezentralisierung beschreibt eine PRIMITIVE Wirtschaftsform, die zurück in die ursprünglich vorhandene Subsistenzwirtschaft führt.

Wenn Marx etwas am Kapitalismus schätzte, dann dass durch Rationalisierung, überregionale Arbeitsteilungv und kapitalkräftige größere Wirtschafteinheiten.
Allgemein Güter effizient standartisiert produziert und verteilt werden können.

Im Übrigen, wenn man von der marxistischen Religi..ähm Lehre mal absieht gibts ein praktischeres Problem.
Dezentralisierte Machtstrukturen bedeuten automatisch Korruption.

Lokale Funktionäre und Betriebsleiter werden Netzwerke und Pfründe aufbauen.
Sollten die Castros endlich abkratzen und keine eiserne Faust als Nachfolger hinterlassen wirds spannend ;)

und trotzdem sind´s am Ende...

immer die Kommunisten, die von der eigenen Bevölkerung davongejagt werden (was ja bei einer Diktatur gar nicht so einfach ist).

wie unddankbar ist das Volk eigentlich??!

lg

USA: "wer arm, immer arm": Völliger Sch**** es gibt genug Leute die mit nichts in die USA eingawandert sind und denen es ziemlich gut geht.

"Sklavenarbeit": USD 15 pro Monat beziehen und KEINE Möglichkeit haben für einen anderen Arbeitgeber zu Arbeiten ? DAS ist Sklavenarbeit, aber, hoppla, das sind ja kubanische Zustände.

Zur "Menschlichkeit" das kubanischen Regimes: Die zwingen gerade 15% der arbeitsfähigen Bevölkerung in die Selbständigkeit, unter Bedingungen die feindlicher nicht sein können. Du hast nicht die geringste Idee was das heißt. Z.B. Wegfall des Kantinenessens. DAS ist das wahre Gesicht Deiner Ideologie. Zum Kotzen.

ah Blödsinn die meisten Kubaner sind erzielen ihr Haupteinkommen in der Privatwirtschaft schon lange und jetzt werden die Bedingungen endlich angepasst. Kein Diebstahl mehr nötig sondern Großhandelspreise. Ich weiss alles keine sorge, gehöre zu den grob geschätzten 5 Österreichern die auch in kubanischen nicht Touri Unternehmen gearbeitet haben. Echt feine Kantine war das damals, 3x Fleisch, 1x Ei und 1x Faschiert. Aber warst du nicht der gleiche der dies noch abstritt und behauptete alles wäre schlecht... jetzt bekommens übrigens Essensgeld, das leider nicht ausreicht.

Kubaner arbeiten in der Privatwirtschaft. Schöner Euphemismus für Sachen vom Staat beschaffen und weiterverscherbeln.Das Kantinenessen das Du beschreibst klingt ja super, nur..... für die Selbständigen mit Essensgeldversorgung fällt diese Versorgungsmöglichkeit weg und bei dem Mangel der in Kuba herrscht werden die sehr bald merken daß man Geld nicht essen kann.

Von diesen neuen Selbständigen werden ca. 50% (wenn nicht mehr) über kurz oder lang pleite gehen - und dann hast ein Riesenproblem. Aber bei Deiner menschenverachtenden Ideologie ist das ja wurscht.

Das Kantinenessen war sowieso nie flächendeckend und mancherorts selten schlecht. Kenne genug die versorgten sich lieber selbst. Warum es gab genug Chefs die das Essen eben stahlen und weitervercheckten... und passiert überall, deswegen kommen jetzt all die Reformen. Wieso soll sich der Staat ständig beschimpfen lassen, für das was die Leute verbrechen. Wenn in Ö eine Firma eine schlechte Kantine hat, wird auch nicht auf den Staat geschimpft. Du weisst genau das du die Menschen am meisten verachtest, den es gibt viel mehr Elend im Kapitalismus als in Kuba.Erst gestern im ORF2 gesehen, Wiener Zinshaus, paar m2-6 Leute,Tageslohn 20 €.Kenne wenig Kubaner die so schlecht leben wie in der "lebenswertesten Staat" der Welt,aber das blendest halt

Die Probe leicht gemacht

Man halte dem Kubaner bildlich gesprochen 2 Optionen auf Päße hin.

a) Europäisch-österreichisch, also etwa ihren.
b) Kubanischen
Wollen mal sehen welcher Paß und damit welches Leben besser ist ;)

Wo man besser lebt, da weniger Elend, daher ein Drang dorthin zu kommen.
Wo Elend der Drang auszuwandern.

Eine Logik die selbst der dümmste Mann der Welt kapieren sollte.
Was wieder zurück zur nicht enden wollenden Forderung führt:

Kubanische Staatsbürgerschaft sammt Reisefreiheit (Paß) und allgemeinen Lebensstandard annehmen.

PS: Die österreichische Staatsbürgerschaft ist ges. nicht lebenslang verpflichtend und kann jederzeit abgegeben werden.
Die Republik Kuba kennt weder ethnische noch rassist. Kriterien bei einem Einbürgerungsverfahren;)

Hätte castro die revolution nicht missbraucht und eine ordentliche Demokratie verwirklicht wäre Kuba in der Entwicklung an der Spitze Lateinamerikas. Bei manchen sozioökonomischen Parametern haz sich sogar Haiti seit 1959 besser als Kuba entwickelt, trotz UdSSR Hilfe in Höhe MEHRERER Marshallpläne.

Erstens ist in Kuba JEDE grössere Firma im Staatsbesitz und damit ist die regierung verantwortlich und zweitens in Kuba gibts genug Pensionisten die arbeiten MÜSSEN weil sie trotz allem nicht genug Geld haben um zu überleben. Laut der Weltbankdefinition ist die gesamte kubanische Bevölkerung unter der Armutsgrenze wenn wieder einmal die Libreta nach 2 Wochen zu Ende ist.

Lustig die User hier wie zB der Neue Mensch, die Armut anscheinend nur kritikabel finden, wenn sie was mit dem sog. realen Sozialismus zu tun haben.

Das sehen Sie vollkommen falsch!

Ich finde Armut überall auf der Welt scheiße, ob in der kapitalistischen oder sozialistischen Welt.

Ich mache nur einige Traumtänzer und Revolutionsromantiker, die Kuba nur aus der verklärten Che-Reklame kennen, darauf aufmerksam, dass Kuba eben NICHT das Sozialparadies ist, als das es von den Berufspropagandisten hingestellt wird, sondern diejenigen, die ausschließlich vom Staat leben müssen, für europäische Verhältnisse bitterarm sind und Kuba nebenbei noch alles andere als ein demokratischer Staat, sondern eine Diktatur ist.

, für europäische Verhältnisse bitterarm sind und Kuba nebenbei noch alles andere als ein demokratischer Staat, sondern eine Diktatur ist

Und? Auf wie viele Staaten trifft das nochmal zu? Ich sehe Sie aber immer nur in solchen Threads wie diesem hier rumkriechen und *Sozialismus* kreischen. Sie sind ein Heuchler, nicht mehr, nicht weniger.

Das trifft auf viele weitere Staaten zu. Ich kenne aber niemanden, der das "tolle System" beispielsweise in Guatemala oder Honduras lobt. Sowas gibt es nur, wenn linke Despoten an der Macht sind, die eine antiamerikanische Rhetorik pflegen, also Kuba, Venezuela, Nicaragua, etc.. Dann ist Armut auf einmal gar nicht mehr so schlimm. Und die Menschen ja gesellschaftlich ganz toll partizipiert, das Gesundheitssystem das beste der Welt und alle Menschen höchstgebildet, was aber meist einem Realitätscheck nicht standhält.

Armut gibt es auf der ganzen Welt, und hat nicht wenig mit der ungleichen Verteilung des Reichtums zu tun. Elend ist aber etwas anderes. Wir kennen die Bilder von Kindern die auf Müllhalden nach Nutzbarem suchen, auch die von Elendsvierteln, und von Obdachlosen. All dieses gibt es auf Kuba nicht. In so fern hat Kuba etwas geleistet, auf das es stolz sein kann. Menschen in der dritten Welt werden das mehr schätzen als wir. Für diese zumindest dürfte Kuba ein Leuchtturm sein.

also mich erinnert halb havanna an ein elendsviertel.

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